Ausgabe 
3.8.1902
 
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Seite 4.

Mitteldeutsche Sountaas⸗Zeitung.

Nr. 31.*

scheinung, die leider noch zu oft wahrzunehmen; ist. Woran liegt das? Wo die Arbeiterfrau so auftritt, liegt die Schuld meistens an dem Manne selbst. Statt die Frau, die in rückschritt⸗ lichen Anschauungen aufgewachsen, deren Ge⸗ sichtskreis über die häuslichen Sorgen nicht hinausgeht, aufzuklären, ihr die Ursachen ihres freudlosen Daseins zu erklären, ihr die Be⸗ deutung und den Zweck der Arbeiterpresse klar zu machen, begnügt sich der Mann mit der Bemerkung:Das verstehst du nicht. Und dieses Verhalten findet man nicht selten bei solchen Genossen, die mit größtem Eifer und größter Hingebung sich abmühen, um einen Arbeitskollegen für die Partei und als Leser der Arbeitspresse zu gewinnen. Das ist ver⸗ kehrt und rächt sich schwer. Wer da weiß, mit welcher Zähigkeit die Frau das einmal gesteckte Ziel verfolgt, für den ist es nicht verwunderlich, wenn der Maun, statt die Frau geistig zu heben, politisch denken zu lehren, zum Sklaven der Frau herabsinkt und ihr schließlich die Auswahl der Zeitung überläßt um des lieben Friedens willen. Daher kommt es denn auch, daß zahl⸗ reiche Arbeiter, wiewohl sie wissen, wie schwer sie sich an ihren eigenen Interessen versündigen, eine Zeitung halten, die direkt arbeiterfeindlich ist. Hier ist der Hebel anzusetzen, wenn es besser werden soll mit der Ausbreitung unserer Presse. Gewiß ist es nicht leicht, der Frau eine andere Gedaukenrichtung zu geben, ihr politisches Verstäuduis und Würdigung der Arbeiterpresse beizubringen, aber möglich ist es doch in sehr vielen Fällen. Voraussetzung ist allerdings, daß der Mann nach jeder Richtung seiner Verpflichtung als Familienvater nach kommt und so seine Handlungen mit seinen Worten in Einklang zu bringen sucht.

Wahlverein. Auf der Tagesordnung der diesen Samstag stattfindenden Mitglieder⸗ versammlung steht zunächst die Besprechung der Gegenstände, welche der Kreiskonferenz am 10. ds. Mts. vorliegen. Im Anschluß daran wird die Wahl der Delegierten zur Konferenz vorgenommen. Als zweiter Punkt wird das neue Gewerbe⸗Gerichtsstatut einer Erörterung unterzogen werden, wobei gleichzeitig auf die bevorstehende Gewerbegerichtswahl Rücksicht ge nommen und die dazu nötigen Vorarbeiten ein⸗ geleitet werden sollen. Darum zahlreich er⸗ scheinen!

Der GesangvereinEintracht, Mitglied des Arbeiter⸗Sängerbundes für den Main⸗ und Rheingau feiert diesen Sonntag auf der Liebigshöhe sein Sommerfest. Hoffentlich ist das Wetter diesmal freundlicher als bei den vorhergegangenen Arbeiterfesten, daun wird es dem Vereine an zahlreichem Besuch nicht fehlen. DieEintracht läßt es sich in letzter Zeit sehr angelegen sein, in gesauglicher Bezichung das Beste zu bieten, nicht blos auf ihren Festen, sondern auch auf denen der gewerkschaftlichen Orgauisationen und unseres Wahlvereins. Die Mitglieder der letzteren dürften schon deshalb die Verpflichtung fühlen, die Veranstaltungen der Eintracht durch ihren Besuch zu unterstützen. Das Eintritts⸗ geld beträgt nur 20 Pfg.

Das Stadtbauamt soll, wie aus einem in derFrankfurter Zeitung erlassenen Inserat der hiesigen Bürgermeisterei hervorgeht, eine Teilung in Hoch- und Tiefbauamt erfahren. Für das Hochbauamt wird ein Vorsteher gesucht. Daß das betreffende Inserat nicht auch imGießener Anzeiger erlassen wurde, hat diesen auserordentlich gekränkt. Er wirft sich als Großherzogliches Kreisblatt in die Brust und versteht nicht, wie die Bürgermeisterei dieses so unterschätzen konnte. Scheußlich von der Bürgermeisterei!

Aus dem Nreise gießen.

Auf die Kreiskonferenz, die nächsten Sonntag stattfindet, machen wir die Genossen aller zum Kreise gehörigen Orte nochmals nach⸗ drücklich aufmerksam. Wo noch keine Delegierten gewählt sind, muß das unverzüglich geschehen. Selbstverständlich ist wünschenswert, daß alle Orte, wo Parteigenossen wohnen, auf der Kon⸗ ferenz vertreten sind. Es handelt sich darum, für die im nächsten Jahre stattfindende Reichs⸗ tagswahl die nötigen Vorbereitungen in Angriff

zu nehmen, es ist sehr möglich, daß die nächste

Frühjahrskonferenz schon in die Wahlbewegung fällt. Wir in diesem Kreife haben schwer zu kämpfen; Pflicht eines jeden Genossen ist, dafür mit zu sorgen, daß wir den Kampf in Ehren bestehen.

In Rödgen starb nach längerem Leiden unser Parteigenosse, der Zigarrenmacher Wil⸗ helm Roth. Er war ein treuer Anhänger unserer Partei, für die er stets eintrat, wo er immer konnte und soviel in seinen Kräften stand. Wir werden sein Andenken in Ehren halten.

Aus dem Rreise Wetzlar.

h. Ergänzungswahl zum Gewerbe⸗ Gericht. Im 1., 3. und 4. Wahlbezirke des Gewerbe⸗Gerichts⸗-Bezirkes Wetzlar findet am Dienstag, den 19., Mittwoch, den 20. und Donnerstag, den 21. August eine Ergänzungs⸗ wahl statt. Es scheiden vier Arbeiter und vier Unternehmer aus. Die Beisitzer werden auf sechs Jahre gewählt. Die lange Dauer des Mandats ist eigentlich keine besonders praktische Einrichtung. Viel besser wäre es jedenfalls und auch mit weniger Zeitaufwand verbunden, wenn alle 23 Jahre allgemeine Neuwahlen stattfänden. Beispielsweise wird erst jetzt für den Arbeiter⸗Beisitzer Grün der Ersatz gewählt, obwohl er schon seit fünf Jahren Wetzlar ver⸗ lassen hat. Das kann für die Arbeiter nach⸗ teilig wirken, wenn das Gericht als Einigungs⸗ amt bei Lohnstreitigkeiten oder als sachverstaͤn⸗ 155 Körperschaft zusammentritt. Zu wählen ind:

1. Am Dienstag, den 19. August im Wahlbezirk 1 mit dem Wahlort Wetzlar, umfassend die Stadt Wetzlar, die Buͤrger meistereien Rechtenbach und Schöffengrund, und die Orte Niedergirmes der Bürgermeisterei Aßlar und Garbenheim der Bürgermeisterei Atzbach,

2 Arbeitgeber-Beisitzer und 2 Arbeitnehmer-⸗Beisitzer.

2. Am Mittwoch, den 20. Au gust im Wahlbezirk III mit dem Wahlort Eh⸗ ringshausen, umfassend die Bürgermeisterei Aßlar mit Ausnahme der Gemeinde Nieder⸗ girmes, die Gemeinden Daubhausen, Greifen⸗ thal, Greifenstein und Eoingen der Bürger⸗ meisterei Greifenstein und die Gemeinden Ober⸗ lemp, Bermoll, Bellersdorf und Altenkirchen der Bürgermeisterei Hohensolms,

1 Arbeitgeber⸗Beisitzer und 1 Arbeitnehmer⸗Beisitzer.

3. Am Donnerstag, den 21. August im Wahlbezirk IV mit dem Wahlort Krof dorf, umfassend die Bürgermeistereien Atzbach und Launsbach, mit Ausnahme der zu ersterer gehörigen Gemeinde Garbenheim, und die Ge⸗ meinden Ahrdt, Gr.⸗Altenstädten, Blasbach, Erda, Hohensolms und Mudersbach der Bürger⸗ meisterei Hohensolms,

1 Arbeitgeber⸗Beisitzer und

1 Arbeitnehmer⸗Beisitzer. Die Wahlzeit ist auf die Stunden von Vor⸗ mittags 9 Uhr bis Mittags 1 Uhr und von Nachmittags 58 Uhr festgesetzt. Wir machen unsere Genossen darauf aufmerksam, sich recht⸗ zeitig in die Wählerliste eintragen zu lassen und soviel als möglich dafür zu sorgen, daß ihre Freunde und Kollegen ein Gleiches thun.

Aus dem Rreise Marburg-RMirchhain.

St. Das Sommerfest der hiesigen Gewerkschaften, welches am vergangenen Sonn⸗ tag im Dammelsberg stattfand, hat auch dies⸗ mal wieder seine alte Anziehungskraft gezeigt; es hatte sich eines sehr zahlreichen Besuchs zu erfreuen. Kann man sich auch etwas schöneres denken, als nach mehr oder weniger schwerer Arbeit in der Woche am Sonntag nachmittage bei schönem Wetter unter herrlichen grünen Eichbäumen im Walde zu sitzen und bei einem guten Tropfen Gerstensaft den aus⸗ gezeichneten Musikvorträgen einer tüchtigen Kapelle, wie es die hiesige Kapelle Pauli ist, und den schönen Liedern unserer Arbeiter⸗ SängerschaarEintracht zu lauschen? Und dann die liebe Jugend! Wie glänzten die Augen der lieben Kleinen vor Freude, als sie unter Musikbegleitung eine Polonaise aus⸗ führten und zur Belohnung ein jedes seine

Bretzel in Empfaug nahm. Später gab es auch noch eine Geschenkverlosung für die Kinder und dieAlten, die mittlerweile in eine recht gemütliche Stimmung geraten waren, riskierten auf dem zwar ein bischen holprigen Platze ein flottes Tänzchen. Abends bewegte sich dann unter Vorantritt der Musik ein langer Lampionzug durch die Straßen der Stadt nach dem Café Quentin, woselbst das Sommerfest der organisierten Arbeiter in schönster Weise durch einen Ball beschlossen wurde.

Gewerkschaftliches. Nachdem nunmehr sämtliche, in der hiesigen Gewerk⸗ schaftskommisston vertretenen Organisation einen festen Beitrag von 10 Pfg. pro Viertel⸗ jahr und Mitglied entrichten, ist es der Kommission ermöglicht worden, mehr wie seit⸗ her den Mitgliedern zu bieten. Demnächst wird zum Beispiel Herr Conrad Beiß⸗ wanger aus Nürnberg hier einen Vortrag überdes Meeres Lebewesen halten, zu welchem die Mitglieder freien Zutritt haben. Da der Vortrag zugleich mit Demonstrationen usw. verbunden sein wird, so ist derselbe von doppeltem Interesse für Jedermann, der einmal einen Blick in die Lebewelt der geheimnisvollen Tiefen des Meeres thun will. Im weiteren Verlaufe des Herbstes oder Winters werden wir dann auch wieder den bekannten Schau⸗ spieler und Rezitator Walkotte hier zu hören bekommen. Wir möchten unserer rührigen Gew.⸗Kommission auheimgeben, ob es ihr nicht möglich ist, auch einmal einen der hiesigen Gelehrten zu einem Vortrag zu ge⸗ winnen; wir haben ja hier so reichliche Gelegen⸗ heit und was andere Vereine, wie z. B. der Fortbildungsverein, fertig bringt, sollte bei uns doch auch wohl möglich sein. Wir möchten nur an das baktereologische Institut mit seinen Cholera- und Pestbazillen, das Zoologische Institut, das Chemische Labora⸗ torium den botanischen Garten erinnern; Hoffentlich wird die Gew.⸗Kommission mit dieser Anregung sich in nächster Sitzung befassen.

Unwetter.

Vorigen Samstag gegen 6 Uhr ging über Köln und Umgegend, dem Siebengebirge und dem Westerwald ein mit schwerem Sturm und Hagelschlag verbundenes Gewitter nieder. Der Sturm trieb kirschgroße Hagelkörner gegen Gebäude und Pflanzen und richtete großen Schaden au. Zahlreiche Fensterscheiben wurden zertrümmert. In dem benachbarten Merkenich entwickelte sich der Sturm zu einem Wirbelsturm, der Häuser und Scheunen umstürzte und zahl⸗ reiche Bäume entwurzelte. Besonders hat das Unwetter in Jülich und dem umliegenden Gebiet zahlreiche Fabrikschorusteine umgeworfen. Außer⸗ dem ist das Portierhaus einer Fabrik eingestürzt, wobei der Portier und ein anderer Bediensteter getötet wurden. In Kirchberg wurden mehrere Personen verletzt. Ein 25 Meter hoher Wasser⸗ turm in der Nähe von Jülich wurde umgelegt, wobei ein darauf beschäftigter Arbeiter mit in die Tiefe stürzte, jedoch nur unerhebliche Ver⸗ letzungen davontrug. Bei einer anderen Fabrik stürzte der Fabrikschornstein auf das Kesselhaus, welches niederbrannte.

Aber auch in anderen Gegenden hauste der Organ fürchterlich. In der Wetzlarer Gegend wurden die Gemarkungen Hermann⸗ stein, Naunheim ꝛc. hart betroffen, Feldfrüchte und Getreide von den sehr großen und dicht fallenden Hagelkörnern zerschlagen. Noch mehr wütete das Unwetter im oberen Ederthal. Im Kreis Biedenkopf wurden die Ortschaften Hatzfeld, Neddighausen, Battenfeld, Allendorf und Rennertshausen besonders in Mitleiden⸗ schaft gezogen, ein großer Teil der Ernte ver⸗ nichtet. Der Sturm raste in einer Breite von ca. 1000 m durch das Thal, fast alle starken Bäume wurden wie Streichhölzer geknickt. Auf dem Festplatz in Neddighausen flogen die Zelte fort, ein Karussell stürzte um, sogar die dazu gehörigen Wagen, wobei die Schwester des Karussell⸗Besitzers einen schrecklichen Tod fand. Zwei Kinder derselben wurden auch

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