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Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.
Nr. 1.
daß er für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit durch einen in seiner Person liegenden Grund ohne sein Verschulden an der Dienst⸗ leistung verhindert wird.“ Nachdem verschiedene Gewerbegerichte dahin geurteilt haben— was unserer Meinung nach auch nur richtig ist—, daß auch bei militärischen Uebungen der Arbeiter Anspruch auf die Vergütung hat, hat jetzt das Solinger Gewerbegericht einstimmig(2) entschieden, daß 14 Tage eine erhebliche Zeit, für die eine Entschädigung nicht zu beanspruchen sei. Auch aus Billigkeitsgründen(2) könne Entschädigung nicht zugesprochen werden, da die Konsequenzen eines derartigen Urteils nicht zu übersehen seien.
Wenn die Unternehmerbeisitzer und der Gewerberichter zu einer solchen Urteilsbegründung gelangen, so kann man das ja schließlich noch verstehen, wenn auch nicht billigen, wenn aber Arbeiterbeisitzer einer derartigen Auslegung des Paragraphen noch beipflichteu, dann weiß man nicht, was man dazu sagen soll. In Betracht kann doch höchstens bei der Beurteilung gezogen werden, wie lange der Arbeiter bei der Firmabeschäftigt war und dauach zu bestimmen versucht werden, ob eine ver— hältnismäßig nicht erheblich lange Zeit vorliegt. Die Arbeiter haben wahrhaftig keinen Anlaß, die spärlichen Vorteile des Paragraphen mit verkleinern zu helfen.
von Uah und Lern.
Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit will⸗
kommen. Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste
Gewissenhaftigkett bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir
bitten, alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben.
Gießener Angelegenheiten.
— Auszahlung der Unfall-, Alters-, In validen⸗ und Krankenrenten durch die Landbriefträger. Auf Grund einer mit der Reichspostverwaltung getroffenen Ver⸗ einbarung soll vom 1. Januar 1902 ab die Auszahlung von fortlaufenden Renten(Unfall⸗, Alters⸗, Invalideu- und Krankenrenten) an auf dem Lande(im Landbestellbezirke) wohnende Empfänger in allen denjenigen Fällen durch die Landbriefträger erfolgen, in welchen die Empfänger durch eine Bescheinigung des Ge⸗ meindevorstehers oder Amtsvorstehers nachweisen, daß sie wegen ihres körperlichen Zustandes, insbesondere wegen Alters, Krankheit oder an⸗ deren Gebrechen— u. A. ausnahmsweise auch in besonders gearteten Fällen beim Vorliegen anderer Gründe, z. B. bei Wartung und Pflege dritter Personen— zur persönlichen Abhebung der Rentenbeträge bei der Postanstalt unfähig sind und die Beträge auch durch Familienan⸗ gehörige nicht abheben lassen können. Auch soll das bisher versuchsweise eingeführte Verfahren, betreffend einmalige Zahlungen von Unfallent⸗ schädigungen durch die Landbriefträger, vom J. Januar 1902 ab versuchsweise auch auf die Zahlung einmaliger Beträge an Invaliden⸗ bezügen ausgedehnt werden.
— Die Kreiskonferenz für den Wahl⸗ kreis Gießen findet, wie aus der Bekannt⸗ machung des Kreiswahlvereins hervorgeht, am 2. Februa r in Gießen statt. Die Genossen im Kreise müssen dafür sorgen, daß dieselbe recht zahlreich besucht wird. Von allen Orten, wo sich eine Anzahl von Genossen befinden, sollen Delegierte erscheinen. Das kann und muß ermöglicht werden, denn es sind diesmal wichtige Fragen zu erörtern, unsere Organisation muß gestärkt werden, soll sie den in diesem Jahre bevorstehenden Kämpfen gewachsen sein. Selbst wenn der jetzige Reichstag nicht aufgelöst wird, was von verschiedenen Seiten schon an— gekündigt wurde, bleibt bis zu den nächsten Wahlen nicht mehr viel Zeit übrig, die wir noch gut ausnützen müssen, wenn wir uns keine Niederlage holen wollen.— Besonders muß für die nötige Munition gesorgt, das heißt, es müssen die Kassen gestärkt werden! Wo keine Organisation besteht, können die Genossen durch Entnahme von Parteimarken, die bei dem Kreis⸗ vertrauensmann Bock zu haben sind, ihre Ver⸗ pflichtungen der Partei gegenüber erfüllen, wie es das Organisationsstatut vorschreibt.— An⸗
träge zur Konferenz müssen möglichst bald ein⸗ gereicht werden.
— Der Wahlverein hielt am Mittwoch Abend zur Neujahrsfeier eine kleine Abend⸗ unterhaltung ab, die recht anregend verlief, ob— wohl der Besuch nur sehr mäßig war. Letzteres ist eigentlich nicht zu verwundern, da die Feier⸗ tage und die vorhergegangenen Veranstaltungen anderer Vereine das Bedürfnis nach der Seite hin mehr als gedeckt hatten. Liedervorträge der„Eintracht“ und Deklamationen einzelner Mitglieder unterhielten die Anwesend en aufs beste.
W. Bezirksversammlung der Buch⸗ drucker und Weihnachtsfeier. Ver⸗ gangenen Sonntag hielten die Buchdrucker des Bezirkes Gießen im hiesigen Vereinslokale ihre Bezirksversammlung ab, die von den Kollegen der Umgebung sehr zahlreich besucht war. Nach einer begrüßenden Ansprache des Vorsttzenden wurde in die reichhaltige Tagesordnung einge⸗ treten und zunächst die Vorstandswahlen vor⸗ genommen. An Stelle des Koll. Keßler, der den Vorsttz wegen anderweitiger ehrenamtlicher Thätigkeit nicht mehr annehmen zu können er⸗ klärte, wurde Koll. Holland, zum Schrift⸗ führer Koll. Moritz, als Kassierer Koll. Zieg⸗ ler wiedergewählt. Anschließend an den Be⸗ richt des Vorsitzenden wurde dann die mit dem 1. Januar in Kraft tretenden Bestimmungen des neuen Tarifs besprochen, worauf nach Er— ledigung einiger interner Angelegenheiten der Vorsitzende die auswärtigen Mitglieder zur Weihnachtsfeier des hiesigen Ortsvereins einlud. Diese begann um 4 Uhr in Lony's Bierkeller, wo Koll. Andreas die Gäste begrüßte. In seiner zündenden, beifällig aufgenommenen An⸗ sprache feierte er den gewerkschaftlichen Zusam⸗ menhalt, durch den es allein möglich sei, eine Verbesserung der Existenzbedingungen herbei⸗ zuführen. Auch die Pflege der Geselligkeit sei notwendig und diesem Zwecke, keinem religiösen, diene diese Feier. Er schloß mit einem Hoch auf den Verband. Hierauf erhielten die Kinder der Mitglieder und diese selbst hübsche Geschenke; Musikstücke und Vorträge folgten, worauf man zum Tanz überging. Alle Teilnehmer waren befriedigt über den schönen Verlauf der Feier, die kurz nach 11 Uhr endete.
J. Ihre Weihnachtsfeier hielten am Sonntag noch der Verband der Fabrik- und Hilfsarbeiter und am Sylvesterabend der Bäckerverband, beide bei Löb im„Wiener Hof“ ab. Erstgenannter Verein zählt ja hier am Orte nicht viel Mitglieder— ein großer Teil derselben wohnt außerhalb— trotzdem war die Abendunterhaltung gut besucht und nahm den programmmäßigen Verlauf.— Von den hier beschäftigten Bäckern sind leider nur ein Teil in dem Verbande, der andere Teil hat sich nach der Bewegung im letzten Sommer wieder in dem Dusel⸗Verein„Frühauf“ zu⸗ sammengefunden, der Gnade vor den Augen der Bäckermeister findet, weil er sich niemals um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Bäckergesellen bekümmert, sondern seine Aufgabe blos in Abhaltung von Vergnügungen erblickt. Diese„Gutgestunten“ hielten ihren Ball im Café Leib ab. Dazu spenden immer die Bäckermeister einen A en Beitrag. Warum auch nicht? Sie kommen damit billiger davon, als wenn sie das Jahr über ihren Ge⸗ sellen ein paar Groschen mehr Lohn bezahlen müßten und erhalten sich auf dlese Art„zu⸗ friedene“ Gesellen.— Trotz des kläglichen Ver⸗ haltens eines Teiles der Bäcker war es mög⸗ lich, die Verbandszahlstelle zu halten und ihre Mitglieder hatten sich fast ohne Ausnahme zur Weihnachtsfeier eingefunden, die sich denn auch recht unterhaltend gestaltete und den besten Ver⸗ lauf nahm.
— Leichenländung. Dienstag wurde die Leiche des Versicherungs⸗Inspektors Annußeck, der seit 6 Wochen vermißt wurde, aus der Lahn geländet. Der Verungluͤckte ist offenbar
elegentlich einer Geschäftstour nachts vom ege abgeraten und in die Lahn gefallen.
— Selbstmordversuch. Ein Gießener Kaufmann, Robert B., schoß sich in einem Gasthause in Berlin zwei Revolverkugeln in den Kopf und in die linke Brust. Wie aus
einem von ihm verfaßten Schreiben hervorgeht, hat er bie That aus Schwermut begangen. Er wurde noch lebend ins Krankenhaus gebracht, ist aber inzwischen verstorben.
Aus dem Rreise gießen.
Aus Wieseck. Die Syl vesterfeier des Arbeiter⸗Bildungsvereins am Dienstag Abend nahm einen recht gemütlichen und für alle Teil- nehmer befriedigenden Verlauf. Sie wurde in diesem Jahre bei Wirt Schneider abgehalten; der Besuch war allerdings nur mäßig, da am 4 Abende eine ganze Anzahl anderer
ereine gesellige Unterhaltungen abhielten. Unsere Genossen sollten aber immer in erster Linie die Veranstaltungen ihrer Organisation besuchen, welche höhere Zwecke verfolgt, als die Ver⸗ gnügungsvereine und nicht immer diesen letzteren nachlaufen. Auch die Festlichkeiten unserer Genossen sollen mit dazu beitragen, unsere Be⸗ strebungen für Hebung der Lage des arbeitenden und minderbemittelten Volkes zu fördern!— Die Darbietungen, Vorträge ꝛc. wurden beifällig aufgenommen.
-r. Alten⸗Buseck. Einen schönen Verlauf nahm die am Sylvesterabend von seiten des Volks⸗ vereins arrangierte Verlosung. Zahlreich hatten sich die Mitglieder und Freunde des Vereins ein⸗ gefunden, um den Uebertritt aus dem alten in das neue Jahr gemeinsam zu begehen. Bei Liedervorträgen, Mustk, Theateraufführungen usw. blieben die meisten bis zum Morgen zu⸗
sammen. Der Verein kann in jeder Beziehung
mit dem Resultate zufrieden sein. Im weiteren sei jetzt schon darauf hingewiesen, daß Montag, den 19. Januar, die erste Mitgliederversamm⸗ lung in diesem Jahre stattfindet. Die Unfall⸗ versicherung wird auf der Tagesordnung stehen und ist deshalb das Erscheinen der Mitglieder in ihrem eigenen Interesse geboten.
Aus dem Rreise sriedherg-Püdingen.
— Die General⸗Versammlung des Kreis⸗Wahlvereins findet am Sonntag, den 5. Januar in Büdingen im Vereins- lokale statt. Auf der Tagesordnung stehen Berichte und Neuwahlen der Verwaltung.
»„Eisenbahner⸗Klagen.“ Zu der von uns in der vorletzten Nummer unter dieser Stichmarke gebrachten Notiz erhalten wir fol⸗ gende Zuschrift:
„Mein Sohn“ ist bei seiner Geburt ka⸗ tholisch getauft worden, er soll nach meinem eigenen Willen, da ich selbst katholisch bin, auch in der kathollschen Kirche das hl. Abend⸗ mahl empfangen.
Nach Absolvierung der Schule soll er demnächst das Lehrerseminar in Friedberg besuchen. Um ihm wenigstens das letzte halbe Jahr vor Empfang des hl. Abendmahls und um ihm später den Besuch des Seminars und des katholischen Religionsunterrichts zu er⸗ leichtern, habe ich selbst mich auf Veran⸗ lassung meiner Frau nach Friedberg gemeldet mit der ausgesprochenen Absicht, hier meinen
. in den katholischen Religionsunterricht
zu schicken, was ich denn auch gethan habe. Irgend eine Beeinflussung seitens des Bahn⸗ hofs vorstehers ist abfolut nicht vor⸗ gekommen. Achtungsvoll Adam Kuhl, Bahnsteigschaffner in Friedberg.“
Aus der Zuschrift, die nach Diktat abgefaßt zu sein scheint, geht also hervor, daß der Knabe, trotzdem er„bei seiner Geburt“ schon katholisch getauft wurde, bisher keinen katholischen Un⸗ terricht empfing. Das ist mindestens auffällig. Uebrigens erhielten wir aus den Kreisen der Elsenbahner mehrfach Zustimmung zu den Ver⸗ öffentlichungen über die Zustände auf der Fried⸗ berger Statton. Unser Gewährsmann wird sich darüber wohl noch weiter äußern.
Aus dem Rreise Wetzlar.
h Fritz Gladen, unser früherer Kreis⸗ vertrauensmann, ist in Bockenheim plötzlich ge⸗ storben. Seine starke Familie— er hat neun Kinder, von denen drei schon immer leide yd waren— ist dadurch in die größte Notlage eraten. Gladen steht in Wetzlar in gutem An⸗ enken. Gar manchem hat er mit Rat und
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