Ausgabe 
22.11.1851
 
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. ntelligenz-Blatt

fuͤr die

W Provinz Oberheſſen

ö im Allgemeinen, r den Regierungsbezirk Friedberg

im Beſonderen.

Sonnabend den 22. November

1851.

Amtlicher Theil.

blume, Bekanntmachung.

alice Es wird hierdurch veröffentlicht, daß Karl Hage⸗

mann zu Butzbach als Mäkler conceſſionirt und in dieſer

n, Eigenſchaft heute verpflichtet worden iſt.

Z̃ Friedberg den 5. November 1851.

1 Gr. Heſſ. Regierungscommiſſion des Regierungsbezirks Friedberg

un Qu ver iter.

Bekanntmachung.

Donnerſtag den 27. November l. J., Vormittags um 8 Uhr, wird auf dem Büreau des Unterzeichneten die theo⸗ retiſche Prüfung derjenigen Bauhandwerker, welche die prak tiſche Prüfung beſtanden haben, vorgenommen.

Friedberg den 19. November 1851. f Der Gr. Heſſ. Kreisbaumeiſter des

Baubezirks Friedberg

Stockhauſen.

Von einem Dentſcheu, auſ den wir ſtolz ſein können. Von W. O. von Horn. (Schluß.)

951. 1 Tief ſchmerzte es ihn, den Erfinder, der ſeine Kunſt nne, als Geheimniß bewahrt hatte, damit ſie ihm den Vortheil abwerfe, den er mit Fug und Recht in Anſpruch nehmen konnte, und deſſen er doch auch in ſeiner bedrängten Lage ſo ſehr bedurfte, tief ſchmerzte es ihn, daß ſein Geheim⸗ niß nun verrathen war; denn als er mit Fuſt und Schöffer in Streit gerieth und endlich ſich von ihnen trennen mußte, da lag, während des Proceſſes, das Geſchäft ſtille. Die vielen Gehülfen, welche ſie angenommen und die durch einen Eidſchwur ſich hatten verpflichten müſſen, das Ge⸗ heimniß ihrer Kunſt nicht zu verrathen, waren nun ohne Perdienſt. Sie wanderten aus und hielten ſich, da das Geſchäft aufgehört hatte, ihres Eides entbunden. Sie gründeten in anderen Städten Druckereien; ſo in Straß⸗ burg, Frankfurt am Main, Bamberg, aus denen nun bald Druckſchriften hervorgingen. Zu dieſem Unglücke für

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Gutenberg kam bald noch ein anderes, das in noch weit

größerem Maaße die Kunſt, Bücher zu drucken, in der Welt verbreitete. Der Erzbiſchof und Churfuͤrſt Diether von Mainz wurde vom Papſt in Rom ſeiner Würde entſetzt und an ſeiner Stelle Adolph, Graf von Naſſau, eingeſetzt. Dies ließ ſich Diether nicht gefallen. Er ſammelte ein Heer und Adolph von Naſſau that, zu ſeinem Schutze, daſſelbe. So entſpann ſich ein blutiger Krieg zwiſchen Beiden. Diether batte die Bürger von Mainz zu ſeinen Anhängern und ſetzte ſich in der Stadt Mainz feſt. Adolph belagerte die Stadt und eroberte ſie in einer nebeligen Herbſtnacht. Zwar vertheidigten ſich die Bürger, aber ſie mußten dem plötzlichen Ueberfall und der Uebermacht weichen. Adolphs Schaaren mordeten unbarmherzig, zündeten einen Theil der Stadt an und richteten ein gräulich Weſen an. In dieſer ſchrecklichen Nacht traf denn auch den treuloſen Fuſt die verdiente Strafe. Seine Druckerei mit allen Werk zeugen brannte nieder, und es dauerte lange, bis ſie wieder eine neue Druckerei eingerichtet hatten. Ihre Gehülfen zogen fort und gründeten neuerdings an anderen Orten Druckereien. Auch den armen Dulder Gutenberg traf das Unglück dieſer ſogenanntenMordnacht ſo ſchwer, daß er ſeine neuerrichtete Druckerei nicht mehr halten konnte. Er mußte ſie wieder an Den als Eigenthum abtreten, der ihm das Geld geſchoſſen hatte, nämlich an den Doctor Humery in Mainz. Uebrigens ſchien es, als hätten ſich wohlwollende Menſchen ſeiner getreulich angenommen; denn eben dieſer Doctor Humery, welchem nun die Druckerei eigenthümlich war, ließ ihm die Aufſicht über dieſelbe, wie denn auch nahe Verwandte von ihm die Druckerei, welche nach Eltvill(am Rheine ſagen gewöhnlich die Leute Elfeld) im Rheingau verlegt worden war, betrieben. In Eltvill nämlich wohnte damals der Churfürſt und Erzbiſchof Adolph, Graf von Naſſau, der zu den Mainzern, die ihn verſchmäht hatten, ſo wenig Liebe trug, als die Mainzer, unter denen ſeine Söldner dazumal, als ſie die Stadt eroberten, greulich gemordet, zu ihm. Erzbiſchof Adolph nahm ihn auch unter ſeine Hofjunker auf. Das warf nun freilich keine fetten Bratwürſte ab, und einem Hofjunker oder Kammerherrn in unſerer Zeit käme ein Entſetzen au, wenn er nicht mehr Beſoldung haben ſollte, als der arme Gutenberg hatte: er bekam nämlich alle Jahr eine Hof⸗ kleidung, die Befreiung von allen Abgaben und das Recht, alle Jahre zwanzig Malter Korns und zwei Fuder Weines zollfrei in Mainz einzuführen. Dazu war er denn auch von allem Dienſte bei Hof entbunden. Das war zum

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