„Daß dich der Kuckuck! dachte ich; die Geſchichte mußt du denn doch auch'mal anſehen. So ſchritt ich denn dem Markte zu; aber da erkannten ſie mich. Kas⸗ par! hieß es hier; Kaspar! dort. Alle Bekannten kamen herzu. Als aber der Offizier meiner Compagnie es hörte ich ſei da, ließ er mich ohne weiteres auf die Wache ſetzen als einen Deſerteur. b
„Da iſt mir doch das Herz in die Schuhe gefallen, und ich dachte im Stillen: dort mußt du dein Glück in die Schanze ſchlagen, um hierher in deine Heimath zu kommen und als ein Gefangener behandelt zu werden. Ja, wie ich hörte, ſollte ich gar vor ein Kriegsgericht geſtellt werden, und da handelte es ſich um Leben und Tod! Meine Lage war ſchlimm, recht ſchlimm, und ich ſaß da in der Wache ſo troſtlos, als ging's morgen zu Grabe.
„Schon am andern Tage trat das Kriegsgericht zu⸗ ſammen und ich wurde vernommen. Da hab' ich aber meine Sache ſelbſt geführt. Als mich der Auditor fragte, wie ich heiße? ſagt' ich: Herr Auditor, ich heiße noch grade ſo wie damals, als ich mit Ihnen ausmarſchirte.“
„Was gab's denn da?“ fragte ich meinen Kaspar mit herzlichem Lachen. b
„Ei nun, ſie lachten auch Alle. Aber liebſter Herr, war das nicht eine dumme Frage? Das wußt' er ja ſo gut wie ich, was braucht' er noch zu fragen?
„Als er mich fragte: wie alt ich ſei? ſagt' ich: noch nicht alt genug, um Soldat zu werden, aber der Schultheiß, der Spitzbube, der hat mich dran gemacht ſtatt des kruppigen Hannes! Da lachten die Narren abermals, und es war doch wahr.
„Als er mich endlich fragte, warum ich aus dem Glied gegangen ſei, da konnt' ich mich nicht mehr halten. Weil ich mich nicht wollte todtſchießen laſſen für den ſpeck⸗ gelben Franzoſen, den Hieronymus, ſagt' ich, den Gott verdamme, und weil ich zu den Deutſchen übergehen wollte, um für meinen Herrn, den Kurfürſten, das Land erobern zu helfen.“ 0
„War denn das auch wahr, Kaspar? fragte ich.
„Parol! Herr,, rief er aus,„es war mein Wille; aber mit den Menſchenfreſſern, den Koſacken, wollt' ich auch nichts zu thun haben. Wär' ich zu Deutſchen ge⸗ kommen, ſo hätt' ich meinen Mann geſtanden. Das ſagt' ich ihnen auch unter die Naſe. Sie lachten nicht und Mancher drunter bekam eine Pille, die nicht gut ſchmeckte. Sehen Sie, liebſter Herr, wenn ich einmal von der Leber zu reden anfange, dann geht's tüchtig. Alles, was ich ſagte ſchrieb der Auditor haarklein nieder, daß ich erſtaunte. Als das Verhör zu Ende war, wurde ich wieder auf die Wache geführt. Wie ich ſpäter hörte, kam das Protocoll vor den Kurfürſten, und der ſprach mich völlig frei; aber weil ich ſo treue Geſinnung an den Tag gelegt, ſollte ich wieder in mein Regiment geſteckt werden. Das war der Lohn der Treue.
„Da waren denn alle meine Pläne, Hoffnungen und Ausſichten zu Waſſer geworden! Das war's, was ich mir alſo in der erſehnten Heimath geholt: Ich wollte mir die Haare ausreißen; doch es ſollte noch beſſer kommen.
ö„Ich war auf der Wache, weil ich noch nicht zum Regiment abgeführt werden konnte, deſſen zweites Batail⸗ lon noch in Hanau ſtand. Da gab's mit einem Mal einen mächtigen Lärm vor der Wache. Kaspar! mein Kaspar! 0 0 ich eine Weiberſtimme ſchreien. Ich will ihn ſehen! rief ſie.
Ich ſprang ans Fenſter. Da wollte ein Gendarm eine arme Frau wegzerren.— Es war meine Mutter.
„O Herr Lieutenant, rief ich, erbarmen Sie ſich! es iſt meine alte Mutter, die mich todt geglaubt hat!
Ihrem Götzen.“ ſelbſtzufrieden an, und entgegnete, während er eine Rauch⸗ „Nein, gnädige Frau, ich ver⸗
N driedberg den!
314.
„Er war ein guter Menſch, hatte vielleicht auch eine alte Mutter. Er ließ die Frau herbringen. Ach, das war ein recht trauriger Auftritt! Sie fiel mir um den Hals 119 weinte bitterlich. Und doch dankte ſie Gott, daß ich ebe.
andern dienten. Sie zog— bettelnd durchs Land. ich— mußte Soldat bleiben.
„Es war zu viel Elend auf einmal. Mir brach ſchier das Herz.—
„Endlich fragt' ich: Was macht denn mein Anne— bärbelchen, Mutter? 6 5 8
„Sie ſah mich groß an. Haſt du dann meinen Brief nicht gekriegt? fragte ſie. Sei ſtill, Kaspar, von dem miſerablen Mädel! Es hat, als du drei Wochen von Kaſſel fort warſt— den Hannes geheirathet!“
Armer Kaspar! ſagte ich aus tiefbewegter Seele; denn das war zu viel für ihn. Das hatte er nicht ver⸗ dient. Es war ein trauriger Lohn für ſeine Treue. Noch jetzt nach vier und dreißig Jahren füllten ſich die Augen des ehrlichen Menſchen mit Thränen.
Er drehte ſich um, pfiff und die Pferde flogen da⸗ hin im raſcheſten Lauf. Man mochte es erkennen, wie er den Sturm in ſeiner Seele erſt ſich wollte legen laſſen, ehedenn er weiter in ſeiner Geſchichte fortfuhr, die einen ſo trüben Charakter anzunehmen begann. 8
Endlich kamen wir an eine Stelle, wo der Weg auſtieg. Die Roſſe hielten an im Lauf und gingen Schritt. Kaspar wandte ſein ernſtes, wehmüthiges Geſicht mir wieder zu
(Schluß folgt.)
Miszellen.
5 Ein berühmter Prediger rauchte außerordentlich gern Tabak. Einmal kam eine ältliche Dame in ſein Zimmer,
und als ſie ſah, daß er wieder die Pfeife im Munde hatte, hob ſie einen Finger empor, und ſagte, als ſei ſie höchſt“
unangenehm überraſcht von dieſer häßlichen Gewohnheit des berühmten Mannes:„Ei, ei, da opfern Sie wiederum Der Geiſtliche ſah ſie ganz ruhig und
wolke von ſich blies: brenne ihn.“
Die Wahrheit iſt: ein Brod, welches ſtarke Zähne fordert; eine Braut, die ein Jeder ſcheut; ein Buch in dem Niemand gerne lieſt; ein Waſſer, in dem ſich Niemand gerne wäſcht; eine Lauge, die ſchwer verwundet; eine Speiſe, die Niemand ſchmecken will. 1
be. Aber was hört' ich, die Schuldner hatten ihr das Häuschen genommen, die Aeckerchen verſteigert; zwei meiner Geſchwiſter waren an dem Lazarethfieber geſtorben. Die att Und ch
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NB. Das aufgefahrene und verkaufte Korn war Saatkorn, wodurch der Preis ſich etwas außergewöhnlich erhöhte. 5 Bender.
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