Ausgabe 
26.11.1851
 
Einzelbild herunterladen

in zwei friſchen, jugendlichen Stimmen, welche hinter einem Weizenfelde hervor den bekannten Canon ſangen: i liſt mir am Abend, n aur diu die Glocke läutet Bim baum, bim baum, bim baum.

O Natur, wie groß, wie ſchön biſt du! ſprach Morelli entzückt. Dieſes Entzücken galt jedoch nur der einen reinen glockenreichen Stimme, welche den Canon zu ſingen fortfuhr. Zuweilen geſchieht es, daß ein Mineralog in einem, an der Landſtraße aufgeſchichteten Steinhaufen einen Edelſtein entdeckt, welcher die Zierde ſeiner Samm⸗ lung wird. Einen ſolchen Fund glaubte Morelli jetzt ge⸗ than zu haben und er beeilte ſich daher, deſſen Beſitz ſich zu verſichern. Es waren zwei Mädchen von 12 und 13 Jahren, ein Schweſterpaar, welche Morelli beim Umbie⸗ gen des Weges auf einem Raine ſitzen und Kränze von blauen Kornblumen winden ſah. Camilla Niedner hieß die Inhaberin der ſchönen Stimme und war von den bei⸗ den Schweſtern die ältere. Deren Vater bekleidete das Amt eines Aufwärters im Steuerhauſe, das zugleich ſeine Wohnung war. Nachdem Morelli dieſes erkundet und die heimkehrenden Schweſtern bis vor ihre Wohnung gebracht hatte, verfügte er ſich getröſtet in die ſeinige zurück. Dort ſprach er zufriedenen Sinnes zu ſich ſelbſt: a

Einen köſtlichen, jedoch noch rohen Edelſtein habe ich gefunden. Ihn zum Brillanten zu ſchleifen, will ich weder Zeit, noch Mühe, noch ſelbſt die Koſten ſcheuen! Wenn ich Camilla zu einer Sängerin heranbilde, welche jährlich drei bis vier tauſend Thaler verdient, ſo werde ich mein Capital zu den höchſten Zinſen ausgeliehen haben und mir eine ſorgenfreie Zukunft bereiten.

Die Probe.

Vier Jahre waren verfloſſen. In dem Wohnſtübchen des Aufwärters Niedner ſtand Eleonore, Camilla's jetzt 16jährige Schweſter, am Platttiſche und handhabte die Plattglocke mit großem Eifer. Frau Niedner ſaß am Fenſter und ſteckte Hauben. Unter den altmodiſchen und ſchlichten Möbeln der Aufwärterwohnung nahm ſich ein Mahagoni flügel aus wie das Schloß eines Ritterhofes unter ſtroh⸗ gedeckten Bauernhütten. Von Zeit zu Zeit blickte Eleonore aͤngſtlich zu der hölzernen Wanduhr empor, worauf ſich jedesmal ihre Regſamkeit noch ſteigerte. Das Mädchen war zur kräftigen und blühenden Jungfrau aufgeſchoſſen. Ihre hoch aufgeſtreiften, vollgerundeten Arme zeigten am Ellenbogen und am Handgelenke ein tiefes Grübchen, während die harte Hornhaut der innern Handfläche von der Arbeitſamkeit der Jungfrau zeugte. Raſch trat jetzt Camilla herein. Ihre Rechte warf eine Notenrolle auf den Flügel, während die Linke die Bandſchleife des Hutes aufzog. Statt des Grußes richtete Camilla die befehlen den Worte an ihre Schweſter: a

Schnell, Lore! ſpringe zum Friſeur. Er ſoll auf der Stelle kommen und mir die Haare friſiren. Punkt 5 Uhr ſoll ich vor dem Generalintendanten und den beiden Kapellmeiſtern Probe ſingen und jetzt iſt's gleich 3 Uhr.

Probe ſingen? rief die Mutter freudenverklärt aus. Ach, Camilla, wenn du eine Anſtellung erhielteſt, damit endlich das unaufhoͤrliche Geldausgeben für dich wegfiele. Dann könnten wir auch daran denken unſere, deinetwegen gemachten Schulden abzutragen. Welch ein ſchwerer Stein würde von meinem Herzen weggenommen!

Hml verſetzte Camilla leichtangeſtellt hatte ich ſchon vor zwei Jahren können werden als Choriſtin mit ein hundert lumpigen Thalern Gehalt. Aber davor ſoll mich der Himmel behüten. Unter tauſend Thalern jährlich ſpricht Morelliſoll ich meine Stimme

374 a

nicht verkaufen. Aber Lore, du ſtehſt noch immer da! So ſpute dich doch! 6

Darf ich denn nicht erſt das Kleid fertig plätten⸗ entgegnete Eleonore bittendder Stahl wird mir ſonſt kalt. Bisher durfte ich dir die Haare machen bin ich heute nicht gut genug dazu?

Höhniſch lachte Camilla.Wo denkſt du hin? rief ſie aus.Soll ich vor der Excellenz wie eine Bauern

dirne erſcheinen? Auf heute kommt Alles an meine

ganze Zukunft die eure Camilla hat Recht, ſprach die Mutter ängſt

lichdarum eile, Lorchen, und hole den Friſeur. Aber wovon ihn bezahlen? fragte Eleonore. Es

wir zu Stärkemehl und Steinkohlen. Wirſt du gleich gehen, neidiſche Seele? fuhr Camilla auf.Gewiß ſäheſt du es lieber, wenn ich weiter nichts würde als ein Waſchweib wie du. 0 Weinend rannte Eleonore fort. Während Camilla ſpäter unter den Händen des Friſeurs da ſaß und Eleo⸗ nore nach der Plattglocke langte, befahl jene: Lore! von meinem Seidenkleide iſt ein Stück Falbel

losgetrennt und an dem einem meiner lackirten Schuhe

fehlt ein Bindeband. ich mich friſiren laſſe. Eleonore that wie ihr geheißen wurde.

Beides magſt du annähen, indeß

ſchen kölniſches Waſſer mit. i

Nach Ver⸗ lauf von 7 Viertelſtunden ſtand das neue Aſchenbrödel, zur Prinzeſſin umgewandelt, in dem niederen Stübchen da.

Nun iſt's hohe Zeit ſprach Camilla, mit Wohl⸗ gefallen im Spiegel ſich beſchauenddaß du eine Droſchke holſt. Auf dem Rückwege bringſt du für 2 Gro⸗

i einer de

' zwei Thaler!

1 rs ſind nur noch 10 Silbergroſchen da und dieſe brauchen

ale Luftſchle

Mittel. Camilla-

orgene Schatz,

0

ingunterricht er

iſt es ihr ein

16 4 tauſend T

avon zu geben. rocent ausleih

Zu ihrer

em Generalin orſtellungen e inem Range,

en Welt ang bloß anſtandig .

Da nut

ihren Regens Frau Niednef Den Regenſch

Fragend ſah Eleonore ihre Mutter an, denn die vor- gen, was die

räthigen 10 Silbergroſchen hatte der Friſeur erhalten.

Verlege es einſtweilen, Kind! verſetzte jene bittend, du haſt ja als gute Wirthin immer einige Groſchen in

Kaſſe. f

Bald rauſchte Eamilla, einen Wohlgeruch um ſich verbreitend, aus dem Stübchen in die ihrer harrende Droſchke. Am Theatergebäude erwartete ſie bereits Morelli.

Muth, mein Kind! ſprach der Meiſter feierlich. Die Stunde iſt gekommen, in welcher du die vierjährige, ſauere Mühe deines Lehrers belohnen ſollſt. Zittere nicht.

111 1

14

14 1

1 1

Schlage deinen einzigen Triller und deine Zuhoͤrer werden

ſtaunen. Ziehe nicht den Ton herunter. Scheer dich um die Excellenz und um die Kapellmeiſter nichts, ſondern

ſinge ſo, wie du bisher bei mir gethan. Dann wirſt, dann

mußt du obſiegen. a

Während aber Camilla im Theater-Concertſaale ſang, vereinten daheim Mutter und Tochter ihr Gebet um das glückliche Gelingen der Geſangprobe.Ihr wißt nicht, um was ihr bittet! konnte man auch hier ſagen. Nach dem Gebete baute Frau Niedner Luftſchlöſſer.

Wenn auch Camilla nicht ſogleich tauſend Thaler

bekommt ſprach ſieſchon mit der Hälfte könnte

ſie vollkommen zufrieden ſein. Dann bezahlen wir erſt unſere Schulden; der Vater könnte dann und ein Viertelchen Wein trinken und beſſern Tabak rauchen.. relli bekäme nach und nach ſeine Unterrichtsſtunden bezah und auch wir beide brauchten uns nicht mehr ſo ſehr- zu plagen.

Endlich kehrte Camilla zurück. Ein ſtolzes Lächeln umſpielte ihren Mund.

Meine Probe ſprach ſie kurzließ nichts zu wünſchen übrig. Morelli weinte vor Freuden wie ein Kind und die Excellenz ſammt den Kapellmeiſtern über⸗ häuften mich mit Lobſprüchen. Eine Anſtellung iſt mir

0 0

ſie wartend Theaters ſta

Bekanmmn

Main S

(1380) Be Mark konnen ff Beſchäftigung e Gießen der Der

Bek (IS De Morgens um hauſe die Hälf Schmidbſchen ter= 20 R

Friedber

8 Güt 1883) 2 Jorma a die tel C ri chen Erpel arkungen

dem hieſigen