Ausgabe 
2.3.1902
 
Einzelbild herunterladen

41

2 5 27 Sweithüxi⸗ Ark 5 Affäre 1*

. E.

Seite 2.

Mitteldeutsche Sonutags-Zeituna.

Klemme herausbekommen wird. Man sollte bei Zeiten zu wirksamen Maßregeln greifen und als eine solche bietet sich vorläufig die Ver⸗ mögenssteuer⸗Erhöhung dar.

Um den Zolltarif.

Aus der Zolltarifkommissien. Don⸗ nerstag voriger Woche gab Graf Posadowsky in der Kommission die Erklärung ab, die er schon vorher alsvertraulich angekündigt hatte, daß die Regierung für den vorliegenden Kompromiß⸗ antrag(siehe vorige Nummer) in keinem Stadium zu haben sei, die von ihr vorge⸗

schlagenen Minimalzölle seien das äußerste Maß dessen, womit sie allenfalls glaube, zu Handelsverträgen gelangen zu können. Sei die Mehrheit damit nicht zufrieden, so würde er ihr eher noch anraten, die Minimaltarife ganz fallen zu lassen und ihre Wünsche in einer Re⸗ solution auszusprechen.

An diese Erklärung knüpfte sich eine längere Geschäftsordnungs⸗Debatte, in der Bebel be⸗ merkte, alles das, was der Staatssekretär hier erklärt habe, sei früher schon gesagt worden, er sehe also nicht ein, was dabei eigentlich ver⸗ traulich sein solle. Die Agrarier wußten nicht recht, was sie zu der Erklärung sagen sollten. Allerdings wendete sich Frhr. v. Wangenheim, der Bundesführer, am anderen Tage gegen die Ausführungen Posadowskys, sagte aber nicht, daß nun etwa der Zolltarif für ihn unannehm⸗ bar sei. Er verlas schließlich eine lange Er⸗ klärung des Bundes der Landwirte, die darin gipfelt, daß der Kompromißantrag Herold für den Bund der Landwirte unannehmbar sei.

22

ab. Das trotz der Bevölkerungszunahme! Da bekanntlich das Schwein die größte Menge der Fleischnahrung für die breiteren Volksschichten liefert, so liegt es auf der Hand, daß diese in erster Linie ihren Fleischbedarf eingeschränkt haben müssen, was auch bei den andauernd hohen Schweinefleischpreisen durchaus nicht auf⸗ fällig ist. Die Ernährungsverhältnisse des Volkes sind also bedeutend schlechtere ge⸗ worden, sie werden sich noch verschlimmern, wenn die Brot⸗ und Fleischwucherer ihre un⸗ verschämten Zollfor derungen durchsetzen sollten.

Notleidende Landwirte.

Einem Blatte in Nienburg a. d. Weser, derHarke wurde kürzlich aus Sehnsen bei Stolzenau(Hannover) geschrieben:

In hiesiger Gegend machen die Landwirte seit einiger Zeit viel Geld aus der Schweine⸗ zucht. Ein einziger Landwirt hat hier im letzten Jahre, wie er nachweist, aus seiner Schweinezucht 8000 Mark gut gemacht. Vor einigen Tagen verkaufte er eine Zucht von 10 Ferkeln, 7 Wochen alt, für den Preis von 273 Mark. Es wäre zu wünschen, daß wir diese Preise noch lange behielten. Diese Mitteilung des jedenfalls nichtlandwirtschaft⸗feisdlichen Blattes straft das Geschrei von der Unrentabilität der Landwirtschaft Lügen. Wenn der Wuchertarif erst in Kraft tritt, dann wird die Ernte der 1255 Schweinezüchter noch eine reichhaltigere ein.

Der Bund der Landwirte ist schlimmer

dort das Pücklersche Rezept anwenden, ihrer schlechten Sache genutzt haben, Wahl zeigen.

Kulturbild.

Der Räuber Matthias Kneißl ist am Freitag(21.) in Augsburg hingerichtet usdel Der Gerechtigkeit ist Genüge gethan, wie die schöne Phrase lautet. Vor der Frohnveste, dem Hinrichtungsort, und auf dem Begräbnisplatze kam es zu Zwischenfällen, die durch die Mutter Kneißls verursacht wurden. Als sie, vom Abschiedsbesuche bei ihrem Sohne zurück⸗ kehrend, sah, wie der für ihn bestimmte Sarg ins Gebäude getragen wurde, schrie sie laut über den Platz:Justizmörder! und ver⸗ fiel schließlich in Schreikrämpfe. Auf dem Be⸗ gräbnisplatz unterbrach sie schreiend den Priester, der eine kurze Rede über dem Grahe sprach, mit den Worten:Ja, Ungerechtigkeit!Um⸗ gebracht habt Ihr ihn, Ihr Justiz⸗ 1 tte die f

Damit hatte die Frau sicher Unrecht, die Richter trifft kein Vorwurf, bei dem Prog ist alles formell sehrordnungsmäßig zuge⸗ gangen. Gegen unseregöttliche Gesellschafts⸗ ordnung hätte sie ihre Anklagen erheben sollen! Und wahrlich, gerade der Kneißl⸗Roman läßt dieselbe im schönsten Lichte erscheinen und bietet reichen Stoff zum Nachdenken. Infolge schlechter Erziehung zum Verbrecher geworden, suchte er nach Verbüßung einer Freiheitsstrafe zu ehrlicher Arbei zurnagzukehren. Aber Maße

1

wie die Sozialdemokratie!

Diese Ueberzeugung sprach der 1 liberale Abg. v. Eynern vorige Woche zu alonal⸗

schen Landtage aus. Er sagte 2 em preußi⸗ Hahn: f

ell den Bündler Die Sozialdemo ler f . 5 tlatie ist von ihrem Stand⸗

5 24 e* r 2 . cfch-Ain Uhu alls bestrebt, unglückliche Leute zufrieden

Gießen array 4 An di Heckbet! 7. Fehr.

Ni am Samstag in Wiesbaden er⸗ folgte Tod des Präsidenten des Reichsver⸗ sicherungsamtes Dr. Woedtke. Dieser Be⸗ amte mußte s. Zt. die Verantwortung für die Bettelei bei dem Bunde der In dustriellen auf sich nehmen. Er weilte zum Kurgebrauche in Wiesbaden und starb dort 47 Jahre alt.

Eine Aufsehen erregende Mitteilung zu der Affaire bringt dieVoss. Ztg. Danach hat v. Woedtke, als im Reichstage zuerst die be⸗ kannte Angelegenheit der 12000 Mark zur Sprache kam, den Grafen Posadowsky aufge⸗ sucht, um ihn zu fragen, weshalb er ihn nicht verteidigt habe, da doch alles, was er gethan, nur auf Anweisung seines Vorgesetzten geschehen set.Weshalb erwiderte Graf Posadowsky, dann hätte ich ja gehen müssen. So hat Herr v. Woedtke selbst seinen Freuuden berichtet. Wir waren zwar niemals darüber im Zweifel, daß Herr v. Woedke als Sündenbock in die Wüste geschickt worden ist. Aber diese Bestätigung ist doch recht interessant. Zu nachträglichem sentimen⸗ talen Bedauern liegt aber kein Aulaß vor. lien hat Herr von Woedtke sich so behandeln assen!

Fleischmangel.

Vor Kurzem lehnte es der Reichskanzler ab, die österreichische Grenze für die Schweine- Einfuhr zu öffnen. Wie notwendig aber die Oeffnung der Grenzen im Interesse der heimischen Konsumenten ist, ergiebt sich aus einer Uebersicht, welche dieAllg. Fleischerztg. auf Umfrage bei den 49 größten deutschen Schlachthausdirektionen zusammengestellt hat. Danach haben im Januar d. J. auf diesen 49 deutschen Schlachthöfen 55000 Schwein e schlachtungen weniger stattgefunden als im Jahre 1901. Die Zahl der Schlachtungen ging nämlich zurück von 326 540 auf 271507.

In Dresden nahmen im Jahre 1901 nach dem Berichte des Fleischbeschau- Direktors die Rinderschlachtungen um 217 Stück und die Schweineschlachtungen um 9832 Stück

zu machen. Der Bund dagegen beuüht sich nach Möglichkeit zufriedene Leute unglücklich zu machen. N

Man sieht also, daß auch blinde Hennen gelegentlich ein Korn finden. Jedenfalls werden wir uns die günstige Zensur des Herrn v. Eynern merken für die Fälle, in denen nationalliberale Redner wiederanders können und die Sozial⸗ demokratie als Ausbund aller Schlechtigkeit hinstellen. i

Ueberhaupt ging es im preußischen Drei⸗ klassenhause an diesem Tage(Freitag) recht leb⸗ haft zu, was gewiß selten vorkommt.Liberale und die Junkerpartei gerieten sich in die Haare. Der Minister des Innern, v. Hammerstein ver⸗ teidigte nämlich das Verhalten des Landrats von Grimmen, der seine Befugnisse in ganz un⸗ gehöriger Weise überschritt, das Gasthaus, in dem eine freisinnige Wählerversammlung statt⸗ gefunden h tte, boykottierte und beim Kaiser⸗ geburtstags⸗Toast scharfe Angriffe auf die Liberalen einflocht. Der Minister holte sich eine blamable Niederlage und besonders Eugen Richter führte ihn gründlich ab. Eine andere heitere Episode war der Herrn v. Zedlitz erteilte Ord⸗ nungsruf. Als er den Abg. Barthsozial⸗ demokratisch angekränkelt naunte, erachtete Herr v. Kröcher das echt junkerlich für eine Beleidigung und rief den Redner zur Ord⸗ nung. Wir würden es für Beleidigung an⸗ sehen, wenn uns jemand als Junker bezeichnete!

Kampfesweise der Agrarier.

Der Wahlkampf im Kreise Rastenburg⸗ Gerdauen fängt recht vielversprechend an. Nicht nur in den Flugblättern zeigen die Agra⸗ rier ihre niedrige Gesinnung, auch in der That werden sie jetzt zu Rüpeln. Als am Sonntag von Königsberg aus 140 Parteigenossen zur Flugschriftverteilung in den Wahlkreis kamen, rief im Dorfe Muhlack bei Rastenburg ein größerer Besitzer zwei Flugblattverteiler ins Haus und versetzte dann dem einen Genossen blitzschnell mit einer schweren eisernen Ofen⸗ krücke zwei wuchtige Hiebe. Der so gemein Ueberfallene trug am rechten Arm eine schwere, stark blutende Wunde und am linken Arm zwei leichtere Verletzungen davon. Dorfbewohner verbanden ihn nachher. Ob die Kerle, die

forh ngen vertrieben ihn bean seien Arbeits⸗ plätzen. Natürlich fällt er wieder dem Ver⸗ brechen in die Arme. Zu Tode verwundet fängt man ihn, sucht ihn mit Aufbietung aller ärzt⸗ lichen Kunst am Leben zu erhalten, um dann dem Geheilten den Kopf abzuschlagen! Er stirbt als guter Christ mit Gebeten auf den Lippen! Seine Religiosität schützte ihn nicht vor dem Schaffot. 2

Ein Bild aus dem christlichen Rechtsstaate!

Prinzeureise.

Prinz Heinrich, der Bruder des Kaisers, hat eine Amerikafahrt unternommen. Während der Ueberfahrt herrschte statt des Kaiserwetters ein wahres Hundewetter. Bei dieser Gelegenheit überbietet sich die deutsche und auch die ameri⸗ kanischerepublikanische Presse in Byzantine⸗ reien. Doch erhoben sich schon Stimmen in der amerikanischen Presse, die ihrem Ekel über die Speichelleckerei Ausdruck gaben.

*

Gegen den Militarismus demonstrierten die Brüsseler Sozialisten am vorigen Donnerstage, indem sie, wie alljährlich, einen Umzug durch die Straßen der Stadt hielten. Mehrere tausend Menschen mit vielen roten Bannern nahmen daran teil, die üblichen sozialistischen Lieder wurden gesungen. Vom Volkshaus, wo sich der Zug aufstellte, sah man auf ein Meer von Köpfen, über welche nur die zahlreichen roten Fahnen stolz emporragten. Genosse Vandervelde sprach vom Balkon aus zum Volke. Er wies auf die am Tage in der Kammer gehaltene Rede des liberalen Führers Hymans hin, in der sich dieser für die Verfassungsrevision aussprach, und betonte dann, daß jetzt selbst der Eisblock des Doktrinarismus von heißem Drängen nach einer Verfassungs⸗ revision aufgetaut sei. Nur die herrschenden Reaktionäre verteidigen noch das schmähliche Wahlrecht. Darauf fragte er die Jugend, ob sie als Soldaten, wenn der Befehl ertönte, auf ihre Brüder schießen würden? Ein tausendstimmigesNein antwortete und ob sie auch als Soldaten sich erinnern würden, daß sie der Arbeiterpartei angehörten. Ja! hallte es aus tausend Kehlen. Der Redner drückte schließlich die feste Hoffnung aus, daß die vereinigte Demokratie, ohne daß ein Blutstropfen vergossen werde, zum Ziele komme. Unter großer Begeisterung schloß die Manifestation mit dem Absingen der Marseillaise.

Sturz des italienischen Ministeriums.

Das Ministerium Zarnadelli hat am Freitag seine Entlassung eingereicht. Die äußere

dadurch wird die

88

1 1 1

5

J.

Ole Verhant Mittwoch woe

blk eg ber

ut den sch d griegstatz N. cen kilichen

halt wor el

0

em licht eim

eestand. Zumächst pr fene Ascht dah wuhofung Hicke Isserte die läch Hert Romen zw süuftgen Fest Schäfer noch v Hag se⸗ Könige schlagenden Ben auf das Haupt hin und her ry tegte Sensatioy ihm elner der Danach sind di Zeugenaussaget Revisionsinstan welter auf ein in der der Obe aug Hicklg Verguickung m derte Bese iti und volle berfahrens. Machdem a Koburg auf di der Oefentlich donen dat z. ur vollständf schmetlernden schulten Soze

ö Sein Versuch, urigen,

s

Menigen d. in das nit

dem Befall

14 Unsehen barg

A ricz

ole leher ni gik zum ge

un iel geraten, die l tens einigerm

aug finden, Ene Reform woulchrüte g. ti borläufg 0 0 Damit wa ne gekomme ussere dann Glück, er bra 0 kf gan age fauna 15 S bonne

bertrtkr dez