Ausgabe 
31.12.1851
 
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und ich war ihm nachgereiſet, um mich mit ihm wieder

auszuſöhnen. Er befand ſich wieder hier, hatte eine reiche

Erbſchaft gethan. Schnöde ſtieß er mich zurück, als ich ihn aufſuchte. Gram, Zorn und Verzweiflung ließen mich vergeſſen, was ich meinem Kinde ſchuldig; ich ſchickte es dem Vater zu mit der Aufforderung für daſſelbe zu ſor⸗ gen. Der Elende aber muß, da ihm meine Wohnung verborgen war, es euch in die Hände geſpielt haben. So kam es, daß ich von Emiliens Herkunft keine Ahnung hatte und ich in ihr nur eine laͤſtige Plage erkannte.

Nach dieſer Mittheilung ſchwieg Camilla erſchöpft. Eleonore aber wollte jetzt nicht in ſie dringen, daß ſie auch vor der Mutter ihr Bekenntniß wiederhole. Auf⸗ fallig war es, daß Camilla kein Verlangen bezeigte, ihre kaum dem Tode entronnene Tochter zu ſehen. Sie ſchien den gegen deren Vater empfindenden Haß auf das ſchuld⸗ loſe Kind überzutragen, denn es pflegt nicht ſelten zu geſchehen, daß wir nicht die Sünde ſelbſt, ſondern nur die daraus hervorgegangene bittere Frucht verabſcheuen.

Nach fünf Wochen ſchon befand ſich Camilla am Ende ihrer Tage. Zum Gerippe abgezehrt, lag ſie da. Dennoch gab ſie, wie alle ſolche Kranke, die Hoffnung der Wiedergeneſung keinen Augenblick auf. Eleonore aber hatte ihrer Mutter das Geheimniß entdeckt, welches über Emiliens Herkunft geſchwebt, und das Kind ſelbſt in die Krankenſtude heraufgeholt, damit es den Segen ſeiner Mutter empfange. b

Einen lichten von Phantaſiren freien Augenblick der Sterbenden benutzend, führte Eleonore das Kind ſeiner Mutter zu und ſagte zu dieſer ſanft: ö

Hier iſt deine Tochter, Camilla! Die Mutter weiß Alles und liebt deßhalb Emilien noch mehr wie bisher. Emilie bittet dich um deinen Segen, Schweſter!,

Weshalb?, fragte die Kranke.Meinet ihr etwa, daß ich ſterben muß? Ihr könnt es wohl kaum erwarten?/

Bei dieſen Worten drückte ſie mit ihrer dürren Kno⸗ chenhand ſo derb die des Kindes, daß dieſes zu weinen begann. g

Schaff' den Schreihals fort! gebot Camilla bitterIch will Ruhe haben., 5

Eben phantaſirte Camilla wieder wild und laut, als Morelli, der faſt ganz wieder geneſen, leiſe in's Zim⸗ mer trat.

Nach einem forſchenden Blicke auf die Sterbende ſprach er in tiefer Bewegung:Der Tod ebnet jede Un gleichheit. Er tilgt auch jegliche Feindſchaft aus. Ich verzeihe Dir! Du warſt meine beſte und gelehrigſte Schülerin und ein reiches Talent ſtirbt mit Dir. Die viele Lobhudelei hat Dich verdorben auch ich mag meinen Antheil dabei haben. Der Tünch iſt nun vom Grabe abgefallen und nun erblickt man wieder die Todtenbeine darin. Horch! jetzt nennt Camilla meinen Namen.

Wie ſagt er? Momento Camilla's Stimme war im Verlöſchenmomento Mor Morel lil/

Tief erſchüttert beugte ſich der Meiſter über ſeine Schülerin nieder, die mit der letzten Sylbe ihre Seele ausgehaucht hatte. Mit bebender Hand machte er das Zeichen des Kreuzes auf die kalte, weiße Marmorſtirne. Mutter und Schweſter dagegen weinten laut um die Ge ſchiedene. Zu deren Sterbebette hin führte Eleonore das Kind.Sie iſt todt!, ſchluchzte ſiedeine Mutter! Aber ich will deine Mutter ſein, wie ich's jetzt ſchon ge weſen bin.,

Der Tugend Lohn.

Einige Zeit nach Camilla's Tode und Begräbniß er⸗ ſchien Herr Martin bei Niedners.

Ich habe,, hob er bewegt zur jungen Hofleib⸗ wäſcherin anIhnen ein großes Unrecht abzubitten. Auch ich hatte dem Gerüchte Glauben geſchenkt, welches über Ihr Verhältniß zu Emilien in der Leute Munde um⸗ herging. Ein glücklicher Zufall belehrte mich erſt kürzlich über meinen Irrthum. Während Emiliens Krankheit ſah ich Sie eines Morgens mit verweinten Augen in die Apotheke laufen. Ich errieth die Urſache Ihrer Beküm⸗ merniß und beſchloß, Ihnen den Beirath meines Haus arztes, des Medicinalraths Baumgarten, anzubieten. Als ich in dieſer Abſicht in Ihre Wohnung trat, ward ich wieder meinen Willen hinter einen Betiſchirme Zeuge eines Zwiegeſprächs zwiſchen Ihnen und Camilla, welches das Geheimniß über Emiliens Herkunft in ein helles Licht ſetzte. Die unwiederſtehliche Begierde, Sie völlig flecken los zu wiſſen, machte mich zum Lauſcher und ich entfernte mich nicht eher, als bis ich Alles wußte. Dieß iſt's, was ich Ihnen zu ſagen hatte. Noch Eins jedoch! Darf ich wohl fragen, ob Sie mit Ihrem Hausgenoſſen, dem Schreiber Schmiedel, in irgend einer Verbindung ſtehen?

In gar keiner!, verſetzte Eleonore.Er iſt ein menſchenſcheuer und verſchloſſener Menſch.,

Man behauptet,, fuhr Herr Martin fort daß er einen verſteckten Plan gegen Sie auszuführen beabſichtigt. In dieſer Abſicht ſoll er die Wand, welche ſeine Stube von der Ihrigen ſcheidet, ſo dünn gemacht haben, daß er, wenn auch nicht Augen-, ſo doch Ohren- zeuge von dem Allen ſein kann, was in der Nachbarſtube vorgeht. Hierzu gehört unter Andern das Zuſammen⸗ treffen Camilla's mit Morelli, deſſen gehaltene Strafpre⸗ digt der Schreiber wörtlich wieder erzählt hat.

Der abſcheuliche Menſch!, rief Frau Niedner ent⸗ rüſtet aus.Ha! wir werden den heimlichen Schleicher unſchädlich zu machen wiſſen.

Schon am nächſten Morgen zog, zu Eleonorens Schrecken, Frau Niedner den Schreiber bei dem Arme in die Wohnſtube herein. 5

Sperren Sie ſich nicht!, eiferte die FrauWir

haben ein Hühnchen mit Ihnen zu rupfen, Herr Duck⸗

mäuſer! Warum ziehen Sie den Kopf ſo tief in die Ach⸗ ſeln, he? wenn Sie ein gutes Gewiſſen haben? Sie kön⸗ nen mir ja nicht einmal frei in die Augen ſehen. War- um, frage ich, haben Sie die Wand abgekratzt, um uns zu belauſchen? Man hat uns vor Ihnen gewarnt und da

habe ich mich denn genauer nach Ihnen erkundigt. Kein

Menſch kennt den Advocaten, bei welchem ein Schreiber Schmiedel ſchreibt. Selbſt unſer Wirth weiß ſo gut wie nichts von Ihnen. Kurz, Sie ſind nicht, für was Sie ſich ausgeben. Was ſoll das heißen? Heraus mit der Sprache!/

Der Schreiber ſchien durch dieſe unvermuthete An ſprache ſo verwirrt, daß er kein Wort zu erwiedern ver mochte.

Hierdurch wuchs der Mutter Muth noch mehr.

Werden Sie gleich antworten, Herr? Soll ich die Polizei herbeirufen? ſprach ſie.

Schmiedel blieb noch immer ſtumm.Was ſoll das heißen? Warum beugen Sie das Angeſicht auf die Bruſt hernieder? Warum laſſen Sie die Haare ſo tief über die Stirne hängen?

Wenn Sie es wünſchen, ſagte der Schreiber

ſich emporrichtendſo kann ich dieſe Haare entfernen.

Ein Griff und eine ſchwarze Haartour verſchwand von einem blonden Haupte. mit Gummi aufgeklebter Schnurr- und Kinnbart war ebenfalls beſeitigt.

Noch zwei Griffe und ein

vormal rin un Camill. mit gli

Balu

hierhei nenden von! dende

G.

0

20 Mor Rode bieteſ circa