Ausgabe 
5.1.1902
 
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Seite 2.

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Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

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Ar. 1.

rüsten, um uns vor einem feindlichen Einbruch zu schützen, der glücklicherweise niemals erfolgt. Wie viel Jahre werden wir noch in dieser bloͤd⸗ sinnigen Erwartung verharren, die uns zu Bett⸗ lern macht?

zUnd die Kehrseite der Medaille: Gegen die Schädigungen aller Art, die sich täglich und stündlich um uns her verbreiten, treffen wir keinerlei Vorkehrungen. Kaum daß die Regie⸗ rungen von Zeit zu Zeit irgend einem gelehrten Kongreß gastfreundlich die Thore öffnen, kaum daß sie mit spärlichen Unterstützungen opfer⸗ willige Aerzte ermutigen, die den Volkskrank⸗ heiten die Stirne bieten, ihren geheimen Ur⸗ sachen nachspüren und die Mittel zu ihrer Be⸗ seitigung suchen. Unabänderlich bleibt es dabei, daß uns eintretende Katastrophen von allen Schutzmaßregeln entblößt finden...

Wir verschwenden Milliarden, um zu töten und uns töten zu lassen unter dem Vorwande, daß die Feinde sich eines Tages unseres Landes bemächtigen könnten. Aber wir achten's kaum eines Pfennigs wert, unser Leben gegen wirk⸗ liche Gefahren zu verteidigen, die wir mit leich⸗ ter Mühe beschwören könnten.

Alljährlich verursacht die Kälte eine erheb⸗ liche Vermehrung der Sterblichkeit. Aber so todsicher und pünktlich ihre Wirkungen eintreffen, wird gegen sie keinerlei Vorkehrung getroffen, weder vom Staate noch von der Gemeinde.

Und Jene selbst, die ihre soziale Stellung als Opfer zeichnet, würden den ersten Stein gegen uns aufheben, wenn wir ihnen rieten: Verkauft Flinten und Kanonen! Verwendet den Erlös aus dem Verkaufe dieser Werkzeuge der Zerstörung für warme Decken, für Schutzbauten, für Feuer auf öffentlichen Plätzen!

O, diese armen Thoren!

So ungefähr schrieb jüngst Genosse Gerauld Richard in der PariserPetit Republique. Natürlich gilt das nur für Frankreich!

Ofsiziers⸗Pensionierungen.

Nicht weniger als 624 Offiziere wurden im Laufe des verflossenen Jahres mit Penston entlassen. Allein seit dem 15. November wurden in der deutschen Armee 89 Offiziere penstoniert, was auf das Jahr berechnet ca. 200000 Mk. Kosten verursacht. Die Steuerzahler haben das Jahr über ein ganz nettes Sümmchen an Penstonen zu berappen. Im Etat vom Jahre 1901 betrug der Allgemeine Pensionsfonds bei⸗ nahe 71 Millionen Mark! Dabei sind die ver⸗ abschiedeten Offiziere fast ohne Ausnahme ge⸗ sunde, arbeitsfähige Leute!

Wieder ein Rachezug in Sicht.

Was zuerst nur wie ein schlechter Witz klang und auch als solcher behandelt wurde, scheint sich nun doch zu einer zwar nicht minder schlechten aber doch ernsthaften Thatsache zu verdichten; Deutschland kokettiert mit einer kleinen Kriegs⸗ fahrt nach der südamerikanischen Republik Venezuela.

Der Anlaß dieser im Bereiche der Möglich⸗ keit liegenden militärischen Spritztour und Flot⸗ tendemonstration ist nicht eben sehr bekannt. So viel darüber verlautet, handelt es sich um nicht erfüllte Forderungen deutscher Geldleute. Die Diskontogesellschaft, die eine Eisenbahn⸗ anlethe Venezuelas finanziert hat, hat die fällige Zinsrate noch nicht ausgezahlt erhalten; ferner soll deutsches Eigentum durch die Unruhen in Venezuela zerstört sein.

Nun wird gewiß niemand wollen, daß die geschädigten Deutschen um ihr Geld und Eigentum kommen. Aber wir halten das Mittel der kriegerischen Drohung für das allerungeeignetste. Dadurch werden die ohnehin total zerzausten Verhältnisse in Venezuela noch verworrener, während gerade eine möglichst baldige Beilegung der Wirren das beste Mittel zur baldigen Be⸗ friedigung der deutschen Ansprüche wäre. Hoffentlich läßt sich die Regierung nicht durch zinswütige Kapitalisten zu Maßnahmen drängen, die dem Volke nur wieder schwere Lasten und Opfer aufbürden.

Aus der Ferienkolonie.

O, welche Lust, Soldat zu sein! Das traurige Kapitel der Soldatenmißhand⸗

Deen

lungen erfährt immer neue Bereicherungen. So berichtet dieLeipz. Volksztg. aus Köln: Wegen Beleidigung von Vorgesetzten, Mi ß⸗ handlung und Beleidigung von Unter⸗ gebenen, sowie Mißbrauchs der Amtsgewalt wurde von dem Kriegsgericht der 16. Division in Köln der Major Kruse von dem Infan⸗ terie⸗Regiment Nr. 160 zu neun Monaten Festungshaft verurteilt. Der Major war früher Chef der 5. Kompagnie des genannten Regi⸗ ments. Die Verhandlung, zu der zahlreiche Zeugen geladen waren, dauerte zwei Tage. Wenn ein Stabs⸗Offizier neun Monate be⸗ kommt, kann sich's wirklich nicht um Kleinig⸗ keiten gehandelt haben. Empfindlich ist die Strafe gerade nicht, es ist ja nur Festungshaft, vor Gefängnis hat den Mann der vornehme Rock bewahrt, den er trägt.

Ihr Lehrer seid dreckige Schweinel Der Lehrer Fuchs diente seit dem 1. April beim 63. Infanterieregimeut in Oppeln, wo sich die Unteroffiziere Meisterek und Hansel nach der gegen sie erhobenen Anklage Beleidigungen gegen Fuchs haben zu schulden kommen lassen. Der Lehrer mußte mehrere Male Stubendienst hintereinander thun, angeblich, weil noch ein Glas auf dem Fensterbrett stand. Meisterek wollte ihm deswegen den Dienst nicht abnehmen und erklärte nach Aussage des Lehrers:Ihr Lehrer seid dreckige Schweine. Da die Zeugen nur aussagten, daß Meisterek geschimpft hatte, die Worte aber nicht nennen konnten, blieb der Unteroffizier Meisterek ohne Strafe. Der Unteroffizier Hansel hatte durch Fuchs die Geräte aus dem Schuppen holen lassen. Fuchs behielt den Schlüssel, um sie nach dem Dienst wieder fortzuschließen. Als nun Hansel den Schlüssel brauchte, schrie er den Lehrer an: Sie dreckiges Schwein, Ihretwegen muß ich mich anschnauzen lassen! Ein anderer Lehrer bezeugte diese Beleidigung, worauf der Angeklagte darauf aufmerksam machte, der Zeuge sei auch Lehrer. Der Vorsitzende des Gerichts verwies dem Angeklagten mit scharfen Worten diese Beleidigung des Zeugen, dessen Bildungs⸗ grad weit über dem des Unterofftziers stehe. Fuchs erklärte, daß ihm Hansel sogar einen Backenstreich versetzt hätte. Die Verhand⸗ lung wurde vertagt.

Als ein Votum gegen den Zollwucher

kann man die Reichstagsersatzwahl in Witt en⸗ berg⸗Schweinitz bezeichnen. Dieser Wahl⸗ kreis ist ein durchaus ländlicher; für den kon⸗ servativen Kandidaten arbeitete außerdem der amtliche Wahlapparat in bekannter Weise. Die Hauptwahl ergab, wie in letzter Nummer mit⸗ geteilt, Stichwahl zwischen dem Frei sinnigen Barth und dem Konservativen v. Leipziger. Am 30. Dez. fand die Stichwahl statt, wobei der Freisinnige als Sieger aus der Urne her⸗ vorging. Er erhielt 9463, der Brot wucherer nur 8862 Stimmen. Im Jahre 1898 stegte der Freiftnnige Kandidat Siemens mit 8713 gegen 7829 konservative Stimmen. Die Wahl⸗ beteiltgung war also diesmal eine sehr starke. Selbstverständlich haben unsere Genossen dem Freisinnigen gegen den Wucherzöllner zum Siege verholfen.

Erfreuliche Wahlresultate für unsere Partei

haben auch die im Dezember stattgefundenen Gemeinderatswahlen in Württemberg er⸗ geben. Im ganzen wurden 25 Parteigenossen zu Gemeinderäten gewählt; außer diesen ge⸗ langten in einer Anzahl Orte solche Kandidaten zum Stege, die ohne der Partei anzugehören, auf dem sozialdemokratischen Zettel standen. In vielen weiteren Orten aber, wo die sozial⸗ demokrat. Liste unterlag, weist sie eine starke Minorität auf, oft stegten die Gegner nur mit wenigen Stimmen Mehrheit. Jedenfalls wird die Zusammenstellung der sämtlichen Slkeumese eine Steigerung der sozialdemokrat. Stimmen⸗ zahl erkennen lassen.

Die treu⸗monarchischen Thüringer.

Anläßlich der Feier des 300 jährigen Geburts⸗ tages des Herzogs Ernst des Frommen von

Gotha die am ersten Weihnachtsfeiertage auf Schloß Friedenstein bei Gotha stattfand hielt auch der Kaiser eine Rede, in welcher er unter Andern sagte:

Wer die Gefilde Thüringens besucht, und

wie ich, jahraus, jahrein Gelegenheit gehabt

hat, das thüringische Volk zu beobachten,

der wird von seiner Poeste, von seinem stillen

Walde und vor allen Dingen von seiner un⸗

erschütterlichen, treuen Anhänglich⸗

keit an seine Fürsten gerührt..

Unsere Partei hat auch alle Veran⸗ lassung, mit den Thüringern recht zufrieden zu sein. Sie wenden sich mehr und mehr dem Sozialtsmus zu; in Thüringen erzielte die Sozialdemokratie 1898 fast Hun dert⸗ tausend Stimmen!

Städtische Beamte als Schmähbrief⸗ schreiber.

Mit welchen gemeinen Mitteln die Gegner, dieOrdnungsstützen, unsere Partei bekämpfen, zeigt ein Vorfall in Leipzig. Von dort erhielt nämlich unser Genosse Bebel nach seiner vor⸗ trefflichen Rede gegen den Brotwucher im Reichs⸗ tage eine Postkarte mit höchst unflätigem In⸗ halt, die ein über diese Rede in Wut geratener antisemitischer Schmutzfinke geschrieben hatte. Der Lumpazius wagte aber bei seiner Groß⸗ mäuligkeit doch nicht, seinen Namen unter sein elendes Machwerk zu setzen, er verleumdete aus dem Hinterhalte, unter dem Schutze der Pseudo⸗ nymität. Die mitO. Müller, Oberlehrer unterzeichnete Karte lautete:

Leipzig, den 6. Dezember 1901.

Herr Bebel! Eine Frage im Vertrauen: Wie⸗ viel haben Sie denn für Ihre heißblütige Vertretung der Interessen der Börsenjuden siehe gestrige Rede zum Zolltarif bekommen? Denn ein vernünftiger Mensch kann unmöglich aus ehrlicher Ueberzeugung solchen Blödsinn reden, wie Sie es gethan. Bebel August ist nicht mehr der alte, der für eine gute Sache eintrat. Jetzt arbeitet er nur noch fürun⸗ sere Leute an der Börse; bringt allerdings viel ein! Sie können aber ohne Sorge sein, Sie werden selbst vom einfachsten Manne nicht mehr ernst genommen. Polterhafter Schwätzer nichts weiter. Schauspieler.

Auf diese Karte hatte Bebel folgende Ant⸗ wort an die Adresse des O. Müller nach Leipzig gesandt:

Sie sind ein gemeiner Bursche, Wenn Ihre vor⸗ gesetzte Behörde Sie in Rücksicht auf Ihre Flegelhaftig⸗ keit mit Schimpf und Schande von Ihrem Posten jagte, so würde sie sich ein Verdienst um die Ihnen anvertraute Jugend erwerben. A. Bebel.

Einen Oberlehrer Müller gab es aber in Leipzig nicht, die Karte ging als unbestellbar zurück.

Natürlich konnten unsere Leipziger Genossen bald feststellen, daß sich hier ein trauriger Wicht hinter falschem Namen versteckte. Sie suchten ihn zu ermitteln, druckten zu diesem Zwecke eine getreue Nachbildung der Karte in der LeipzigerVolkszeitung ab. Um die Genossen irre zu führen, schickte der Verfasser der Karte eine zweite aus Halle an Bebel. Das Ma⸗ növer nützte aber nichts mehr, er wurde in der Person des Ratssekretärs F. Golla er⸗ mittelt. i

Diese saubere Ordnungsstütze hat sich schon 155 durch höchst rüdige Beschimpfung unserer

artei hervorgethan. In einer an die Leipziger Volkszeitung gerichteten Zuschrift bestreitet Golla, diese Postkarten geschrieben zu haben, doch hält unser Parteiblatt seine Behauptungen vollinhalt⸗ lich aufrecht. Es wird wohl die Beweise da⸗ für haben. Man darf gespannt darauf sein, was der Leipziger Stadtrat in diesem Falle thun wird.

Spitzelgeschichten.

Im fünften Berliner Wahlkreis hatte sich im Juli dieses Jahres ein Mann in den Wahl⸗ verein aufnehmen lassen, der sich Karl Schneider nannte und bald eine auffallende Geschäftigkeit und Rührigkeit bei allen Parteiarbeiten, Ver⸗ breitung von Flugblättern, Kouvertierung von Stimmzetteln ꝛc. entwickelte, außerdem auch eif⸗ rig Fühlung mit den alten, bekannten Partei- genossen des Kreises zu nehmen suchte und diese gerne zu einer fortgesetzten Bierreise animierte.

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