Ausgabe 
2.2.1902
 
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Seite 4.

Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

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Nr. 5.

1 verschärft wird, muß jeder Familienvater dafür 5 sorgen, daß seine Lebenshaltung nicht noch mehr 121 herabgedrückt wird. Er kann das, indem er dem Konsumverein beitritt. ö Eine öffentl. Metallarbeiter⸗ 1 Versammlung tagte Mittwoch Abend auf Lonys Bierkeller. Gen. Ehrler aus Frank⸗ furt sprach über:Die Arbeitslosigkeit, ihre Ursache und Wirkung. Leider war die Ver

140 sammlung nur mäßig besucht. Der Redner 11 wies in seinen Ausführungen auf die gegen⸗ 1 wärtige, durch die planlose Produktionsweise

der kapltalistischen Gesellschaftsordnung hervor⸗ gerufene Arbeitslosigkeit hin, welche die Lebens⸗ haltung der Arbeiter noch schlechter gestalte. Ver⸗ 1 besserung sei nur durch die Organisation mög⸗ lich, an die sich anzuschließen dringend auf⸗ ö gefordert wurde.

f Detaillisten⸗Verein und Orts⸗ krankenkasse. Wie wir in vorletzter Nummer 100 mitteilten, hat der Magistrat ein Ortsstatut 10 erlassen, das die Krankenversicherungspflicht auf

Handlungsgehilfen und Heimarbeiter ausdehnt.

9 Verschiedenen kleinbürgerlichen Kreisen, besonders 4 dem Detaillisten⸗Verein, paßt es nun gar nicht, 1 daß die Handlungsgehilfen Mitglieder der Orts⸗ 1 kasse werden sollen. Letzterer sind gewisse klein⸗ bürgerliche Kreise nicht besonders grün; einen vernünftigen Grund für ihre Antipathie können sie allerdings nicht angeben. Kurz, um die Handlungsgehilfen vor der Ortskrankenkassen⸗ Mitgliedschaft zu bewahren, wollte man eine Krankenkasse für Kaufleute gründen. Der vor

h Kurzem von der Stadtverordneten⸗Versammlung

5 gebildete sozialpolitische Ausschuß sprach 5 sich aber dagegen aus, daß hierzu die Geneh⸗ migung erteilt werde; ebenso gegen die Er⸗ richtung einer Bäckerinnungskrankenkasse. Den Beschlüssen des Ausschusses trat die Stadt⸗ verordneten-Versammlung in ihrer Sitzung am letzten Donnerstag nach ziemlich l lebhafter Debatte bei. In sachlich nicht be⸗ 1 reitbaren Ausführungen legte Beigeordneter Wolff dar, daß eine derartige Zersplitterung nur Kachteile für die Versicherten brächte und Vorteile sich nicht nachweisen ließen. Die Herren Heichelhe im, Kirch, Löber, Wal⸗ lenfels, Georgi, Petri, welche die Son⸗ derbündelei empfehlen, bewiesen klar und deut⸗ lich, daß Gründe, manchmal recht eigenartiger Art, die mit der Krankenversicherung nichts zu thun haben, ihr Handeln bestimmten.Die größte Kühnheit bewies jedoch Herr Pirr, welcher die Zersplitterungsbestrebungen mit dem Hinweis auf die prächtige Innungskrankenkasse

der Metzger unterstützte. Das bekam ihm nicht

gut; Herr Beigeordneter Wolff verglich die

Leistungen der Ortskrankenkasse mit denjenigen der Metzgerkasse und man muß bewundern, daß die Metzgergesellen sich nicht längst gegen solche

minimale Leistungen auflehnen. Der Beitrags⸗ unterschied von 1 Prozent rechtfertigte noch nicht ein Mal die minderen Leistungen. Auch die Herren Gaffky, Emmelius, Bürger⸗ meister Mecum, Krumm, sowie Herr Han au standen entschieden auf Seiten der Zentra⸗ lisation der Krankenkassen. Zwischen den Freunden und Gegnern der Anträge kam es noch zu manchen interessanten Auseinander⸗ setzungen, bei welchen Herr Löber, getreu seiner Gewohnheit, die ihm mangelnde. Sach⸗ und Gesetzeskunde durch allerlei unbewiesene Behauptungen zu ersetzen suchte.

Die für die Zentralisation von Herrn Dr. Gutfleisch gehaltene Rede müssen wir be⸗ sonders würdigen. Die Schuld für die Ab⸗ sonderungsversuche fand er größtenteils in dem

ö Verhalten dersozialdemokratischen Leitung der Ortskrankenkasse, namentlich in den Strei⸗ tigkeiten der letzten Jahre. Krumm erwiderte, daß auch ih m diese Differenzen peinlich gewesen seien. Aber die Schuld liege auf beiden Seiten; jetzt sei das Zusammenarbeiten ein ersprießliches und nützliches, wie Kollege Hanau ausdrücklich erklärt habe. Wir wollen beste Fürsorge für die Kranken und die Gegner der gemeinsamen Ortskrankenkassen werden den Beweis nicht erbringen können, daß sie Be⸗

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dieser Sitzung zur Sprache. Obwohl früher gesagt wurde, daß sich in Gießen die Arbeits⸗ losigkeit weniger fühlbar mache, haben sich doch ziemlich viel Arbeiter zu den Notstandsarbeiten gemeldet, so daß die Stadt für weitere Arbeit sorgen mußte. Bei Besprechung dieses Gegen⸗ standes meint Herr Bäckermeister Löber, daß für diese Arbeiter die Bezahlung mit täglich 2 Mk. zu hoch set. Wirklich ein forgsamer Stadtvater! Mit Recht sagte ihm Stadtver⸗ ordneter Orbig, er wünsche ihm, daß er nur 5 85 14 Tage lang mit 2 Mk. täglich leben müsse.

An die gesamte Tabak⸗ arbeiterschaft Deutschlands richtet die Kommission der Berliner Tabakarbeiter, einen energischen Aufruf. Es heißt

darin: In der Reichstagsfitzung vom 8. Jan. d. J. äußerte Reichsschatzsekretär v. Thiel⸗ mann bei Gelegenheit seiner Etatsrede: Wenn der wirtschaftliche Niedergang anhält und der Rückgang der Einnahmen sich weiter fortsetzt, so werden Sie nicht um⸗ hin können, neue Einnahmequellen zu be⸗ willigen, nicht aber solche wie den Börsen⸗ stempel, sondern Einnahmen, die wirklich zu Buch schlagen, und da stehen an erster Stelle die Worte: Bier und Tabak. i Mit dieser Ankündigung des Schatzsekretärs ist die kurze Ruhe, welche der Tabakindustrie seitens der Reichsregierung vergönnt war, aufs Neue in Frage gestellt und neue unendlich schwere Kämpfe stehen uns bevor. Seit ca. 35 Jahren sind der Tabakindustrie seitens der Regierung nur kurze Ruhepausen vergönnt worden. Wie unendlich schwer die Industrie hierunter gelitten hat, beweist der gegenwärtige Stand derselben; es ist Thatsache, daß die Tabakarbeiter zu den schlechtgelohntesten der ganzen Industriearbeiter gezählt werden müssen. Durch Erhöhung der Steuer würden selbst⸗ verständlich die Löhne noch weiter herabgedrückt. Deshalb müsse sich die Tabakarbeiterschaft Deutschlands zum Kampfe aufraffen.Kol⸗ legen und Kolleginnen, organisiert diefen Kampf in folgender Weise: Beruft allerorts, wo Tabakindustrie betrieben wird, öffentliche Tabakarbeiter⸗Versammlungen ein, wählt dort Kommisstonen, die jederzeit des Rufes gegenwärtig sein, ebenso auch jetzt schon in ihren Kreisen anregend und aufklärend zu wirken und gleichzeitig auch die Frage zu er⸗ örtern, auf welche Weise Geldmittel, wenn solche notwendig werden sollten, beschafft werden können. Wir fordern von Euch, daß Ihr schleunigst mit der Einberufung von öffent⸗ lichen Tabakarbeiter⸗Versammlungen beginnen möget, denn nur mit in solchen Versammlungen gewählten Kommissionen können wir in Ver⸗ bindung treten. Alle in der Folgezeit sich als notwendig erachtenden Schritte werden Euch rechtzeitig von uns bekannt gegeben werden. Die hiesigen Tabakarbeiter sollten sich diesen Aufruf zu Herzen nehmen.

Aus dem Rreise gießen.

m. Eine Kleinkinderschule in Heuchelheim zu gründen, daran arbeitet der VereinJugendfreund schon seit etwa 10 Jahren. Bisher konnten aber die Mittel zur Erbauung einer solchen noch nicht zusammen⸗ gebracht werden. Drum betrieb man in letzter Zeit die Sache mit Hochdruck; Lehrer, Pfarrer und andereHonoratioren des Orts gingen in eigener Person von Haus zu Haus und sammelten Beiträge für das Werk. Und das hilft. Denn so Mancher, der sonst keinen Pfennig dafür herausgerückt hätte, zeigt sich diesen Herren gegenüber weniger spröde und zieht, wenn auch widerwillig, die Börse. Uebrigens sind viele Einwohner der Meinung, daß die Anschaffung eines Leichenwagens weit notwendiger wäre, als eine Kleinkinderschule, von der man für später Lasten für die Gemeinde fürchtet. Gegen ein solches Institut wäre schließlich nichts einzuwenden, wenn es von modernen Gesichtspunkten aus geleitet wird und allen Anforderungen in Bezug auf Gesundheits⸗ pflege entspricht. Hier aber hat man mehr

Kinder vermuckert werden sollen. Das und die Art der Kollektierung hat den Unwillen eines großen Teils der Einwohnerschaft hervor⸗ gerufen. 5 7 5 Der Arbeiter⸗Bildungs⸗Verein Steinberg veranstaltet wie aus dem In⸗ seratenteil ersichtlich, diesen Sonntag eine Abendunterhaltung im Lokalezum grünen Baum. Voraussichtlich wird bei dieser Gelegenheit unser Freund Krumm einen Vor⸗ trag halten. Mögen sich die Steinberger Ge⸗ nossen recht zahlreich beteiligen!

reis Alsfesd⸗Cauterbach.

Von der Bindewald'schen Versamm⸗ lung in Alsfeld am 12. Jan. haben wir noch einiges nachzutragen. Auf die von den an⸗ wesenden Arbeitern mit Beifall aufgenommenen Ausführungen Vetters antwortete Herr Binde⸗ wald zunächst mit der bekannten Redensart, daß der Vorredner seine(B's.) Ausführungen nicht habe widerlegen können. Die gegen Er⸗ höhung der Zölle vorgebrachten Gründe beruh⸗ ten auf Unkenntnis der landwirtschaftlichen Ver⸗ hältnisse. Das ist auch ein allgemein von den Zöllnern gebrauchtes Schlagwort. Merkwürdig! Da wirft irgend ein Schriftsetzer, Maler oder Architekt einem Zollgegner vor, er verstünde nichts von der Landwirtschaft! Soviel doch sicher, wie die Herren, die sich mit der land⸗ wirtschaftlichen Sachkenntnis brüsten. Und wirklich, Herr Bindewald hat gar keine Ursache dazu. Wer behauptet, daß der Arheiter, der sich ein Schwein mästet, Vorteile von den Zöllen hat, der soll sich mit seiner Kenntnis der Ver⸗ hältnisse begraben lassen. Schrecklich malte Herr Bindewald die Folgen einer etwaigen Aufhebung der Industriezölle aus. Dann wür⸗

geworfen. Wie kommt es aber dann, daß sein Parteifreund Köhler dafür eintritt und auch der Bund der Landwirte durch verschiedene

seiner Mitglieder 2. Nicht übel war auch das

Loblied, das Herr B. der heutigen Recht⸗ sprechung sang. DieUnparteilichkeit der⸗ selben sei über alles erhaben! Herr Bindewald scheint von den unerhörten Urteilen gegen Ar⸗ beiter und der milden Bestrafung der Duelle nichts gehört zu haben. Und Stietencron! Freispruch, obwohl Mord vorlag! Hunderte von Fällen, in denen die Klassenjustiz unverhüllt zu Tage tritt, können angeführt worden. Die Verurteilung seines Freundes, des Dreschgrafen Pückler führte Herr B. zum Beweise dafür an, daß unparteiisch verfahren werde. Hätte ein Arbeiter nur zum zehnten Teile so aufreizend geredet, als es der Dreschgraf gethan, er wäre sicher Jahre lang ins Zuchthaus gekommen, während das tolle Gräflein mit geringer Geld⸗ strafe davonkommt.

Auf die Zucker⸗ und Branntweinsteuer, die

Liebesgaben des Junkertums, ging der Abge⸗

ordnete für Alsfeld⸗Lauterbach nicht ein. Ge⸗ nosse V. konnte wegen vorgerückter Zeit auf diese Ausführungen, sowie auf die eines andern antisemitischen Redners nicht mehr antworten. Hoffentlich giebt sich dazu später einmal Ge⸗ legenheit. Die tapferen Alsfelder Fraisinns⸗ mannen ließen sich in der Versammkung nicht sehen. Bei der nächsten Wahl wird sich zeigen, daß auch in diesem uns schwer zugänglichen Kreise unsere Sache mehr au Boden gewiant und der Antisemitismus zurückgedrängt wird.

Aus dem Rreise Wetzlar.

Gute Patrioten. Aus Wetzlarer Ge⸗ nossenkreisen schreibt man uns: In Ihrer Be⸗ A der Versammlung, in welcherunser

eichstagsabgeordneter Krämer Bericht er⸗ stattete, vermisse ich die Wiedergabe einer Be⸗ merkung Krumms, die Erwähnung verdient,

nosse sagte an einer Stelle etwa:

Wenn Sie dann haben sie den Patriotismus in Erbpacht genommen. In Preußen haben 20 Prozent der Steuerpflichtigen, von über 3000 Mk. Ein⸗ kommen, den Staat zu bemogeln versucht, in⸗ dem sie 150 Millionen zu wenig Einkommen

sonderes leisten.. Auch die Notstandsarbeiten kamen in

mit dem Hintergedanken zu rechnen, daß die

deklarierten. Das ist der Patriotismus der

den hun derttausende Arbeiter auf die Straße

was ich hier mit nachholen möchte. Unser Ge⸗ f

Patzig und Krämer hören,

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