Ausgabe 
4.5.1902
 
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Ar. 18.

itteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 3.

knecht Beschwerde ein. antwortete: Die überwachenden Polizeibeamten sind angewlesen

Der Poltzeipräsident

worden, in pollzeilich überwachten Vereins versammlungen

von der Befugnis, die Entfernung der Frauen zu ver⸗ langen, dann keinen Gebrauch zu machen, wenn diese nur als Zuschauerinnen und nicht als Teilnehme⸗ rinnen erschienen find, und diese ihre Eigenschaft auch durch ihr Verweilen in von dem eigentlichen Versamm⸗ lungsraum räum lich getrennten Plätzen äußer⸗ lich hervortritt.

Die Scheidung von Männlein und Fräu⸗ lein ist also fürsorglich festgehalten, und eine Teilnah me der Frauen an den Versammlun⸗ gen noch Zukunftsbild. Wann wird dem preu⸗ ßischen Vereinsgesetz auch dieser Zopf abgeschnit⸗ ten werden?

Soziales. Wenn der Arbeiter alt wird.

Auf der HüttePhönix in Laar(Bayern) wurde dieser Tage mehreren im Maschinenhause des Hochofenbetriebes beschäftigten Arbeitern

ekündigt, darunter solchen, die 30 und 38 ahre auf der Phönix gearbeitet haben. Diese Arbeiter hatten eine sehr verantwortungsreiche Stellung in dem Maschinenbetrieb, wo man nur pflichttreue und dcn Leute gebrauchen kann. In dieses Maschinenhaus trat vor einigen Tagen der Oberingenieur Rhein und bedeutete dem betreffenden Meister:Ich will die alten Leute hier nicht mehr sehen. Der Meister mußte sie entlassen.

Sein 20jähriges Arbeitsjubiläumfeierte ein alter Oekonomiearbeiter in der Meierei des Oekonomierats Ad. Narr in Zirndorf, Prov. Sachsen. Aus diesem Anlaß wurde ihm vom Verwalter Meisterim Auftrage des kgl. Herrn Oekonomierats seine Invalidenkarte mit Ent⸗ lassung zugesandt. Zuvor mußte der Mann längere Zeit halbe Wochen arbeiten. Der Mann ist zu alt; er wird durch eine junge Kraft ersetzt.

Fast ein volles Menschenalter hat der 60⸗ jährige Schneidergeselle J. Bind bei der Hof⸗ schneiderfirma J. D. W. Lampe in Frankfurt a. M. in Arbeit gestanden. Kürzlich wurde ihm gekündigt, da seine Arbeit den Anforder⸗ ungen nicht mehr genüge. Der alte Mann nahm sich das so zu Herzen, daß er sich im Main ertränkte. Er war stets eintreuer Arbeiter, so treu, daß er verschiedentlich bei Ausständen den Arbeitswilligen spielte. Das ist der Dank des Kapitals! Wenn Herr Oberlehrer Sommerlad in Gießen wieder mal ein Drama schreibt, könnte er diese That⸗ sachen mitverwerten. Wir können aber noch mit viel mehr dienen.

Der autisemitische Gaunerstreich des Bürgermeisters von Wien, des höchst un⸗ vorteilhaft bekannten Lueger, der bei der

Wahl des Obmanns der Handlungsgehilfen

einfach die sozialdemokratischen Stimmzettel für ungültig erklärte, damit die a tisemitischen die Mehrheit hatten, wird nicht das gewünschte Resultat haben. Wie die Frankf. Ztg. mitteilt, hat der Statthalter den Magistratsbeschluß auf⸗ gehoben und den Sozialdemokraten Pick als gewählt erklärt.Jedenfalls ist der Statt⸗ halter ein Jude werden unsere Antisemiteriche sagen. Sie stehen auf demselben niedrigen geistigen und moralischen Niveau, wie ihre Wiener Parteigenossen. Nun bleibt aber der korrupten Gesellschaft, die seit Jahren in Wien ein gemeingefährliches Beutelschneidereiregiment führt, von ihrem neuesten Streich kein weiterer Erfolg als eine schändliche Blamage.

Sozialdemokratischer Wahlsieg

5 in der Schweiz.

Vergangenen Sonntag fanden in den Schwei⸗ er Kautonen Bern, Basel und Zürich die

ahlen zum Regierungsrat und Kantonsrat statt. Uusere Parteigenossen haben dabei er⸗ freuliche Erfolge zu verzeichnen. Im dritten Stadtbezirke Zürich siegte bei den Kantonrats⸗ wahlen die sozialdemokratische Liste vollständig. Es wurden sämtliche 27 Kandidaten gewählt. Von den 243 Mandaten des Kantonrats ent⸗

fallen auf die bürgerlichen Parteien 208, auf

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die sozialdemokratische Pa 18 Bei den Regierungsratswahlen erhielt der

35 gegen bisher 12.

soztaldemokratische Vertreter, Genosse Ernst, die höchste Stimmenzahl von 48400 Stimmen.

Auch in Basel erhielt unser Genosse Wull⸗ schläger die meisten Stimmen(4552), muß sich aber trotzdem einer Stichwahl unterziehen.

Die Wahlen in Frankreich.

Die Wahlen vom Samstag haben weiter keine Ueberraschungen gebracht, sie sind so aus⸗ gefallen, wie fast allgemein von vornherein angenommen wurde. Zieht man die noch aus⸗ stehenden Stichwahlen in Betracht diese finden am 11. Mai statt so dürfte 1 der Ge⸗ wählten, welche die Regierungs⸗Politik un ter⸗ stützen, etwa die gleiche sein, als in der alten Kammer. DieNationalisten(Autisemiten) ge⸗ wannen in Paris eiu paar Sitze, was sie zu großem Jubel veranlaßte; spätere Resultate aus der Provinz brachten ihnen aber Verluste. In den 591 Wahlkreisen sind jetzt gewählt:

248 Ministerielle und 163 Oppositionelle; 177 Stichwahlen haben stattzufinden, von den en die Mehrheit den Ministeriellen günstig sind.

Nach den neueren Nachrichten sollen sich die Gewählten auf folgende Parteien verteilen:

88 Republikaner, 95 Radikale, 41 Radikal⸗ Sozialisten, 22 Sozialisten, 32 Nationalisten, 66 Konservative, 66 Melinisten und 2 revo⸗ lutionäre Sozialisten.

Die Sozialisten stehen etwa in der gleichen Stärke zurück. Minister Millerand muß sich einer Stichwahl unterziehen; dagegen ist Jaures, der begabteste Führer der ministeriellen Sozial⸗ isten gewählt.

Wiederwahl Turatis.

Infolge von Streitigkeiten mit der Gesamt⸗ leitung der italienischen sozialistischen Partei hatte der soziald. Abgeordnete für Mailand, Turati, sein Mandat zweimal niedergelegt. Am 20. April hat die Neuwahl stattgefunden, wo⸗ bei die Wiederwahl Turatis mit 2881 Stimmen

erfolgte. Russisches.

Daß in dem Knutenreiche immer weitere Volkskreise von stets wachsender Erbitterung gegen das Regiment Väterchens ergriffen werden, haben die Vorfälle der letzten Zeit auf das deutlichste gezeigt. Ueberall machen sich An⸗ zeichen für das endliche Erwachen des russischen Volkes bemerkbar. Jetzt wird berichtet, daß die Fabrikarbeiter in Petersburg und Umgegend mit Forderungen hervortreten. Sie kündigen für den 1. Mai einen Generalstreik an und und fordern Einführung des 10 stündigen Ar⸗ beitstages, die Wiedereinführung der durch das Gesetz im Jahre 1897 aufgehobenen Feiertage, die Freigabe der Maifeier und die Sicher⸗ stellung der Vereinsfreiheit, sowie die Erlaub⸗ nis, Delegierte zu wählen, um mit den Fabrik⸗ besitzern zu unterhandeln. Auch die Bauern revoltieren. In den Gouvernements Pultawa und Charkow wären schon seit längerer Zeit ernsthafte Bauernunruhen ausgebrochen. Die Besitzungen verschiedener Fürsten, Herzöge und Generäle sollen verwüstet worden sein. Die Bewegung scheint die Folge eines in den dor⸗ tigen Gebieten herrschenden Notstandes zu sein. Die Bauern haben kein oder nicht ge⸗ nügendes Saatgetreide, auch nichts zu leben. Ursprünglich handelte es sich um gewaltsame Beschaffung von Saatgetreide; nachdem Militär zur Niederwerfung der aufrührerischen Bauern herangezogen und rücksichts hos eingeschritten

war, flammte der Unmut der Bauern gegen

die Behörde auf. Nach zuverlässigen Berichten befinden sich zur Zeit in den Gouvernements Pultawa und Charkow über 18000 Bauern und Arbeiter in Aufruhr; bedeutende Truppenverstärkungen sind in jene Gebietsteile entsandt worden. 98 Bauern wären in dem Kampfe mit dem Milttär bereits getötet und viele verwundet worden. Das alte Gewalt⸗ haber⸗Rezept! Den Notstand beseitigt man dadurch, daß man die Notleidenden hinmordet!

Deutscher Reichstag Schutz den Kindern! Die Vorlage b r wesentlichen Inhe haben, war am?

über die

nerstag Gegen⸗

deren dergegeben

stand der Reichstagsverhandlungen. Von sozialdemo⸗

kratischer Seite sprach Genosse Wurm zu der Vorlage.

Mit der großen Sachkenntnis, über die er verfügt, legte unser Genosse eingehend dar, was wir zum Schutze der Kinder von der Gesetzgebung fordern müssen. Er bemerkte zunächst, daß die Regierung mit dem Wucher⸗ tarif dreifach schlecht mache, was sie an Sozialreform bessere. Die Agrarier wollten von der Einschrünkung der Kinderausbeutung auf dem Lande nichts wissen. Regierung und bürgerliche Parteien mußten erst von der Sozialdemokratie zu Reformen gedrängt werden. Je mehr Kinder ausgebeutet werden, um so niedriger sinken auch die Löhne für die Erwachsenen.

Das jetzt etwas geschieht, verdanken die Kinder Deutschlands den Volksschullehrern. Diese haben ein geradezu erdrückendes Material gesammelt, das die Re⸗ gierung gezwungen hat, einen Schritt weiter zu thun. Die veranstaltete Enquete berechnet die Zahl der er⸗ werbsthätigen Kinder auf 532238; mindestens die doppelte Zahl ist richtig. Auch die Enqueten in Bayern und Württemberg sind unvollständig. Und trotz dieser ungenügenden Enqueten ergiebt sich, daß in Sachsen 21 Proz., in Sachsen⸗Altenburg 19 und in Sachsen⸗Meiningen 16 Proz. der Kinder gewerblich thätig sind.

Wollen wir die Verhältnisse auf dem Lande kennen lernen, so müssen wir uns an die Enqueten der Schul⸗ lehrer halten, denn aus der amtlichen Enquete geht nichts hervor. Dabei laufen die Volksschullehrer Gefahr, gemaßregelt zu werden, wenn sie offen und ehrlich die thatsächlichen Zustände schildern. Wie die Agrarier über den Schulunterricht denken, haben uns die Verhandlungen im preußischen Abgeordnetenhaus vom Februar 1899 bewiesen. Dort vertrat Herr Gamp die Ansicht, die Kinder müßten so früh wie möglich vom Schulunterricht entbunden werden, um von früh bis in die Nacht beim Grundbesitzer arbeiten zu können. Da⸗ mals trat Ministerialdirektor Kügler den agrarischen Forderungen entgegen; es hat ihn ja cuch seine Stellung gekostet. Herr Kügler hat damals gesagt, daßder Schulunterricht schon jetzt verkürzt werde, und daß den Kindern nur das Allernotwendigste in den Volks sschulen des Ostens beigebracht werde. Sollten die Lehr er den Kindern sagen, sie sollten nicht in die Stadt gehen, denn auf dem Lande verdienten sie mehr als in der Stadt? Die erste Pflicht des Lehrers sei, wa hr⸗ haftig zu se inn.

Wie ist denn heute der Unterricht auf dem Lande beschaffen? Durchschnittlich 56 Kinder kommen auf einen Lehrer. Dabei petitionieren die Agrarier beständig um Einschränkung der Schulzeit. Im Regtkerungsbezirk Königsberg wurde der Schulunterricht an 21 Nachmittagen

für das Rübenziehen frei gegeben.

Was das für eine Arbeit ist, brauche ich Ihnen(nach rechts) nicht zu erzählen. Die Arbeit beginnt um 6 Uhr früh und dauert ungefähr 13 Stund en. Und fleißig müssen die Kinder sein, sonst hilft die Reitpeitsche nach. Daß die Arbeit sittlich verrohend wirkt, liegt auf der Hand. Gleich im Rübenwagen bekommen sie Schnaps und Schnaps auch auf dem Felde.(Ruf rechts: Wo denn?) Fragen Sie lieber: Wo nicht? Erkundigen Sie sich lieber bei Ihren Nachbarn.

In einer Schrift über die Kinderarbeit verurteilt ein Lehrer besonders scharf den Hütedienst, der so viele Kinder dem regelmäßigen Schulbesuch entzieht. Daß Mecklenburg in dieser Beziehung die traurigsten Zu⸗ stände hat, ist selbstverständlich; wo es sich um derartige Rückständigkeiten handelt, marschiert Mecklenburg immer voran. Unsere Kritik an diesen Zuständen erkennt selbst ein konservativer Pastor in einem Brief an denReichs⸗ boten als berechtigt an. Der Pastor sagt, die Kinder seien durch die Früharbeit so angestrengt, daß fie dann in der Schule schlafen. Guruf rechts: Das passiert auch in der Stadt! Abg. Oertel: Auch im Reichstag.[Heiterkeit] Ihre Witze helfen über die Traurigkeit und Richtigkeit der Thatsachen nicht hin⸗

Sie halten es ja auch für ungesund und sittlich hend, die Kinder bei Jagden als Treiber und Abstechen des Wildes zu beschäftigen.(Der Konser⸗ e Gamp ruft hier, das sei ein großes Vergnügen für gie Kinder.) Aber Tierq uäler ziehen Sie damit groß.

In dem Verzeichnis der verbotenen Betriebe fehlt nem großen Erstaunen die Zigarren⸗ und akfabrikation. Gerade hier muß die Haus⸗ trie überhaupt besettigt werden, Diese Fabrika⸗ tion muß in das Gesetz aufgenommen werden, ebenso das Transportgewerbe. Wenn wir auch in der Vor⸗ lage einen Fortschritt erblicken, so muß doch noch be⸗ deutend mehr geschehen. Wir verlangen eine Erweiterung Geseitzentwurfs im Namen der Menschlichkeit und des

Weg.

ind!

de Arbeiterschutzes. Zu der zweifellos schwierigen Kon⸗ trolle müssen jedoch die Arbeiter herangezogen werden. Kommt man dem Wunsche der Arbeiter nach und beteiligt sie an der Durchführung dieses Gesetzes, wird auch zum Segen der Kinderwelt und zum ile der gesamten Bevölkerung ein wirklicher Schutz der

gewerblichen Kinderarbeit eintreten.

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