Ausgabe 
17.12.1851
 
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ntelligenz-Blatt

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen, den Regierungsbezirk Friedberg

im Beſonderen.

95.

Mittwoch den 17. Dezember

1851.

asJutelligenz⸗Blatt für die Provinz Oberheſſen wird im Jahre 1852, ebenſo wie im Jahre 1857, wöchentlich zweimal

(Mittwochs und Samſtags) ausgegeben.

DasIntelligenz⸗Blatt wird nach wie vor die amtlichen Bekanntmachungen der Staats⸗ und

Lokalbehörden mittheilen und Anzeigen und Inſerate jeglicher Zeit zur öffentlichen Kenntniß bringen. a Der Abonnementspreis, welcher ſtets bei der Beſtellung zu entrichten iſt, beträgt bei der Expedition,

wie bisher, für 1 Jahr

1 fl. 12 kr., für ½ Jahr 40 kr. Bei allen Poſtverwaltungen des Großherzogthums Heſſen pr. Jahr 1 fl. 24 kr. und pr.

Semeſter 46 kr.

Die Einrückungsgebühren betragen, wie bisher, für die geſpaltene erſte Pet Alle Inſerate, welche von dem Donnerſtag Morgen bis den Sonntag Abend bei

Aufnahme; alle Inſerate, welche von dem Montag Morgen an bis den

und jede folgende 2 kr. Ein Beleg wird mit 2 kr. berechnet.

der Expedition eingehen, finden in dem Mittwochs erſcheinenden Blatte eine

itzeile oder deren Raum 4 kr. für die zweite 3 kr., für die dritte

Mittwoch Abend eingehen, werden in das Samſtags erſcheinende Blatt aufgenommen.

Friedberg.

Die Expedition des Intelligenzblattes.

Wohl dem, der Ireude an ſeinen Kindern erlebt. Erzählung von Guſtav Nieritz. (Aus deſſen Volkskalender 1852.) (Fortſetzung.)

Der neue Blaubart.

Camilla machte es in der mütterlichen Wohnung, wie der Igel in der Fabel, welcher den Hamſter um ein beſcheidenes Plätzchen in deſſen Höhle bat und dann ſeinen gutwilligen Hauswirth hinausdrängte. Sie verlangte eine ausgezeichnete Beköſtigung, nahm den größten Theil der Wohnung für ſich in Beſchlag und machte ſonſt noch die eigenwilligſten Anſprüche. Die Zeit tödtete ſie mit Ruhen, Romanleſen und durchhecheln Anderer. ü

Einige Wochen hatte ſie in der mütterlichen Woh⸗ nung und Pflege verlebt, als ſie ſich endlich eines Tages mit der kleinen Emilie, welche Mittagsruhe hielt, allein ſah.

Endlich ſprach Camilla zu ſich ſelbſtiſt der Zeitpunkt gekommen, wo ich meiner Schweſter Ge⸗ heimniß erſpähen und die Heuchlerin entlarven kann. Er⸗ fahren werde ich, wer derjenige iſt, dem ſie alle Tage die beſten Bißchen zuträgt, wer die Stube im erſten Stocke ich mit einem elenden Winkel be⸗

bewohnt, während ich mi ele inkel gnügen muß, und warum ſie ſo geheimnißvoll mit dieſem

Bewohner thut. 5 Camilla holte hierauf aus dem Verſtecke den Schlüſ⸗

ſel zur oberen Stube hervor, welchen ſie erſpäht hatte, ſchloß das ſchlafende Kind ein und begab ſich in das obere Stockwerk. Durch die leiſe geöffnete Vorhausthüre nahete ſie der unverſchloſſenen Stubenthüre, welche ſie vorſichtig aufklinkte. Sie trat in ein kleines, aber nett ausgeſtat⸗ tetes Zimmer, wo auf einem Tiſche noch die Ueberreſte einer gehaltenen Mittagsmahlzeit zu ſchauen waren. Un⸗ ter den vorhandenen Möbeln gewahrte ſie ein Pianoforte,

auf welchem ein Stoß von Muſikalien lag. Schon glaubte Camilla das Zimmer ohne Bewohner zu finden, als ſie hinter dem Ofen in einem hohen Lehnſtuhle einen Schläfer von vorgerücktem Alter entdeckte. Derſelbe hielt das Haupt auf die Bruſt gebeugt, ſo daß man ſein Geſicht nicht, wohl aber deſto mehr die Platte auf dem Oberhaupte be merken konnte. Das rechte Bein des Mannes war unge wöhnlich dick und mit Hanfwerg umwickelt. Neben ihm lag in der Stuhlecke eine Krücke.

5Ein Liebhaber iſt's nicht ſprach Camilla bei dieſem Anblickeden meine Schweſter hier verbirgt. Macht ſie vielleicht die Erbſchleicherin bei dieſem Alten und fürchtet in mir eine Nebenbuhlerin?

Hier drehet ſich Camilla erſchrocken um, denn ſie hoͤrte eilige Tritte nahen und erblickte gar bald ihre Schweſter hinter ſich, welche ſie mit verſtörtem Antlitze und leiſer, athemloſer Stimme anredete:

Du hier, Camilla? O komm' ſchnell fort von hier, bevor er munter wird.

Wer iſt denn der Er? fragte Camilla ſpöttiſch daß du dich ſo vor ihm fürchteſt? Iſt er etwa ein Ritter Blaubart, welcher das unberufene Betreten ſeines geheim nißvollen Zimmers blutig ahnen will? O dieſer da ſieht nicht aus, als könne er mich bei den Haaren umherſchleifen, wie mir als Blaubarts Gattin oft genug auf der Bühne geſchehen iſt.

Du ſollſt Alles erfahren entgegnete Eleonore; nur komm fort von hier, ehe' es zu ſpät wird.

Dahinter ſteckt ein Geheimniß ſprach Camilla, nicht von der Stelle weichendund da ich ein Weib bin, ſo 7

Ein heftiger Huſtenanfall verhinderte den Nachſatz.

Da fuhr der Schläfer zuſammen. Der Lehnſtuhl knackte unter der haſtigen Bewegung des aufſtehenden