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Seite 6.
Witteldeutsche Sountags⸗Zeitung.
Nr. 5.
und hatte die Arbeitslosigkeit Hunderter von
im gleichen Sinne vorstellig wurde. Trotzdem wurden die so schon jämmerlichen Löhne bei Weihs um 10 Pfg. pro Tag reduziert.— Wem fällt bei solchem Verhalten dieses Gläubigen und seiner Bethätigung christlicher Nächstenliebe nicht das Wort von den Wölfen in Schafs⸗ kleidern ein? Mußte Herr W. irgendwo„sparen“, sollte er als christlicher Mann das nicht an den Löhnen der armen Arbeiter thun. Lieber hätte er seine große Tanbenschaar abschaffen sollen, die doch nur der Landwirtschaft Schaden
zufügt. Aus dem Leben des Adels.
Anfang dieses Jahres hatte der 40jährige Rittmeister Graf Bal zo in Neapel das 20jährige Fräulein de Francht, die Tochter eines Neapeler Finanzinspektors entführt und sich seit dem 4. Januar mit ihr im Hotel am Bomero aufgehalten. Der Finanzinspektor erfuhr den Aufenthalt des Pärchens, holte die Tochter zurück und strengte die Klage gegen den Verführer an. Gleichzeitig forderte ein Bruder der Verführten, ein Leutnant der In⸗ fanterie, den Rittmeister. Dieser lehnte jedoch ab unter dem Hinweis auf die angestrengte Klage. Am Mittwoch Abend traf nun der Vater den Verführer auf der Viazza Dante und forderte ihn kategerisch auf, die Verführte zu heiraten. Die Antwort des Rittmeisters war:„Ich kann sie höchstens zu meiner Mai⸗ tresse machen.“ In begreiflicher Entrüstung zog nun der Finanzinspektor den Revolver und streckte den Rittmeister durch zwei Schüsse tot nieder. Der Rittmeister entstammt einer altbekannten Patrizierfamilie. Der Mörder ist ein hochangesehener Beamter.
Fromme Schweinekerle.
Wegen Sittlichkeitsverbrechen in der Art Sternbergs wurden in der jüngsten Zeit drei Männer von Würzburg und einer von Markt⸗ breit in das Würzburger Untersuchungsgefäng⸗ nis eingeliefert. Der krasseste Fall ist, wie man der Frankf. Ztg. berichtete, der eines Würzburger Bäckermeisters, der seit Jahren die von ihm zum Brodaustragen verwendeten schulpflichtigen Mädchen vor einem mit brennenden Kerzen umgebenen Kruzifix schwören ließ, daß sie nichts verraten und dann seine unsittlichen Manipulationen an ihnen vornahm. Man erzählt, daß in einem Stadtsprengel allein 30 Mädchen den frommen Wüstlingen zum Opfer gefallen sind.
Verhafteter Bankschwindler.
Der frühere Direktor der berühmten Kasseler Trebertrocknungs⸗Gesellschaft, Schmidt, wurde am vorigen Samstag in Paris ver⸗ haftet und wird jedenfalls auf Antrag der deutschen Regierung ausgeliefert.— Schmidt
4 b AUnterhaltungs-Ceil. 10
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Das teure Vaterhaus.
Ich weiß mir etwas Liebes
Auf dieser weiten Welt
Das stets in meinem Herzen
Den ersten Platz behält;
Kein Freund und auch kein Liebchen Verdrängen es daraus,
Es ist im Vaterlande
Das teure Vaterhaus.
Des Lebens laute Freuden Verhallen in der Brust, Ich bleibe stets im Herzen Des Liebsten mir bewußt: Es drängen aus den Augen Die Thränen sich heraus, Denk' ich an meine Heimat, An's teure Vaterhaus.
Und hab' ich einst geendet
Des Lebens ernsten Cauf,
Daun setzt mir einen Rügel
Und pflanzt ein Blümlein d'rauf; Doch nehmt aus meinem Busen Das arme Herz heraus,
Das Herz, das hat nur Ruhe
Im teuren Vaterhaus.(Volkslied)
Bankrott. Von F. Schwarz.
15(Fortsetzung.)
„Ich dankte meinem Schöpfer, als sie vor Ermattung zusammensank. Seither liegt ste da, still und regungslos. Sie jammert nicht, spricht nicht.... Der Arzt sagt: abwarten .. jede Aufregung fernhalten... ha, ha, .. hörst Du? Jede Aufregung fernhalten bei ihrem Zustand.... Und siehst Du, darum komme ich her, um Dir das alles ins Gesicht zu sagen, alles das, und auch noch das letzte: Du hast mir mein Vermögen gestohlen, meine Stellung und meine Ehre, Du hast mich um mein Glück betrogen und Du hast mich selbst
.. das beste in mir gemordet. Du warst mein Heros, mein Abgott, der Inbegriff der 1 und hättest Du vor Jahr und
ag jeden Pfennig gegeben so wie so, und hätte meine junge Kraft in Deinen Dienst gestellt, und Du wärst- mir der geblieben, der Du warst;
war Direktor jener Kasseler Gesellschaft, die ich hätte es für Unglück genommen und weiter
mit einer kaum glaublichen Skrupeltösigkeit ihr kapitalistisches Schwindekunternehmen betrieb. Der Zusammenbruch der Gesellschaft brachte eine Anzahl Töchterinstitute mit zum fallieren
Arbeiter zum Gefolge.
Ein gewichtiger Schul⸗Entlassungs⸗ grund.
Man schreibt der Frkftr. Ztg. aus der Schweiz: In dem Dorfe Meerenschwand (Kanton Aargau) war ein Mädchen vorzeitig aus der Schule entlassen worden, weshalb die Schulpflege von verschiedenen Seiten An⸗ griffen ausgesetzt war. Ein Mitglied derselben rechtfertigt nun das Vorgehen der Schulbehörde also:„Allerdings wurde von der Schulpflege ein Mädchen unter 14 Jahren aus der Schule entlassen. Der Grund ist aber auch ein ge⸗ wichtiger. Die Tochter hat das respektable Gewicht von über 150 Pfund erreicht. Die Schulpflege fand, solche Jungfern passen nicht mehr in die Primarschule. Die Begründung dieser Ansicht gehört nicht in die Zeitung. Sobald wieder Eine 75 Kilo erreicht hat, wird hre Maturität ohne Prüfung abermals aner⸗ kannt werden.“
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an die Lauterkeit und Rechtschaffenheit dessen geglaubt, der mir die fleischgewordene Redlich⸗ keit, der erehrunge lee Mensch schien. Und nun Räuber und Mörder ringsum! Seit Jahren ein Gauner, ein Betrüger und Schwindler! Ja, wahrhaftig, sie haben recht, daß sie mich, der sich nie auch nur in Gedanken etwas zu schulden kommen ließ, daß sie mich davonjagen wie einen Hund. Warum denn noch jemanden trauen? Ich trau' mir selber nicht mehr, trau niemanden mehr! Lauter Lumpen, lauter Diebe... Haha! Eine lustige Welt!... Komm' Bruder Dieb!... An mein Herz, Bruder Dieb! Doch nein, Du bist der Größte, Dir gebührt Huldigung!“
Klaus war auf den Oheim zugestürzt, um ihn vom Sessel emporzureißen. Nun hielt er inne und bog das Knie vor dem Erschreckten, der seine Blicke hilfesuchend umhergehen ließ.
„Glaubst, ich sei verrückt geworden? Haha, Beruhige Dich, Onkel, ich bin klar, sehr klar .. zu klar... Will Dich auch nicht länger belästigen, Teuerster! Aber eins sage ich Dir“ fuhr er fort, als Karl Helfinger Miene machte, sich aufzurichten und zu sprechen,„das sag' ich Dir: laß Deinen salbungsvollen Ton, laß ihn heut und immer. Wie ich Dich kenne, wie ich
Dich nun kenne, wirst Du's doch wieder wagen,
mir Deine Lage enthüllt, ich hätte Dir
später, wenn mal Gras darüber gewachsen ist und wirst Dich aufspielen und Tugenheld sein wollen. Hüte Dich, Karl Helfinger, bu 5 dann vor mir, vor dem verlorenen Sohn Deiner
toten Schwester!“ Klaus war davon gestürmt. Im Sessel
von den geschlossenen Wimpern niedertropfte und dem es stoßweise die Brust hob in ver⸗ haltenem Schluchzen. Die herbstlichen Sonnen⸗
grauen Bart und huschten über das durchfurchte, verfallene Gesicht. Er merkte es nicht. Die Klingel der Entreethür e, deren Klang ihn seit⸗ her immer durchzuckt hatte wie die Ankündigung aich neuen Hiobspost, ertönte; er hörte es nicht.
Hörte auch nicht, als nun die Thür sich leise öffnete. Eine Hand legte sich leicht auf seine Schulter und eine Stimme, die sich ver⸗ geblich mühte, ein Zittern zu verbergen, flüsterte: „Vater, draußen sind Herren vom Gericht!“
Karl Helfinger fuhr empor. Auch das noch! Doch noch... auch dies letzte noch.
Er klammerte sich wie hilfesuchend an die Tochter, die einzig Unverheiratete noch, das Nesthäkchen und sein Liebling von je.
„Kind, sie wollen mich holen“, stöhnte er, „fort von Euch, alle verlassen,— von allen verlassen!“
„Vater, sprich nicht so!“ und in fassungs⸗ losem Schmerz schlang das Mädchen die Arme um den Hals des Vaters, als wolle sie ihn nimmer lassen.
Einen Augenblick blieb's still. Dan löste Helfinger mit sanfter Hand die Arme seines Kindes und sagte mit mühsam beherrschter Stimme:„Nun geh', mein Kind, und führe die Herren herein.“
Die Plaidoyers waren zu Ende. Mit großer Schärfe hatte der Staatsanwalt nach⸗ gewiesen, daß der Fall Helfinger keine gewöhnliche Betrugssache, sondern in Anbetracht der Ehren⸗ stellungen, die der Mann innegehabt, des un⸗ erschütterlichen Vertrauens, das man ihm
die ganze Gesellschaft sei. Erschwerend komme noch hinzu, daß es nicht eine momentane Not⸗ lage gewesen, die den Mann verwirrt und auf die abschüssige Bahn des Betrugs und der Fälschung geführt habe. Nein, es handle sich hier um eine auf Jahre und Jahre zurückreichende Kette von Vergehungen, um einen wohlerwogenen und mit teuflischer Schlauheit und Kaltblütig⸗ keit 18 e i Plan, ein Schwindel-⸗ und Betrugssystem, das zur größeren Sicherheit vor etwaigen Entdeckungen einen möglichst großen Kreis von Personen jeden Standes umfaßt habe. Hter müsse ein Exempel statuirt, dem verletzten Rechtsgefühl weiter Kreise eine eklatante Genugthuung bereitet werden.
Die Verteidigung hatte sich pflichtmäßig. bemüht, die Sache in einem milderen Lichte darzustellen. Sie führte aus, daß man ihrem Klienten ohne sein Zuthun Geld und Vertrauen förmlich aufgedrängt habe. Es gehöre schon eine ganz außergewöhnliche dazu, unter solchen Umständen auf jede per⸗ sönliche Nutzbarmachung so reichlich fließender Mittel zu verzichten. Diese außergewöhnliche Charakterstärke habe man freilich bei ihrem Klienten vorausgesetzt und, wie hinzugefügt werden müsse, mit Recht vorausgesetzt, denn er
ehrlicher Mann geblieben, und als er einmal, in einer Notlage, anvertrautes Geld in eigener Sache verwandt hatte, da sei es die sichere
die ihn zu diesem Schritte verleitete. Zuversicht sich als trügerisch erwiesen, habe er, wie das gewöhnlich in solchen Fällen geschähe, sich von Etappe zu Etappe vertröstet, sei neue Verpflichtungen eingegangen, um den alten gerecht werden zu können. Wie fern ihm jede schädigende und betrügerische Absicht gelegen, sei schon daraus zu ersehen, daß es in erster
sich gerissen habe. Bis zur letzten Minute habe er auf den günstigen Ausgang weit aussehender
saß ein gebrochener Mann, dem es langsam
strahlen spielten in zitternden Lichtern um seinen
entgegengebracht, sozusagen ein Vergehen gegen
Charakterstärke
sei lange Jahre trotz aller Versuchungen ein
Hoffnung auf baldige Rückerstattung gewesen, Als diese
Linie Freunde und Verwandte seien, die er mit
Unternehmungen gehofft, auch diese seien fehl⸗ 1
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