das uns überall quälte. Durch dieſe Soldatenziehungen wurde der Franzoſe noch verhaßter. Als der Napoleon nach Rußland zog, mußten unſere Leute mit; in Spanien mußten ſie ſich todtſchießen laſſen. Da kochte der Grimm in manchem treuen Heſſenherzen; aber keiner wagte es, das Maul aufzuthun, denn die hätten's einem mit einer Kugel geſtopft, wie ſie es hin und wieder etlichen damals gethan haben. Item, wir hatten auch Speichellecker, die dem Franzoſen den fetten Biſſen in den Mund ſchoben. Doch— was geht das mich hier an? So viel iſt gewiß, es kam in Heſſen eben auch faſt dahin, daß die friſchen jungen Burſche ſelten wurden. Nur ein Mittel gab's noch in der erſten Zeit, nämlich heirathen. Später half das nichts mehr in dem Königreiche Weſtphalen.
„Im Frühlinge ſtarben viele Leute, nämlich 1813, und man erzählte ſich gar ſchlimme Dinge von den Fran⸗ zoſen und wie die Deutſchen dreinſchmiſſen, durft's aber nicht laut ſagen. Auch meines Annebärbelchen's Vater ſtarb,' und der war ein Wittmann und hatte nur das hübſche Kind. Da iſt mir wohl der Gedanke gekommen, ich ſollte das Mädchen heirathen, ſo wär' uns Beiden ge— holfen; ich brauchte nicht Soldat zu werden und ſie war unter der Haube und verſorgt. So klug wie ich waren auch andere Leute. Unſer Ortsſchultheiß oder Syndik, glaub' ich, nannten ihn die Franzoſen, der hatte einen Brudersſohn(er ſelbſt war kinderlos), der ſpannte auch auf mein liebes Annebärbelchen, aber er war kein huͤbſcher Burſch, meiner Treu, auch nicht brav; der Schultheiß war ein Erzſpitzbube, ſo ein rechter Manteldreher, Augen— diener und Schwammdrücker; hielt's mit den Franzoſen und hatte immer Unrath im Sack. Der Hannes fing an, dem Annebärbelchen nachzugehen. Das hatte ich ſchnell weg und ſtellte ihn darum einmal und ſagte:„Was ich ſagen wollte, Hannes, laß mir meinen Schatz in Ruh'!
„Holla, ſagte er,„ſeit wann haben Dreiläufer Schaͤtze?
„Seit ſie freche Mäuler ſtopfen gelernt haben! rief ich im wüthendſten Grimm und that, wie ich ſagte, und zwar mit meiner Fauſt.
„Der Hannes war ein kleiner dürrer Menſch. Der ſprang mir an die Gurgel, aber ich ſchüttelte ihn ab, und es gab eine wüſte Balgerei um das Mädchen, bis die Leute herzuliefen und uns aus einander riſſen, und was meinen Sie, was das End' vom Lied' war?“
„Nun?“ fragte ich, weil ich mir dachte, der Schul— theiß würde ihn haben ein wenig zum Brummen kommen laſſen.„Was gab's dann, Kaspar?“
„Dazumal,“ hub er wieder an,„wurden in aller Eile alle die zum Militär gerufen, die ſich in früheren Ziehungen freigeſpielt hatten oder nicht extra tauglich waren befunden worden, auch die, die noch zu jung waren, denn die Ruſſen und Preußen jagten die Franzoſen vor ſich her. Ich dachte, nun wird auch der Hannes dran müſſen, und freute mich. Ich war noch etwas zu jung und kam erſt in einem Jahr zur Ziehung. Es war mir, nachdem ich den Hannes etwas arg traktirt hatte, bang vor dem tückiſchen, falſchen Schultheiß, der hatte die Ei— genſchaft der Weſpen und Bienen, die— hinten ſtechen. Es blieb Alles ſtill. Der Hannes rieb ſeine Dachteln ein und ich ging zum Annebärbelchen und ſagte: Kind, wie wär's, wenn wir den Tanz kurz machten und heiratheten uns?— Das Mädchen wurde roth und ſagte: Geh'! Geh'! Mach' mir keine Faxen vor! Ich bin noch zu jung! Damit aber war's ihr aber doch kein Ernſt, und als meine Mutter ihr auch zuredete, hielten wir Handſtreich und ich ging in die Stadt zum Maire, um mich vorſchlagen zu laſſen; denn bei den Franzoſen wurde man zweimal copu⸗ lirt und ausgerufen, vom Maire und vom Pfarrer. Als
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Erercirt! von Morgens bis Abends.
mich der Maire ſah und hörte, wie ich mich ſchrieb, da rief er: Aha, das iſt der Kerl, der Unruh ſtiftet un auf den König geſchimpft hat!
„Ich? fragte ich erſtaunt.
„Ja, du! ſchrie der Maire und ließ durch ſeinen Büttel die Gendarmen rufen, die faßten mich ohne Präam— bel und ſetzten mich ein. Am andern Morgen war ich ſchon auf dem Wege nach Kaſſel. f
„Jetzt ſah ich den Zuſammenhang ein. Das war ein Weſpenſtich vom Schultheiß und die Vergeltung für die Dachteln die ich dem Hannes gegeben.
„Mir brach ſchier das Herz. Von
einer ſtill! Ich weinte, ſchimpfte und fluchte. einem Athem und durcheinander. Ich wollte durchgehen; aber da verſtand der Gendarm, der aus Hersfeld war und barbariſch grob, keinen Spaß. Er ſtieß mir mit den Kolben in die Rippen, daß ich nach Gott ſchrie, und band mir dann die Hände auf dem Rücken feſt.
„Herr, wie mir da war, kann ich Ihnen nicht ſa— gen! Dachte ich mir meine arme Mutter, mein Annebär⸗— belchen, ſo hätte ich verzweifeln können; dachte ich daran, vielleicht Soldat werden zu müſſen für den Hannes um mich todtſchießen zu laſſen für das Franzoſengezücht— Herr, ich hätte die Welt zerreißen können. 2
„Auf der nächſten Station bekam ich einen andern Gendarm, einen ehrlicheren, der aus dem Fuldiſchen war.
„Kamerad, ſagte er, zerrauf' dir die Haare nicht! Es hilft dich doch nichts. Soldat mußt du werden, das iſt ab. Ans Durchgehen iſt nicht zu denken. Wo woll⸗ teſt du denn hin? Deiner Mutter wird's ſchon gut gehen und wenn deine Braut vom Stoff der Eva iſt, wie ich b gar nicht zweifle, ſo heult ſie ein bischen und dann iſt's
all. Das Weibsvolk ſtirbt nicht vor Leid um einen Schatz.
Vielleicht bleibt ſie dir auch treu, wenn dich keine Kugel von ihr ſcheidet, und dann kann noch Alles gut werden, wenn ſich Alles ſo macht und ſie nicht den Hannes hei⸗ rathet. Woher er das wußte? Ich hatt's ihm erzählt.
„Das war ein feiner Troſt!. doch ein feines Herz im Leib und nicht in die Rippen. Daß ich's kurz mache— endlich kam ich nach Kaſſel. Ich will nicht ſagen, wie mir die Stadt gefiel— denn nach der ſah ich mich nicht viel um; nur das will ich ſagen, daß ich gleich ein Soldatenkamiſol anzuthun bekam und in die Kaſerne mußte.
aber der Menſch hatte
Und als Stande war, leidlich meine Flinte zu halten, hieß es: Vorwärts! Marſch!“ Hier unterbrach ſich Kaspar.„Herr,“ ſagte er,„ich muß aufhören, ſonſt kommen wir heute nicht ans Ziel unſerer Fahrt.“ Er klatſchte in die Luft mit
ſchen nach, ließ meiner Phantaſie tete mir ſeine ferneren Schickſale nach meiner Weiſe. (Fortſetzung folgt.) Todes kunde.
Die letzten Tage des vorigen Monats waren für die Ge⸗ Beienheim Tage tiefſter Trauer; denn es wurde ihr durch
meinde
Wirken in engeren und weiteren Kreiſen als Menſch, Jugendlehrer, Bürger, Freund, nicht nur ſeit vielen Jahren die ſchoͤnſten Früchte getragen hat, ſondern auch, was ſo ſelten, allgemein dankbar aner⸗ kannt iſt und unvergeßlich ſein wird! Wilhelm Becker, Schul lehrer in Beienheim iſt nicht mehr; am 28. Auguſt, Nach⸗ mittags zwiſchen 3 und 4 Uhr verſchied derſelbe nach kurzem Krankenlager an den Folgen eines organiſchen Fehlers, welcher ſchon ſeit einigen Jahren ihn mehrmals und längere Zeit ans Krankenbette gefeſſelt hatte, dieſesmal aber durch eine allgemeine raſche Zerſetzung des Bluts den Allen unerwartet ſchnellen Tod zur Folge gehabt zu
t Mutter und en Braut wegmüſſen, ohne Urtel und Recht— das trag' ach Alles u
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ſtieß mir den Kolben
Da hieß es: 0 ich im
eſetzten, als Leb 11 ſeidem gewir ia unzweifelhafte Ze b ein Miethling do in guter Hirte, ae 0 alles heiligen Will
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iu Meiſter zu ſein i in Sinne des Wort us Mannes Wirk t- und Nachwelt ler Pflichttreue, im e
u thun bemuht ser.
wirkt, daruber iſt ſeinen Vorgeſetzten,
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darüber die ehrende nichten das leßte de jungen Leute in der baren Anhanglichkei nührend waren man
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ger Amtsgenoſſen d deſſelben,— wer hat becker keine!— wer ſuch anders ſein? be genen Lehrer das ſo Mann im vollen Il Deuͤet v Lahrer, Ehegatte, B gen des Lebens wa und das klarſte ſeine Vorte und H menſchlich⸗kindlichen uch unerſchütt, den allgutigen und ſeten Gottesglaube ingebung, als die um ſo viele, die! laheſtanden zu Bel Landen innigſter Fragt man ren leider dieſel
el s Adank belohnten der Peitſche und flugs ging's nun im raſchen Trotte da- hin. Ich dachte den Geſchicken des armen wackern Men⸗
freien Flug und geſtal-
ſahen und Sorge fungen nicht ane e ihn in beſcheid kalba, ſelbſt dar
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unerwarteten Tod einen Ehrenmann entriſſen, deſſen ſegensreiches
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