Ausgabe 
19.7.1851
 
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fuͤr die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen,

den Regierungsbezirk Friedberg

im Beſonderen.

M. 36.

Sonnabend den 19. Juli

1851.

Das UÜUrtheil. Eine wahre Begebenheit, nacherzählt von F. v. Carnéville. (Schluß.) II.

Die eint Seite des Alkazar's war durch einen gro gen dunkeln Platz eingeſchloſſen, hier ſchritt eines Abends ein junger Mann mit ungleichen Schritten auf und ab; eine Kleider waren ſtaubig und in Unordnung, die dichten ſchwarzen Haare hingen über ſeine Schlafe herab, und man konnte eine ganze Geſchichte von Schmerz leſen, aus dem dunkeln Glanze ſeiner Augen, aus der convulſiviſchen Lebhaftigkeit ſeiner Bewegungen, und aus der Miſchung von Kummer und Haß, die in ſeinen Zügen ausgedrückt char; er blieb ſo geraume Zeit ſtehen, den Blick auf den Pallaſt gerichtet, als wollte er die Inſchriften der Mauern entziffern, die ſie nach ihrer Flucht noch an ihren alten Moſcheen ſtehen ließen. Nach und nach breitete die Dämmerung ihren dunſtigen Nebel über Se villa, und nur die Dome der arabiſchen Akademien, und die vergoldeten Pfeile der Kirchen, ſchimmerten noch durch die Dunſtmaſſe plötzlich hielt der Unbekannte an, ein Schauder durchzuckte ihn, als er in dem Halb⸗ dunkel einen Mönch unterſcheiden konnte, der die Richtung gegen den Alkazar einſchlug.. Eine lange ſeidene Soutane, um den Leib mit einem goldenen Gürtel feſtge⸗ halten, fiel bis an die Ferſen des Mönches herab und bedeckte zur Hälfte die ſammtenen Sandalen. Als der Neuangekommene nicht mehr ferne von dem jungen Manne war, der ihn mit einer ängſtlichen Spannung feſt im Auge behielt, verließ dieſer plotzlich ſeinen Hinterhalt und ſtürzte ſich auf den Mönch, indem er ihm zurief:Don Henriquez.... ich bin's!

Aber wer biſt Du? murmelte der Mönch, mit einer von Ueberraſchung und Furcht gemiſchten Stimme.

Du kennſt mich nicht? erwiderte Gil mit wildem Ausdrucke. Du kennſt nicht den Sohn des An⸗ tonio Perez! Du haſt wohl in Deiner Hoheit vergeſſen, oder dich nie darum bekümmert, daß das Opfer deines Uebermuthes, ein Kind hatte, und daß das Kind nun zum Me ſeit 8 Tagen halte ich hier Wache, um dich allein zu finden und dir ſagen zu können, daß du meinen Vater auf eine ſchändliche Weiſe getödtet und meine arme Mutter zu 10 martervollen Jahren der Verzweiflung und des bitterſten Schmerzes verurtheilt

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ich werde dir ein glänzendes Vermögen ſichern.... ich mache dich mächtig und angeſehenh) Und vielleicht auch glücklich? unterbrach ihn Perez

Leben bringen

Wohl nicht, aber ſie werden dazu dienen, ſeinem Andenken einen ſchönen Gedächtnißſtein zu ſetzen.

Und du, niederträchtiger Mönch, du denkſt, daß ich je um dieſe Bedingungen dem Mörder meines Vaters ver geben werde?

Jeſus Chriſtus hat auch ſeinen Henkern verziehen! ſtotterte der Stiftsherr...... du wirſt mein Vergehen ſicher vergeſſen, wenn du meine lebhafte Reue und den feſten Willen ſehen wirſt, es nach Kräften gut zu machen.

O! nein, nein! ſchrie Perez, du tilgſt dein Verbre⸗ chen nicht durch Thränen, ſelbſt wenn du ſie dein ganzes Leben durch vergießen ſollteſt dein Gold konnte wohl die Richter beſtechen, aber ich, ich bin weniger käuf lich als das Geſetz...... ja ich werde ſtrenger ſein ſogar, als Gott!

Indem er dies ſprach, faßte Gil den Mönch an der Gurgel. Ein verzweifelter aber kurzer Kampf entſpann ſich, der mit einem Dolchſtich und mit dem Schmerzſchrei eines Sterbenden endete.

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