Ausgabe 
11.1.1851
 
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Was hat er dir denn gethan, du tolles aberwitziges Ding? Thut er dir nicht alles zu Gefallen? Hat dir noch letzten Mittwoch den ſchönen Rosmarin von Bingen mitgebracht!.

Er hätt' ihn für ſich behalten können!

Schäm' dich, Mariechen, rief die Mutter. Nach meiner Zufriedenheit fragſt du nicht. Ich werde alle Tage baufälliger und ſo gehts grade der Mühle. Was ſoll aus dir werden, wenn ich nun ſterbe? Wer ſchützt dich in dieſen argen Zeitläuften? Wer baut die Mühle? Der Jacob hat Geld, wir keins! Und iſt er nicht ein ſittſamer, fleißiger und verſtändiger Menſch? Verſteht er nicht bei ſeinem Mahlen auch noch die Kunſt als Mühlarzt? Was hätt' ich ausgeben müſſen, ſeit er in der Mühle iſt, wenn ich alles, was er mit ſeiner kunſtreichen Hand poſſelt, haͤtte bezahlen ſollen? Du liebe Zeit, ich hatte können eine Hypothek auf's Mühlchen machen, und ſo iſt's doch ſchuldenfrei. Sag' mir einen Burſchen zu Trechtlings⸗ hauſen, Aßmannshauſen oder Heimbach, der ſo zurückge zogen und ſparſam lebt wie er? Frag' den Schultheiß, ob einer ſo wenig in ſein Haus kommt, wie er, zu trinken oder zu knöcheln. Alles ſpart er ſich. Und wer iſt ſo fromm wie er? Er verſäumt keine Frühmeß und kein Hochamt. Ueber ſeiner Kiſte hängt ein Weihwaſſerkeſſel chen und ein Palmbuſch. Er betet morgens und abends den Roſenkranz. Und gelt, was hat er dir einen ſchönen Roſenkranz mitgebracht, als er an der Moſel war oder in Koblenz? Siehſt du Mariechen, ich könnt' mir kein größer Glück wünſchen, als wenn du ihn heiratheteſt. Wie lieb hat er dich! Er hat auch ſo auf den Buſch bei mir ge klopft und ich muß einmal im Ernſte mit dir reden. Jetzt ſind wir ſo ſchön allein und er ſchläft ſchon. nee

Mutter, rief das Mädchen, ſage, ich ſoll in die Klauſe ſpringen, in den Rhein laufen, ich thu's lieber als das!

Ei du gottvergeßnes Ding! ſchalt die Mutter. Gelt er iſt dir zu alt? Nun, laß dich jung hängen, ſo wirſt du nicht alt! Dein Vater war auch zwölf Jahre älter wie ich, und als er ſtarb, war er doch noch ein junger Burſche gegen mich. Wie alt iſt er denn? Wenn noch ein paar Jährchen um ſind, biſt du eine alte Jungfer.

Nein Mutter, ſprach Mariechen darauf ruhig und feſt; gebt den Gedanken auf. Ich kann einmal den tücki⸗ ſchen, verſtockten Menſchen nicht leiden. Wer niemanden ehrlich anſehen kann, taugt nichts. Er iſt ein Geizhals, ein Pfennigfuchſer. Für ſeine Frömmigkeit geb' ich keine Hand voll Kleie. Das gute Gewiſſen fehlt ihm. Gegen uns ſtellt er ſich wie ein Lamm und iſt doch inwendig ein reißender Wolf. Ich hab' ihn einmal bös geſehen, da war er ein wahrer Teufel und hätt' ich nicht abgewehrt, er hätte den Mann, der ihn beſchuldigt hatte, er habe gegen Recht gemaltert mit dem Beil todt geſchlagen. Ihr meint, er wär' ſo fromm? Wo geht er denn Nachts,

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wenn alles ſchläft, hin? Meint ihr, ich ſchliefe immer wie ein Sack? Geht jetzt an ſein Bett! Wenn er im Hauſe iſt, ſollt ihr mich nicht mehr als euer Kind anſehn. Nein, Mutter, lieber ſterben will ich als ſeine Frau werden! Und zwingt ihr mich, ſag' ich am Altar noch nein oder ſpringe gar in den Rhein, wenn ich nicht in's Kloſter gehe! Da ſchlugs auf der Stubenuhr zwölf und die Mut⸗ ter ſagte: Wir wollen ſchlafen gehen! Zuvor nahm ſie das Licht, ging in Jakobs Kammer und das Bett war leer. Sie ging in die Mühle er war nicht da. Gedankenvoll kam ſie wieder und legte ſich ſtill zu ihrem Kinde; aber ſie ſchlief nicht und hörte, wie nach ein Uhr der Jakob leiſe die Treppe hinauf nach ſeiner Kammer ſchlich. Mariechen hatte zwar keinen beſtimmten Argwohn

ausgeſprochen, aber es heißt in dem Liede:

Ein Fünklein, das da fährt ins Stroh,

Kann leicht zur Flamme lohen;

Wo der Verdacht ins Herz ſich ſchleicht,

Da wächſt er ſchnell, da wächſt er leicht;

Der Glaube wankt, Vertrauen weicht,

Und Ruh iſt dann entflohen! So ſtands bei der Müllerin. Das Fünklein war ins Stroh gefahren! Was mag nur das Kind mit demreißen⸗ den Wolfe gemeint haben? fragte ſie ſich, als ſie Nachts wach im Bette lag. Zu fragen wagte ſie nicht, weil ſie die Sache lieber im Dunkeln laſſen als zu einer Gewiß⸗ heit kommen wollte, die vielleicht alle ihre Hoffnung zu nichte machen konnte. Wie ſie aber ſo ſann und grübelte kam ihr eine recht ungelegene Erinnerung. Vor einem halben Jahre war's, da ging ſie einmal Morgens nach Jakobs Kammer, der eben elligſt in die Mühle gerufen worden war, weil ein Zahn am Kammrade gebrochen war, der ſchnell gemacht werden mußte. Sie trat hinein, weil ſie ſein Bett machen wollte. Sorgfältig hatte immer Jakob ſeine große eichene Kiſte verſchloſſen gehalten. Jetzt ſtand der Deckel auf. Er mußte in der Eile vergeſſen haben ihn zu verſchließen. Das alte Sprüchlein:

Die Eva iſt noch nicht todt.

beſtätigte ſich auch bei ihr. Eine unbezingliche Neugierde ergriff die Alte und leiſe trat ſie zur Kiſte. Da lagen allerlei Kleider, die ſie nie an dem Jakob geſehen; feine Kleider, wie ſie die Herrenleute tragen, und in der Ecke unten ſtand ein kleiner Sack voll Geld, ſo viel, wie ſie niemals geſehen. Sie ſchlug die Hände vor Verwunde rung zuſammen. Ja, als ſie das Deckelchen der kleinen Nebenlade hob, da lagen darin drei Uhren, zwei ſilberne und eine von purem Gold und etliche goldene Ringe. Gar gerne hätte ſie noch mehr geſehen, aber das Herz pochte ihr, wenn ſie dachte, der Jakob könne kommen. Sie deckte die Nebenlade wieder zu und machte ſich aus dem Staube. Kaum war ſie auf dem Speicherchen, da ſprang er auch eilig die Treppe herauf, ſchloß ſeine Kiſte und lief ſchnell wieder hinunter.(Fortſetzung folgt.)

für ihn in der Perſon des Andreas Rau von

Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.

rr Edictalla dung. (19060) Anſprüche aller Art an das für con⸗ cursfällig erklärte Vermögen des Heinrich Rahn II. von Altenſtadt ſind bei Meidung ſtillſchwelgend erfolgenden Ausſchluſſes in dem auf Mittwoch den 29. Januar 1851,

Vormittags 9 Uhr,

anberaumten Liquidations-Termine bei unter⸗

eichneter Gerichtsſtelle anzuzeigen und näher 8 0

zu begründen. Zugleich wird der unbekannt wo? abweſende Heinrich Rahn II. von Altenſtadt aufgefordert, in dieſem Termine zu erſcheinen und ſeinen Gläubigern gegenüber ſeine Rechte zu wahren, als ſonſten der einſtweilen

Altenſtadt beſtellte Curator definitiv beſtätigt

wird und deſſen Handlungen ſo angeſehen wer

den als ſeien ſie von ihm ſelbſt vorgenommen

worden.

Groskarben den 25. November 1850. Großh. Heſſ. Landgericht Jag e. Main⸗Weſer⸗Bahn.

(87) Mittwoch den 15. Januar l. J. Vor⸗ mittags 11 Uhr ſoll auf dem Bahnhofe zu

Vilbel altes Gus⸗ und Schmiedeeiſen, Karren,

Brennholz ꝛc. an den Meiſtbietenden gegen gleich

baare Bezahlung öffentlich verſteigert werden. Friedberg den 3. Januar 1851. Der Großh. Heſſ. SectionsIngenieur der Sektion Vilbel Hochgeſand.

Mobilien ⸗Verſtefgerung.

(38) Mittwoch den 15. l. Mts., Morgens um 9 Uhr und Nachmittags um 2 Uhr anfan⸗ gend, wird der Mobiliennachlaß der verſtorbenen Georg Schreibers Eheleuten in deren Wohnung in der Wilhelminenſtraße, beſtehend in Holzwerk, Bettung, Weißzeug, Frauenkleider, Zinn, Eiſen d.,

meiſtbietend gegen baare Zahlung verſteigert.

Friedberg den 6. Januar 1851. In Auftrag Großh. Heſſ. Landgerichts Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Bender.

Verpachtung des Mineralbrunnens a zu Vilbel.

(35) Der dem Großh. Heſſ. Fiscus gehörige Mineralbrunnen zu Vilbel mit der dabei be