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Mitteldeuische Sountags⸗Zeitung.
Nr. 9.
und Umgegend macht uns auf einen in der „Leipz. Volksztg.“ enthaltenen Artikel des Ge⸗ nossen Calwer aufmerksam, der die Vorteile der Konsumvereine darlegt. Calwer schreibt dort: Daß die Konsumvereine infolge ihrer Organisation im stande sind, dem kaufenden Publikum die Waren billiger zu liefern, wird in einer Studie über die Kolonial⸗ und Ma⸗ terialwarenhandlungen im Herzogtum Braun⸗ schweig, die im Auftrag der dortigen Handels⸗ kammer von deren Assistenten, D. Senholdt, bearbeitet wurde, ausdrücklich zugegeben. Durch die geringeren Kosten, die namentlich in der Ersparnis an Miete, durch die Erzielung eines größeren Umsatzes in denselben Geschäftsräumen, in der Ersparnis an Beleuchtungs- nnd Reini⸗ gungskosten, sowie in der besseren Ausnutzung der Arbeitskräfte und im Großeinkauf bestehen, seien die Konsumvereine in der Lage, die Waren zu einem billigeren Preise als die einzelnen Kolonialwarenhandlungen abgeben zu können. Beispielsweise erzielt der allgemeine Konsum⸗ verein in Braunschweig durchschnittlich in jeder seiner zehn Verkaufsstellen einen Umsatz an Kolonialwaren von ca. 120 000 Mk. d. h. ebenso viel als vier mittlere Kolonialwaren⸗ geschäfte. Setzt man als Miete 1000 Mk. an, so ergiebt sich für den Konsumverein allein darin eine Ersparnis von ca. 3000 Mk., die
ihn in den Stand setzt, die Ware 2,5 Proz.
billiger abzugeben. Die Untersuchung hebt gleichzeitig auch hervor, daß der Rückgang bei den Kolonialwarenhändlern auf das Selbstver⸗ schulden der Inhaber insofern zurückzuführen sei, als dieselben sich den veränderten Zeitver⸗
hältnissen nicht anzupassen gewußt haben und zu sehr an der überkommenden Betriebsform des Kleinhandels festhielten. Dadurch kommt auch die ungeheure Vermehrung der kleinen Geschäfte.
Für die Gießener Arbeiter sind diese Aus⸗ führungen gewiß auch von Interesse.
— Aeußerst interessant und lehrreich waren die Vorträge, die Herr Konrad Beiß⸗ wanger am Donnerstag Abend im Saale⸗ „Steins Garten“ hielt. Wit⸗ 5
Famke 0 1 gespaunter Auf⸗ merksamkeit, Igulchten die zahlreichen Zuhörer
* pelt Olllegungen des Vortragenden, die derselbe
durch Erklärung vieler Präparate und Abbild⸗ ungen erläuterte. Im ersten Teil schilderte der Redner die Tierwelt des Meeres, im zweiten die Entstehung der Erde und in Anlehnung an Darwins Forschungsresultate die Entwickelung der Tierarten und des Menschen. Wir können natürlich nicht auf die Einzelheiten des Vor⸗ trages eingehen. Drum sei nur gesagt, daß die Ausführungen recht beifällig aufgenommen wurden und daß besonders die Schlußworte des Redners allgemeine Zustimmung fanden, in welchen er auf den Kampf ums Dasein in der Tierwelt hinwies und bemerkte, daß dieser Kampf auch unter den Menschen und Nationen in oft sehr barbarischer Weise geführt werde. Niemals stehe aber die Entwickelung still; darum müsse jeder vernünftige Mensch im Verein mit der Gesamtheit an der Erreichung bestmöglichster Daseinsbedingungen mitarbeiten und sich nicht auf„besseres Jenseits“ verlassen.— Das Ge⸗ werkschaftskartell hat sich mit dem Arrange⸗ ment des Vortrages sicher ein Verdienst er⸗ worben.
-p- Genosse Fritz Schäfer. Nach langer, tückischer Krankheit verschied in der Nacht von Sonntag auf Montag in der hiesigen Klinik ein der Marburger und Gießener Buchdrucker⸗ schaft liebgewordener Kollege. Fritz Schäfer, welcher im besten Mannesalter stand, hat sich durch seine Thätigkeit in Vereins⸗ und Unter⸗ stützungsangelegenheiten die Freundschaft aller seiner Kollegen erworben. Die letzte Ehrengabe — die vielen Blumenspenden— bestätigte, daß Fritz Schäfer unter den Buchdruckern und Partei⸗ Vonsehh ein geachteter Kollege und Genosse war.
on Marburg war eine Deputation bei der Beerdigung erschienen, die Kränze am Grabe niederlegte.
Die Partei der Verleumder.
Ueber die antisemitische Partei und ihre Wortführer fällte der Schriftsteller Wilberg,
der ja selbst zu den Leuchten des Antisemitismus gehört und es also wissen muß, bekanntlich folgendes Urteil:„Keine einzige Partei hat so viele Gaukler und Schaumschläger in ihren Reihen gezählt, wie die unserige, und keine Partei hat sich von Phrasenhelden und elenden Spekulanten nasführen lassen, wie die antisemitische.“ Das ist sicher ein hartes, aber doch sehr zutreffendes Urteil. Wilberg hätte aber gleich auch hinzufügen können, daß keine Partei soviel Schwindler und Ver⸗ leumder aufweist, wie die der urteutschen Mittelstandsretter.
Zum Beispiel leistete sich das Offenbacher Blättchen des Herrn Hirschel folgenden ge⸗ meinen Anwurf: 5
Von dem Subjekt, das Jahrelang die
Gegend von Gießen für die Sozialdemokraten abgraste, von dem„Genossen“ Scheidemann erfährt die Welt wieder etwas. Bekanntlich wurde der Abg. Scherm mit etlichen Genossen aus dem soz.⸗dem. Verein ausgestoßen. Das Münchener sozialdemokratische Organ, die „Post“, bemerkt dazu, die Rolle, die„Genosse“ Scheidemann dabei gespielt habe, wolle ihr nicht gefallen. Das läßt sich denken, dasselbe Subjekt hat ja auch eine so traurige Rolle im Wahlkreis Solingen gespielt. Es scheint übrigens, als ob Gießen die Hochschule für alle sozialdemokratische Ehrabschneider und sonstiger Lügenbrut sei. ö
Jedem nur halbwegs anständigen Menschen drängt sich beim Lesen dieses ohnmächtigen Ge⸗ schimpfes die Ueberzeugung mit zwingender Gewalt auf, daß eine Partei, die mit solchen Waffen kämpft, am Ende ihres Lateins ist. Mit solchen elenden Verdächtigungen kann sie doch höchstens noch bei ganz unwissenden, ver⸗ rohten Elementen Eindruck machen. Offenbar wollen die hessischen Antisemiteriche ihren herunter⸗
gekommenen österreichischen Gesinnungsbrüdern
im Schimpfen den Rang ablaufen, in Gesinnungs⸗ lumperei sind sie ihnen sicher schon über, denn wir hörten noch nie, daß ein österreichischer
Anttisemitischer Abgeordneter Berichte für jüdische
Journalisten lieferte, Pie. es Hirschel That Genossen Scheidemann, den die meisten unserer Leser kennen, brauchen wir nicht zu verteidigen. Der antisemitische Schmutz erreicht ihn nicht. Bemerkt sei nur, daß die Münchener Post bloß tadelte, daß Scheidemann das Material gegen die ausgeschlossenen Genossen nicht früher vor⸗ gebracht habe.— Für die empfindlichen Nieder⸗ lagen, die Scheidemann den Hirschel u. Co. beibrachte, rächen sie sich jetzt durch Verleumdungen. Traurige Gesellen!
Aus dem Nreise gießen.
D. Wieseck. Diesen Sonntag, den 2. März feiert der Gesangverein„Sänger⸗ kranz“ sein Winterfest in den Räumen des„Gambrinus“. Außer gesanglichen und musikalischen Darbietungen wird ein Theater⸗ stück aufgeführt, ferner werden Gruppen auf⸗ gestellt, die das Streben der Arbeiter versinn⸗ bildlichen sollen. Die Feier leitet ein Prolog ein, der auf Vorkommnisse auf dem vorjährigen Sängerfest des Arbeiter-Sängerbundes für Rhein und Maingau— dessen Mitglied der Sängerkranz ist— Bezug nimmt.
Hoffentlich beteiligen sich diesmal auch die andern beiden Gesangvereine an diesem Feste, denn der unterstützungswerte Zweck unseres Vereins ist die Pflege des freien Arbeiter⸗ gesanges.
— Eine Versammlung der Fabrik⸗ und Hilfsarbeiter fand am Sonntag in Steinberg statt. Sie war nur mäßig be⸗ sucht, was wohl zum Teil in dem herrlichen Wetter seinen Grund hatte. Doch wurde eine Filiale des Hilfsarbeiter⸗Verbandes gegründet, eine Anzahl Versammlungsbesucher meldeten sich zum Beitritt und es soll Samstag, den 8. März eine weitere Versammlung im„grünen Baum“ stattfinden, in der ein Vortrag über ein gewerkschaftliches Thema vorgesehen ist. Arbeiter, die es angeht, müssen es für ihre Ehrenpflicht halten, zu erscheinen und durch Unterstützung der Organisation an der so not⸗ wendigen Hebung ihrer Lage mitarbeiten.
nun. Lollar. Die Arbeiterschaft in Lollar und Umgegend scheint der gebberkschaftlichen Organisation noch ziemlich gleichgiltig gegenüber 1 stehen. Wenigstens war die besonders für ie Metallarbeiter berechnete Versammlung, welche am Montag Abend stattfand und in der Genosse Ehrler⸗Frankfurt referierte, leider nur schwach besucht. Es scheinen eben viele Arbeiter noch nicht zur Erkenntnis ihrer Lage gekommen zu sein. Eine Besserung derselben wäre hier nötiger als irgendwo. Solche ist zwar durch das bloße Besuchen dieser oder ähn⸗ licher Versammlungen nicht im Handumdrehen zu erreichen; aber die darin angegebenen Mittel und Wege führen zu diesem Ziele. Drum müßte es jeder Arbeiter als seine erste Pflicht erachten, diesen Versammlungen beizuwohnen. Endlich muß ein jeder die Vorteile der Orga⸗
Unternehmer in Kartelle zusammenschließen, um ihre Interessen zu wahren! Beherzige jeder, was der Referent der Versammlung als Schluß⸗ wort zurief: Auf, tretet in die Gewerkschaft ein!
Aus dem Rreise Friedherg⸗Büdingen.
Achtung! Alle Orte, in denen es möglich ist, vor Ostern noch eine Versammlung zu arrangieren, werden ersucht, dies dem Genossen Bu sold mitzuteilen.
Quittung. An außergewöhnlichen Einnahmen erhalten: Aus der Sammelbüchse bei Ihl(Stadt New⸗ York) Leerung im Dezember 4,31 Mark. Leerung im Februar 4,17 Mark. Der Kreiskassierer.
o. Mehrere Versammlungen wurden in unserm Wahlkreise in letzter Zeit abgehalten. Sonntag vor 8 Tagen referterte Busold in Lorbach bei Büdingen in gutbesuchter Ver⸗ sammlung über den Zolltarif. Der große Bei⸗ fall aus der Versammlung bewies, daß dieselbe mit den Ausführungen einverstanden war.— Am letzten Sonntag tagte eine sehr gut besuchte Versammlung in Ober⸗Roßbach. Auch hier sprach Genosse Busold über den Zolltarif. Zahlreiche Bauern waren anwesend. Die längeren Ausführungen wurden mit großem Beifall aufgenommen. Eine Resolution gegen die Zölle würde einstimmig angenommen. Nachdem noch Genosse Busold in seinem Schluß⸗ wort das Verhalten der verschiedenen Parteien im Reichstage und ganz besonders des jetzigen Vertreters, Grafen Oriola, gekennzeichnet hatte, schloß Vorsitzender Kühn die Versammlung, in⸗ dem er anführte, daß man später bei der Wahl an das volksfeindliche Verhalten der Gegner erinnern und Männer wählen solle, die das Interesse der Gesamtheit vertreten. Ein Wahl⸗ verein wird gegründet werden.
l. Ein Agitator des Bundes der Landwirte der bekannten Sorte kramte vorigen Donnerstag seine Weisheit in einer Versammlung in Rodheim aus. Geradezu kläglich waren seine Ausführungen. Genosse Busold, der ihm entgegentrat, wies ihm die vorgebrachten Thorheiten und das Verderbliche der Junkerpolitik schlagend nach unter dem Beifall der Versammelten, unter denen sich viele Bauern befanden. Nachdem der Gegner noch⸗ mals versucht hatte, mit lügnerischen Behaupt⸗ ungen unsern Genossen abzuthun und Busold ihm nochmals kräftig heimgeleuchtet, verzichtete der Herr Referent aufs Wort. Der Bürger⸗ meister, der den Vorsitz führte, meinte nur, wir wollten Schluß machen, es möge jeder sein Bestes aus dem Gehörten sich zueignen. Von mehreren Bauern konnte man nach Schluß ab⸗ sprechende Urteile über hören.
Aus dem Rreise Wetzlar.
h. Vortrag. Die„Leservereinigung“ in Wetzlar bemüht sich in recht anerkennens⸗ werter Weise den Minderbemittelten wissen⸗ scha tliche und künstlerische Vorträge zugänglich zu machen. Diesen Sonntag, 2. März Nach⸗
lehrer Gerold ⸗ Frankfurt über die Komponisten Fräulein G. Peiper und R. Hellmerich
Musik⸗ und Gesangsstücke der erwähnten Ton⸗ dichter zum Vortrag bringen werden. Somit
nisation erkennen, man sehe nur, wie sich die
den Bundesredner
wird Besuchern des Vortrags ein hoher künst⸗ 1
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Beethoven, Hayden und Mozart sprechen, wobei 1
mittag veranstaltet sie im Schützengarten den 1 dritten Vortrag und zwar wird Herr Gesang;
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