Ausgabe 
25.1.1851
 
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geſehen, das hier ſo freundlich vor ihn hintrat wie ein ſchöner Traum. Ob er's gefunden? Er lächelte mild und reichte ihr die matte Hand, denn zum Sprechen fühlte er ſich zu ſchwach. 8

Nun wich Mariechen nicht mehr von ſeinem Bette. Ich muß ihm vergelten, was er an mir that, ſagte ſie zu ſich und das, was als tieferer Beweggrund aus den geheimſten Falten des Herzens heraus ſie antrieb, das kannte ſie ja ſelber nicht oder geſtand es ſich doch nicht.

Der Arzt kam oft und freute ſich der treuen Pflege, die ſein Leidender hatte. Jetzt erſt bat der Kranke ſelber den Arzt, ſeiner alten Mutter in Mainz alles genau zu berichten und ihr zu ſagen, daß ſie ſelbſt ihn nicht beſſer pflegen könne, als es hier geſchehe. n

Als aber der Brief die Mutter erreichte, ließ die Mutterliebe ſie nicht ruhen. Sie kam ſelber, um den theuren Sohn pflegen zu helfen. Da ſah ſie denn, wie das Mädchen Tag und Nacht ſorgte und wachte, und wie wahr das ſei, was der Doctor geſchrieben. 3

Eins beunruhigte die Mutter doch. Es ſiel ihr nicht ſchwer zu beobachten, wie des Sohnes Blicke dem Mäd chen folgten; wie ſie auf der Thüre ruhten, durch die ſie eintreten mußte, und wie ſie leuchteten, wenn ſie nun kam. Ja er erzählte ihr eines Tages, das ſei das Mädchen, das er in Nothgottes am Wallfahrtstage aus dem Ge dränge getragen, wie er ihr damals erzählt habe. Und damals ſchon ſprach aus des Jüngslings Worten eine Begeiſterung, die einen tieferen Grund zu haben ſchien als ein augenblickliches Wohlgefallen. Indeſſen hoffte ſie, die Entfernung, ſobald er geneſen, werde ihn auch inner⸗ lich heilen.

Darin aber hatte ſich die ſtolze Mainzerin denn doch verrechnet. Die unverwüſtete Jugendtraft ihres Sohnes

half mehr zu ſeiner Geneſung als die ärztliche Kunſt.

Schon nach vier Wochen, in der Hütte der Armuth zu gebracht, konnte er ausgehen, und dies that er gerne, wenn ihn Mariechen in das herrliche Thal der Morgen bach begleitete.

Dieſe Spaziergänge waren für das ungekünſtelte Naturkind die ſeligſten Stunden; denn daß er ihre ganze Seele einnahm, war jedem klar, der ſie in ſeiner Nähe ſah.

Einſt kehrten ſie an einem Nachmittag zurück und der junge Mann führte Mariechen an ſeiner Hand. In ihren Zügen lag die reinſte Wonne glücklicher Liebe.

Mutter, ſagte der junge Walter, ich muß dir ein

Bekenntniß ablegen, das dir aber kaum mehr fremd ſein

kann. Ich liebe Mariechen. Sie hat mir das Leben ge⸗ rettet und durch ihre Pflege erhalten. Ein reineres Herz gibt's nicht. Gib uns deinen Segen! Die Mutter wendet gar vieles ein. Sie wies darauf hin, daß Mariechen ſo arm ſei.

Hat uns nicht Gott geſegnet? fragte er.

Sie meinte: Mariechen paſſe nicht in die Stadt.

O, lachte Walter, ein ſo klarer Verſtand findet ſich ſchneller in das, was du Stadt nennſt, als du es vermutheſt!

Sie meinte endlich: ihre Familie würde doch großen Anſtoß daran nehmen! i

Weißt du was, Mutter, fiel ihr ſchnell der Sohn in die Rede, ſo werde ich Müller und bleibe hier bis an mein Lebensende. Nur mit ihr will ich leben. Ohne deinen Segen wird ſie mein liebes Weih nicht, das hat ſie mir heute geſagt; aber ich werde, wenn du ihn verſagſt, ehelos bleiben und nie glücklich werden können. Willſt du das? O vergiß nicht, daß du dem Mädchen das Leben deines Sohnes dankſt!

Das wirkte, und ehe der Abend kam, ſegneten ſie die beiden Mütter und das glücklichſte Paar umſchloß das Mühlchen in der Morgenbach.

Wie ſtaunten die Mädchen in Trechtlingshauſen, als

am Sonntage darauf das Paar aufgerufen wurde!

Und welch ein Jubel war am Tage der Hochzeit in dem Mühlchen!

Mit Einſtimmung der Müllerin wurde das Mühlchen verkauft und die hundert Gulden, die ſie dem Jakob ſchuldete, deſſen Herkunft man nie erfuhr, wurden mit Bewilligung des Gerichtes zu einem Armencapital der Kirche zu Trechtlingshauſen geſchenkt, wo Walter eine Seelenmeſſe für Jakob ſtiftete.

Die ſchönen Töchter des goldenen Mainz, welche an⸗ fangs die Näschen rümpften, meinten indeſſen bald, der junge Walter habe eine ganz allerliebſte Frau und es ſei zum Verwundern, wie ſchnell ſich die ſchöne Müllerin aus der Morgenbacher Mühl' die Sitte und feine Art der

Stadt angeeignet, ohne die natürliche Demuth, die ſie ſo 1

wunderſchön kleide, abgelegt zu haben. Die Mutter aber war ſtolz auf die bewunderte Schwiegertochter und der junge Walter ſagte vieltauſendmal: die Wallfahrt nach Nothgottes habe ihm das Glück ſeines Lebens gebracht und im Morgenbacher Mühlchen ſei ihm ein Frühling aufgegangen, deſſen Blüthen unvergänglich ſeien.

Im Glücke ihrer Kinder lebte die alte Müllerin auf,

die, obwohl ſie den Sitten ihres Standes treu blieb, ſich dennoch unendlich glücklich in dem Hauſe ihres Schwieger ſohnes fühlte, wo man ſie achtete und ehrte.

Wenn aber das holdſelige Weib bei dem geliebten Gatten ſaß und er ſie küßte, ſagte er immer: Warum zürnſt du mir jetzt nicht, wie damals unter dem alten Nußbaume zu Nothgottes?

Und ihre Antwort war die ächt rheiniſche: Du Wüſter! aber ſie lächelte dabei ſo ſelig, daß man leicht errathen konnte, es ſei ihr auch damals mit dem Zürnen kein rechter Ernſt geweſen.

Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.

rr Verſtei gerung.

(90) Dienſtag den 28. l. Mts., Morgens

um 11 Uhr, werden in hieſigem Rathhauſe

40,24 U◻Klafter Gelände von dem alten Fried⸗

hof mit der Einfriedigungsmauer, am ſog.

Schützenrain liegend, meiſtbietend verſteigert.

Friedberg am 16. Januar 1851.

Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Bender.

Mobiliar⸗Verſteigerung.

(76) Montag den 27. Januar d. J., Vor⸗ mittags um 9 Uhr, läßt Frau Heinrich Mül⸗

ler I. Wtw. dahier in ihrer Behauſung nach⸗ ſtehende Mobiliar⸗ und Oeconomie⸗Gegenſtände öffentlich freiwillig verſteigern, als:

2 dunkelbraune Wallachpferde von 6 und 8 Jahren, 2 Kühe, 2 Rinder, 2 Mutterſchweine, 2 zweiſpännige Wagen mit eiſernen Achſen, 3 Pflüge, 4 Eggen, 1 Fruchtfegemühle, verſchie⸗ denes Pferdegeſchirr, circa 15 Fuder Korn und Waizenſtroh, eine Parthie Erbſen- und Haferſtroh, desgleichen Heu und Grummet, eine große Parthie Spreu, Dickwurz und Kohlraben, wozu Steigliebhaber hiermit eingeladen werden. Friedberg den 12. Januar 1851. In Auftrag

Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Bender..

Oeffentliche Aufforderung.

(1310 Johannes Balſer aus Okarben, ge⸗ boren am 1. Dezember 1780, Sohn des daſelbſt verſtorbenen Georg Helfrich Balſer, welcher ſeit ſeiner Jugend, unbekannt wo? abweſend iſt, deſſen etwaige Leibes⸗ oder Teſtaments⸗Erben, oder ſonſtige Erbprätendenten werden hierdurch aufgefordert, ſich binnen drei Monaten ſogewiß zur Empfangnahme deſſen ſeither curatoriſch ver⸗ walteten, 291 fl. 3 kr. betragenden Vermögens dahier anzumelden und zu legitimiren, als ſonſt Johannes Balſer für todt erklärt und das Ver⸗ mögen deſſen nächſten dahier befindlichen Sei⸗ tenverwandten ausgeantwortet werden wird.

Großkarben am 21. Januar 1851.

Großh. Heſſ. Landgericht Jäger.

Ine num del be Sud vereint

Fri

(13 um in der Aba