Leben zu wenig, zum Sterben zu viel, und wenn nicht der Lohn, welchen er von der Druckerei empfing, größer war,
ſo mochte der arme, um die Welt ſo hochverdiente Mann
bei Zeiten dran denken, den Schmachtriemen eng zuſam— iehen. f eee viel iſt gewiß, goldene Tage erlebte er nicht; wohlverdienten Lohn empfing er nicht; das Einzige, was ihm Freude in höherem Sinne bereiten konnte, war Das, daß er der Welt die Pforte reichen Erkennens eröffnet hatte, und wir Alle, wenn wir uns am Worte Gottes in unſrer lieben Mutterſprache oder ſonſt einem guten Buch erbauen, ſollten den Mann ſegnen, der durch ſein Nach⸗ denken und ſeine Kunſt das Mittel fand, uns dies Leſen möglich zu machen. Wahrhaftig, es thut Einem leid, ſagen zu mäſſen: er ſtarb im Jahre 1469 arm und gebeugt durch das Mißgeſchick, das ihn durch's ganze Leben begleitete. Verheirathet ſcheint er geweſen zu ſein, aber Kinder hatte er keine. In der alten Franziskaner⸗ kirche in Mainz wurde er begraben, wo ihm ein braver Anverwandter einen Denkſtein ſetzte. Seines Stammes, nämlich der Gensfleiſche zum Gutenberg, war er der Letzte Die undankbare Welt erkannte und dankte es lange Zeit dem großen Manne nicht, daß er ihr die Wege des Erken⸗ nens eröffnet hatte. Erſt in unſerer Zeit hat man es in Mainz erkannt, daß die Stadt es ſich ſchuldig ſei und ihrem größten Bürger, daß ſie ihm ein Dentmal ſetze. Dies geſchah denn mit großer Feierlichkeit am 14. Auguſt 1837, und wenn Einer von Euch nach Mainz kommt, der verſäume es ja nicht; das erzene Standbild Gutenberg's auf dem Platze nahe bei dem Dome, der auch Gutenbergs— platz heißt, zu beſehen, aber auch dabei zu bedenken, daß dieſer Mann ein Werkzeug Gottes war, dem menſchlichen Geiſte Bahnen des Erkennens und Wiſſens zu eröffnen, an die man vor ihm nicht dachte; daß auch Ihr nud Jeder von Euch ihm zu dankbarem Andenken verpflichtet iſt, weil all' Euer Wiſſen, vom A-B-⸗C- Buch bis zur Bibel, durch ſeine Kunſt und Gottes Rath Euch zu Theil ge⸗ worden iſt. g
Wenn wir alſo bedenken, wie die von Gutenberg
erfundene Buchdruckerkunſt der ganzen Welt nützlich wurde,
weil man ja in allen Sprachen Bücher druckt, ſo liegt es auf der flachen Hand, daß Gutenberg ein Wohlthäter aller Völker geworden iſt, und wir Deutſche können darum auf unſern großen Landsmann ſtolz ſein; allein wir würden uns mehr freuen können, wenn der edle Mann auch den verdienten Lohn empfangen hätte. Leider iſt Undank der Welt Lohn, und Gutenberg hat es nicht allein erfahren, daß durch ſeinen Fleiß Andere reich wurden und er ſelbſt arm blieb und arm ſtarb. Da ging(und heute geht's noch ſo!) in Erfüllung der Spruch:„Dieſer ſäet und ein Anderer erntet.“ Dennoch aber wird der wahrhaft gute Menſch nicht müde, zu ſäen, auch wenn er keine Ernte für ſich reifen ſieht, der Armen Wohlthäter zu ſein, auch wenn der Dank ausbleibt. Er thut Gutes und wird nicht müde! Ihm iſt ein höherer verheißen— da, wo er keinen menſchlichen Undank mehr zu fürchten hat.
Altes Gold.
Beſſer zweimal gemeſſen, als einmal das Rechte vergeſſen. Das Sprüchwort hab' ich kürzlich meinem Schneider ins Ohr gerufen, als er mir eine Hoſe verdarb; ſie war nämlich zu kurz und zu enge. Er ſagte: ich will mir's hinter das Ohr ſchreiben!— aber meine Hoſe war verpfuſcht!— Ich meine, das Sprüchwort träfe auch noch bei anderen Leuten zu, als bei dem Schneider, und da denk' ich nicht an die Handwerksleute, die freilich genau meſſen müſſen, wenn ſie ſich nicht um die Kundſchaft
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und andere Leute um ihr ehrlich gekauftes Zeug bringen wollen— ich denke eben an euch Alle, lieben Leute! Lieber zweimal gemeſſen, das heißt auch: Alles, was du thun willſt— wohl bedacht, zweimal erwogen! Leichtſinnig gefahren bringt nichts Gutes. Da wird meiſt das Rechte vergeſſen, und was hintennach kommt— die Reue— die iſt dann theuer erkauft. Wenn Mancher, der durch Schuf. terei, Beſtechung, Betrügerei um Amt, Brod und Ehre kam, zweimal gemeſſen hätte, ob das auch recht ſei, der hätte das Recht nicht vergeſſen. Um ſo zu meſſen, braucht man keine Elle und keinen Zollſtock, ſondern das Gewiſſen. Das hat man immer bei der Hand und— Gottes Wort— das ſoll man allzeit im Herzen haben. Damit einmal— zweimal gemeſſen— dann wird das Rechte nicht vergeſſen und es gibt vor Gott und Menſchen keine Pfuſcherei, die Ehre und den Frieden in der Bruſt koſtet. Wenn Man⸗ cher, der ins Zuchthaus wandert oder noch hoher hinauf, etwa an den Galgen oder aufs Schaffot, zweimal mit dieſen beiden Maßſtäben gemeſſen hätte, ehe er zugriff oder zuſchlug— er hätte das Rechte nicht vergeſſen, und die Schande, und noch mehr wär' ihm fern geblieben. Wenn manches Mädchen damit zweimal Den gemeſſen hätte(und ihr Thun), der ihr ſo ſüße Wörtlein gibt oder gab— ſie wäre an Glück reicher, an Thränen ärmer, und die Frucht der Sünde, die ſie unter ihrem Herzen trägt oder auf dem Arme, wäre ihr ein Segen in chriſt— licher Ehe und kein Fluch im Schande belaſteten Leben. Wie viel Beiſpielchen könnt' ich da noch zufügen? Hun⸗ derte, wo allemal die Leute das Zweimalmeſſen und das Rechte vergeſſen haben. Ich denk', es iſt an denen genug zum Nachdenken. Doch, liebe Leute, ich meine das Nach⸗ denken nicht ſo, als hieße es: Hinten nach bedenken. Das kommt allemal zu ſpät. Nein, es heißt: Bedenken überhaupt, Erwägen, Meſſen, Zweimalmeſſen, um nicht das Rechte, das, was Noth iſt, das, was Gott gebeut, 0 zu vergeſſen. Meſſet, o, ich bitte Euch, meſſet zweimal, ehe Ihr handelt! Wie viel Jammer, Elend, Schande und Unglück bleibt Euch dann ferne? Wie bleibt dann das Herz ſo froh und frei, und Der, der geſagt hat:„Mit dem Maaße, womit Ihr meſſet, ſoll Euch wieder gemeſſen werden,“ der blickt dann mild und gnädig auf Euch nieder und ſchüttet ein voll gerüttelt Maaß ſeines Segens in Euern Schooß. Darum: 8 1 Beſſer zweimal gemeſſen, als einmal das Rechte 4 vergeſſen!
Eine Anekdote.
Bekanntlich fängt ſich das ſchleswig⸗holſteiniſche Volks⸗ lied ſo an:„Schleswig-Holſtein meerumſchlun⸗
gen“ u. ſ. w. Kürzlich ſitzt ein Oeſterreicher in Frank⸗
furt vor einer Landkarte von Schleswig-Holſtein und blickt unverwandt hinein, tippt als einmal mit dem Finger auf die Karte und ſchüttelt dann wieder den Kopf. a
Ein Kamerad von ihm, der neben ihm ſaß, ſah dies Kopfſchütteln und konnt's nicht begreifen, was das bedeute, wendet ſich an ihn und fragt: Herr Kamerad, worum ſchütteln's dann ſo den Kopf?=
Schauen's, ſagt der Angeredete, i betracht' mir d holters die Korten von Schleswig-Holſtein und komm' hol⸗ ters nit recht raus. Dos Schleswig hob' ich funden, das Holſtein auch, aber dos ſokriſch„meerumſchlungen,“ dos konn i nit finden, ſo ſehr i auch ſuchen thue!
Da kam's denn heraus, daß der gute Landsmann das Wort des Lieds„meerumſchlungen“(vom Meer umgeben) für eine Stadt gehalten hat! Proſit!
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