ntelligenz-Blatt
fuͤr dle
Provinz Oberheſſen
im Allgemeinen, den Regierungsbezirk Friedberg
im Beſonderen.
753 7 N 2 94.
Sonnabend den 29. November
1851.
aus Dallachpſh N
en Amtlicher Theil.
1.
—— wut Der in dem diesjährigen Landkalender auf Dienſtag 1 I den 23. k. M. angezeigte Jahrmarkt zu Laubach ſoll nicht went Salpeung an dieſem Tagc, ſondern
4 Dienſtag den 16. Dezember l. J., lun 9. ebgehalten werden. a i. pebllkum a Die Gr. Bürgermeiſter wollen dies alsbald in ihren ann, i, Gemeinden veröffentlichen. velcht von nit Friedberg den 25. November 1851. 5 t grirrtigt werd. Gr. Heſſ. Regierungs⸗Commiſſion des I Regierungsbezirks Friedberg ür Epik, Genre, Trapp.
Wohl dem, der Freude an ſeinen Kindern erlebt. Erzählung von Guſtav Nieritz. (Aus deſſen Volkskalender 1852.) (Fortſetzung.) Die Anſtellung.
Oben in den höchſten Räumen des Hoftheaters, welche man deshalb das Paradies nennt, ſaßen, eng genug zuſammengerückt, Vater Niedner, deſſen Frau und Tochter Eleonore. Ein ſeltener Beſuch! Zum Glück achtete nie⸗ mand auf die ſtille Familie, denn ſonſt würde man den 1 Ausdruck der größten Seelenangſt auf ihren Geſichtern e al Ste, bemerkt haben. Klopfenden Herzens ſtand auch Morelli e Ste, auf dem Theater ſelbſt und zwar hinter den Couliſſen.
Man gab Meyerbeers Hugenotten und Camilla in denſel⸗ ben ihre erſte Proberolle, die Königin. Daraus wird die
Gegenwart der Niednerſchen Familie und deren Seelen⸗
angſt erklärlich. In derſelben überhörten ſie die ſchöne DuVvertüre, den erſten Act, Marcels Schlachtgeſang—
Alles. Das Mutterherz drohte aber zu zerſpringen, als
jetzt Camilla in königlichem Schmucke, umgeben von ihren Hofdamen und dem reizenden Schloßgarten mit ſeiner gro⸗ ßen Freitreppe, auf die Bühne trat. Eine anmuthige Erſcheinung das! denn der duftige Schmelz einer züchtigen ſchüchternen Unſchuld ruhte auf der lieblichen Jungfrau.
5 amilla begann ihre Arie mit etwas unſicherer Stimme, e e bie aber ſchon nach dem erſten gelungenen Triller ihre eee volle Kraft und Gewandtheit wieder bekam. Siehe da a0 5 u. eine hochbeglückte Mutter oben im Paradieſe, welche 6 0 bl. Ströme von Freudenthränen weint und alle Schmerzen, bee, Sorgen und Muhen vergißt, welche ihr Camilla vom erſten
außer don Hungen Sferchen und iin Jechstuch umgeben, u tntyalttnd, dr 4 3. Fiutrt wurd v zümer zurüczugetmn
i davon zu gehn, rt Bclopnung da unt im goffergn urg zu erſchen.
Lebensaugenblicke an bis heute verurſacht hat. Auch Vater Niedner, der unterm Aktenſtaube ergraute Mann muß weinen. Es weint Eleonore und zwar fern von jeglicher Regung des Neides. Jetzt blickt die Mutter nicht mehr ſcheu und angſtvoll um ſich her, ſondern mit ſtolzen Blicken und ſeligem Lächeln. Denn ſie, die arme Aufwärtersfrau und Lohnwäſcherin iſt ja die Mutter der ſchönen Königin da unten, welche ſoeben mit donnerndem Beifall heraus— gerufen wird und die durch die reizende Verwirrung, mit welcher ſie ihren Dank abſtattet, einen neuen Beifallſturm erregt.
Hinter der Couliſſe riß Morelli die abtretende Köni— gin an ſein Herz.
„Menſch! Mädel! Camillchen!“— ſchluchzte er— „wie haſt du geſungen! Erkennſt du dein Glück an der neidgelben Grünberg dort, deiner Vorgängerin in der Königinrolle? Wie Ziegenmeckern klingen ihre Triller gegen die deinen! O du, mein Stolz und meine Wonne! Das Aelternpaar nebſt Eleonore war ſchon längſt wieder heim, als Camilla in Begleitung Morelli's nach Hauſe gefahren kam. Sie glühte vor Freude, und Morelli packte zwei Flaſchen Champagner aus. a
„Wir müſſen doch“— ſprach er—„auf das Wohl⸗ ſein der neuen königlichen Hofopernſängerin anſtoßen. Acht⸗ hundert Thaler für ihre Stimme jährlich ſind zwar nur ein Lumpengeld, allein was gilts: binnen Jahresfriſt er⸗ hält ſie ſchon das Doppelte? Darum lebe hoch die edle Geſangkunſt! Es lebe hoch Camilla, Königin von Frankreich!
Die Gläſer erklangen, der Schaumwein ſprudelte und der ſelige Morelli ſang das Champagnerlied aus Mozarts Don Juan.
„Das war der glücklichſte Abend meines Lebens!“ ſprach Vater Niedner zu ſeiner Frau als er ſich ſpät erſt niederlegte.„Guter Gott, 800 Thaler! Und ich diene ſchon ſeit 35 Jahren und habe es noch nicht auf 200 ge⸗ bracht. Wenn wir unſere Schulden und Morelli's Aus⸗ lage bezahlen, behält Camilla noch immer 400 Thaler übrig und wir können davon leben wie unſer Herrgott in Frankreich. Und dann die Ehre! Saheſt du, Frau, wie ſelbſt unſer gnädigſter Landesvater unſerm Kinde Beifall zuklatſchte? Wohl dem, ſage ich, der Freude an ſeinen Kindern erlebt.“
Am andern Morgen umſtanden Mutter Niedner und ihre beiden Töchter weinend das väterliche Bette, in wel⸗ chem Niedner mit gefalteten Händen und einem ſeligen
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