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von Neuem, und ich brauche wohl kaum zu ſagen mit welchem Erfolg— in wenigen Minuten war Alles ver- loren. 5 „Wir wollen nun quitte ou double ſpielen!“ ſagte der Colonel in einem Anfall äußerſter Verzweiflung. Aber der Bankhalter ſchüttelte weinend den Kopf.
„Nein,“ ſagte er,„ich will nicht mehr weiter ſpie— len! Die Summe, die Sie mir bereits ſchulden, iſt ſchon weit größer, als ihr Vermögen noch iſt. Indeſſen will ich doch unter Einer Bedingung mit Ihnen ſpielen: ich will dieſe Summe noch verdreifachen, wenn Sie Ihre Gemahlin als Einſatz oder Pfand geben!“
Bei dieſen Worten ſtieß der unglückliche Spieler einen Schrei aus, ſo gräßlich, ſo herz- und ohrzerreißend, wie wohl kaum je Einer in einem Tollhauſe gehört wor— den war. Nie, niemals werd' ich ihn vergeſſen! Er ſtel rücklings in ſeinen Stuhl zurück, ſein Haar ſtand ihm zu Berge, kalter Schweiß perlte auf ſeiner Stirne, und ſein ganzer kräftiger Körper zitterte wie Espenlaub. Er ſchien zuſammenbrechen zu wollen, als er von ſeinem Stuhle aufſtand; dann aber erfaßte er den Tiſch mit beiden Hän⸗ den, ſtieß ihn mit beinahe übernatürlicher Kraft und Hef— tigkeit von ſich und wankte aus dem Zimmer.
Ich war zu tief erſchüttert, als daß ich den Eindruck hätte ruhig beobachten können, welchen dieſe unheimliche Scene auf den Capitän Carlo machte. Dieſer ſtand raſch vom Stuhle auf und rief, ohne zu bemerken, daß ich hin— ter ihm ſtand, zu meiner größten Verwunderung in einem Tone, worin die tiefſte Rührung ſich ausſprach:„Arme, unglückliche Julie! mein armes Kind! Er liebt ſie alſo noch immer, und es iſt noch nicht Alles verloren! Ihre Ehre iſt ihm noch heilig— er kann noch gerettet werden!“ Dann wandte er ſich um, erblickte mich und fuhr zitternd fort:„Ich habe die tiefe Theilnahme wohl bemerkt, die Sie, mein Herr, an dieſem unglücklichen Manne nehmen! Sie haben nun ſelber geſehen, daß noch nicht jeder gute Funken in ihm erloſchen iſt. Noch liebt er ſeine Frau und möchte ihren Namen nicht in die ſchmachvollen Thaten eines Spielerlebens verwickelt ſehen. Nein, nein! er iſt noch nicht verloren! Er kann noch immer wieder Glück und Reichthum finden. Der geſtrige und der heutige Abend und meine Handlungsweiſe haben ihn von ſeiner aberwitzigen Leidenſchaft geheilt... Ich bin Ihnen, mein Herr,“ fuhr er darauf, zu mir allein gewendet, leiſer fort,—„einige Aufklärungen ſchuldig, ohne welche Ihnen das Geſchehene und Miterlebte ein Räthſel ſein würde.
So erfahren Sie denn, daß dieſer unglückliche Spieler der
Gemahl meiner einzigen Tochter iſt, von welcher mich, wie von meinem theuren Vaterlande eine lange Verban— nung trennte. Dieſe Verbannung und die Verfolgung, welcher ich ausgeſetzt war, zwangen mich ſogar, ſelbſt vor meinen theuerſten Angehörigen geheim zu halten, daß ich noch und an welchem Orte und unter welchem Namen ich lebe. Ich hatte ein ziemliches Vermögen auf der Flucht geborgen, und es war mir in meiner Verbannung gelungen, durch Sparſamkeit, Mäßigkeit und Fleiß dies noch zu ver— mehren. Endlich gelang es meinen Bitten und dem Ein— fluß der Freunde und Fürſprecher, welche mir mein Ver— mögen erwarb, die Verzeihung meines großmüthigen Kaiſers für mich zu erwirken, und mit unnennbaren Glückesahnungen kehrte ich in mein Vaterland zurück, um nach langjähriger Trennung meine Tochter wieder an mein Herz drücken zu können. Allein zu meinem namenloſen Schmerz erfuhr ich bei meiner Heimkehr, was für ein tückiſcher Dämon den Gemahl meiner Tochter beherrſche und in welches Unheil ſeine blinde, zügelloſe Spielwuth ihn und mein Kind ge— bracht habe. Niemand kannte ihren Aufenthalt oder wußte,
was aus ihnen geworden war; aber gleichwohl gelang es meiner unermüdlichen Bemühung, ihre Spur aufzufinden, und das, was ich von ihrem Schickſale hörte, war ganz geeignet, meine Beſorgniſſe um mein Kind und meinen Eifer, ſie wieder aufzufinden, noch zu ſteigern. Ich ge— wann bald die Ueberzeugung, daß mein Einſchreiten ſo lange keinerlei Erfolg verſpreche, bis er Alles verloren habe. Seine Ländereien waren ſchon ſeit lange verkauft worden; aber ich war ja reich und konnte im geeigneten Zeitpunkte ihm Alles wieder erſetzen. Da ich wußte, daß er nach Paris kommen würde, beeilte ich mich, den Charak⸗ ter eines Eigenthümers dieſes Spielſalons anzunehmen, in der Hoffnung, auf dieſe Weiſe und dadurch, daß ich ihn um unbeſchränkte Beträge ſpielen ließ, jenen erſehnten Augenblick zu beſchleunigen, wo ich in Erfahrung bringen würde, daß er ſein Allerletztes auf's Spiel geſetzt und verloren habe. Dann wollte ich mich zu erkennen geben, meine Kinder wieder aufnehmen und ihnen eine neue ge⸗ ſicherte Stellung im Leben ſchaffen. Dieſes Armband, mein Herr, enthält das Bildniß meines angebeteten Wei⸗ bes, von welchem es auf meine Tochter vererbt worden war. Ich kenne meine Julie allzugut, um nicht zu wiſſen, daß ſie dies Geſchmeide nur im alleräußerſten Nothfall weggeben würde! Sehen Sie nun, was die Liebe über die Arme vermocht hat. Sehen Sie überhaupt, was die diebe thut! Sie hat ihm den letzten Schatz geopfert, den ſie beſaß, um ſeinen beleidigten Stolz zu ſchonen, und er hat ſich geweigert, ihren Namen in einem unrechtmäßigen Beginnen zu compromittiren. Alſo lieben ſie einander noch, und Alles kann noch gut gehen. Ol rief der alte Mann und Thränen ſtanden ihm in den glanzloſen Augen, o, daß es doch ſchon morgen wäre, daß ich mein Kind umarmen und ihm ſeine Ruhe, ſeinen Gatten, ſeinen Wohlſtand wiedergeben könnte, daß ich ihm allen Kummer verziehe, den er mir verurſacht hatl⸗
„Wenn's nur das iſt,“ ſagte ich zu dem Capitän, von einer bangen Ahnung und Unruhe bedrängt,„wenn Sie nur wiſſen wollen, wo Sie Ihre Tochter ſinden kön⸗ nen, ſo kann ich Ihnen helfen. Ich weiß, wo ſie wohnen; laſſen Sie uns ohne Säumen ſie aufſuchen!,— Ein Miethwagen brachte uns ſchnell in mein Hotel garni.
„Iſt der Oberſt Graf Z. zu Hauſe?“ fragte Capitän Carlo haſtig den Portier des Hotels.
„Plait-il?“ fragte dieſer.
„Dieſer Herr wuͤnſcht zu wiſſen, ob der Gemahl der Balkonzimmer wohnen,
Dame, welche neben mir in dem zu Hauſe ſei,“ fragte ihn; denn ich vermuthete, daß der Oberſt unter einem fremden Namen hier wohne. „Nein, er iſt ausgegangen,“ war die Antwort. „Und ſeit wann? iſt er ſchon lange weg?“
darauf wieder, verſetzte der Portier. ihn noch nicht wieder zurückkehren.“
„Gehen wir hinauf!“ drang ich in den alten Herrn. „Die Gräfin ſcheint zu Hauſe 10 ſein./ 1 0 be⸗ flügelte die Schritte des greiſen Vaters. Kaum konnte ich ihm mit dem Lichte folgen. Bald ſtanden wir vor der Zimmerthüre, und Capitän Carlo pochte; aber Alles blieb ſtill. Wir pochten abermals und lauter, und die einzige Antwort, die wir vernahmen, war das klägliche Winſeln eines kleinen Hundes. Die Thür war verſchloſſen; aber kein Schlüſſel ſteckte von innen. Wir verſchafften uns einen Hauptſchlüſſel und ließen öffnen. Mit zitternden Händen nahm mir der Greis das Licht hinweg und trat ein. Das Zimmer war dunkel; der Hund bellte. Inſtinkt⸗ mäßig folgte ich dem Capitän. Da näherte er ſich dem
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