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Gil neigte ſich über den Körper des Stiftsherrn, als wollte er unterſuchen, ob noch ein Funke Leben in ihm ſei— er fand keinen.—— Der Schweiß rieſelte ihm in dicken Tropfen über die bleiche kummervolle Stirne;— die Arme gekreuzt, ſah er mit bittrer Traurigkeit, mit einem heimlichen Schrecken, das Blut des Gemordeten, an ſeinen Händen und Kleidern klebend:„Gomez! Gomez! rief er, fürwahr es gehört Muth, viel Muth dazu, einen Mord zu begehen, ſelbſt wenn ein Vater dadurch gerächt
wird!“
III.
Einer ſo wachſamen Polizei, wie der des Don Pedro, konnte ein ſolcher Mord nicht unbekannt bleiben, und es war unmöglich, daß der Urheber deſſelben den Nachfor— ſchungen und der Strafe lange entgehen konnte. In der That, war man der Sache bald auf der Spur und Perez wurde verhaftet. Da Gil alles ohne Zaudern geſtand, ſo ging die Unterſuchung mit außergewöhnlicher Schnelligkeit vor ſich, und nachdem die Richter, keinem Milderungsgrund Gehör gaben, der die Schwere ſeines Verbrechens hätte mindern können, ſo wurde er zum Tode mit dem Strange verurtheilt.
Sein Gefängniß blieb unbarmherzig allen denen ver⸗ ſchloſſen, die dem Unglücklichen nahe ſtanden und ihn ge— liebt hatten. Vergebens irrte ſeine troſtloſe Mutter Tag und Nacht vor den ſchwarzen Mauern ſeines Kerkers um— her——— vergebens verſuchte Julietta mit ihren Thrä— nen das eiſerne Herz der Kerkermeiſter zu rühren... umſonſt bemühte ſich Gomez, zu Gil zu duͤrfen, um ſeine Verzeihung zu erlangen, denn er war es ja, der den ſorg— loſen Jüngling zu dieſem Schritt verleitet, an dieſen Ab— grund gebracht hatte; aber alles ſcheiterte an der barba— riſchen Strenge der Wächter, und Gil mußte in ſich ſelbſt die Kraft ſuchen, die ſchreckliche Einſamkeit zu ertragen, aus der ihn nur der Henker befreien ſollte.——
Das Todesurtheil war bald bekannt in Sevilla und der König davon unterrichtet, war begierig, die Einzeln— heiten dieſer That kennen zu lernen; er ließ daher den Verurtheilten vor ſich bringen.
Er erſchien ruhig, kalt, weder frech noch ſchwach.
„Ihr ſeid angeklagt des Mordes an Don Henriquez?“ ſagte ihm der König.
„Ich habe ihn eingeſtanden!“
„Was bewog euch zu dieſem Verbrechen?“
„Um meinen Vater zu rächen, der auf eine unwür⸗ dige Weiſe gemordet wurde.. Jaber Don Henri⸗ quez war ein Vornehmer.“——
„Don Henriquez, nahm ſchnell der König das Wort, war ein Menſch.“——
Mit wenigen Worten, aber mit dem Ausdrucke der Aufrichtigkeit, der nur unverdorbenen Herzen eigen iſt, er⸗ zählte Gil dem Könige ſeine Geſchichte, legte ihm die Gründe dar, die ihn zur Rache beſtimmt hatten, und die kia en Art und Weiſe wie er dieſe Rache vollführt hat.
Gil war beredtſam, überzeugend und wahr.
Der König hörte ihm aufmerkſam zu, keine Miene verrieth eine Theilnahme, eine Billigung oder ſonſt ein Intereſſe; als Gil geendet hatte, wendete ſich Don Pedro gegen den primer assermente(erſten Richter) mit der Frage:„zu welcher Strafe wurde der Mörder des An⸗ tonio Perez verurtheilt?“ 208) Jehan
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„Er mußte auf ein Jahr die Verſammlungen des ai, geboren de
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Don Pedro runzelte die Stirne und rief mit auf gebrachtem Tone.„Das Geſetz ſoll weder Standesunter— ſchiede zulaſſen, noch ſonſt Privilegien kennen! So ver— nichte ich andurch den Spruch des Kapitels, und verur⸗— theile Gil Perez, ſich auf ein Jahr aller Schuſterarbeit zu enthalten, und beim heiligen Jakob, ſo geſchehe es!“
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Don Pedro war damals noch jung und in der erſten Periode ſeiner Regierung, und noch rein von den Aus., ſchweifungen und Grauſamkeiten, die ſpäter ſein Andenken Versteigern entehrten; insbeſondere ſetzte er einen beſonderen Werth. darin, eine große Ehrerbietung vor dem Geſetze an den Tag zu legen. ittags 2 Uhr
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Als der König dies unerwartete Urtheil geſprochen Tücken, als: hatte, erbleichte Gil über dieſe plötzliche unverhoffte Gnade, 2 Morgen ſeine Füße wankten, und er fiel beſinnungslos vor Don“
Pedro nieder— die Freude wie der Schmerz ſind zwar tödtlich, aber Gil wollte nicht ſterben; nach mehrſtündiger Bewußtloſigkeit kam er zu ſich, und wer beſchreibt ſein
11209) N.
Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.
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Steckbrief.
(1193) Die mangelhafte Beſchaffenheit des hieſigen Arreſtlocals hat die abermalige Selbſt⸗ befreiung eines Inhaftirten aus ſolchem er⸗ möglicht.
In der ſtürmiſchen Nacht vom 10. auf den 11. Juli iſt der wegen Landſtreicherei dahier inhaftirte, außerdem der Theilnahme an mehreren in Cob⸗ lenz, Rhenſe und Meſenich mittelſt Einſteigens zur Nachtzeit verübten Diebſtähle dringend ver⸗ dächtige Heinrich Hartmann von Erbach, im Herzogthum Naſſau, in Folge gewaltſamen Durchbruchs aus dem hieſigen Arreſtlocal ent- wichen. f
Indem wir ein Signalement des Entwichenen nachſtehend folgen laͤſſen und dabei bemerken,
daß derſelbe bei ſeiner Entweichung einen ärari⸗ ſchen grauen, blau und roth geſtreiften Teppich mitgenommen hat, erſuchen wir alle Juſtiz- und Polizeibeamten, den Entwichenen im Betretungs⸗ falle zu arretiren und anher abzuliefern. Rödelheim den 11. Juli 1851.
Signalement: Alter: 31 Jahre. Größe: 6 Fuß 9 Zoll. Haare: blond. Stirne: etwas breit. Augenbraunen: blond. Augen: grau. Naſe: ſpitz. Mund: proportionirt. Bart: ein rother, um das Kinn gezogener Backenbart. Kinn: rund.
Geſichtsfarbe: elwas bleich.
a Erſtaunen, als er ſich im Schatten eines Hügels befand, ½„ vor ſich die blühenden Ufer des Quadalquivir, und die freundliche Fiſcherhütte Gomez's die er nie mehr zu ſehen 1 1 e I beſchreibt ſein Entzücken, als er 17„ 2 fühlte, daß es kein Traum ſei, daß die Wirklichkeit in! umfange, denn er ſah Gomez, der ihm ſagte: du biſt einn 1 wackrer Junge, Gil!“——— er ſah ſeine Mutter mit! freudeſtrahlenden, dankbarem Blicke, wie ſie ihn küſſend,* in die Worte ausbrach:„Sei geſegnet mein vielgeliebter[1 Sohn!“——— Er ſah endlich die ſchöne Julietta, welche mit ſüßer Stimme ihn bat:„Laß uns Gott dan 2 f 17¹ ken, mein Gatte! dſenlich mei bemerkt, daß Statur: ſchlank. besen ſind d Beſondere Kennzeichen: keine. kunft zu e Kleidung: driedberg 1 ſchwarztuchene Schildkappe. 1 ruſſiſch grüner Rock. b Großh. Heſſ. Landgericht 1 Merinohalsbinde. b Dr. Gilmer. 1 braune geköpperte ſommerzeugene Hoſe, 1 Paar Schnürſtiefel. Lieferu Zur Beglaubigung(A2) Sames. 19 1 Jagdverpachtun g. dag (41700 Mittwoch den 30. d. M., Nachmitl⸗ dan tags um 1 Uhr, ſoll die der hieſigen Gemeinde andzmen 9 zuſtehende Jagd meiſtbietend öffentlich verpachtet wuigfion werden. Die Bedingungen werden bei der riedbe Verpachtung eröffnet. 0 Rendel den 8. Juli 1851. Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Lerſelge Beck. der 0


