Sie banden Beſen, flochten Strohmatten und Strohkörbe, Bienenfäſſer und dergleichen. Das wurde verkauft, und es kam Geld ins Haus. Andere ſtrickten Strümpfe oder belaſen Erbſen, Bohnen und Linſen.
Niemand war glücklicher als die Frauen.
Die Mädchen und Burſche waren zwar falſch; aber die Alten hielten ſie beſſer in der Zucht, und die Buben wagten ſich nicht mehr heraus, ſeit der alte Schöffe ſie ſo abgeputzt hatte. In Summa: in Hollbach war Ordnung und ein ganz anderes Leben. Prinz hatte recht, wenn er ſagte: Früher Haß wird oft ſpäte Liebe. Die Kundſchaft nahm nicht nur nicht ab, ſondern ſie wuchs, und Fränzchen war ganz aus dem Felde geſchlagen. Es muß noch beſſer kommen, ſagte Prinz. Wartet nur bis zum Frühling, wo man im Felde arbeiten kann, dann lehre ich meine Hollbacher auch frühe aufſtehen.
Als nun dieſe Zeit kam, machte er's ſo. Er hatte nur bis drei Uhr Morgens zu blaſen; allein das diente ihm nicht. Er blies bis Vier. Um vier Uhr ſetzte er das Horn wider die Läden und Fenſter, ſtieß hinein, daß die Schläfer voll Entſetzen auffuhren. Dann rief er:
Morgenſtund' hat Gold im Mund, Das thue ich Euch allen kund. Steht auf, die Sonne wartet ſchon! Dem Fleiß'gen wird gewiſſer Lohn! Steht auf, ſteht auf, ſteht auf!
Da war's mit dem Schlafen aus. Anfänglich knurrten und brummten die Schlotterer und Faulpelze, aber das half ihnen nichts. Standen ſie nicht auf, ſo kam er noch einmal zurück, und blies vor dem Hauſe, wo noch Alles ſtill war. Nach ein paar Tagen lagen die Leute ſchon in den Fenſtern, wenn er kam, lachten und ſagten: Jacob, du kannſt das Blaſen ſparen! So iſt's recht, ſagte er und ging. a
Mit der Gewohnheit iſt es ein gar curios Ding. Iſt man ein⸗ bis zweimal um vier Uhr aufgeſtanden, ſo wird man alle Tage um die Stunde wach. Wollte dann ein Mann noch ein Bißchen faulenzen, ſo rief die Frau; Der Nachtwächter kommt! und wie der Blitz war er auf.
Die Hollbacher ſind gutmüthige Leute. Waren ſie auch anfänglich ungehalten über das nagelneue Treiben ihres Nachtwächters, ſo erkannten ſie bald, da er's umſonſt that, wie er's meinte, und hielten ihn darum nur werther.
Das zeigte ſich dann auch vielfach. Sie neckten und riefen ihm zu: Mich fängſt du nicht mehr! Aber nun waren ſie geweckt, und es ging bald gut im Dorfe. Sein Wort fand überall eine gute Statt. Man konnte es deutlich ſehen. Die Hollbacher Felder ſtanden herrlich. Sie rotteten eine Menge wüſte liegendes Land um und bauten es ſorgfältig. Ihre Wieſen legten ſie alle ins Blei, wie's der Jacob im Siegener Lande geſehen hatte, wäſſerten ſie, und der Ertrag war doppelt. Das hatte den Nutzen, daß ſie mehr Vieh hielten, beſſer ihre Aecker und Weinberge düngen konnten. Der Prinz baute Klee, und die Bauern machten's nach. So kam's, daß ſie ihr Vieh zu Hauſe behielten. Nun hatten ſie doppelt ſo viel Nahrung vom Viehe. Wenn ſonſt in Hollbach jede Kuh den Vortheil hatte, daß, wenn's heiß war, der Bauer ſeinen Hut auf die dürre Hüfte hängen konnte, und er ſiel nicht herunter, ſo wurden jetzt mehr fette Kühe und Ochſen aus Hollbach getrieben, als früher magere oder Geiſen da waren. Der Hollbacher Wein war nie geſucht, obwohl ihre Berge köſtlich liegen. Seit ſie von dem Prinz den rheiniſchen Weinbau gelernt und die Heckenweinberge, die wie ein Struwwelkopf ausſehen, in Pfahlweinberge um⸗ gewandelt haben, und gut düngen und rechtzeitig ſie be⸗ arbeiten, iſt ihr Wein geſucht, theuer bezahlt und berühmt. Das Sprüchlein aber vom Betteln der Hollbacher iſt aus—
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geſtorben, denn
ſchon lange, lange geht kein Ho mehr fechten.. e 8 1 3 3
Als das erſte Jahr ſeiner Nachtwächterei um war, ſtarb der alte Schöffe. Auf Martini ſollte wieder gedingt werden. Alle Männer aber riefen: Du ſollſt auch am Tage für uns wachen, du ſollſt unſer Schöffe ſein! Jetzt iſt's durchgebiſſen. Der Wirth hat ſein Schild eingezogen, auf der Gaſſe iſt kein Unfug mehr, und wir haben früh aufſtehen gelernt.
Der Prinz wehrte ſich und wollte nicht d'ran, aber er mußte.
Als das dem Landrath bekannt wurde, der die Nacht⸗ wächtergeſchichte kannte und ſich herzlich darüber freute, kam er ſelbſt, den Prinz als Schöffen einzuſetzen. Da hielt er eine Rede, daß den Hollbachern Waſſer in die Augen kam, und als er geendet hatte, riefen alle Bauern: Unſer neue Schöffe lebe hoch!
Da empfing in dieſem Anerkenntniß Prinz ſeinen äußerlichen Lohn; den innerlichen hatte er ſchon lange durch den Erfolg ſeiner Bemühungen. 21.
Was machte Fränzchen für Augen als ſie das hörte! Als er heimkam, rief ſie neckend: Gelt', du biſt doch als Nachtwächter abgeſetzt worden! Aber die Freude über ihres lieben Mannes Ehre leuchtete aus den glänzenden Augen. 5 Prinz war aber auch der rechte Schöffe. Nun war ihm das Feld für ſeine Abſichten geöffnet. Er hielt gut Haus mit dem Gemeindevermögen, aber er legte gute Wege an, baute ein neues Schulhaus, verbeſſerte des braven Lehrers Beſoldung, pflanzte Bäume, gute Obſt⸗ bäume an die Wege, legte eine Gemeindebaumſchule an, kaufte eine neue Feuerſpritze und war unabläſſig bemüht, den Wohlſtand des Einzelnen zu fördern. Durch ihn, kann man ſagen, iſt nächſt Gott, der den Segen dazu gab, Hollbach aus einem Lumpenneſt ein reiches Dorf geworden und die Leute brav und geachtet.
l ſeht Ihr, Gevatter, ſagte der Schmiedjacob, was Einer in einer Gemeinde kann, wenn er will, und wenn er ſich nicht ſcheut, es recht anzugreifen. e e
Meiner Treu, ſagte der Gevatter, Ihr habt recht! Iſt im Dorfe ein tüchtiger Mann, ſo wirkt Wort und Beiſpiel ſegensreich, fuhr der Schmiedjacob fort. Da⸗ bei kann man aber auch lernen, daß es nicht geſagt iſt, daß ein Lumpendorf nicht noch ein tüchtiges werden kann,
wenn ihm nur der liebe Gott den rechten Nachtwächter
beſchert. Ich aber möchte in alle Iſt denn ſo kein Nachtwächter da?
Monats⸗Bericht der Blinden⸗Anſtalt zu Friedberg.
Im Monat April gingen folgende Gaben ein un ier⸗ durch 10 n 19 0 bescheinigt. e
on den Zöglingen des Hru. Prof. Garnier zu Friedrichsdo 50 fl. 42 kr.; L. S. Gendarm in Breidenbach 1. 55 13* den in Niederweiſel 1 fl.; Hr. Lehrer Frees zu Niederweiſel 1 fl.; A. H. in E. 3 fl.(2 fl. für Arnsburg); Rechnungsprobator Meier in D.
Dörfer hinein rufen:
1 fl.; d. Orn. Stoll in Niederwöllſtadt von den Käufern des Sr. H. Weithſchen Gutes 6 fl. 42 kr.; d. Hrn. Lehrer Roth in der Ge: 2
meinde Reuters bei Alsfeld 4 fl.; d. Hrn. Lehrer Weifenbach in Pfaf⸗ fenſchwabenheim 3 fl. 10 kr.; Fr. A. Schwarz in Romrod 1 fl. 1 f. für Arnsburg); Concordien⸗Verein in Offenbach 3 fl. 42 kr.; durch Univerſitätsdiener Schwarz in Gießen Ungen. 9 fl.; Schreinermeiſter G durch die Expedition des Alsfelder Intelligenzblattes 2 fl. Sd 8 Kn 12 kr.; durch den Anſtalts⸗ ecteur Ple 27 42 kr.; Hausbüchſe 10 fl. 563 Ge⸗ ſammtſumme 328 fl. 21% kr. 125 1. Für den Hausbau gingen bis heute baar ein 2000 fl. Bei dieſer Gelegenheit bitten wir um Jurückſendung der Aktien⸗Pläne und ſehen einer recht zahlreichen Abnahme entgegen. Das Haus wird in dieſen Tagen von Seiten des Zimmermannes ſeinem Ende zugeführt und
empfehlen dieſe Sache aufs Angelegentlichſte allen edlen Menſchen⸗
freunden. Friedberg den 1. Mai 1851, J. P. Schäfer, Vorſteher.
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