Ausgabe 
15.1.1851
 
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Raubmörder Schaar mit den Reiſenden beſtanden. Das

Land gehörte dem Erzbisthum Mainz und die Polizei

mochte ſchlecht genug geübt worden ſein, ſonſt hätten ſolche Greuel nicht vorkommen können. Nicht leicht mochte aber auch eine Stelle zu ſolchen Angriffen gelegener ſein. Aus den leeren Fenſtern und Lücken Vautsbergs und Sonnecks ſah nur die Eule herab auf die Scenen, die das Menſchen herz erbeben machen. Die Clemenskirche war ſeit dem dreißigjährigen Kriege eine den Wetterſtürmen preisge gebene Ruine. Weit drunten lag Trechtlingshauſen hinter dem Bergvorſprung und bis Bingen hin ſtand außer dem auch ſehr entfernten Mühlchen am Morgenbach keine menſchliche Wohnung mehr. Nannte man die Clemens kirche, ſo durchrieſelte den Wanderer ein Schrecken; denn ſelbſt am Tage wurde er nicht ſelten angehalten, obwohl es zu ſchwereren Angriffen nicht kam, da man von mannshauſen aus herüberſehen konnte. Nur unter dem 2 der Nacht geht die Verworfenheit ihre blutigen ege. l

Ob die Müllerin an ſo etwas dachte, als ihr der Schauder über den Rücken herauflief? Wer könnte es ſagen, da ſie den Gedanken nicht ausſprach? Ob Marie chen ſo Schlimmes von Jakob glaubte? Kaum; ſonſt würde ſie nicht mit ihm unter einem Dache geblieben ſein.

In der Müllerin Seele war aber ein Stachel ge drungen. Am nächſten Sonntag ſagte ſie zu Mariechen: Koche dem Jakob ſein Eſſen und ſtell' es ihm in die Ofen kachel, daß es warm bleibt. Wir zweie wollen heute bei der Baſe eſſen, die uns alle Sonntag quält, daß wir bei ihr bleiben ſollen. Du kannſt dann mit dem Jakobinchen den Mittag verplaudern und ich beſuche meine Gevatterin. Kannſt auch für jede zwei Pfund gerollte Gerſte als Geſchenke mitnehmen, wir haben ja noch vorräthig und morgen rollt der Jakob wieder, da kriegen wir den Molter.

Niemand führte lieber einen Befehl aus, als Marie chen dieſen. Sie hatte in Trechtlingshauſen ihre Freun dinnen, ihre Geſpielinnen. Sie war ja dort in die Schule und ſpäter zu dem Paſtor beten gegangen und in der Woche wurde ihr ſelten die Freude zu Theil, mit den Ge ſpielinnen verkehren zu konnen. Sie waren ja zu weit weg und hatten Arbeit wie ſie. Kaum hatte es in dem gegenüber liegenden Aßmannshauſen zum zweitenmal ge läutet, ſo ſtand Jakobs Eſſen in der Kachel und ſie ſchritt mit ihrer Mutter dem Rheine zu, die Landſtraße zu ge winnen.

Die Alte zitterte heftig als ſie an der Clemenskirche vorüberging und Mariechen wurde nur von ihren ſüßen Träumereien abgehalten es zu bemerken. Die Mutter ſchwieg weislich, ſchritt aber raſcher von dannen als ſie ſonſt pflegte nahm ſich auch vor, frühe zurückzugehen.

Heute waren wieder Mariechens Gedanken zu Noth gottes, neben dem dickbelaubten Nußbaum und was damit zuſammenhing. Sie ging, wie es der Tochter ziemt, vor den Augen der Mutter her und dieſe ſuchte die Gedanken, welche ſie quälten, durch den Anblick der ſchlanken Mäd chengeſtalt, die vor ihr ſo leicht dahin ſchritt, zu entfernen.

Nach der Kirche ſaßen ſie fröhlich bei der Baſe und die Mädchen plauderten heimlich am Ofen von Dingen, die nicht für jedes Ohr geeignet ſein mochten, denn ſie flüſterten gar leiſe und vertraulich. Mariechen war be ſonders redſelig.

Man mochte es aber der Müllerin anſehen, ſie habe etwas auf dem Herzen; denn ſie ſprach heute weniger als ſonſt und um vieles zerſtreuter. Kaum hatte ſie gegeſſen, ſo gab ſie vor, ſie habe ein wichtiges Geſchaft für ihre Mühle wegen der Schatzung bei dem Schultheiß abzu⸗ thun und eilte dorthin.

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. Der Schultheiß war auch der Wirth im Orte und mit ſeiner Frau hatte die Müllerin, da ſie noch Mädchen war, einmal ein Kind gehoben, daher ſie Gevatterleute waren.

Da wurden ſie denn recht freundlich aufgenommen und mit einer Taſſe Kaffee bewirthet, der Anno 1716 ſich höchſtens in die Häuſer der Schultheißen und Pfarrer auf den Dörfern eingeſchlichen hatte.

(Fortſetzung folgt.)

Kirchenbuchs-Auszug vom Monat Dezbr. Friedberg. Getraute:

15. Konrad Höck, Bürger und Kammmachermeiſter dahier, des hieſigen penſionirten Burgſoldaten J. Georg Höck ehlich lediger Sohn, und Margaretha Blum, des zu Nauheim verſtorbenen Brunnenmeiſters Chriſtoph Blum ehelich ledige Tochter.

22. Johann Chriſtian Seibel, hieſiger Bürger und Gehülfe bei der Material-Verwaltung der Main-Weſerbahn, des verſtorbenen Ortsbürgers Johannes Seibel von Breidenbach, Reg.-Bez. Biedenkopf, nachgelaſſener ehe⸗ lich lediger Sohn, und Charlotte Sophie Louiſe Reuß, des hier verſtorbenen Bürgers und Schneidermeiſters Konrad Reuß nachgelaſſene eheliche ledige Tochter.

Getaufte:

8. Dem hieſigen Bürger und Fuhrmann Chriſtoph Joſt eine Tochter, Maria Magdalena, geboren den 21. November. N

8. Dem hieſigen Bürger und ſtädtiſchen Polizeidiener Johannes Geißler eine Tochter, Margarethe Juliane, geb. den 13. Nvbr.

15. Dem hieſigen Bürger und Schneidermeiſter Joh. Hart mann Lang III. ein Sohn, Karl, geb. den 2. Dzbr.

15. Dem Bürger und Schreinermeiſter Wilhelm Stritzin⸗ ger eine Tochter, Katharina Eliſabetha, geb. den 10. Dezember.

26. Dem Bürger und Zimmermeiſter Johannes Füller eine Tochter, Anna Maria Margaretha Magdalena, geb. den 21. Nobr. 5

26. Dem Gemeinderath, Gaſtwirth und Metzgermeiſter Hart⸗ mann Walz II. eine Tochter, Karoline Eliſabetha, geb. den 4. Dzbr.

26. Dem hieſigen Bürger und Poſtillon Konrad Scheuer eine Tochter, Sophia, geb. den 23. Nvbr.

29. Dem hieſigen Bürger und Rathsdiener Franz Albrecht Wagner ein Sohn, Hermann Ludwig, geb. den 1. Dezember.

Beerdigte:

3. Friederike Chriſtiane Fleiſchhauer, der Eliſabethe Euler Töchterchen, alt 6 Monate und zwölf Tage, k den 2. Dzor.

7. Eliſabethe Philippi, geb. Hold, des weiland hieſigen Bürgers und Gaſtwirths Philipp Philippi hinterlaſſene Wittwe, alt 61 Jahre, 1 den 5. Dzbr.

7. Eliſabethe Balſer, des Bürgers und Oeconomen Jo-

hannes Balſer eheliches Töchterchen, alt 1 Jahr und 24 Tage, 1 den 5. Dzbr.

8. Nikolaus Lang, penſionirter Großh. Heſſ. Brigadier der Gendarmerie zu Pferde, alt 73 Jahre, 8 Monate und 22 Tage, 7 den 6. Dzbr.

12. Friedrich Karl Lang, des Bürgers zu Erbach im Oden wald und hier wohnenden Metalldrückers Karl Fried

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