Ausgabe 
13.9.1851
 
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fuͤr die

Provinz SOberheſſen

im Allgemeinen,

den Regierungsbezirk Friedberg

im Beſonderen.

½ 72.

Sonnabend den 13. September

1851.

Aus dem Leben eines Vogelsbergers in Krieg und Kieden. Erzählung von W. O. v. Horn. (Fortſetzung.)

Nach kurzer Zeit waren wir am Ziel. Er verſorgte die Pferde, ich mich, und blieben von einander entfernt, bis die Sonne ſchon tief in Weſten ſtand. Ich hatte Kaspar's nicht mehr gedacht, denn des Schönen viel ſchaute mein Auge. Als ich von der Höhe zurückkam, wo eine alte Ruine ſtand, war er ſchon zur Abfahrt fertig. Ich ſtieg ein.

Herr, ſagte er, indem er ſich wieder zurecht ſetzte, ich muß Ihnen doch meine Geſchichte auserzählen.

Wenn Sie ſich erinnern, ſo war das im Jahr 1813 im Anfang des Octobers, als wir von Kaſſel abmarſchir⸗ ten. Es regnete viel. Parol! es war ein ſchönes Regi⸗ ment, doch der Koth tief auf der Straße.

Aber Kaspar? ſagte ich,hat Er denn das Heim weh nicht gekriegt? Ich ſollte denken, ſo weit wäre er noch nie von ſeiner Heimath geweſen und von der Mut⸗ ter und dem Annebärbelchen?

Das hätt' ich ſchier vergeſſen zu erzählen, ſagte er.Gewiß hatt' ich das Heimweh! Ach, du lieber Gott, wieviel Thränen vergoß ich! aber vor meinen Ka⸗ meraden durft' ich mich's nicht merken laſſen. Die lachten mich aus. Nachts aber, Nachts ach, da überließ ich mich meinem Leid. Einer war dabei, dem ging's nicht beſſer als mir. Es war ein Fulder. Der ſagte zu mir: Ich hatt' auch das Heimweh. Weißt du, wie ich mich kurirt? Ich ſchrieb heim und ließ mir ein Stück Brod ſchicken. Da roch ich dran, wenn mir das Flennen an⸗ kam, und huſch! war's weg. Mach's auch n

Ach Freund und Bruder, ſagt' ich, ich kann ja nicht ſchreiben! 1 1

Nichts weiter als das? rief er aus. Ich bin eines Schulmeiſters Sohn und kaun ſchreiben wie unſerm Amt⸗ mann ſein Scribent. Kauf' Papier und morgen ſchreibꝰ ich dir einen Brief, der ſich gewaſchen hat, und du be⸗ zahlſt einen Schnaps. 5 f

Das war mir gleich recht und ich ſpürte ordentlich ſchon wie mir das Herz leichter wurde. N

Gleich am andern Morgen kaufte ich Papier, und da es ein Sonntag war, hatte der Fulder Schulmeiſters⸗ ſohn Zeit, mir den Brief zu ſchreiben. Wir ſetzten uns allein auf die Kammer, da wir Raſttag hatten. i

Er ſagte: nun, Alter, was ſoll ich denn ſchreiben?

Schreib viel tauſend Grüße, ſagte ich, und wie's mir ergangen; ſchreib auch, wie das Alles der Schultheiß, der Halunke, gethan, und das Annebärbelchen ſolle mir treu bleiben und nur den zwergen Hannes nicht nehmen, der mein Unglück war, und meine Mutter ſolle ſich nicht todt weinen und ſolle mir ein Stück Brod ſchicken gegen das Heimweh, das mir ſchier die Seele abdrücke.

Das muß ich ſagen, der Fulder machte ſeiner Ab⸗ kunft Ehre. So eine Schulmeiſters Art iſt doch etwas Rares! Da ſtecken die Conduiten ſchon im Holz und ſie erben's wie die Hühnerhunde das Stehen. Hat doch der Fulder all' meine Gedanken hingeſchrieben haarklein, und keinen vergeſſen, nicht einmal einen halben. Und das war ſo beweglich, daß ich bitterlich weinen mußte. Wüßt ich's nur noch, Sie würden ſich verwundern, lieber Herr. Mein linkes Ohrläppchen hätt' ich drum gegeben und gäb's heut' noch drum, wenn ich das hätte fertig bringen können. Freilich, die Gaben ſind verſchieden ausgetheilt, und man kann ſich keine geben!

Der Brief ging ab und es waren noch keine vier zehn Tage verfloſſen, da kam Antwort. Das war eine Luſt! Hundertmal mußte mir ihn der Fulder leſen, bis ich ihn von Anfang bis zu Ende auswendig wußte. Nun trug ich ihn auf der Bruſt mit mir herum.

Von wem war er denn? fragte ich Kaspar'n, der das nicht geſagt.

Parol! da hab' ich mich übereilt! rief er aus. Verzeihen Sie, er war von Annebärbelchen und meiner Mutter. Sie ſchrieben, daß ſie Alles wüßten und ſchier ſich todt geweint hätten. Nun wollten ſie ſich tröſten, da ſie doch nun auch wüßten, daß und wo ich lebe. Daß ſie für mich beten wollten und daß Annebärbelchen mir treu bleiben wolle bis in den Tod. Auch lag ein Stück Brod drinnen, das dick und groß genug war, daß ich's nicht würde abgerochen haben bis an den jüngſten Tag.

Half's denn, Kaspar? fragte ich.Das iſt ja ein leichtes Mittel, einen armen am Heimweh leidenden zu kuriren.

Ob's geholfen! Parol! Herr, es that's. Der Ful⸗ der ſagte mir, wie ich's machen ſolle, nämlich, ich ſolle es auf der Bruſt tragen und alle Morgen und Abend dran riechen. Um es beſſer verwahren zu können, nähte ich's in einen Tuchlappen, machte Bändel dran und hing's ſammt dem Brief um den Hals. Er trug ein wenig dick auf aber die Unterofficiere und Officiere bemerkten's doch

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