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haben. Zur Beruhigung des geneigten Leſers ſetze ich hinzu: der October von Anno 1847 hatte ja auch unge⸗ mein warme, ſchöne Tage, faſt Frühlingstage; auch wird das Herz wieder warm, wenn es auf die blühenden Auen der Jugend blickt. Und überhaupt, iſt denn den reiferen, Jahren alle Poeſie geraubt? Ich ſage: Nein! Den Rah⸗ men meines Bildes zu vollenden, bitte ich meinen lieben Leſer und holde Leſerin, ſich noch folgendes lebhaft zu vergegenwärtigen. Es iſt ein netter, leichter, zurückgeleg⸗ ter Wagen, der langſam dahinrollt. In des Wagens rechter Ecke ſitzt ein behaglich ausſehender Mann von etwa neun und vierzig Jahren, von wohlgenährtem Aeußern und er⸗ klecklichem Umfange, der ſeine Pfeife raucht und freundlich in die Welt ſieht. Auf dem Bocke ſitzt Kaspar in dem Hechtgrauen und der gedachten Filzmütze. Er hat ſich bequem geſetzt, daß er dem Mann im Wagen und ſeinen Roſſen, deren Zügel er hält, gewiſſenhaft ſeine Aufmerk⸗ ſamkeit, je nach Bedürfniß zuwenden kann. Der Himmel iſt tiefblau und wolkenlos; die Sonne ſendet noch bele⸗ bende Strahlen herab; die Luft iſt mild; das Feld und die Landſtraße leer und ſtill, und wir Beide plaudern ge—⸗ müthlich von Kaspar's Heimath und was dazu gehört.
„Das kann ich Ihnen ſagen,“ fährt Kaspar fort, „es iſt ſchön im Vogelsberg, ſo ſchön als irgendwo auf des lieben Gottes Erde.“
„Glaub's, Kaspar,“ unterbrach ich;„bin zwar ſelbſt nie im Vogelsberg geweſen, kann alſo aus eigner An— ſchauung nicht urtheilen; allein mir kommt's doch ſo vor, es träfe bei ihm das Sprüchlein zu: Wo das Häslein geheckt iſt, da iſt es gern. Nicht ſo?“
„Herr!, rief Kaspar,„da müßt ich ein Klotz ſein, wenn mir meine Heimath nicht lieb wäre! Ich bin viel in der Welt herum gekommen, habe ſchöne Landſchaften geſehen; aber meinem Vogelsberg konnten ſie das Herz nicht abwenden. Wo man ſeine Jugend verlebt, wo man glücklich war(er ſeufzte leiſe), und wenn es eben auch nur eine kurze Zeit geweſen wäre, da zieht's Einen immer wieder hin, und wenn ich meinen guten Herrn verlaſſe, ſo gehe ich wieder in den Vogelsberg um— da zu ſterben.“
Dieſem Worte, das Kaspar mit Ausdruck geſprochen, folgte eine Pauſe. Mir that's leid, ihm vielleicht wehe gethan zu haben, und in meiner eigenen Bruſt regte ſich die Heimathliebe, die auch nach einem bergigen, wald— reichen, rauhen Lande hinwies.
„Nun, Kaspar„ ſagte ich,„nichts für ungut, ich habe ja damit den Vogelsberg nicht verunehren oder ſchlecht machen wollen. Ich denke mir ihn etwa ſo wie den Hunsrücken, und da bin ich zu Haus. Ich weiß wohl, wie lieb die Heimath iſt, und wie das Herz, je älter es wird, ſich um ſo mehr wieder hingezogen fühlt zu den Spielplätzen ſeiner Kindheit.
„Parol! da haben Sie recht!“ ſagte er und die Wolke war vorüber.„Sehen Sie,“ fuhr er fort,„mein Geburtsort iſt ein kleines Dorf in einem Thale des Vo— gelsbergs, durch welches ein Bach fließt, der im Herbſt und Frühling recht wild werden kann, beſonders wenn der tiefe Winterſchnee behende abgeht. Wald bedeckt überall die Höhen, und Ackerland und Wieſen liegen im Tahl⸗ grunde. Glauben Sie mir aufs Wort, hier herum machen ſie ein Leben vom Lorsbacher Thal, wo wir morgen hin— fahren, aber ich will nie mehr meine liebe Heimath ſehen, wenn das Thal nicht tauſendmal ſchöner iſt! Aber dort⸗ hin kommen keine müßigen Reiſenden, keine verrückten und verzückten Wiesbadner und Sodener Badegäſte, die darü— ber außer ſich gerathen könnten. Herr, manchmal ſehe ich das Volk, wie ſie ſich durch ihr eigenes Geſchwätz er— hitzen und dann Dinge ſehen, an die ein verſtändiger
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Menſch nicht denkt. Man möchte davon laufen. Doch, um wieder auf mein Dorf zu kommen, ſo kann ich Ihnen ſagen, es liegt recht ſchön und man kann doch recht froh und glücklich ſein, wie ich das aus Erfahrung weiß;
wenigſtens bin ich es dort geweſen in früherer Zeit.“—
„Meines Vaters Haus war klein,“ fuhr er nach einer Weile fort,„das iſt wahr, aber wir waren zufrie— den in dem kleinen Häuscheu, vielleicht zufriedener, als die 1 155 Leute in ihren weiten Häuſern und Palläſten es ſind!/
„Glaub's ſchon, Kaspar,“ ſagte ich.„In den Pa⸗ läſten wohnt das Glück nicht immer; ſonſt wär's ja unge⸗ recht von Gott. Auch hab' ich das oft genug erfahren.“
„Parol! Da haben Sie recht,“ fuhr er fort.„Wenn ich ſo zurück denke, es waren unſrer fünf Kinder und das Stübchen etwa viermal ſo groß wie dieſe Chaiſe. Neben
daran ein Kämmerchen halb ſo groß, und wir hatten Alle
Platz. In der Stube ſtand ein Bett und darunter ein und in der Kammer war's ebenſo. Als freilich einmal eine herrſchende Krankheit kam, da gab's Luft. Es ſtar⸗ waren zufrieden.
Schneider werden, aber dazu hatte ich kein Sitzleder und
Schneidern getrieben wird. Nun ſollte ich Schuſter wer⸗
den, aber das gefiel mir auch nicht; endlich gar ein Leine
weber. Gott erbarm' ſich! Das iſt das trübſeligſte Hand⸗
werk unter der Sonne. Nach acht Tagen lief ich auf und davon.“
„Was?, rief ich aus. hinein?
„Behüt' mich Gott l“ ſagte er,„da hätt' ich ſtracks
das Heimweh gekriegt; ich lief nur zu meiner Baſe, die
eine Viertelſtunde von unſerm Dorfe wohnte, und dort
holte mich mein Vater wieder ab.“ N „Da gab's wohl Riſſe,“ fragte ich.
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„Doch nicht in die Welt
„Paro, Herr! Etliche aus dem Salz; aber mein
Vater war ein raiſonabler Mann; ſagte: Kaspar, wenn du kein Handwerk lernen willſt, ſo verdinge dich. Du biſt zu alt, um das ganze Jahr die Beine unter des Vaters Tiſch zu ſtrecken. Der Müller auf der rothen Mühle braucht ſo einen Dreiläufer, wie du einer biſt. Ich will mit ihm reden.“ Als mein Vater ſo ter ihm her. weinerliches Geſicht machte, denn— denn— es war ein ganz andrer Grund, warum ich zu keinem Handwerke mochte.
„Was war denn das, Kaspar?“ fragte ich,„ob⸗ wohl ich ahnte, welche Melodie er pfeifen wuͤrde. die alte und doch ewig neue, in fende— der Liebe!“
„Sehen Sie,“ ſagte er und wußte nicht, wie er das Ding rund bringen ſollte;„ſehen Sie, bei uns iſt das ſo: die Kinder die mit einander confirmirt werden, die halten zuſammen durch das ganze Leben in treuer Lieb' und Kameradſchaft. Da gibt's meiſt Pärchen draus und das macht ſich ſo unter der Hand. Nun wohnte neben uns der Peterjacob, auch ſo ein Bäuerchen, das wie mein Vater mit ſo zwei kleinen Kühen fuhr, wie wir ſie in Vogelsberg haben. Der hatte ein Mädchen, friſch wie eine Kirſche und blühend wie eine Roſe. Wir Zwei hat⸗ ten mit einander als Kinder geſpielt und hatten uns da— zumal ſchon lieb. Hernachgehends, als wir Sonntags das Vieh hüteten, hielt ſich's immer zu mir, und wir plauderten, ſpielten, ſuchten Erdbeeren und eins brachte
Dur und Moll verlau⸗
ſprach trabte ich hin- So konnte er nicht ſehen, was ich für ein
Gewß
Ediet 5) Die den Eolms⸗ Rödelheim zu zug Niedermorlt in ſährlichen geſcßlich
r K 40% kr., ſowie di. Rollbett für die Kleinen, das Abends herausgezogen wurde,
durherrn v. Behel Obermörlen in eben schenden Grundrente
ben etliche meiner Geſchwiſter weg. Ueberfluß, Herr, war dhnusaug, n
nicht da, das weiß Gott; aber wir hatten Kartoffeln und Als ich heranwuchs, ſollte ich ein
din deßfalls beſtehen gen abgelöst werden Es werden daher ſprüche an dieſe E
keine Luſt. Ich fürchtete immer den Utz, der mit den aue e en
ſonft die Auszahlur von 1299 fl. 4½ an die resp. Bere. Die Anſprüche des
bertn v. Wetzel z
übrigens bereits ge Butzbach den 0
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150) die Sein qu dendug und 8 fc holte in Julrmhof genannt,
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mit der Froh gen, deſſen ö ſſc zwei gewo 30 Fuß Lange befinden, aus ) einer Scheun
Montag den 9


