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geben zu können. Ehe ich mich's indeß verſah, ſchlief ich ein. Als ich erwachte, war es Nacht. Durch eine Spalte der Zwiſchenthüre fiel Licht aus dem anſtoßenden Zimmer, und ein Geſpräch zwiſchen einem Mann und einer Frau feſſelte ebenſo ſehr meine Aufmerkſamkeit als meine Neu⸗ gier. Ich leugne nicht, daß ich ſo undelikat war, darauf zu hören, obſchon ich mehrmals einige geräuſchvolle Be— wegungen machte, um meinen Zimmernachbarn zu zeigen, daß man ſie hören mußte. Bald aber gab ich es auf, meine Nähe ihnen bemerklich zu machen. Die Stimme des Mannes war zuerſt ſanft und eindringlich; die Frau weinte offenbar, und das Wenige, was ſie ſagte, ward in ſo kurzen und abgeriſſenen Sätzen geäußert und ſo unterbrochen von krampfhaftem Schluchzen, daß ich ſie nicht verſtehen konnte. So viel ubrigens aus Dem her⸗ vorging, was ich erſchnappte, ſperrte ſie ſich mit hart⸗ näckiger Weigerung, eine Bitte zu erfüllen, die der Mann an ſie richtete. Endlich erwiderte ſie ſtatt aller Antwort nur durch hyſteriſche Seufzer, worauf der Mann aus dem ſanft bittenden, überredenden Tone in einen rauhen, ge⸗ bieteriſchen und ergrimmten verfiel, der mir jedes Wort zu hören verſtattete. 5 f „Wohlan, Madame,“ ſagte er,-Sie ſollen dieſe Hartnäckigkeit noch bereuen, wenn Sie es darauf abge— ſehen haben, mich in uncettbares, hoffnungsloſes Verder⸗ ben zu ſtürzen! Sie verderben nicht nur mich allein, ſon⸗ dern auch ſich ſelbſt. Ich habe eine Ahnung, daß ich heute Abend Glück habe; wenn Sie mir alſo Ihre Diamanten nicht geben wollen, ſo werden Sie mich der einzigen Ge— legenheit berauben, All' das wieder zu gewinnen, um was mich mein Unſtern beraubt hat!“ 5 „Sagen Sie lieber, was Ihnen Ihre Thorheit, Ihr Aberwitz gekoſtet hat!“ rief die Dame.„Meine Diaman⸗ ten ſind noch unſer einziges Beſitzthum, und ſie werden kaum hinreichen, uns die Heimreiſe zu ſichern und dieſer Stadt der Laſter und dem Elende zu entgehen, das uns jede Stunde drohender und näher in's Auge blickt. Ich beſchwöre Sie, Paul, bei Allem, was Ihnen heilig iſt, begnügen Sie ſich mit der fürchterlichen Lehre, die Ihnen das Schickſal ſchon ſeither gegeben; verzichten Sie auf dieſe Gedanken; geben Sie dieſe grauſame Verblendung, dieſe heilloſe Leidenſchaft auf und kehren Sie zu einer
Frau zurück, die trotz all' des Ruins, welchen Sie über
ſie gebracht haben, Sie noch immer liebt und anbetet und gerne auf das Vermögen verzichtet, welches Ihre Bethö— rung ihr geraubt, wenn Sie ihr nur jetzt noch folgen wollen!“
„Madame!“ rief der Mann mit einer vor Wuth faſt tonloſen Stimme,„ich verlange von Ihnen Nichts als ihre Juwelen; Ihren Tadel und Ihre Schmähungen können Sie für ſich behalten. Ich bin Ihr Gatte und habe das Recht, über all' Ihr Eigenthum zu verfügen, wie ich will!
„Halten Sie ein, Paul!“ rief die Dame;„iſt's nicht genug, daß Sie mich um meine Beſitzungen, die Güter meines armen, verbannten Vaters, gebracht haben? Wollen Sie mir jetzt auch noch dieſes geringe Armband rauben, welches das Porträt meiner armen Mutter ent⸗ hält, um in den Beſitz der koſtbaren Steine ſeiner Ein⸗ faſſung zu kommen? Nein,“ fuhr ſie nach einer Pauſe fort, während welcher Seufzer ihre Stimme erſtickt hat⸗ ten,—„nein, ich werde dieſen einzigen Reſt meines Ver⸗ mögens nöthigenfalls mit meinem Leben vertheidigen. Das Bild meiner Mutter ſoll nie von meinem Arme kom⸗ men, und ſeine Diamanten werden mir noch ſehr nöthig ſein, um mich auf einige Zeit vor Hunger und Noth zu ſchützen, die mir mehr als je drohen!
Ein fanatiſches Gelächter, das mir noch jetzt in den Ohren zu dröhnen ſcheint, wo ich dies ſchreibe, war die einzige Antwort des Mannes. Dann ward die Thür plötzlich geöffnet und wieder ſo heftig zugeſchlagen, daß das Licht verlöſchte, und- Alles drüben ward ſtill. Nur nach einer Weile hörte ich die tieferſchütterte Frau auf
die Kniee niederfallen und unter leiſem Schluchzen anhal⸗
tend und andächtig in einer fremden Sprache beten, worauf wieder die tiefſte Ruhe eintrat.
(Fortſetzung folgt.)
Miszellen.
Wie es oft mit der Militärjuſtiz hergeht, davon hier ein Beiſpiel: Als im Sommer 1813 der Marſchall Davouſt mit ſeinem Corps bei Uelzen im Lüneburgiſchen dem ruſſiſchen General Czernitſcheff gegenüber ſtand, ward ein Bauer von den franzöſiſchen Vorpoſten angehalten. Er ward viſitirt und man fand in ſeiner Rocktaſche ein in Papier gewickeltes Stückchen Käſe. Unglücklicherweiſe konnten die Franzoſen auf dem Blatt nur die Zahl 3000 leſen, und zufallig war ihr Corps ungefähr ſo ſtark. Der arme Bauer mußte nach ihrer Meinung alſo ein ruſſiſcher Spion ſein, er wurde mit einem„Bon pour étre fſusille(Todtſchießen)“ an die nächſte Hauptwache abgeliefert und am nächſten Morgen erſchoſſen.
Daß Friedrich der Große am Fuͤrſtenhauſe in der Churſtraße eine Carricatur, die ihn mit der Kaffeemühle zwiſchen den Knieen darſtellte, niedriger hängen ließ, iſt allgemein bekannt, weniger die Worte, welche er unter dem 2. März an Voltaire ſchrieb:„Ich denke über die Sattre wie Epiktet: Sagt man etwas Böſes von dir und es iſt wahr, ſo beſſere dich; ſind es aber Lügen, ſo lache darüber. Ich bin mit der Zeit ein gutes Poſtpferd geworden, lege meine Station zurück und bekümmere mich nicht um die Kläffer, die auf der Landſtraße bellen.“
Ein berühmter Komiker in Paris, der im Hotel⸗Dien J wohnte, wollte ſterben. Einer ſeiner Freunde trat in ſeiner letzten Stunde zu ihm, ermahnte ihn zur Reue über ſeine begangenen Sünden, und fragte ihn:„Biſt Du mit Deinem 1
Gott einig?“—„Wahrſcheinlich,“ erwiederte der Schau⸗
ſpieler,„er hat mir ja ein Zimmer in ſeinem Hotel ein—
geräumt.“
Kölner Dombau.
Der im„Kölner Domblatt, Nr. 72 jüngſt veröffent⸗
lichte Bericht des Dombaumeiſters, Königl. Regierungs⸗
und Baurathes, Herrn Zwirner, ſtellt die Vollendung der 0) 550 lau,
Umfaſſungen nebſt der definitiven Ueberdachung des Domes, ſo wie die Beſeitigung der Scheidewand des hohen Chores
innerhalb der nächſten drei Jahre in ſichere Ausſicht, ſpricht
aber zugleich die Befürchtung aus, daß das im Jahre 1848 errichtete koſtſpielige Nothdach und die damit verbundenen Gerüſte nach drei Jahren erneuert werden müßten; wenn
bis dahin die definitive Ueberdachung nicht erfolgt ſein wurde.
Der Kölner Dombau hat in jüngſter Zeit bedeutende Sum⸗ men in Anſpruch genommen; er wird aus Staatsmitteln mit einem anſehnlichen Betrage in der Vorausſetzung jähr⸗ lich unterſtützt, daß durch Dombaufreunde von nah und fern eine dieſem entſprechende Summe jährlich aufgebracht werde. Der Dombaumeiſter, welcher bei der zweiten Grund⸗
ſteinlegung, im Jahre 1842, verſprochen, die ganze Kirche,
freilich theilweiſe unter Nothdach, im Jahre 1848 dem Got⸗ tesdienſte zu übergeben, hat Wort gehalten; er wird auch ſein neues Verſprechen löſen, wenn jährlich die Summe von 100,000 Thalern in den nächſten drei Jahren zur
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Zugleich ſoll berden, ebenſo Gurator ftattfnd nvaiger Manda
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(188 Jug J Uhr, werden i chan, auf den en und ihm Ageſchriedenen J gert. Gemarkun
ft. Pag. Nr. Dann


