Ausgabe 
14.5.1851
 
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855 end.

der Stadtkircht * 79 1

der Burgkirch * Seel.

1.

der Burgkirche: W 2 88.

28

4 Mai. Nu

Taxe und Butzbach 16. Mai.

Fried Buß⸗ berg. bach.

Keen

genz- Blatt

fuͤr die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen, den Uegierungsbezirk Friedberg

im Beſonderen.

Mittwoch den 14. Mai

1831.

Spieler. Nach dem Franzöfiſchen. (Schluß.) 2. Mit dem Schlage eilf Uhr trat ich wieder in Mr.

Der

Ein Lebensbild.

Clemens Spielzimmer und fand abermals Capitän Carlo

mit gefalteten Händen ängſtlich harrend am Tiſche ſitzen. Er blickte unverwandt auf die Thüre, als erwarte er Jemanden; denn der ruſſiſche Oberſt war noch nicht da. Bald nach mir kam er indeß, anſcheinend betrunken, ſetzte ſich an den Tiſch und ſtierte gierig auf das Gold, das in Haufen vor ihm lag. Capitän Carlo ſchien ihn mit dem größten Intereſſe zu betrachten; allein der Ruſſe hatte für nichts Anderes Augen, als für das Spiel und die Gold haufen, die vor ihm auf dem Tiſche lagen.

Faites votre jen, le jeu est fait! ſagte der Croupier und wollte eben die Karten miſchen, als der

Ruſſe mit wilder ungeſtümer Stimme rief:Hundert Napoleons auf Roth!

Der Croupier hielt inne und ſah den Obriſten an; da dieſer aber kein Geld auf den Tiſch legte, ſagte er

kaltblütig:Um Vergebung, mein Herr! Sie müſſen das Geld einſetzen! Der Oberſt ſchien ſehr betroffen, ward abwechſelnd leichenblaß und feuerroth und ſuchte vor Ent⸗

rüſtung lange vergeblich nach Worten.Wie können

Sie es wagen, ſo mit mir zu reden? fragte er endlich, wandte ſich dann zum Gehen und ſetzte leiſer hinzu:

Nachdem ich geſtern eine ſo bedeutende Summe an Ihrer

Bank verlor, hätte ich nicht erwartet, daß Sie mir, weil ich zufällig meine Börſe vergeſſen, einen ſo unbedeutenden

Credit verſagen würden! In dem ganzen Betragen dieſes Mannes und beſonders in dem Tone, womit er dieſe Worte ſprach, lag Etwas, das auch bei den übrigen Gäſten die Luſt am Spiele niederzuſchlagen ſchien. Einer

um den Andern verließ das Zimmer, und ehe ich mich

deſſen verſah, war ich noch der einzige Fremde, der zu⸗ rückblieb. Capitän Carlo war offenbar zerſtreut und ängſt⸗ lich und erwiderte einige eigentliche Bemerkungen, die ich machte, verkehrt; denn ſeine Gedanken waren anderswo. Da binnen mehr als einer halben Stunde keine neuen Gäſte mehr gekommen waren und ich nicht ſpielte, ſo wollten die Eroupiers eben ihre Kaſſen und Geräthſchaften einräumen und ich nach meinem Hute greifen, als die Thüre plotzlich wieder aufging und der Oberſt wieder ein⸗

trat. Aber welche Veränderung war mit ihm vorgegangen! wie ſah er aus! Seine Zuͤge waren bleich und verſtört, ſeine Lippen kreideweiß; ſein Haar hing ihm verwirrt und unordentlich um die Stirn; ſeine rechte Hand ſtak in ſeiner Bruſt; er zitterte heftig und ſein gläſerner, er loſchener Blick wanderte ſcheu und unſtät umher. Er ſchien einen Verſuch zu machen, ſich zu ſammeln und wie der aufzuraffen, verlangte Champagner und trank Glas auf Glas ſo raſch, als ihm der Diener eingoß. Der Trank ſchien ihn wieder nüchtern zu machen, und der Croupier miſchte von Neuem die Karten, als ob er den Fremden über ſeine Abſichten ſondiren wollte.Heben Sie die Karten gefälligſt ab, wenn's beliebt! ſagte er.

Noch einmal Roth! rief der Oberſt, zog die Hand aus der Bruſt und legte ein prächtiges Armband auf den Tiſch von unverkennbar hohem Werthe.»Es iſt hundert tauſend Franken unter Brüdern werth! fuhr er zum Croupier gewandt fort;nun, wo iſt denn jetzt Ihr Muth, mein ſchöner Herr, der mir vor einer halben Stunde die elende Summe von hundert Napoleons verweigerte? fürchten Sie ſich etwa oder konnen Sie meinen Einſatz nicht decken?

Capitän Carlo öffnete ruhig und ohne ein Wort zu reden eine vor ihm ſtehende kleine Caſſette, nahm daraus Banknoten bis zum Werth von hunderttauſend Franken und legte ſie gleichmüthig neben das Armband. Das Spiel begann.Schwarz gewinnt! rief der Croupier und ſchlug um. Der Oberſt hatte abermals verloren, und das werthvolle Armbaud war nun Eigenthum der Bank. Das Blut erſtarrte mir in den Adern, als ich in dem Geſchmeide das Armband der jungen Dame erkannte, welche am Tage zuvor unſere Reiſegefährtin auf der Eiſenbahn geweſen war. Mir ſchwindelte, und ich mußte mich am Tiſche halten, um nicht umzuſinken, und halb ohnmächtig vor Staunen und Aufregung wollte ich eben meinen Hut ergreifen und mich aus dem Salon entfernen, um mich in der freien Luft zu erholen, als mich die Stimme des Capitän Carlo wieder an die Stelle bannte.

Herr Oberſt, ſagte er zu dem Ruſſen,ich weiß, Sie ſind nicht mit baarem Gelde verſehen. Weun Sie aber dieſes Taſchenbuch voll Banknoten von mir als An lehen annehmen wollen, ſo können wir ja morgen mit einander abrechnen! Was mochte ihn wohl dazu beſtim men, eine ſo peinliche Scene noch zu verlängern? i

Das Anerbieten ward angenommen, ſo befremdlich und räthſelhaft mir es auch ſchien; das Spiel begann