Ausgabe 
25.1.1851
 
Einzelbild herunterladen

enung.

EE

en und id ö kr. 6 und Zugleich Node 5 Garn⸗ Artileln.

( Jaftwirth ſtehende

tit, ficht

wann

1% Juhr

Hotheim.

ind Vieh Friedberg d. Blis.

mit be⸗ 25, dirſes

Mein f an det

ö

bach.

ch..

vonner⸗ Lobiliat gt abge⸗

Ball

-ęͥ z

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen,

den Uegierungsbezirk Friedberg

im Beſonderen.

M 8.

Sonnabend den 25. Januar

1851.

Das Mühlchen in der Morgenbach. Eine Begebenheit aus dem Jahre 1716. (Schluß.)

Der Reiſende war indeſſen nach Trechtlingshauſen gekommen und bei dem Schultheißen eingekehrt. Mit Er⸗ ſtaunen ſah er hier die Bewaffneten und erſchrack nicht wenig, als man ihm mittheilte, was ihm bevorgeſtanden.

Es war ein junger Mann von blühendem Ausſehen. War er auch anfangs recht erſchrocken, als er von dem Mordanfall hörte, der auf ihn ſollte gemacht werden, ſo kehrte doch bald ſein beſonnener Muth zurück.

Laßt mich ruhig fortreiten, ſagte er, ich habe zwei gute Piſtolen und folget ihr mir leiſe nach. Ich werde laut ſingen, damit man euer Gehen nicht höre und damit die Spitzbuben mich auch ordentlich hören.

Wie geſagt, ſo gethan. Er ritt ſingend ſeines Weges bis an die Clemenskirche.

Auf einmal fühlte er, daß Einer das Pferd beim Zügel faßte. Das Thier bäumte ſich und ein wohlgezielter Schuß ſtreckte den nieder, der das Pferd hielt; aber ehe die Helfer naheten, empfing der Reiter einen Schlag an den Kopf, daß er beſinnungslos vom Pferde ſtürzte. In demſelben Augenblick aber waren auch die beiden Mörder ergriffen. Nicht ohne Mühe wurde eine Laterne ange zündet und erſt jetzt waren die beiden Schultheiße im Stande, alles zu überſchauen. Jakob lag todt an der Erde. Die Kugel hatte ihn grade in der Stirn getroffen. Die beiden andern waren der rothe Jorg und Balthes. Erſt jetzt aber merkte man, daß der Reiſende blutend an der Erde lag und mit einem Fuße noch im Bügel hing. Hätte nicht einer der Burſchen das Pferd gefaßt, ſo würde es ihn noch weit geſchleift haben.

Schnell hob man ihn auf; aber er war bleich und das Blut rann ihm vom Kopfe nieder.

Während die Aßmannshäuſer die Raubmörder feſſelten, trugen ihn die andern nach der Morgenbacher Mühle, wohin auch der Leichnam Jakobs gebracht wurde.

Todesſchrecken ergriff die alte Müllerin, als der Trupp nahete und ſie erfuhr, was geſchehen war. Jakobs Leichnam wurde in ſeine Kammer gelegt, welche der Schul theis bewachen ließ. Mit dem Pferde des Verwundeten war ein Burſche nach Bingen gejagt, um den Arzt zu holen und dem Gerichte die Geſchichte anzuzeigen.

Mariechen war ſogleich nach der Landung zu ihrer

Baſe geeilt und hatte dort in Angſt und Gebet die Stun⸗ den verlebt, bis ſie den Ausgang vernahm. Dieſer er ſchütterte ſie heftig und die Nacht, welche ſie im Hauſe der Baſe verlebte, war eine der ſchwerſten ihres Lebens. Kaum graute der Morgen, ſo eilte ſie der Mutter zu Hülfe.

Wie fand ſie aber den Zuſtand der Mühle verändert! In der Stube lag unter den Händen des Arztes der Ver⸗ wundete, der irre redete und die Binden von ſeinem Kopfe immer abreiſen wollte. In der Kammer ſaß das Gericht und vernahm die Zeugen. Die ganze Mühle war voller Menſchen.

Kaum war ſie eingetreten, als ſie ebenfalls vor den Richter gefordert wurde. Alles, was ſie gehört und was ſie an dem Tage erlebt und gethan, erzählte ſie getreulich, ſowie auch, daß Jakob oft ganze Nächte außer dem Hauſe geweſen.

Schon jetzt lagen die Grunde des ſchwerſten Ver dachts bei dem Verbrechen, bei dem er auf friſcher That ſeinen Tod gefunden hatte; denn das Geld, die Kleidungs ſtücke, an denen überall noch Blutflecken ſich befanden, die Uhren und Ringe alles deutete auf eine Reihe ähnlicher Verbrechen wie das letzte.

Auf inſtändiges Bitten der Wittwe und ihre Tochter wurde die Leiche des Mörders ſammt ſeiner Kiſte und ſeinen übrigen Habſeligkeiten nach Trechtlingshauſen ge bracht, wohin ſich das Gericht begab, um die andern Theil nehmer zu verhören. Dieſe leugneten wohl, aber des Amtmanns Fragen verwickelten ſie ſo in Widerſprüche, daß am Morgen des Tages noch ihre Geſtändniſſe zahl reiche Verbrechen an den Tag brachten an denen Jakob Theil genommen und deren Schauplatz die Clemenskirche geweſen war. Sie wurden nach Mainz gebracht und gegen Oſtern dort gehängt, Jakob aber noch an demſelben Tage eingeſcharrt.

Der Kranke mußte in der Mühle bleiben, weil ſein Zuſtand ſehr bedenklich war. Der Arzt wich nicht von ihm Tag und Nacht. Erſt nach vier Tagen erklärte er ihn außer Gefahr, aber der ſorglichſten Pflege bedürftig. Dieſe uͤbten Mutter und Tochter aus.

Als Mariechen ihn zum erſtenmal erblickte, hätte ſie faſt laut aufgeſchrieen, denn ſie erkannte auf deu erſten Blick den, der ſie in Nothgottes aus der Kirche getragen. Er ſchlummerte und ſah ſie nicht; aber als er erwachte, ſah er ſie lange Zeit an, gleichſam als ſuche er in ſeinem Gedächtniß nach Ort und Zeit, wo er das theure Bild