Ausgabe 
3.8.1902
 
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Seite 6.

Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

Nr. 31.

A e 7 b Unterhaltungs-Ceil.

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Das Goldmacherdorf.

Eine anmutige und wahrhafte Geschichte für Schule und Haus. Von Heinrich Zschokke.

10)(Fortsetzung).

Die beiden Mädchen wunderten sich sehr, denn sie hatten dergleichen bei ihren Müttern nie gesehen, und freuten sich, wenn sie Hochzeit gehabt hätten, was sie ihren Männern gütlich thun wollten, ohne daß es mehr kostete, als sonst.

Da sie nun andern Mädchen sagten, was sie bei der Schulmeisterin alles erfuhren und lernten, und wie sie ganz wie die Elsbeth werden wollten, kam von den andern Mädchen eins um das andere zur Elsbeth und bat, ebenfalls ein wenig unterichtet zu werden. Zuletzt ward es bei der Elsbeth wie eine wahre Schule. Denn weil Elsbeth allen jungen Männern gefiel, wollten alle Mädchen wie Elsbeth werden.

Oswalds Frau hatte wohl Anfangs etwas Mühe, hintennach aber befand sie sich gar wohl dabei. Denn nun hatte sie viel Hilfe im Garten und im Stall, und andere mußten für ste zuweilen kochen, und andere für sie feines Zeug nähen, wenn es sonst nichts zu thun gab. Und man sah es schon folgendes Jahr vielen Gärten bei den Häusern im Dorfe an, daß da neue Ordnung hineingekommen sei. Und eine Nach- barin schaute der andern über den Haag, und sah, was sie pflanze oder säe, und wie sie es mache, und bettelte um Setzlinge oder Samen. Danach, wie der Sommer und Herbst kam, trugen viele Bauernweiber vom Ueberfluß ihres schönen Gemüses zum Verkauf in die Stadt, und brachten schönes Geld wieder nach Hause. Das machte allen große Freude, nur denen nicht, die es nicht so hatten. Die gingen dann auch zur Elsbeth und fragten um dies und das. Und Elsbeth gab guten Rat, und alles, was sie wußte und, seitdem sie unterrichtete, noch selber gelernt hatte. Sie that das sehr gern, denn sie war herzgut, und Worte sind ja nicht kostbar, zumal jungen Weibern.

Das erwarb der Schulmeisterin viele Liebe und angenehmen Ruf, und jedermann lebte ihr zu Gefallen. Und alle Welt im Dorf hatte rechtes Mitleiden mit der hübschen guten Frau, daß sie den Oswald zum Manne habe, weil er doch in die Hölle müsse. Denn man wußte wohl, er sei ein Hexenmeister, der böse Künste treibe und mit Leib und Seele verloren gehe.

12. Wie der Löwen wirt auf die Nase fällt, und was sich weiter begeben hat.

Oswald mochte es anstellen, wie er wollte, man legte ihm alles übel aus. Wenn er die Kinder lehrte, daß es keine Gespenster gebe, sondern daß das nur Einbildung furchtsamer und abergläubiger Leute wäre: so sagte man im Dorfe, er glaube weder an einen Gott noch einen Teufel. Oder wenn er den Kindern in der Schule die giftigen Pflanzen in den Feldern und Wäldern zeigte, damit sie solche kennen und sich vor dem Genuß der Beeren und Wurzeln hüten lernten: so sagte man im Dorfe, er wolle die Kinder Giftmischerei lehren. Besonders lauerte ihm der Löwenwirt Brenzel auf, und sammelte sorgfältig alle bösen Reden über Oswald.

Als er endlich genug wußte, sprach er: Ich weiß genug, um ihm den Hals zu brechen. Er muß vor Gericht, und seine eigne Schwieger⸗ mutter, die Müllerin, soll wider ihn zeugen und vor Gericht bekennen, was sie von ihm weiß. Als Vorsteher ist meine Pflicht, zu reden. Ich kann das nicht länger dulden, ohne verantwortlich zu werden.

Also machte er sich eines Sonntags auf und legte seine Staatskleider an, setzte den

dreieckigen Hut recht majestätisch auf, nahm das spanische Rohr mit dem silbernen Knopf, und ging mit breiten Schritten zum Dorf hinaus nach der Stadt. Er sagte aber keinem Menschen ein Wort davon, daß er im Sinne habe, dem Oswald bei der hohen Obrigkeit böses Spiel zu machen. Denn er fürchtete, wenn der Hexenmeister Wind davon bekäme, der könne ihm Schaden zufügen, ehe er noch zur Stadt gelangt wäre. 5

Und wie er auf der Landstraße allein ging, sprach er im Eifer laut mit sich selber, als wenn er schon vor einem Herrn Ratsherrn stände; und er lief dabei immer schneller, und fuhr im Zorn bald mit der rechten, bald mit der linken Hand in der Luft herum, wie ein Pfarrer auf der Kanzel. Bei diesem Eifer kam im Laufen der lange Stock zwischen die Beine, also das er stolperte, und über den Stock auf den Erdboden fiel. Der Hut flog weit hinweg, die Nase schlug sich platt, und seine Beine stiegen hoch aufwärts, als wolle er gar auf dem Kopf stehen. Er stand ächzend und fluchend auf, und nahm seinen Hut aus dem Staube. An seiner Stirn aber schwoll eine Beule, als wolle ein Horn herauswachsen, und seine blutende Nase war blau, wie eine dicke Pflaume.Das hat mir gewiß der Oswald angethan! dachte er, und fürchtete sich, weiter zu gehen, damit ihm nichts Schlim⸗ meres begegne.

Indem er noch mit dem Schnupftuch das Blut von der Nase wischte, kam die Straße daher in vollem Galopp ein Herr zu Pferde, Hut und Rock mit goldenen Dressen besetzt. Der hielt vor dem Löwenwirt still und wife hastig:Wohnt dort im Dorfe ein gewisser Herr Oswald, und ist er zu Hause?

Der Löwenwirt sprach:Ja, warum denn?

Der Fremde rief:Der Erbprinz will ihn sprechen. So sprach der Fremde und jagte davon nach Goldenthal.

Der Löwenwirt sperrte vor Verwunderung Maul und Nase auf und sagte Wa wa was? Der Erbprinz? Ein Prinz zu dem Oswald? Wie er dies sagte, fuhr im Galopp ein prächtiger Wagen mit sechs Pferden daher, schöne Bediente vorn und hinten auf. Darin saß ein junger Herr im blauen Oberrock, der hatte auf der Brust einen silbernen Stern. Der Wagen fuhr vorbei nach Goldenthal.

Der Blitz und der Hagel! schrie Brenzel: Der Prinz will gewiß bei mir einkehren. Ich bin nicht zu Hause, und nun fährt er zum Adler! Brenzel lief, was er konnte, ins Dorf zurück. Da geriet ihm abermals im vollen Sprung der lange Stock zwischen die langen Beine, daß er wiederum zu Boden fiel, wie ein Baum. Alle Rippen krachten ihm im Leibe, und seine Staatskleider waren gräßlich gesalbt. Er hinkte fluchend und langsam zum Dorfe. Da er vor seinem Hause keinen Wagen sah, ward er voll Gift und Galle, denn er dachte, der Prinz sei beim Adlerwirt Kreidemann eingekehrt. Er hinkte also weiter, aber er sah auch keinen Wagen beim Adler. So ging er in sein Haus zurück, und keine Seele war darin. Er legte andere Kleider an und wusch sein Gesicht, und erschrack, wie er sich mit der faustdicken Nase und gehörnten Stirn im Spiegel erblickte, wiewohl man im Spiegel wegen des Fliegenkotes nicht viel sah. Nun wetterte er, wie ein grimmiger Löwe, auf seine Leute, die alle davon gelaufen waren. Da kam die Magd ganz atemlos und rief:Herr, beim Schul⸗ meister ist ein lebendiger Kaiser angekommen, oder wohl gar ein König! Das ganze Dorf ist vor Schulmeisters Haus zusammengelaufen.

Brenzel wußte nicht, was thun, ging endlich aber doch hinaus vor Schulmeisters Haus zu den Leuten. Nach einer halben Stunde kam der Erbprinz aus der Hausthür, und hatte Oswalden an der einen und Elsbethen an der andern Hand, und war gar freundlich mit ihnen. Und wie er in den Wagen gestiegen war, reichte er ihnen beiden noch einmal die Hand zum Abschiede, und dann fuhr er im sausenden Galopp davon, Reiter voraus. Alle Bauern

hatten die Hüte ab und vor Erstaunen das Maul auf.

Nun war's im ganzen Dorfe ausgemacht,

der Schulmeister könne mehr als Brot essen.

Der Prinz komme zu keinem Dorfschulmeister, bloß um ihn zu besuchen, und sei um nichts und wider nichts so freundlich mit ihm gewesen. Große Herren brauchen viel Geld, und dazu brauchen sie Schatzgräber und Goldmacher und dergleichen. Große Herren seien nicht immer die frömmsten, das wisse man wohl, und machen sich nichts daraus, wenn sie schlimm aus der Welt gehen, sobald sie nur gut in der Welt leben können.

Diese und andere Reden gingen von der Zeit an im Dorfe, und vielen verlumpten und verarmten Bauern im Kopfe herum. Und viele wurden vertraulicher und sprachen einer zum andern:Wüßte ich nur, wie es anfangen, ich machte mir nichts daraus. Ich verschriebe mich heute noch dem Teufel, wenn's sein müßte, und wäre ich nur meine Schulden los und hätte Geld genug und vollauf. Ich wollte es ganz anders machen, wie der Schulmeister. Der Schul⸗

meister ist ein dummer Teufel, daß er hier wohnt.

und lebt wie unsereins. Ich führe, wie der Erb⸗ prinz, mit sechs Pferden, Bedienten und Sternen, und hätte die Küche voll Braten, den Keller voll Wein. Ja, noch heut' gäb' ich meine arme Seele drum. 5

Solche ruchlose Reden führten die Leute ohne Scheu. Reichtum verdirbt das Herz; aber die Armut verdirbt es nicht weniger. Und wenn Armut und Dummheit und böse Lüste beisammen sind, ist des Teufels Kleeblatt fertig. So ist es in manchem Dorfe, so war es leider auch in Goldenthal.

13. Der Goldmacher-Bund.

Oswald wunderte sich nicht wenig, wie von nun an bald dieser, bald jener zu ihm kam, heimlich mit ihm reden wollte, und dann mit der gottlosen Sprache herausrückte und sagte: Oswald, du kannst Gold machen, das ganze Dorf weiß es. Lehre mich es auch. Du verstehst die schwarze Kunst. Wenn der Teufel erscheint, ich will mich gar nicht fürchten. Wenn er die Unterschrift mit meinem Blute verlangt, ich will mich ihm mit Leib und Seele zuschreiben. Siehst du es thut mir Not, sonst thät ich's nicht.

Lange wußte Oswald nicht, was er zu der Verderbtheit dieser Menschen sagen sollte. Da ihrer endlich aber immer mehr kamen, und nicht bitten nachließen, beschied er sie alle, doch mit jeden einzeln auf eine und dieselbe Mitternachts⸗ stunde zu sich. f

Und alle kamen in der finstern Nacht, die er ihnen angesagt, zu seinem Hause geschlichen, sobald es im Turm der Dorfkirche elf Uhr ge⸗ schlagen. Er führte jeden, wie er ankam, schweigend in eine finstere Stube. Es waren ihrer zweiunddreißig Hausväter. Jeder erschrack entsetzlich, wenn er in der Dunkelheit an den andern stieß und etwas Lebendiges neben sich spürte. Denn keiner wußte von dem Uebrigen. Vielen floß der Angstschweißs vom Gesicht und einige hatten so große Furcht, daß sie wieder davon gelaufen wären. Aber sie zitterten, es könne ihnen dann das Lebeuslicht ausgeblasen werden.

So standen sie eine Stunde in tiefer Stille und Angst, und wagten kaum zu atmen. Da schlugs im Thurm zwölf Uhr. Und mit dem letzten Glockenschlage ging abermals die Thüre auf. Es trat ein Offizier herein, prächtig gekleidet mit hohem Federbusch und langem Säbel, auf der Brust einen Orden. Der trug in den Händen zwei brennende Kerzen; die setzte er vor ihnen auf den Tisch. Als nun alle sich einander erkannten, schämten sie sich erst vor einander; denn sie merkten, daß sie alle aus gleicher Absicht gekommen wären. Und sie sahen wieder auf den glänzenden Offizier, den sie für den bösen Geist hielten; aber sie erkannten in ihm den leibhaftigen Oswald.

Oswald hatte ein ernstvolles Gesicht und sprach:Sehet mich nur an, ihr Unglücklichen; nun erkennet ihr, wer ich bin. Ich treibe keine schwarze Kunst; ich halte es mit Gott. Ihr aber seid längst von Gott abgefallen; ihr habet gesoffen und geschwelgt; ihr habet betrogen und gelogen; ihr habet gestohlen und verraten; ihr habet gespielt und Weib und Kind vergessen;

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