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„Was fehlt Ihnen Mütterchen?“ fragte die Jung, 6
Lächeln in den Zügen entſeelt lag. Ein Schlagfluß hatte
ihn aus dem Leben ſchnell abgefordert. f „Er iſt mitten in der Freude geſtorben!“ tröſtete die
Mutter unter Schluchzen ſich und die Töchter—„Ein
ſchöner Tod! Aber dennoch hätte ich ihn gern noch eine
Reihe Jahre leben geſehen, damit er durch Camilla den Lohn ſeiner ſauern Mühen und Entbehrungen genoſſen hätte.“ Gleich nach des Vaters Beerdigung gab Camilla ihre Antrittsrolle als Zerline im Don Juan, und als nach einer Monatsfriſt Eleonore mit einem Korbe voll getrockneter Wäſche auf dem Rücken heim kam, fand ſie den ganzen Tiſch mit blanken Silberſtücken belegt und ihre Mutter ſo wie Camilla mit freudig leuchtenden Blicken dabei ſtehen. Camilla hatte ihren erſten Monatsgehalt ausgezahlt erhalten. „So viel Geld für nur fünfmal ſingen!“ ſprach die Mutter, ihre Hände andächtig faltend.„Eines einzigen Thalers wegen müſſen Eleonore und ich einen ganzen Tag lang uns die Hände am Waſchfaſſe wund reiben und eben ſo lange auf dem Trockenplatze und an der Mangel zu⸗ bringen. Camilla! Glückskind du!“ Camilla überſchaute ihre lange Thalerreihen. Mit der einen Hand erfaßte ſie fünf, mit der andern zwei Thaler. Jene der Mutter dieſe der Schweſter hinreichend ſprach ſie:
„Da! thut euch eine Güte damit! Künftig ſoll es ſchon mehr ſetzen.“
„Du haſt Recht, Camilla!“ entgegnete die Mutter. „Vor allen Dingen erſt des Vaters Schulden, die er deinet⸗ wegen machen mußte, bezahlt und dann auch Morelli's Auslage. Das Andere findet ſich von ſelbſt.“
Camilla ſagte hierzu kein Wort.
„Zu Michaelis müſſen wir unſere Amtswohnung räumen“— fuhr die Mutter fort.„Für 40, höchſtens 50 Thaler Miethzins jährlich bekommen wir ſchon eine hübſche Wohnung von zwei Stuben, zwei Kammern, Küche und Keller. Eine Stube und Kammer behält Camilla für ſich. Darin kann ſie ſpielen und ſingen, ſo viel ſie will, indeß wir beiden, ich und Lorchen, ihre Aufwartung übernehmen und nebenbei die feinere Wäſche für andere Leute noch ferner beſorgen. Es iſt dieß doch ein kleiner Zuſchuß und deßhalb auch mitzunehmen.“
Auch hierzu ſchwieg Camilla. Nach einigen Tagen jedoch kündigte ſie ihrer Mutter an, daß ſie ſich eine Woh⸗ nung ermiethet und ein Stubenmädchen, ſo wie eine Magd angenommen habe.
„Beiſammen wohnen können wir durchaus nicht“— ſprach ſie entſchieden.„Das würde uns Alle nur ſehr in unſern Geſchäften ſtören, auch der naſſe Waͤſchedunſt mei— ner Stimme ſchaden. Zudem bekomme ich als Hofopern— ſängerin vielen und vornehmen Beſuch, der ſich nicht wenig wundern dürfte, wenn er unvermuthet in ein Zimmer käme, in welchem Leinen gezogen und Kleider gewaſchen oder geplättet würden. Ich wollte erſt Lorchen zu meinem Stubenmädchen machen. Allein ich ſagte mir ſelbſt, daß dieß nicht gerathen ſei und zu mancherlei Mißhelligkei— ten führen könne. Ueberdieß bedürfen Sie, Mütterchen, eines kräftigen Beiſtandes, ſo wie einer ſorgſamen Pfle— gerin um ſich.“
„Alſo ſoll ich mich auf meine alten Tage noch ferner mit Waſchen plagen und für fremde Leute?“ fragte Mutter Niedner ganz betroffen.
„Ei, wer will das?“ erwiederte Camilla.„Ich werde Ihnen einen ſolchen Jahrgehalt ausſetzen, daß Sie davon ganz gemüthlich leben können. Nur muß ich mich erſt eingerichtet haben und nicht mehr einen Spottgehalt bekommen.
Einige Monate ſpäter traf Eleonore ihre Mutter daheim in Thränen an.
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Die Frau beantwortete dieſe Frage nur durch ſtär⸗
kere Thränengüſſe. So weinte ſie, von Schmerz über⸗ mannt, ſtill fort, bis ſie endlich erwiedern konnte:
„Du wirſt wohl meinen Gram ahnen, Lohrchen! Ach, du wirſt ihn wohl ebenſo ſtark mitempfinden wie ich, nur daß du mehr Stärke beſitzeſt, ihn vor mir zu verbergen.“
„Was meinen ſie denn?“ verſetzte Eleonore verlegen.
„Verſtelle dich nicht Lorchen!“ bat die Mutter.„Be⸗ gegnet mir eine Bekannte, ſo heißt es:„Ei, ei Frau Niedner! müſſen Sie ſich immer noch mit der Wäſche
herumplagen? Sie haben ja eine Tochter, an die Sie Alles gewendet haben und die jetzt 800 Thaler Gehalt be⸗ zieht. Thut ſie den nichts für Sie? Eine Andere murrt
giftig auf dem Trockenplatze neben mir:„Es iſt doch ent⸗ ſetzlich, was für habgierige Menſchen es giebt! habe 800 Thaler Einkommen, gehen in Sammet und Seid einher, und nehmen unſer Einen noch das Bißchen Ver- dienſt weg. Im Tageblatte ſollte man ſolche Nimmerſatte blamiren.“ In die Erde möchte ich vor Scham verſinken,
wenn mir der Gläubiger unſers ſeligen Vaters oder Herr Morelli begegnet, die beide noch keinen rothen Heller ab⸗ Ich darf's keinen Menſchen
gezahlt bekommen haben. klagen, daß, außer den 7 Thalern, welche Camilla uns
von ihrem erſten Monatsgehalte ſchenkte, ſie nichts weiter gethan hat, daß wir uns mühſam und kümmerlich von
unſrer Hände Arbeit erhalten müſſen.“
„Laſſen ſie die Leute reden, ſo viel ſie wollen!“— „Ich mache es eben ſo und thue als 5
tröſtete Lorchen. hörte ich ihre Spitzreden gar nicht.“
„Aber du kränkſt dich doch im Stillen!“ verſetzte die Mutter.„Warum ich aber gerade jetzt ſo ſehr weinen mußte? Höre nur, Lorchen! Vorhin gehe ich zu Camilla,
um ſie zu bitten, dem armen Morelli wenigſtens einige
Thaler abzuzahlen. Da beſucht ſie eine andere Opern⸗ ſäͤngerin und da dieſe mich ſieht, fragt ſie:„Was für eine gute Frau haben Sie denn da bei ſich?“—„Sie iſt meine Wäſcherin!“ verſetzte Camilla und wurde nicht einmal roth bei dieſer Lüge. Vielmehr ſagte ſie, um dieſe
zu beſchönigen, zu mir:„Sie ſieht, liebe Frau, daß ich jetzt nicht Zeit habe. Komme Sie morgen wieder!“ So
verleugnete mich mein Kind vor den Leuten! welches ich unter meinem Mutterherzen getragen, mit Schmerzen geboren, mit Sorgen groß erzogen habe; das ich nimmer verleugnen würde und wenn es als eine große Sünderin und als die ärmſte Bettlerin vor mich hinträte. Das ſchmerzt bitter. g Und die Frau weinte wieder. Die Engel im Himmel aber zählten und ſammelten dieſe Kummerthränen und tru— gen ſie ein in das ſchwarze Buch Camilla's, der ſchönen, allbewunderten und vergötterten Sängerin.
(Fortſetzung folgt.)
Markt⸗ Bericht. Friedberg, am 26. November 1851.
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