Ausgabe 
5.11.1851
 
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Ernſt und gedrückt ging er einher. Zu Herbſt id er ea an es war ihm ſo, als ſei das Stünd⸗ lein, das uns alle erwartet nicht fern. Da ließ er ſeinen Schwiegerſohn, den Müller kommen und übergab ihm ſein Hausbuch und redete lang mit ihm alleine. Käthchen konnte nicht kommen, denn ſie war in den Wochen mit ihrem dritten Kinde. Agnes wich nicht vom Vater. Mit einem Male e eine andere Wendung

ute Riebeler ſtarb. 8 9 8 Müller ſchlug, als es ans Theilen kam, vor, ſie wollten das Geld, was der Notär kriege, ſparen; der brave Schullehrer von Stichlingen könne die Theilung auch machen; aber der Herr Schwager Leitner ſagte, das ginge nicht. So kam der Notär. Da zeigte ſich's im Hausbuch, daß der Müller ein tüchtig Bröcklein wegzu⸗ nehmen hatte, um mit dem Leitner ausgeglichen zu werden. Dagegen war nichts zu ſagen; es war Alles, Punkt vor Punkt richtig; aber als darauf der Notär das Blatt um⸗ ſchlug und darauf zu leſen ſtand: i f Ich will, daß der Hof meinem Schwieger⸗ ſohn, dem Müller, ſoll zu zwanzig Tauſend Gul⸗ den angeſchlagen werden und meine Frau den Sitz im Hauſe habe, bis an ihr Ende. Da ſchlug der Herr Leitner Generalmarſch. Himmel und Erde, was tobte der! Das ſei parteiiſch, rief er. Es ſolle da Ein Kind vor dem Andern bevortheilt werden; der Hof ſei ſeine ſechs und dreißig Tauſend Gulden werth zwiſchen Brüdern. Seine Schwiegermutter ziehe zu ihm u. ſ. w. Zuletzt rief er: Der Hof muß verſteigert werden.

Das meinte auch die Rieblerin, die ihres Mannes letzten Willen nicht achtete. Der Notär erklärte, das ſei kein Teſtament. Und Agnes hing ſich an ihren guten Mann und ſagte: Halt' Frieden, lieber Mann, und gib nach um meinetwillen! Das ging dem an's Herz, denn er hatte ſeine brave Frau ſehr lieb.

Nun wurde die Sache gewickelt und gedreht kurz, der Hof kam zur Verſteigerung. Gegen alles Vermuthen des Herrn Leitner waren wenige oder keine Liebhaber da, und ein reicher alter Müller aus der Ferne ſteigerte ihn für neunzehn Tauſend Gulden, und als das Protokoll unter⸗ ſchrieben werden ſollte, unterſchrieb der Tochtermann

Riebeler's, der Agnes Ehemann, und der Hof war von

Gottes und Rechtswegen ſein; ſeine Mühle aber hatte der Müller, der für ihn geboten hatte, um eine große Summe gekauft; er bezahlte nach acht Tagen dem Leitner noch einige Tauſend Gulden heraus und bezog den Hof. Dazu ſah der Kaufmann ſauer. Aus dem fetten Erbe war ein mageres geworden. Die Schwiegermutter hatte noch Außenthaltskapitalien. Er hielt ſo lange an, bis ſie zu ihm zog. Jetzt preßte er ihr allmählich Alles heraus. Sie unterſchrieb Wechſel und Schuldbriefe, weil Käthchen mit Thränen flehte, und ſie dadurch ihr Kind vor Miß⸗ handlungen zu ſchützen ſuchte.

An einem ſchönen Morgen war und blieb der Laden zu. Was iſt das? fragten die Leute. Der Herr Kauf⸗ mann Leitner iſt bankrutt, ſagten die Andern, die es beſ⸗ ſer wußten. Thut nichts, meinten Andere, das iſt ſo ihre Art. Nach dem Bankrutt ſind ſie reicher, als vorher. Die Frau wird das Ihre anziehen; das iſt ſo ein Pfiff! Wir kennen das!

Aber es war anders. Die Frau hatte ſammt der Schwiegermutter Alles mit unterſchrieben und der Herr Kaufmann war durchgegangen mit dem Reſt nach Amerika, wo viel Raum fuͤr Spitzbuben iſt, ob ſie gleich daran dort zu Lande auch keinen Mangel haben ſollen. Käthchen war mit ihren Kindern am Bettelſtab und die Mutter konnte ganz gemächlich mit ihr die letzten Kopf⸗

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züge zum Bettelſack machen. Geſcheidte Leute hatten das

Alles vorausgeſagt!. Kaum hörte das die Agnes und ihr Mann, als ſie

anſpannten und in die Stadt fuhren zum Troſt der Armen.

Der Müller, der nun Hofmann war, ging zu den Gerich⸗

ten, und als er zurückkam, ſah er traurig aus.

Es iſt Alles fort, ſagte er, noch heute wird das ch

Haus verſiegelt. Agnes weinte an ihrer armen Schweſter Halſe die Thränen der treueſten Liebe. Du lebſt bei n

ſagte ſie tröſtend, und dir und deinen Kindern, ſowie

unſerer Mutter ſoll's nicht fehlen, ſo lange wir etwas haben. Sie ſind denn recht kahl mitgefahren, und die Agnes hatte ſie. i

Aber hat denn fragte der Gevatter.

Ja, das hab' ich vergeſſen zu ſagen, ſetzte der Schmied⸗ jacob hinzu, der war mit ſeinem Sohne durchgegangen, 10 ſie handelten zuſammen und machten zuſammen Bankrutt.

Die arme Frau! ſagte das Katharinchen.

Freilich, nahm Schmiedjacob wieder das Wort, man mußte Mitleid mit ihr haben; aber das Sprichwort ſagt: Schuſter, bleib' bei deinem Leiſten! Das iſt die Folge des Hochmuths und der Eſelei einer tollen Mutter. So ein Bauernmädchen meint, wenn's nur aus dem Bauern⸗ ſtand, vom Dorf weg, in der Stadt wäre, ſo wär's im Paradies. Da haben wir's! In der Regel legt ſolch ein dummſtolzes Huhn neben das Neſt, und das Ende trägt die Laſt. 5

So iſt's aber heutzutage! rief der Schmiedjacob.

Jedes will aus ſeinem Stande heraus und höher hinauf. Da aber geht's ihm, wie dem Eſel, der aufs Eis ging tanzen. Er brach das Bein! Wären die Leute mit ihrem Stande zufrieden, nährten ſich ehrlich und arbeiteten, wie es ihre Väter thaten, meiner Treu! es wären nicht ſo viele Leute da, die erndten wollen, wo ſie nicht geſäet, die regieren wollen, was ſie nicht verſtehen, und die durchs Theilenwollen oder Stehlen, was im Grunde auf Eins hinausläuft, ihren leeren Beutel zu füllen gedenken. Ehr⸗ liche Arbeit und Thätigkeit in geordnetem Berufe iſt freis lich ein unbequemer Weg! Wenn denn nun Bun mädchen, vollends hochmüthige Bauernmädchen, abſolut ſolche ſtolzirende Stadtdunzeln werden wollen, dann Adje! Wo ſind die alten Sitten? Fort! Wo ſind die alten Trachten? Fort! Alles modig; Hüte, Sonnenſchirme, ſeidene Kleider! Aber, wie ſteht's in der Haushaltung? Nein, es iſt ein Herzeleid mit unſrer Zeit, glaubt mir 8. Keine Fuge will mehr paſſen; Jeder will oben hinaus; befehlen will Jeder, gehorchen Keiner. Wo ſoll das hin⸗ aus? Grade da hinaus, wo's mit dem Käthchen und ſeinem Manne hinausging! Verſteht Ihr mich?

Es war ein Glück, daß Agnes und ihr Mann treue, wackere Leute waren. Sie ſorgten treu für ſie. Die

Mutter war und blieb Frau im Haus und Agnes folgte

ihr treulich. Käthchen und ihre Kinder hatten es beſſer, als in der Stadt. Sie ſtarb zwar vor Herzeleid frühe, und die alte Riebelerin folgte ihr bald, aber ſie ſtarb mit der Ueberzeugung, daß ihre Kinder eine Mutter und einen Vater hatten. Und das hatten ſie! Agnes und ihr Mann erzogen ſie gut. Der Knabe wurde Einnehmer und war ein braver Mann. Die Mädchen verheiratheten ſich gut 855 auf Agnes und ihrer Familie ruhte ſichtbarlich Gottes Segen!

Von dem Vater der Kinder und ihrem Großvater hat man nichts mehr gehört. Ich denke, des lieben Gottes Arm reicht auch nach Amerika!

der alte Herr Leitner nicht geholfen?

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Je Arbeitſamen, fintrinken meide ſhmiedeten; aber Belt! Da erblich

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Nenſch ſaet, ſo be. Da wei as das Grab, lnglück hier, in das Sprück heiſet hin auf

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Ahun dein Gen kiſen, zuſamme

ebenſo und end bleiben dir nun er und dort e Ochmied! Du harnende Gewi Jott gab zum ch nicht durch Jottes haſt du m dem Verderb

fillt. Dann al

Bekanntmae

eßen den 12. Der Oroßh.