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thür, klopfte an und fragte, ob ſie bald fertig wären? Doch keine Antwort erfolgte und als er nun, von einem plötzlich in ihm aufſteigenden Verdachte getrieben, die Thür öffnete, fand er die Kammer leer, und ein kleines geöffnetes Fenſter gab ihm ein Zeichen, daß die Gefangenen entflohen waren und die volle Gewißheit erhielt er durch ein auf dem Fenſter⸗ ſims liegendes Blattchen Papier, auf welchem die Worte ſtanden:„Ich gab heute Abend auf ihrer Bühne eine un⸗ freiwillige Gaſtrolle, und Sie werden mir als Honorar da⸗ für ſammt meinen Freunden, die Freiheit nicht verweigern. N a Zimmermann. Durch Liſt gefangen, durch Liſt entflohen.“
Die Armennoth und die Bettelei.
In Nr. 25 dieſes Blattes iſt eines wichtigen Gegen⸗ ſtandes Erwähnung geſchehen. Vollkommen ſtimmt Einſen⸗ der dieſes mit den Klagen über die Zunahme der Bettelei und über die verderblichen Folgen dieſes Uebels überein. Dagegen kann er ſich weniger mit der Berechnung befreun⸗ den, nach welcher die Bettelei eins der einträglichſten Ge— werbe ſein würde. Mag auch hier und da ein Bettler unter günſtigen Verhältniſſen größere Summen ge⸗ wonnen haben, ſo zeigt es doch wenig Bekanntſchaft mit den Zuſtänden unſerer Armen, wenn man den einzelnen Notizen, welche„Micherns Denkſchrift für innere Miſſion⸗ ſchon erwähnt, eine allzu weite Ausdehnung zuſchreiben wollte, ebenſowenig möchte wohl ohne Angabe anderer Hülfs⸗ mittel die Regel zu empfehlen ſein, keinem Bettler eine Gabe zu reichen, ſondern ihn an die Erwerbsquelle durch Arbeit zu verweiſen. Einſtens kam zu dem Einſender die⸗ ſes während er ſtudirte ein Arbeiter mit der Bitte das eben erkaufte Holz klein machen zu dürfen. Da dieſe Arbeit ſchon vergeben war, rang er verzweifelnd die Hande und ſagte ſchon 2 Tage gehe er umher ohne einen Verdienſt fuͤr ſeine hungernden Kinder zu finden. Die Thränen der Rührung, als ihm ein Laib Brod gegeben wurde, werden mir immer unvergeßlich bleiben. Eine andere Erzählung vom Kaufmann Richter in Danzig, in dem Fiſcheriſchen Leſebuch S. 64 mitgetheilt, mochte ebenfalls geeignet ſein, die Abweiſung: Gehe hin und arbeite, einigermaßen zu modificiren. Was hätte dieſes Wort den ſchleſiſchen Weber geholfen? Oder was hilft es unſere Vogelsberger Spin⸗ nerinnen? Ja ich möchte fragen, ob nicht auch bei uns bisweilen der Arbeitſuchende vergeblich ſich umſieht? Mit ſolchen allgemeinen Urtheilen bietet man denjenigen, welche ohnedies nicht gerne die Hand öffnen zum Ge⸗ den einen willkommenen Vorwand dar, recht engherzig und für ſich ſelbſt zu ſorgen.
Keineswegs ſoll durch das Bemerkte dem Bettelun⸗ weſen das Wort geredet werden, nur möge man dabei das Herz nicht der Armuth verſchließen und die nothwendige Fürſorge für die unverkennbare Noth nicht unterdrücken. Man rede vielmehr den Begüterten recht eindringlich zu, wie nöthig es ſei, daß ſie ihre Hand öffnen als fröhliche Geber, um der herrſchenden Armuth zu ſteuern und die Hungrigen mit ihnen zu verſöhnen. Man erinnere an das Scherflein der armen Wittwe, damit recht viele Gaben, wenn auch geringe geſpendet werden, dem Unweſen des Bettelns auf vernünftige Weiſe entgegen zu arbeiten. Dieſes kann aber nur mit vereinten und nicht allzu ſchwachen Kräften geſchehen. Darum verdient der Friedberger Armen— verein noch mehr der Empfehlung und Nachahmung als er ſchon gefunden hat. Da nun Oberrosbachs nicht eben ehrend erwähnt worden iſt, ſo muß ich hinzufügen, daß derſelbe Verein gegen das Betteln ins Leben gerufen worden iſt und daß zu hoffen ſteht, er werde immer noch weitere Aus⸗ dehnung gewinnen. Dieſer Verein will den wandernden Handwerkern einen kleinen Zehrpfennig reichen und beſon⸗
ders auch die Duͤrftigen der Gemeinde unterſtützen. Es ſoll dieſes aber nicht vorzugsweiſe durch Geld geſchehen, ſondern durch Ankauf von Lebensmitteln u. ſ. w. Er will ſo weit es möglich iſt den arbeitsfähigen Armen Arbeit ver— ſchaffen, die confirmirten Knaben und Mädchen bei Meiſtern und Herrn unterbringen und überhaupt dahin wirken, daß Fleiß und Ordnung immer mehr heimiſch werde. Er könnte viel mehr leiſten, wenn nicht allerlei Vorwände, wie die anfangs gerügten noch Manchen von der Theilnahme zu⸗ rückhielte.
Was aber ein Armenverein, wenn er Theilnehmer findet, welche ihn nach Kräften unterſtützen zu leiſten ver⸗ mag, hat die Gemeinde Styken zu Aargau in der Schweiz bewieſen“); um die dortigen Armen zu erhalten, bedurfte es außer den Einkünften der Armenkaſſe, noch einer Steuer von 2000—3000 Schweizerfranken. Um das immer zu⸗ nehmende Uebel zu heilen traten die beſſer Geſinnten zu einem Vereine zuſammen, die Andern fühlten ſich bewogen ſich ebenfalls anzuſchließen. Man wollte das Betteln unter⸗ drücken, hülfsbedürftige Familien mit Rath und That un⸗ terſtützen und ſittlich verwahrloſte Kinder zu retten ſuchen. Die Mitglieder waren theils thätige, theils empfangende⸗ Die erſteren verpflichteten ſich Beiträge an Geld, Lebens⸗ mitteln oder Kleidungsſtücken zu liefern und keinem ein⸗ heimiſchen Bettler eine Gabe zu verabreichen. Dabei ſoll— ten ſie die Empfänger in Beziehung auf ihr ſittliches und religibſes Betragen, auf ihr Hausweſen und ihre Kinderer— ziehung möglichſt überwachen. Die empfangenden Mitglie- der müſſen verſprechen, der Bettelei zu entſagen, der Arbeit⸗ ſamkeit und Sparſamkeit mit ihrer ganzen Familie ſich zu befleißigen; im Hausweſen Ordnung und Reinlichkeit zu handhaben, einen guten Lebenswandel zu führen, beſonders aber Fluchen, Trinken und Spielen und unordentlichen Um⸗ gang zu meiden; dem Gottesdienſt fleißig beizuwoh— nen, die Kinder zum Schulbeſuch anzuhalten und die Ver⸗ ſammlungen des Armenvereins fleißig zu beſuchen. Wer dieſen Verpflichtungen nicht nachkommt, wird vom Vereine ausgeſchloſſen.
Die Gemeinde iſt in fünf Sprengel getheilt, deren jeder von einem Mitgliede des Ausſchuſſes beaufſichtigt wird; der aus 7 Perſonen beſtehende Ausſchuß verſammelt ſich alle 4 Wochen, der Verein alle Quartal. In dringen⸗ den Fällen kann der Vorſitzende bis 10 Batzen Unterſtützung gewähren. Kinder von armen Familien, welche ſich durch gutes Betragen auszeichnen, erhalten beſondere Belohnungen.
Schon nach einigen Monaten hatte der Verein 105 thätige und 76 empfangende Mitglieder. aus 40 ſchulpflichtigen Kindern, 12 arbeitsunfähigen und 24 arbeitsfähigen Perſonen. In den 3 erſten Monaten hat der Verein an Geld, Lebensmitteln*) und Kleidungs— ſtücken, 141 Franken eingenommen. Im Frühjahr ſoll Pflanzland für Kartoffeln gemiethet werden, damit die Armen ſelbſt die nöthigſten Lebensmitteln ziehen können.
Die wohlthätigen Folgen des Vereins zeigten ſich als— bald. Selbſt Gewohnheitsbettler wurden zur Arbeit ge⸗ wöhnt, der Schul- und Kirchenbeſuch hat ſich gebeſſert. Es wurde auch für die nöthigen Kleider geſorgt. Bei mehreren Familien hat die Arbeitſamkeit zugenommen, es zeigt ſich mehr Sinn für Ordnung und Reinlichkeit und ſogar der Branntweingenuß hat ſich gemindert.
So in der freien Schweiz. Gehet hin und thut deß— gleichen. Dann, aber auch erſt dann verſchließet den Bettlern die Thür!
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) Vergl. Allg. Schulz. Nr. 148, vom Monat Dezember 1850. *) Darunter 115 Körbe Af pfel.
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