Ausgabe 
15.10.1851
 
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ans nicht der Fall, und wenn der Lachreiz beim ee 15 199 wollte, ſo war das Ehrwür⸗ dige der Erſcheinung dennoch ſchnell wieder der Damm, i renze diente. f 8 a den 125 Pfarrer Müller theils des Rufes ſeiner Gelehrſamkeit wegen, theils durch ſein eremplari⸗ ſches Leben in hoher Achtung; dabei wußte Jedermann, daß mit ihm gar nicht zu ſcherzen war, denn er übte eine Kirchenzucht in ſeiner Gemeinde aus, die heutzutag fabel⸗ haft klingt und in das Amt des Polizeidieners und Bettel⸗ vogts ſelbſt oft ſo entſchieden eingriff, daß Competenzeon⸗ flicte hätten entſtehen müſſen, wenn es eben nicht der Pfarrer Müller geweſen wäre. Sein Auftreten war ent⸗ ſchieden und imponirend; ſeinen Willen beugte keine Macht, und dieſe Feſtigkeit hatte ſich zu einem Starrſinn ausge⸗ bildet, der völlig unbeſiegbar war. Was man aber noch beſonders fürchtete, war ſein ätzender Witz, der als gute Waffe diente. Das Eine nur will ich anfuͤhren, um Ihnen zu zeigen, wie er ſeine Gemeinde in der Taſche hatte: ich habe als Amtsſchreiber zehn Jahre bei dem einſchlagli⸗ chen Oberamte gedient und nie iſt ein Proceß aus Müller 8 Gemeinde vor dem Amt anhängig geweſen. Er entſchied ſie alle und kein Bauer wagte, Appell einzulegen. Unerbittlich ſtreng übte er ſelbſt die Sonntagsabendpolizei im Dorf, und wehe den jungen Leuten, die er um neun Uhr noch auf der Straße traf. Daß ihm die Liebespärchen, denen er als eingefleiſchter Junggeſell abſonderlich gram war, dennoch Näschen drehten, liegt auf der Hand. Tanzmuſik durfte nur an der Kirchweihe im Dorfe ſtatthaben, und dann ſchloß er alle Laden an ſeinem Hauſe, daß er ja die Töne nicht höre, die ihm ein abſonderlicher Gräul waren. Umgang hatte er faſt gar keinen. Eine uralte Magd führte ſein Hausweſen, aber Alles hatte er unter ſtrengem Verſchluß und ſeine Sparſamkeit artete in ſpäte⸗ ren Jahren etwas aus, obwohl er gegen Arme höchſt mild thätig war. Ueberhaupt ſchlummerte unter der rauhen, eckigen Hülle ein gutes, mildes Herz, was viele ſprechende Züge bewieſen. Wie er gegen Andere ſtreng war, ſo war er's gegen ſich ſelbſt. Alles hatte im Hauſe ſeine ſtreng⸗ geregelte Ordnung, und der Glockenſchlag der alten Stand⸗ uhr hinter der Thüre war ein Tirann im Hauſe, wie der Hausherr ſelbſt einer ſein konnte.. 5 So war das Hausweſen ungehemmt ſeit dreißig Jahren in ſeinem ſtrengen Gleiſe fortgegangen, da ſtarb die alte Lisbet und faſt gleichzeitig der Bruder Kirchen⸗ rathsdiener in Heidelberg. Dieſe beiden Ereigniſſe drohten eine totale Revolution für Müllers Haushalt. Wo ſollte er eine ſo treue, geduldige Lisbet wiederfinden? Und was ſollte aus des verſtorbenen Bruders blühendem achtzehn⸗ jährigen Töchterlein und dem faulen Maler werden? Zwar hatte das ſchöne Mädchen einiges Vermögen und der Herr Bruder Kleckſer, der ſich einen Künſtler nannte, konnte arbei ten, da er noch Kräfte hatte; allein was war zu machen?

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Käthchen gelobte brieflich, nach des guten Onkels Willen Alles zu thun, was in ihren Kräften ſtünde, wenn er ihr nur ein Obdach gewähre.

Damals ſah man den Pfarrer oft mit raſcheren Schritten, als ſonſt, in ſeinem Garten auf und nieder

ſchreiten, die Hände lebhaft bewegen, und man hätte 5 1

lauten Selbſtgeſpräche verſtehen können, wenn man hätt horchen wollen. 9 Endlich ſchrieb er und nach acht Tagen zog das Mädchen, das in Heidelberg den Studenten über die Maßen gut gefallen hatte, weil ſie die Schönſte der Stadt war, ins ſtille Pfarrhaus ein, und da ſie nicht allein mit ihren Kiſten und Kaſten reiſen konnte, kam der Onkel Künſtler

mit und blieb da.

Der gute Maler! der alte Pfarrer ſah ihn grämlich an und fragte: was willſt du aber hier anfangen?

Er zuckte die Achſeln und hätte gern geantwortet: Gar nichts! aber das ging nicht. nomie wird ja wohl Arbeit geben, antwortete er.

Meine Oeconomie? fragte ironiſch der Pfarrer Dann kanuſt du bei Zeiten dich auf deine Loorbeern ſtrecken, fügte er hinzu und ging in ſeine Studirſtube.

Das iſt mir eben recht, dachte der Maler, und begab ſich in den Garten, wo er ſchlenderando luſtwandelte. Er blies ſeine Dampfwolken sine ira et studio in die Luft, denn der Pfarrer war reich und war ſein Bruder, Das Weitere ergab ſich ja ganz von ſelbſt.

(Fortſetzung folgt.)

Miszellen.

Eine junge, amerikaniſche Dame, welche ſich eben verheirathet hatte, ſollte ihren jungen Mann miſſen, der, Schiffslieutenant, die Ordre erhielt, ſich auf ſeinen Poſten zu begeben. wegen Zurücknahme dieſer Ordre und bezog ſich unter an dern auf die Bibel, in der 5. Buch Moſis, 24. Capitel,

Vers 5 ſteht: Wenn ein Mann ein Weib genommen hat,

ſoll er nicht in den Krieg ziehen, noch ſoll er irgend ein Geſchäft verrichten; ſondern er ſoll frei ſein auf ein Jahr und koſen mit dem Weib, ſo er genommen. ſecretär entgegnete:da ſelbſt die Bibel zu Ihren Gunſten, ſchöne Miß, ſpricht, muß ich wohl meinen Befehl, wie hier⸗ mit geſchieht, zurücknehmen.

3 Der Pariſer Luxus hat ſich bis auf die Särge er reckt. allerliebſt gearbeiteten Sarg, ganz darnach gemacht, um einem armen Erdenkinde Luſt zu erwecken, ſich in dieſer jammervollen Zeit hineinzubetten. Luxus darin iſt, das iſt ein Spielwerk, welches ſofort eine luſtige Fanfare bläſt, ſobald der Todte das Unglück haben ſollte, wieder aufzuleben und ſich zu bewegen.

Ich denke, deine Oeco⸗

Der Staats-

Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.

d ονιντιεννιν

Oeffentliche Aufforderung.

) Johannes Schreitz I. in Florſtadt 1 Jahre 1830; aus ſeiner Ehe mit Ka⸗ tharina, geborene Schroh, geſtorben im Jahre 1829, ſtammten drei Söhne: Johannes, gebo⸗ ren den 3. Juni 1774, Johann Peter, geboren den 12. December 1776 und Johann Wilhelm, geb. den 11. November 1787. Erſterer war zur Zeit des Todes ſeiner Eltern ſchon lange Jeit don Hauſe abweſend und ſein Aufenthalt un⸗ bekannt; Johann Wilhelm war aus dem ruſſi⸗ ſchen Feldzug nicht zurückgekehrt, und in Folge

davon nahm der allein anweſende Johannes die älterliche Erbſchaft in Beſitz. Auf Antrag des Letzteren werden nun deſſen oben genannte Brü⸗ der, oder deren etwaige Leibes-, Teſtaments⸗ oder Vertragserben, aufgefordert, ihre Erbrechte an dem Nachlaſſe des Johannes Schreitz I. von Florſtadt ſogewiß binnen drei Monaten dahier geltend zu machen, widrigenfalls ſie als darauf verzichtend und der Nachlaß als alleiniges Eigen⸗ thum des Johann Peter Schreitz angeſehen wer⸗ den würde. Friedberg den 19. September 1851. Großh. Heſſ. Landgericht Dr. Irle. v. Preuſchen.

Oeffentliche Ladung.

(1653) Das Vermögen des nunmehr ver⸗ ſtorbenen Heinrich Schneider II. von Södel iſt

nur 495 fl. überſchuldet. Deſſen Sohn Philipp hat ſich gegen Uebernahme des Nachlaſſes und

unter Verpfändung ſeines ſämmtlichen Vermö

gens mit den bekannten Gläubigern des Erblaſ⸗ ſers dahin verglichen, daß er 60 pCt. der an⸗ gemeldeten Forderungen in drei gleichen Zielen, nämlich Weihnachten d. J. und Martini der beiden folgenden Jahren, die beiden letzten Zie⸗ len mit Zinſen bezahlt.

Alle noch unbekannten Gläubiger werden hier⸗ mit aufgefordert, ſich im Termin Donnerſtag den 23. Oktober l. J., Vormittags, über Bei⸗ tretung zu dem Vergleiche zu erklären, widrigen⸗ falls dieſelbe unterſtellt werden wird.

Friedberg den 19. September 1851.

Großh. Heſſ. Landgericht Dr Irie

Die Dame ſchrieb an den Staatsſecretair

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Man ſieht auf der großen Induſtrieausſtellung einen

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