Ausgabe 
29.3.1851
 
Einzelbild herunterladen

alt

ere materiell derſelbe de de Beurkun⸗

arz. If ſlichtigen de

daft pro 1851 es haben ſich

j.

klarungen i l. 1

11 in biefiger Sia Exprdition dieſt

ung. dir mptbene A, und Fel)

und dieſe 1 0

g ertbellt.

ullmann. 0

gerung. Sormünder bel rforbtnen 1 dahier ae ſcht geraumig

r, Stalluß Bierbrauer Garten b.

g den 11. Apt 9 zu verſteigen

des Publikun

Intelligenz-Dlatt

fuͤr die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen, den Regierungsbezirk Friedberg

im Beſonderen.

Sonnabend den 29. März

1851.

Un ver hofft kommt o ft. Eine Geſchichte.

Wer im Jahre 1847 die Breslauer Zeitung geleſen hat, las da eine Geſchichte, wie eine Dienſtmagd auf dem Markte in der Hungerzeit einen Silbergroſchen einem alten armen Manne gegeben habe, der alte Mann aber ſei ein reicher Kautz geweſen, der einmal aufs Menſchenpro⸗ biren ausgegangen ſei, und da er bei dem armen Dienſt⸗ mädchen ein gutes Herz gefunden, ſo habe er ihm ſoviel hundert Thaler gegeben, als der Silbergroſchen Pfennige habe, nämlich zwoͤlf. Als ich das las, dacht' ich: Ich wollt', et wär' wahr! Hintennach denk' ich: Es könnt' ja auch wahr ſein! Um darüber vollkommen in's Klare zu kommen, ſchreib' ich an einen alten Freund, den ich in Breslau habe, und der ſendet mir die nachfolgende Ge⸗ ſchichte. Leſet ſie, und Ihr werdet finden, was ich ſuchte. Zwei Stunden von Breslau liegt ein Dorf, das gerade ſo ausſieht, wie alle andern ſchleſiſchen Dorfer auch, und wohnen reiche und arme Bauern drin, wie's halt überall iſt. Unter dieſen wohnt auch eine arme Wittwe, die einen Sohn hat von etwa vier und zwanzig Jahren, Eins mehr, Eins weniger. Zu dem hat ſie oft geſagt: Gottfried, ich werde alt und kränklich, und es wär' mir lieb, wenn du mir eine brave Schnur ins Haus brächteſt; aber da du arm biſt, ſo mein' ich: Es wäre gut, wenn ſie etwas mitbrächte an Ackerland und Gut. Wir haben zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel, und die ſechshundert Thaler Schulden ſind eine harte Nuß. Die Schnur holen, das gefiel dem Gottfried ſchon, aber der Zuſatz nicht, und das hatte ſeinen Grund. Be kanntlich wartet ſelten ein junger Burſche mit dem Lieb haben eines Mädchens, bis er heirathen kann. In Schleſien iſt das ſo, und ich halte dafür, am Rheine, Main und Neckar wird's um kein Haar breit anders ſein. Gemeinig lich haben ſie in dem Alter ſchon lange einem Mädchen tief in die Augen geſehen, und ſchwören drauf, keine Andre habe hübſchere. Gerade ſo war's dem Gottfried Elsner gegangen.

In ſeinem Dorfe wohnte ein Weber, der ſieben Kinder hatte, und kaum Brod für drei. Sieben Kinder, Mann und Frau, das gibt gerade Neun, und neun geſunde Eſſer können etwas wegthun, nämlich wenn's da iſt, und klagen viel, wenn's fehlt. Nun hätten des Webers Leute oft gerne etwas weggethan, wenn's da geweſen wäre.

Unter den ſieben friſchblühenden Kindern des Webers war das älteſte ein Mädchen, wie Milch und Blut. Käthe konnte ohne Weiteres für das ſchönſte Mädchen im Dorfe gelten, wenn auch für das ärmſte, und mancher reiche Burſche wehklagte, daß es nicht ihm gleich gewachſen ſei an Aeckern und Wieſen; denn die ſchleſiſchen Bauern meinen auch, drei Aecker und drei dazu gäben ſechſe, oder mit andern Worten, die Frau müſſe doch wenigſtens ebenſo reich ſein, als der Mann, ſonſt klappe es nicht. Wo aber nun gar keine Aecker ſind, da können auch keine zugebracht werden. So kam's denn, daß ein reicher Burſche nicht mit der bildhübſchen Weberskäthe gehen durfte, weil ſie ihm eben nicht gleichgewachſen war. Der Gottfried meinte: Ihe wäre die herzllebe Käthe auch ſo recht, und ihre Sittſamkeit, ihr Fleiß, ihr gutes Herz und ihr ſtilles, liebes Weſen ſammt ihrem Engelsgeſichtchen ſei ihm ſo viel, ja noch weit mehr werth, als eine hübſche Mitgift an Aeckern und Wieſen. Nun traf's ſich einmal, daß er bei einem Tanze dem Mädchen in die Augen ſah, und da war's rein aus. Dieſe oder Keine! ſagte er zu ſich ſelbſt. Dem Mädchen ging's kaum beſſer. Gottfried war ein ſchmucker Burſche, hatte gedient im Heere, war treu, fleißig, und der Herr Baron, der ein Gut im Dorfe und ein Schloß dabei hatte, angelte ſchon manchesmal, ihn als Kutſcher zu kriegen, denn er verſtand das Kutſchiren wie ein Stockruſſe, und wußte mit den Pferden umzugehen wie ein halber Viehdoctor. Die Zwei gewannen ſich lieb, und wer's wußte, der war überzeugt, ſie blieben ſich treu bis in den Tod. Das hatten ſie ſich auch gelobt vor Gott.

Als nun die Mutter wieder'mal ſo von der Schnur ſprach, ſagte Gottfried: Liebe Mutter, eine reiche Erbin krieg' ich nicht, und die ich mag, gefällt Euch nicht, ſo werd' ich wohl ledig bleiben, wie ein Kapuziner.

Wer iſt's denn, Gottfriedchen? fragte die Mutter. Du lieber Himmel, ich kann's doch nicht aus meinem kleinen Finger ſaugen, wen du lieb haſt.

Die Weberskäthe, ſagte halblaut Gottfried.

Die Mutter ſeufzte tief, und ſagte: Das Mädchen iſt nicht zu verachten, denn es iſt kreuzbrav; aber, liebes Kind, die ſechshundert Thaler!

Dem Gottfried arbeitete ſich auch ein Seufzer tief aus der Bruſt heraus, und er ging geſenkten Hauptes hinaus. Eigentlich hatte die Mutter ſchon lange Wind von der Sache; aber ſie wollte es nur nicht ſagen. Sie dachte nach, und meinte: Der Gottfried wird nur mit dem Mädchen glücklich, und mir wär' nicht leicht eine