Ausgabe 
17.12.1851
 
Einzelbild herunterladen

398

1

Mannes und eine, Camilla electriſirende Stimme rief aus: Wer da? Biſt du es mein liebes Lorchen? Hah!

Der letzte Ausruf galt Camilla, welche mit kreide⸗ weißem Antlitze hinter ihrer raſch vorgetretenen Schweſter hervorſtarrte und ſich jetzt lieber tauſend Meilen weit weg⸗ gewünſcht hätte. Der Schläfer war für Camilla wirklich zum Ritter Blaubart geworden, welcher jetzt ſeine Krücke erfaßte und ſolche drohend gegen Camilla ausſtreckte. If dieſe da nichthob er mit ſchrecklichem Blicke und furchtbarer Stimme anmein Schatz im Acker? Der Demant, den ich ſchleifen, die Perle, die ich in Gold faſſen zu müſſen wähnte? Hm! nichts als ein Irrlicht wareſt Du, das nach kurzem Leuchten in den Sumpf zu rückfiel, aus welchem es ſich erhoben hatte. Du wagſt es, mir unter die Augen zu treten? Mir, den du arm und elend gemacht, dem du den Glauben an gute Menſchen, an Gottes Gerechtigkeit und Fürſehung geraubt haſt? Wo wareſt du, als ich, vom Schlage getroffen, hilflos und verlaſſen auf meinem Schmerzenslager ruhete? Camilla, Undankbare! küſſe die harten, ſchwielenreichen Hände dei ner engelgleichen Schweſter da, welche mich hierher ge leiteten, meiner pflegten, für mich arbeiteten für mich, der ich das gute Kind nicht einmal mit einem Becher kal ten Waſſers erquickt hatte! Was thateſt du für mich, der ich Alles für dein Glück geopfert habe? Aber des Himmels Strafe bleibt nicht aus. Wo ſind ſie geblieben all' deine Liebhaber, vom Leutnant Brandtner an bis auf den unga riſchen Edelmann, mit welchem du in die weite Welt gingeſt? Sie haben von dem Lohne deiner Kunſt gezehrt, Alles verſchwendet und dich dann im Stiche gelaſſen. Wo iſt ſie geblieben deine glockenreine Silberſtimme? Zur kräch⸗ zenden Kaffetrommel iſt ſie geworden, welche nach Einölung ſchreit. Dein unvergleichlicher Triller? Ach, in einen Lun⸗ genhuſten, in dieſes Todtenglöcklein hat er ſich umgewan⸗ delt, das dein nahes Ende einläutet! Woher ich das Alles weiß? Glaubſt du etwa, eine Primadonna ſei keine res publica, von welcher die Zeitungen nichts beſagten? O ich bin dir nachgefolgt, wohin du auch fliehen mochteſt. Entdeckteſt du nie vor dir anf der Bühne das glühende Augenpaar, welches inmitten deiner Bewundrer drohend und ſegnend auf dir ruhte? Das waren meine Augen, Undankbare! der ich im Geiſte nie von deiner Seele wich. Das werde ich auch nicht in deiner bangen Todesſtunde thun, wo ich als ein drohendes Geſpenſt vor dir hin treten werde. Nicht memento mori werde ich dir dann zu⸗ ſchreien, ſondern memento Morelli!

Der erzürnte Geſangmeiſter hatte dieſe lange Straf predigt gehalten, ohne durch Eleonorens verſuchte Ein ſprache ſich unterbrechen zu laſſen. Ein guter und ein gefallener Engel ſtand das Schweſterpaar vor dem Sit tenprediger. An der dünnen Nachbarwand ſtand aber noch Jemand und zwar weder ein Eugel, noch ein Teufel, ſon

dern nur ein Horcher: der Schreiber Schmiedel, dem kein

Wort entging. 5

Die abgekanzelte Sängerin ſprach jetzt ſchnippiſch

zu ihrer Schweſter:Der Alte iſt rein verwirrt. Was will er von mir? Was hat er zu zanken? Habe ich nicht

aus Wien Geld hergeſchickt? Wegen elender 200 Thaler

macht er ſo viel Redens. Tauſende betrogen worden. Narren mit ſich ſelbſt zanken.

Ei, ich bin wohl um viele

Unten in der Wohnſtube angelengt, fuhr Camilla

erbittert fort:Iſt's auch recht, wenn man den Kindern das Brod wegnimmt und es den Hunden vorwirft?

Eleonore ſah ihre Schweſter mit einem Blicke an, in welchem ſich Entrüſtung und Erſtaunen ausdrückten.

Camilla aber ſagte wieder:Während der Alte, der euch

nichts angeht, wie ein Graf wohnt und bedient wird, muß ich mich kümmerlich behelfen, den ſchädlichen Dunſt ein athmen und mir obendrein von einem fremden Kinde die Ohren voll ſchreien laſſen.

Von einem fremden Kinde? entgegnete Eleonore

mit tiefem Entſetzen.

Nun ja! habt ihr nicht ſelbſt mir verſichert, daß Emilie ein Findelkind ſei? Oder geht ſie euch etwa näher an?

Stumm ſchüttelte Eleonore den Kopf, als begriffe ſie die Worte ihrer Schweſter nicht. Dann ging ſie und zog aus einem Schubfache die 50 guldige Banknote her⸗ Reben fh 1 der Schweſter zurückgab. Dieſe ent⸗

ich auch nicht, i i 1 nicht, ihr Geſchenk wieder an ſich zu Wann ich wieder bei Stimme bin ſagte ſie will ich euch die paar Gulden mit Zinſen wiedererſtatten. Wenn ich nicht Morelli's Wohnung bekommen kann, muß ich mich nach einer andern umſehen. a

Das Letztere that ſie auch; allein ſie fand gar bald, daß die mütterliche Wohnung und Pflege doch immer den Vorzug behielt und mit nur 50 Gulden nicht zu erſetzen war.

(Fortſetzung folgt.)

Miszellen.

Jemand hatte einen neuen Bedienten angenommen und ſchickte denſelben zu einem Freunde mit einer Empfehlung und Einladung zum Mittagseſſen.Eine Empfehlung, ſagte dieſer,ich werde aufwarten.O nein,, erwie⸗ derte der Bediente,Euer Gnaden ſollen nur miteſſen, auf⸗ warten werde ich, das iſt meine Schuldigkeit.

Bei ſeinem Abſchiedsbeſuche, den ein von der Univer⸗ ſität abgehender Student einem Profeſſor derſelben machte, ſagte er zu dieſem, unter andern Complimenten:Ihnen verdanke ich Alles, was ich weiß.Ach, erwiederte der Profeſſor ebenfalls höflichſt,erwähnen Sie doch nicht einer ſolchen Kleinigkeit!) 1

Komm' und laß den alten

Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.

N νιοννννννν

Edietalla dung.

(1970) In Folge Concurserkenntniſſes gegen den Israeliten Gombel Wallenſtein von Wohn⸗ bach wird Liquidationstermin auf

Donnerſtag den 15. Januar 1852 unter dem Anfügen anberaumt, daß, wer ſeine Forderung anzumelden unterläßt, ohne weitere Bekanntmachung ſich als ausgeſchloſſen zu be⸗ trachten hat. 5

Hungen am 1. Dezember 1851. Gr. Heſſ. Landgericht Hofmann.

Eid ig a d ung.

(1989) leber das Vermögen des Johann Philipp Jung von Friedberg iſt der förmliche Concurs erkannt worden. Anſprüche jeder Art ſind deßhald im Termin

Mittwoch den 4. Februar 1852, Vormittags 9 Uhr,

bei Vermeidung des ohne beſonderes Präcluſiv⸗ dekret erfolgenden Ausſchluſſes von der Maſſe dahier anzuzeigen und zu begründen.

In dem Termine ſoll zugleich ein Arrange ment verſucht und, wenn ein ſolches nicht zu Stande kommt, über die Wahl eines Maſſe⸗ curators und Verwaltung der Maſſe verhandelt werden. Gläubiger, die nicht in Selbſtperſon erſcheinen, haben ihre Mandanten mit Special⸗ vollmachten zu verſchen, gegenfalls augenommen

wird, ſie wären der Mehrheit der erſchienenen Gläubiger beigetreten.* Friedberg den 28. November 1851. Großh. Heſſ. Landgericht Dr. Irle.

Edietallad nung,

(1990) Ueber das Vermögen der Chriſtine Bertalott zu Aſſenheim iſt der Eoncurs erkannt worden. Anſprüche jeder Art ſind deshalb im Termin Mittwoch den 28. Januar 1852, Morgens 9 Uhr,

bei Vermeidung des ohne beſonderes Präcluſio⸗ dekret erfolgenden Ausſchluſſes von der Maſſe dahier anzuzeigen und zu begründen.

In dem Termin ſoll zugleich ein Arrangement verſucht, und, wenn ein ſolches nicht zu Stande