Ausgabe 
2.2.1902
 
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Nr. 5.

Mitteldeutsche Sountags⸗Jeitung.

Seite 7.

geschlagen und nun sei es zu Ende gewesen 3 ei weniger von der Schuld als dem

nglück des Angeklagten zu reden, und die Verteidigung bitte demgemäß um Zubilligung mildernder Umstände.

Die Verteidigung hatte trotz aller aufge⸗ wandten Beredsamkeit wenig Glück mit ihrer Beweisführung. Die vernichtende Anklage des Staatsanwalts hatte das Publikum, das dicht⸗ n den engen Zuschauerraum füllte, mit

eifälligem Gemurmel aufgenommen, sprach er

doch nur aus, was seit Wochen schon alle Gemüter erfüllte. Den Ausführungen der Verteidigung folgte drohendes Murren, das sich zu höhnischen Zurufen steigerte, als der Angeklagte, von seinem Rechte Gebrauch machend, sich zu einer Ansprache an die Geschworenen erhob. Der Präsident mußte, um die Ruhe wieder herzustellen, die Räumung des Saales androhen. Das wirkte. Eine schier unheimliche Ruhe lagerte sich über den Raum, daß man das Heulen des Sturmes hören konnte, der prasselnde Regenschauer wider die Fenster warf, ja selbst das Kritzeln der Federn, die in eil⸗ fertiger Hast übers Papier fuhren. Wie vorm Gewitter, wenn die Luft elektrischer Spannung voll ist, zuckte es aus Hunderten von Augen wie Haß und Verachtung hinüber zu dem Manne, der, müde und gebrochen, sich nur mühsam aufrecht erhielt.

Er hatte während des Ganges der Ver⸗ handlung anscheinend in dumpfer Teilnahm⸗ losigkeit dagesessen. Nur als die Vorwürfe des öffentlichen Anklägers wie Peitschenhiebe auf ihn niedersausten, war ein scheuer, hilfe⸗ flehender Blick aus den trüben Augen hervor⸗ gebrochen, ein Blick, der sich entsetzt abwandte, als er der mitleidlosen Zustimmung, der

hundertfältigen Verachtung da vor sich begegnete.

Nun stand er da, den Blicken aller erbarmungs⸗ los preisgegeben. Das fahle Licht des trüben Wintertages mischte sich mit dem flackernden Schein der Gaslampen, ihm ein geradezu gespenstisches Aussehen zu geben. War das noch Karl Helfinger? Diese in sich zusammen⸗ gesunkene Gestalt, die mit zitternden Händen das Holzwerk der Schranken umklammerte, in deren scheuen, erloschenen Augen die Angst wohnte, die Angst vor dem Pranger, vor der Oeffentlichkeit, derselben Oeffentlichkeit, die ihm früher ein Piedestal bereitet hatte, in deren verfallenen, durchfurchten Zügen, in deren ver⸗ wildertem weißen Bart und Haar Leiden und vorzeitiges Alter eine bleibende Stätte gefunden hatten? War das noch Karl Helfinger, der mit müder, leiser und monotoner Stimme, wie ein Kind, das seine Lektion aufsagt, nunmehr zu sprechen begann? Schaudernd überltef es manch einen der Richter im Zuhörerraum; es wurde totenstill und die Worte Helfingers, obwohl sie wie ein Hauch aus weiter Ferne zu kommen schienen, fanden ihren Weg bis in den letzten Winkel des Saales:

Meine Herren Richter und Geschworenen! Wenn ich von dem mir zustehenden Rechte Gebrauch mache, so thue ich es nicht, weil ich glaube, meiner Sache damit nützen zu können.

ch bin ein verlorener Mann, und ich bin mir dessen bewußt. Ich will auch nichts zu be⸗ schönigen versuchen und nicht um Mitleid betteln, aber bitten möchte ich Sie zu glauben, daß ich mich mit dem, was ich Ihnen zu sagen habe, einmal noch in den Dienst der Allgemeinheit

stellen möchte. Meine Herren! Ich habe selbst zu oft da oben gesessen er deutete nach der Bank der Geschworenenum nicht zu wissen,

daß ich diesen Glauben verwirkt habe. Und dennoch brauche ich ihn, brauche das Vertrauen in die Redlichkeit meiner Absichten, brauche es dies eine Mal noch, soll nicht das, was ich zu sagen habe, wirkungslos verhallen. Warum auch sollte ich Sie täuschen. In welcher Ab⸗ sicht? Sehen Sie mich an! Wie heute auch die Entscheidung falle, mir wird sie wenig zu geben und wird sie cuch wenig zu nehmen haben. Die Lebensluft, in der ich zu atmen gewöhnt war, ist mir vergiftet für immer. An die Schande gewöhnt sich nicht, wer ein Leben der

Ehre und Anerkennung hinter sich hat. (Fortsetzung folgt.)

Gemeinnütziges.

Das Waschen im Kindesalter. Von größter Wichtigkeit sind beim kleinen Kinde die täglichen Waschungen respektive Bäder; dadurch wird nicht nur die Reinigung des zarten Leibes erreicht, sondern auch die Hautthätigkeit wird dadurch angeregt und für die Offenhaltung der Schweißdrüsen gesorgt, so daß denselben als⸗ dann ermöglicht ist, die Ausdünstung der der Gesundheit schädlichen Stoffe aus dem Körper zu bewirken. Ferner wird in Folge dessen eine regere und gleichmäßigere Blut⸗ und Lymph⸗ zirkulation erzielt, wodurch eine bessere Ernäh⸗ rung der Kno hen, Muskeln, Sehnen und Nerven stattfindet. Es ist stets eine genaue Messung der Temperatur des Wassers, welches zum warmen Waschen der Kinder benutzt wird, mit dem Thermometer vorzunehmen, welches nur durch ein längeres Hineinhalten, aber nicht durch schnelles Hineintauchen des Thermometers geschehen kann. Die Gewohnheit, welche manche Mütter haben, durch Hineinhalten des Ellbogens ins Wasser die Wärme desselben messen zu wollen, ist sehr trügerisch, weil einem warmen Arme das Wasser kälter vorkommt, wie es wirklich ist. Durch die Anwendung des warmen Wassers werden die Talgpartikelchen, welche in der Haut liegen und die Hautporen verstopfen, aufgelöst; die Haargefäße, diese kleinsten und feinsten Aederchen, welche unter der ganzen Hautoberfläche liegen, werden alsdann mit Blut gefüllt, und durch die geöffneten Hautporen hat die Luft dadurch einen sehr bequemen Weg, um ungehindert in die Hautschicht einzudringen; jedoch findet bei täglicher Anwendung von warmem Wasser zu Waschungen oder Bädern eine Erschlaffung der Haut statt, so daß die Schließung der Poren nicht mehr in der Weise stattfindet, wie es sein muß; ebenfalls wird dadurch die Verweichlichung der Haut hervor- gerufen und die Erkältungsgefahr vergrößert. Um dem aber vorzubeugen, soll nach jeder An⸗ wendung von warmem Wasser eine kurze Ab⸗ waschung von kaltem Wasser folgen. Es findet durch das kalte Wasser die Schließung der Hautporen, sowie das Herausdrängen des Blutes aus den Haargefäßen statt, jedoch kehrt dasselbe sofort in größerer Menge dahin zurück, dehnt und weitet die kleinen Aederchen aus, so daß alsdann die Hautschicht strotzend voll Blut wird und in der schönsten, rosigen Farbe er⸗ scheint, was sich durch ein ganz bedeutend höheres Wärmegefühl kund giebt. Um also einer Ver⸗ weichlichung und Erschlaffung der Haut und der Haargefäße, welch' letztere dann nicht mehr im Stande sind, die Blutkörperchen, welche zur Erwärmung der Hautoberfläche nötig sind, auf⸗ zunehmen, was sich durch die blasse Farbe der Haut bemerkbar macht, vorzubeugen, sollten warme Waschungen oder Bäder zur Reinigung des Körpers nur ein⸗ bis zweimal benutzt werden, denen alsdann, wie schon bemerkt, leichte kalte Abwaschungen folgen müssen. Zu täglich Wenaschungen müssen stets kältere Wasser⸗ temperature! benutzt werden. Es ist von der größten Wichtigkeit, daß die Anwendung der kälteren Abwaschungen schon bald nach der Geburt geschieht; jedoch ist es streng zu beachten, daß keine Kaltwasserkur stattfinden soll, sondern nur allmählich mit der Benutzung des kälteren Wassers vorzugehen ist. Hauptsächlich handelt es sich darum, daß die Köxperkonstitution des Kindes beachtet werden muß, denn jedes Allzu⸗ schnell oder Allzuviel bringt Schaden: lieber ein Bischen vorsichtig, ist der richtigste Grundsatz, was nur dadurch zu erreichen ist, daß alle sechs bis acht Tage die Wärme des Wassers um ein Grad reduziert wird, bis zu dem niedrigsten Standpunkt der Wasserwärme von ungefähr 16 Grad.

(Kleines Journal für Hygiene.)

Ein gut mästendes Schweinefutter bilden die Molken. Dieselben haben einen großen Nährwert und liefern in Verbindung mit Schrot, Bohnenmehl und Kleie außer⸗ ordentlich günstige Mastresultate. Melasse und anderes Weichfutter soll bei Molken nicht ge⸗ geben werden, da diese sonst zu abführend wirken würden.

Das Futter für Ziegen soll mehr trocken

als naß sein; im Winter sollen sie recht

ut eingebrachtes, nicht zu fettes Heu und glich etwas Rüben, aber nur kein gefaultes Zeug, und pro Tag 12 Gramm Salz erhalten. Bei richtiger Pflege gedeiht die Ziege auch als Stallziege ganz gut, nur muß sie frühzeitig an diese Lebeusweise gewöhnt werden.

Humoristisches.

Ein aufregender Vorfall. Die Frankfurter Zeitung schrieb: Recht ungemütlich geht es in dem RomanGlück von S. Halm zu, den die Wormser Zeitung soeben veröffentlicht. In der Nummer dieses Blattes vom 21. d. Mts. lasen wir mit steigender Er⸗ regung die Schilderung eines Auftritts, wobei ein un⸗ angenehmer Herr, der sich schon durch seinen Namen Peykowsky genügend charakterisiert, mit einem großen Messer in der Hand auf eine junge Dame, die Marga heißt(vermutlich eine Abkürzung von Marga⸗ rine), losgeht und sie verwundet. Und nun, während wir an allen Gliedern zittern, lesen wir weiter:

Eine unbeschreibliche Szene folgte. Mit glasigen Augen, aschfahl stierte Casimir auf die Gruppe, den zerschmetterten Arm, von dem das Blut unaufhörlich zur Erde floß. Sein Werk! Ein gelles Lachen schrillte durchs Zimmer. Man wußte nicht, war es das Lachen eines Wahnsinnigen oder ein Weinen. Als Robert Miene machte, die Verletzte in die Kammer zu tragen, stürzte Peykowsky zu Marga, klammerte sich an ihren Mantel und rief wie ein Verzweifelnder:

(Fortsetzung folgt.)

Ehrgefühl. Leutnant(zu seinen Kameraden): Laßt ihn mal liegen, den Zivilisten! Der Kerl ist ja besoffen wie'n Schwein!

Betrunkener: Wat? Blos wie wie'n Schwein? Det langt noch gar nicht! Wie'n Leutnant wollten Se wohl sagen? Wat?

Saubere Zustände. Gewerbeinspektor (eine Bäckerei inspizierend): Welches ist denn nun eigent⸗ lich der Backtrog und welches der Schweinetrog?

Meister: Aber Herr Inspektor wer wird's denn so genau nehmen? Das wissen wir ja selber nicht

so bestimmt. Südd. Post. eee eee Geschichtskalender.

2. Februar. 1868: Ledru⸗Rollin, französ. 48er Sozialdemokrat gestorben.

3. 1899: Löbtauer Zuchthausurteil, gefällt 53 Jahre Zuchthaus, 8 Jahre Gefängnis über 11 Bauarbeiter wegen geringfügiger Unfugsdelikte verhängt.

4. 1897: Achtstundentag⸗Debatte im Reichstage.

5. 1880: Dynamit⸗Attentat im Winterpalast Petersburg.

6. 1901: Wilhelm II. dekoriert Lord Roberts mit dem Schwarzen Adler.

7. 1885: DieAnarchisten Reinsdorf u. Küchler geköpft.

3. 1587: Königin Maria Stuart von Schottland enthauptet. 1900: 1. Lesung der Flotten vorlage im Reichstage.

r KK. BB Aus dem Gießener Standesamts register.

Aufgebotene. 22. Januar: Dr. Richard Herz, Chemiker in Franksurt a. M. mit Toni Pasch dahier. Otto Ruhl, Fußgendarm in Darmstadt mit Maria Höbel dahier. 23. Gottfried Hofmann, Knecht dahier mit Luise Hofmann, geb. Hörr in Wieseck. 24. Xaver Koch, Rangierer mit Martha Hofmann dahier. 29. Emil Mißler, Wirt mit Marie Gäde, geb. Konrad dahier.

Eheschließungen. 25. Januar: Georg Hart⸗ mann, Dienstknecht mit Henriette Jacobi dahier. Lud⸗ wig Schlaudraff, Buchbinder mit Margarethe Büchner dahier. 29. August Zipp, Oberkellner in Niedershausen mit Christine Werther dahier.

Geborene. 18. Januar: Dem Schneider Wil⸗ helm Hoffmann e. S. 20. Dem Heizer Friedrich Schupp e. T. Dem Lehrer Ernst Reich e. T. 21. Dem Schuh⸗ macher Adolf Schwan e. T. Dem Schuhmacher Wil⸗ helm Schmidt e. T. 22. Dem Taglöhner Heinrich Schomber e. T. Dem Oberpostassistent Heinrich Hölscher e. S. 23. Dem Maurer Adam Menz e. S. Dem Taglöhner Karl Strack e. S. 24. Dem Laternenwärter Friedrich Schäfer II. e. T. 25. Dem Schlosser und Installateur Julius Stohr e. S. 27. Dem Packmeister Friedrich Müller e. T. 29. Dem Schreiner Wilhelm Becker e. T.

Gestorbene. 23. Januar: Heinrich Schneider, 45 Jahre alt, Taglöhner. Hans Egly, 6 Jahre alt. Ludwig Jöckel, 65 Jahre alt, Landgerichtsdirektor. 24. Paul Basan, 33 Jahre alt, Fuhrmann. 25. Niko⸗ laus Elm, 68 Jahre alt, Taglöhner. Ludwig Jung, 26 Jahre alt, Landbriefträger. 26. Karoline Bogler, 2 Monate alt.