Ausgabe 
10.9.1851
 
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9 90- 7 0 ub crieb, haben ſcheint. Und mit der Gemeinde Beienheim trauern um ihn lüftet in eine troſtloſe Wittwe, vier unmündige Kinder und zwei zahlreiche Familien ſeiner Angehörigen; es trauern um ihn ſeine vielen Freunde und Bekannten in der Nähe und Ferne. durch ez Bei dieſer allgemeinen Theilnahme, hervorgegangen aus der 1 einn hohen Achtung, welche der Verblichene bei allen denen genoß, die mit ohne Präqd, ihm näher bekannt zu werden Gelegenheit hatten, aus der herzli⸗ gen war 0 en treuen Freundſchaft und Liebe aller derer, denen ſeine Freunde zu ſein das Glück ward,erſcheint es Pflicht, der Trauerkunde von Das Beckers Tode einige kurze Mittheilungen anzufügen von ſeinem frü 8 in heren Lebensgang, ſeinen letzten Tagen und ſeinem Ende. tung für zie Wilhelm Becker, jüngſter Sohn des Landwirths Nikolaus Becker nus Rodau bei Zwingenberg, war geboren in Rodau am 7. Sep⸗ tember 1810, bildete ſich fur das Schulfach zuerſt bei dem verdienten 3 uud gehrer Schneider in Zwingenberg aus, war dann etwa fünf Jahre das dra Lehrgehülfe an verſchiedenen Stellen des Odenwalds, beſuchte darauf hte. Alles in das Seminar zu Friedberg, von wo er im Jahr 1836 mit dem Zeug⸗ 1 zurchgehez; niß Nr. 1 entlaſſen und auf beſondere Empfehlung ſeiner Lehrer und Hersfeld Vorgeſetzten, als Lehrer in Beienheim angeſtellt wurde. Hier hat eld wu derſelbe ſeitdem gewirkt, mit einer Hingebung und Pflichttreue, welche mur mit den das unzweifelhafte Zeugniß davon geben, daß er ſeines Amtes nicht die, und band Als ein Miethling blos um des Brodes willen gewartet, ſondern als ein guter Hirte, als ein Mann, der ſich klar bewußt iſt, daſſelbe nach nen ni Vottes heiligem Willen, als hohen Lebensberuf ergriffen zu haben. len nicht ſe Stets war ſein Streben, ein rechter Lehrer und Führer der Jugend, ein Annebar, ein Meiſter zu ſein in ſeinem Beruf, ein Schulmeiſter im ſchön⸗ te ich daraß, den Sinne des Worts. Ihm war es eine heilige Ueberzeugung, daß Hannes un eines Mannes Wirken nicht vergeblich ſein werde, daß es für 35 Mit⸗ und Nachwelt ſegenringend ſein müſſe, wenn er mit vol⸗ ſengezucht er Pflichttreue, im großen wie im kleinen Wirkungskreiſe, das Gute zu thun bemüht ſei. Und, mit welchem Erfolg Becker als Lehrer einen andem zewirkt, darüber iſt von Allem unter ſeinen Amts- und Berufsgenoſſen, lldiſche einen Vorgeſetzten, ſowie bei allen Gönnern und Freunden des Schul⸗ ehen e wveſens und in der dankbaren Gemeinde nur eine Stimme; es liegen Haare nicht! parüber die ehrenvollſten Zeugniſſe vor, und unter dieſen als mit werden, das mnichten das letzte der Bildungszuſtand der Kinder und der erwachſenen Wo wol- ungen Leute in der Gemeinde, und bei der treuen Liebe und dank⸗ 80 baren Anhänglichkeit an Freund und Führer ihrer Jugend. Wahrhaft 1 gn gehen rührend waren manche Aeußerungen dieſes Danks und dieſer Liebe, i, wie ich und der Achtung und Anerkennung, namentlich auch von Seiten eini⸗ ind dann iſts Zer Amtsgenoſſen beim Tode deſſelben. Selbſt einige frühere Gegner einen Schaz deſſelben, wer hätte nicht Gegner im Leben? Feinde aber hatte men Schük, zecker keine! werden bei ſeinem Tode trauern. Konnte es aber feine Kugl auch anders ſein? bei ihm, dem einſt einer ſeiner auch ſchon hingegan⸗ gut werden, genen Lehrer das ſo ehrenvolle 1 gegeben hatte:Er iſt ein 9 e Mann im vollen Sinne des Worts! i. du c Ja! Becker war ein Mann, als Menſch, Chriſt, Bürger, 1 n Zehrer, Ehegatte, Vater, Verwandter und Freund, in allen Beziehun⸗ Menſch hatt zen des Lebens war es die edelſte männliche Ueberzeugung den Kolben and das klarſte Bewußtſein deſſen, was er wollte, was de endlig ſeine Worte und Handlungen beſtimmte, beide geheiligt durch einen a di menſchlich⸗kindlichen und dennoch männlich⸗freien, aber darum vie nir auch unerſchütter lichen, felſenfeſten Gottesglauben an icht viel um den allgütigen und allweiſen Vater aller Menſchen. Dieſen oldatenkamiſel Da hieß eb

Mutter

Feſten Gottesglauben, dieſe Ueberzeugungs- und Pflichttreue, und ſeine Dingebung, als die Quellen aller Tugend, waren es denn auch, wa⸗ Sum ſo viele, die nicht ſeine Schüler waren, noch ſonſt ihm vorher

als ich in maheſtanden zu Becker ſich hingezogen fühlten und ihm bald mit den en, hieß es] Banden innigſter Freundſchaft verbunden wurden. par.Herr, Fragt man nach Beckers außeren Lebensverhältniſſen; ſie 1 1 0 ich! cvaren leider dieſelben wie bei dem ganzen gedrückten und ſo oft mit arent belohnten Stande der Volkslehrer; ſie waren den ſchweren die Luft uu Mühen und Sorgen des Amts, der Wichtigkeit des Berufs und den

i Trotte da. eiftungen nicht angemeſſen. Allein Beckers Hingebung an ſeinen Beruf ickern Men. Ließ ihn in beſcheidener Geduld beſſere Zeiten erwarten und nimmer 4 5 ſal⸗ berzagen, ſelbſt dann nicht, als die Hoffnungen der Lehrer auf end⸗ g und geſt liche allgemeine geſetzliche Verbeſſerung ihrer zeitlichen Verhaltniſſe r Weise. cpieder zu ſinken begannen, und nun gar auch noch langere Krankheit ihn heimſuchte. Hatte er früher ſich auch mehrmals um beſſere Stellen HBeworben, hatte er ſich ſelbſt auch noch für einen anderweitigen

Erwerbsdienſt tüchtig vorbereitet, wo ihm nach menſchlicher Voraus⸗ ſicht ein beſſeres Loos und vielleicht auch nicht das frühe Todes⸗ loos der meiſten Lehrer gefallen wäre, wer möchte ihm das verargen? Dennoch faßte er immer wieder neuen Muth, blieb ſeinem eigentlichen Lebensberuf getreu; ja er wurde in den letzten Jahren, zum Theil wohl mit durch die ihm während ſeiner öfteren Krankheit von allen Seiten bewieſenen Theilnahme, ſeinem Lebensberuf faſt noch treuer; und mit der ſcheinbar wiederkehrenden Geſundheit ſchien auch manch beſcheidenes Gluck ihm blühen zu wollen. Es muß hier⸗ hin namentlich gezählt und lobend für die Gaben erwähnt werden, was ihn kurz vor ſeinem Tode noch ſo recht innig erfreut hat, eine ihm von der Schulbehörde gewordene außerordentliche Ehrenbeloh nung und ein freiwilliger Beſchluß wodurch der Gemeinderath von Beienheim ihm eine perſönliche Zulage zuſicherte für die Dauer ſeiner ferneren Dienſtthatigkeit an dortiger Stelle. Dabei durfte Becker die wohlbegründete Hoffnung hegen, daß bei ſpäterer beſſerer Geſtaltung der Vermögensverhältniſſe der Gemeinde, dieſelbe, der es an dem guten Willen dazu nicht fehlt, noch mehr für die Schule und den Leh rer thun werde.

0 Die letzten Tage vom 25. Auguſt an waren für Becker und die Seinigen Tage ſchwerer Prüfung. Mit den frohen Vorbereitun gen zu einer ſeit mehren Jahren beabſichtigten, aber wegen ſeiner Krankheit immer hinausgeſchobenen Reiſe mit den Seinigen zu einem Bruder und zur Hochzeitsfeier eines Schwagers beſchaͤftigt, am Vorabend ſeines Geburtstags gedenkt er zurückzukehren, weil dieſer Tag alljährlich von den Schulkindern und ſeinen benachbarten Freun den feſtlich begangen wird, ſiehe da wirft ihn ein neuer Krank- heitsanfall aufs Ruhebette, und drei Tage ſpäter, eher als noch die nächſten Freunde und Verwandten alle nur die Kunde von ſeinem Krankſein haben, und noch nicht einmal die nächſtwohnenden alle an ſeinem Krankenlager geweſen waren hat ihn der Tod ſchon von uns geriſſen, trifft die ihn erwartenden Verwandten die Todesbotſchaft. Er ſtarb umgeben von ſeiner Gattin, ſeinen Kindern, einigen nahen Angehörigen und zweien ſeiner vertrauteſten Freunde plotzlich, die Nähe des unerbittlichen Todes wohl nicht ahnend.

Am Sonntag, Morgens um 8 Uhr, während allerorts die Glocken in hellem Feierklang ertönten, rief in Beienheim dumpfes Grabgeläute die trauernde Gemeinde zuſammen. In langem Zug, die Schulkinder und der von dem Verblichenen geſtiftete Singverein mit umflorter Fahne voran, geleiteten die Manner der Gemeinde, von ihrem würdigen Seelſorger Herrn Pfarrer Hoffmann geführt, die ſterbliche Hülle ihres theuren Lehrers zur letzten Ruheſtatt. Dem vom Bürgermeiſter und Gemeinderath getragenen Sarg folgten zu nähſt zwei Kinder, einige der nachſten Angehörigen und Freunde des Entſchlafenen. Ueberall, wo der Zug vorbeikam Schluchzen und Thrä nen. Außer dem Zug war faſt die ganze Gemeinde, und obgleich die auf den Nachmittag feſtgeſetzt geweſene Beſtattung leider ſchon am Morgen vorgenommen werden mußte, ſo waren doch auch mehre Auswartige, denen es möglich war, auf dem Friedhof verſammelt. Als nun der Singverein, unter der Leitung des Herrn Lehrer Sattler von Melbach das ſchöne Lied:Wie ſie ſo ſanft ruhn geſungen; als der Seelſorger, am Grabe auch ſeines langjährigen unvergeßlichen Freundes, ſelbſt nach Troſt ringend, aber mit mannhafter Faſſung, tief ergreifende Worte des Troſtes und der Erbauung geſprochen, an knüpfend an die Worte des Pſalmiſten:Die Lehren werden mit viel Segen geſchmückt; als die Gemeinde das Lied ſang, das der Verblichene ſchon an ſo manchem Grabe und noch kurz vor her angeſtimmt hatte und nun die Erde auf den eingeſenkten Sarg hinabrollte, da blieb kein Auge thränenleer, und durch die heilige Stille des Sonntagmorgens war manchen Mundes laute Klage weit hin vernehmbar.

Es war eine Todtenfeier, einfach, rührend und erhebend, wie wir ſie noch ſelten geſehen haben und wie ſolche nur ſelten und nur da vorkommen mag wo ein ſolch freundliches, ſegenbringendes Ver hältniß zweiſchen der Gemeinde und ihren Vorſtehern zu ihrem Lehrer und Seelſorger und wieder zwiſchen dieſen ſtattfindet, wie es in Beien⸗ heim ſeit Jahren ſtattgefunden hat und wie es mit Gottes Hülfe auch künftig und immerdar dort und aller Orten ſtattfinden möge!

D. F. S.

Bekanmmachungen von Be⸗ hoͤrden.

NN MN Edicetalla dung.

439) Wer an das ſeither curatoriſch ver⸗ 1 Vermögen des am 26. April 1760 Zu Rodheim v. d. Höhe gebornen, in den 1770r Jahren mit den Landgraflich Heſſiſchen Truppen mach Amerika marſchirten und dort angeblich werſtorbenen Johannes Vorbach John Furbeck) Sohn des Philipp Vorbach, Erb- oder ſonſtige Anſprüche machen will, hat ſolche binnen ſechs

wird.

Monaten ſogewiß dahier anzumelden und ge hörig zu begrunden, als ſonſt ſolches dem bereits aufgetretenen, ſein Recht von den angeblichen Kindern des Johannes Vorbach, welcher im Jahr 1833 unter dem Namen John Turbeck in der Stadt Belhlehem, in der Grafſchaft Albany gelebt, herleitenden Prätendenten nach vorheriger Legitimation ausgeantwortet werden

Großkarben den 18. Auguſt 185. Großh. Heſſ. Landgericht

Edicetal⸗La dung. (1418s) Die in dem Flurbuch der Gemar⸗

kung Trais-Münzenberg auf den Namen der Beſitzer des gemeinſchaftlichen Pferch- oder Vog⸗ teiguts, namentlich des Herrn Fürſten von Solms Braunfels und der Herrn Grafen von Solms Rödelheim und Solms Laubach unter 202%æ eingetragene Hutberechtigung von 150 Stück Schafen und Pferchberechtigung von 300 Stück, iſt an die Müglieder der Schäfereigeſell⸗ ſchaft zu Trais⸗Münzenberg, Bürgermeiſter Tag und Conſorten, verkauft worden.

Da nun, außer der erwähnten Beziehung im Flurbuch, weiterer Eigentbumsbeweis nicht vor- liegt, ſo wird hiermit veröffentlicht, daß, wer an die erwähnte Berechtigung Anſprüche zu

Jag e.