Ausgabe 
9.4.1851
 
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eigen

g.

b. April.

verrichtet:

Stadtkirche:

Stadtkirche:

At.

N 9 Vurgkirche.

Adel.

Burzkirche: 1

2

g Nr

M 29.

Intelligenz-Blatt

fuͤr die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen, den Regierungsbezirk Friedberg

im Beſonderen.

Mittwoch den 9. April

1831.

Amtlicher Theil.

Die Großherzoglich Heſſiſche Regierungscommiſſion des Regierungsbezirks Friedberg an ſämmtliche Gr. Bürgermeiſter und Polizei-Offizianten des Regierungsbezirks.

Betreffend: In Unterſuchungsſachen gegen Jakob Groſch aus Haitz uͤnd Conſorten wegen Diebſtahls hier Arretirung des Johann Theis aus Waikartshain, Reg.-Bez. Gießen.

Sie erhalten hierdurch den Auftrag, auf Johann Theis

von Waikartshain, welcher der Mitverübung eines zu Rö⸗

delheim ſtattgehabten Diebſtahls dringend verdächtig, zu fahnden und ihn, falls er betreten werden ſollte, zu arretiren und hierher zu bringen. Friedberg den 3. April 1851. ie.

Der Schauſpieler auf dem Kriegstheater.

Faſt gleichzeitig mit dem Gefecht bei Altenhof im Jahr 1848 fand ein Scharmützel bei Hatzdorf ſtatt. Eine däniſche Freiſchaar wollte nämlich den Verſuch machen, eine dort liegende Abtheilung der deutſchen Freiſchaaren aufzuheben, und bediente ſich dazu, nach ihrer gewöhnlichen Weiſe, nicht des offenen Angriffs, ſondern der Liſt. Sie kamen heran- gezogen mit ſchwarz⸗roth⸗goldener Fahne, hatten deutſche Cocarden an ihre Hütte befeſtigt, ſo, daß die Deutſchen ſie wirklich für eine befreundete Schaar hielten, beſonders da ſie auf den Feldruf:Wer da? im beſten Deutſch: Freunde und Waffenbrüder! antworteten. Schon wollte der Dr. Meyer, der Anführer der deutſchen Schaar, dem gegenſeitigen Führer entgegeneilen und ihm die Hand drücken, als letzterer plötzlich im drohenden Tone die Aufforderung an das Corps richtete, die Waffen zu ſtrecken. Die Deut⸗ ſchen, zu ſchwach an der Zahl, um ernſtlichen Widerſtand leiſten zu können, ſprangen raſch über den nahen Knick und die ihnen nachgeſendeten Schüſſe verurſachten nur einige leichte Verwundungen. Doch leider gelang es den Daͤnen, gegen zwanzig Gefangene zu machen, unter denen ſich auch der Schauſpieler Zimmermann aus Wiesbaden befand. Dieſer ſchien ſich nicht allein ganz geduldig, ſondern auch ſogar ſehr vergnuͤgt in ſein Schickſal zu ergeben. Er ſchloß ſich ſogleich an den Führer der Dänen, der ſehr geläufig deutſch ſprach, und erzählte dieſem: er ſei mit Gewalt unter das Freicorps gepreßt worden, und fühle ſich glück; lich, in Gefangenſchaft gerathen zu ſein, denn er ſei des

Kriegslebens ſchon herzlich müde, und habe ſich uberhaupt auch noch nie entſchließen können, auf die Dänen, die ihm nie etwas zu Leide gethan, einen Schuß abzufenern. Da durch erwarb er ſich nicht allein das Vertrauen des Officiers, ſondern auch eine gute Behandlung und die Erlaubniß, ſeinen Torniſter mit deſſen ganzem Inhalte zu behalten. Zwei ſeiner Kameraden, vertraute Freunde von ihm, die gleiches Schickſal mit ihm gehabt hatten, ſuchte er gleich⸗ falls der Gunſt des Anführers zu empfehlen, was ihm auch gelang. Im erſten Dorfe, wo daniſche Beſatzung lag, wurde Halt gemacht, um die Nacht dort zuzubringen, die ganze Schaar wurde in einer Scheune am Ende des Dorfes untergebracht und man vergönnte Zimmermann und ſeinen beiden Freunden dies beſcheidene Quartier zu theilen, während ſeine ubrigen Leidensgefährten, nachdem man ſie förmlich geplündert hatte, dem Commandeur der übrigen Linientruppen übergeben und in einen Keller geſperrt wurden. Nachdem Zimmermann und ſeine Freunde mit den däniſchen Frei⸗ ſchärlern gegeſſen und getrunken hatten, begann er ſein Schauſpielertalent zu entwickeln; er kündigte förmlich eine dramatiſche Abendunterhaltung an, und ſchon im Voraus jubelte man ihm Beifall zu. Er ſpielte hierauf einen be trunkenen Rekruten, den Schloßvoigt Pedro, den Eckenſteher Nante, den Schulmeiſter Gensleber und den Schneider Fips, und zu jeder Rolle ſuchte er ſich auf irgend eine Weiſe komiſch zu koſtümiren, zu welchem Zweck man ihm erlaubte, ſich in eine mit der Scheune in Verbindung ſtehende Kammer, in welcher Ackergeräthſchaften aufbewahrt wurden, zu be geben und ſich dort mit der in ſeinem Torniſter befindlichen Garderobe umzukleiden. Jede ſeiner komiſchen Darſtellungen wurde mit raſendem Beifalle aufgenommen und die Dänen erklärten, daß ſie während des ganzen Feldzugs noch nicht ſo gelacht hätten als an dieſem Abende. Endlich zum Schluß kündigte Zimmermann an, er wolle ihnen nun noch ein hochtragiſches Schauſpiel zum Beſten geben, nämlich die Wahnſinnsſcene des Königs Lear; doch bedürfe er dabei ſeiner beiden Freunde zum Beiſtande, von denen der Eine den Herzog von Kent, der Andere den Narren darſtellen müſſe. Die Dänen hatten ſchon längſt jede Ueberwachung aufgegeben und da ſie wieder eine intereſſante Poſſe ver mutheten, ſo ließen ſie die drei Gefangenen ohne Verdacht in die Nebenkammer ſich entfernen. Doch diesmal ſchien ihre Toilette viel Zeit zu rauben, denn ſchon ſeit einer Viertelſtunde hatten ſie ſich entfernt, während die Dänen ſich mit Trinken und Singen amüſirten, und noch immer erfolgte das Zeichen zum Anfang des Schauſpiels nicht. Da begab ſich endlich der Officier ungeduldig zur Kammer⸗

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