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die evang. Schullehrerſtelle zu Ziegenberg, R.⸗B. Friedberg präſen⸗ tirte Schulvicar Bindewald für dieſe Stelle beſtätigt. Am 17. wurde Heinrich Weiß zu Gießen zum Gehülfen bei dem botaniſchen Garten der Landesuniverſität ernannt. Am 18. wurde der Hofpre⸗ diger Dr, Palmer dahier zum geiſtlichen Rath und Mitglied des Oberconſiſtoriums ernannt— und wurde dem kathol. Schullehrer Zink zu Herbſtheim die kathol. Schullehrerſtelle zu Kempten, R.⸗B. Mainz, übertragen.— 5) Militär⸗Dienſt nachrichten. Am 17. Juni iſt der Kriegsregiſtrator Gerlach auf ſein Nachſuchen in den Ruheſtand verſetzt, der Acceſſiſt Heling zum Kriegskanzliſten und der Unteradjutant Baumbach vom 2. Inf.-Reg zum Acceſſiſten bei der Schreibſtube des Kriegsminiſteriums ernannt worden. Am 11. Juli wurde der Lieutenant Kolb im Gr. Artilleriecorps zum Ober⸗ lieutenant ernannt. Am 8. Auguſt iſt dem Lieutenant Peppler im 3. Inf.⸗Reg. der nachgeſuchte Abſchied aus dem Militärdienſte be⸗ willigt worden. Am 1. Sept, wurde der Lieutenant v. Loys im G.⸗R. Chevauxlegers auf ſein Nachſuchen, wegen Kränklichkeit, in den Ruheſtand verſetzt und ihm dabei der Charakter als Oberlieutenant ertheilt. Mit dem Patent vom 29. Sept. wurde der Cadetcorporal van der Hoop vom G.-R. Chevauxlegers zum Lieutenant in dieſem Regiment ernannt.— 6) Geſtorben ſind: am 14. Juli der Oberſt⸗ lieutenant à la suite Frhr. v. Cramer; am 10. Sept. der penſ. Oberſt Keim; am 13. der evang. Pfarrer Eigenbrodt zu Großen—
linden. Die Ahnung. Nach einer wahren Begebenheit.
Von Fr. Gerſtäcker. (Schluß.)
Der Schulmeiſter hob ſchnell den Kopf und ſah den Küſter forſchend an.
„. und ſcheute mich hinaufzugehen und ihn zu ſtoören. So lag ich bis nach zehn Uhr; da jetzt das Ge— räuſch aber immer ärger wurde und ich nun auch ziemlich gewiß wußte, Sie wären oben Alle zu Bett, denn an der Linde, die vor meinem Fenſter ſteht, kann ich es deutlich ſehen, wenn oben in der Eckſtube noch Licht iſt, zog ich meine Filzſchuhe und meinen alten Schlafrock an, und ſchlich leiſe die Treppe hinauf.“
„Ihr wart an jenem Abend in meinem Zimmer?“ rief der Paſtor und die Lippen der Frau theilten ſich in Staunen und Ueberraſchung.
„Auf der Treppe ſchon klang mir's unheimlich und laut,“ fuhr der Greis, die Frage nicht beachtend, fort, „das ſtürmiſche Brauſen um das Haus wurde hier, in dem umſchloſſenen Raume, zum leiſen Flüſtern und Ziſcheln, und ich öffnete raſch die Thür und ſchritt dem wohlbe⸗ kannten Platze zu, wo der Herr Paſtor immer Abends die Schlüſſel hinlegt, damit ich ſie früh finden kann. Schon hatte ich ſie gefühlt und in die Hand gefaßt, denn ein ſchwacher Mondenſtrahl fiel in dem Augenblicke durch's Zimmer, als ich, das Blut ſtockt mir noch jetzt in den Adern, wenn ich daran denke, ein leiſes Stöhnen vernahm, und den Kopf raſch danach umwendend, eine helle Geſtalt erkannte, die im Begriff ſchien, die Arme nach mir aus⸗ zuſtrecken. Im nächſten Augenblick ſtand ich vor Entſetzen ſtumm und regungslos, als ich jetzt aber wirklich ſah, daß ſich die Erſcheinung regte, als ich das weiße Grabtuch rauſchen hörte, da kann ich nachher nicht einmal mehr ſagen, wie ich aus dem Zimmer kam, nur ſo viel erinnere ich mich noch, ich glitt die Treppe hinunter, ſprang in meine Kammer, die ich hinter mir verſchloß, in's Bett, hüllte mich in die Decke ein und betete heiß und brünſtig zum lieben Herr Gott, daß er alles Unglück von mir und dieſem Hauſe abwenden wolle.“
„Und der Fenſterladen?“ frug der Schulmeiſter und ergriff lächelnd des Paſtors Hand.
„Der Wind legte ſich bald nachher,“ meinte der alte Mann,„und das Aechzen hörte auf; wär's aber auch noch ſo ſtuͤrmiſch geweſen, an dem Abende hätten mich nicht zehn Pferde mehr in die Salkriſtei gebracht.“
„Eliſe!“ ſagte der Paſtor, und zog das bleiche zit— ternde Weib leiſe an ſich; ſie*. A, ſchaute noch zweifelnd, zaudernd vor ſich nieder und barg Br lautem Schluchzen den Kopf an ihres Gatten
ruſt.
„Meine gute Frau Paſtorin,“ bat der alte Mann beſtürzt.
„Alterchen,“ rief aber jetzt der Schulmeiſter, und zog den Arm des erſtaunten Küſters in den ſeinen;„Ihr habt heute morgen den geſcheidteſten Streich gemacht, der ſich nur denken läßt, nun kommt aber, meine prächtige Geiſtererſcheinung, hier iſt Euer Dokument, heute Mittag müßt Ihr bei mir eſſen.“
„Aber Herr Schulmeiſter, ich begreife nicht.“
V Iſt auch gar nicht nöthig, Schaͤtzchen, iſt auch gar nicht noͤthig, nur jetzt ein Bischen die alten Knochen ge— ee, ee ich bin ſo fidel, ich könnte, glaube
7 nuet tanzen und mir di i 7 3 r die Melodie ſelber dazu
Und ohne dem alten Manne auch nur Zei ſen, noch ein einziges Wort an die Weeds 117 richten, zog er ihn raſch den Gartenweg hinunter und ver— ſchwand mit ihm durch die hintere Thür.
Und die Kranke?
f Nur wenige Wochen ſind ſeit jenem Morge ſtrichen, in der Pfarre gibt's aber keine Krane 1 des Paſtors wackere Hausfrau wirthſchaftet wieder wenn auch noch etwas bleich und angegriffen, doch mit vollen rüſtigen Kräften im Hauſe herum; auch der Schulmeiſter und Verwalter kommen, wie früher, manchmal Abends herüber und verplaudern ein Stündchen; nur Geiſterge— ſchichten werden nicht mehr erzählt, und der Küſter nin jetzt den Schlüſſel zur Sakriſtei gleich Abends mit in ſeine Stube, damit der alte Mann nicht mehr Morgens die Treppen zu ſteigen braucht, ſie herunter zu holen.
Altes Gold.
Da am Rheine herum hat man ein Sprüchw das heißt:„Thue dich nicht eher aus, 915 511 ſchlafen geheſt.“ Das Wörtlein hat einen guten Zweck und einen ſchlimmen Grund. Daß es nicht vom Kleider— ausziehen am Abend redet, obwohl es auch da einen ver— nünftigen Sinn hätte, nämlich als Warnung vor einer ſchädlichen Verkältung, das ſpringt ins Auge. Es kommt am Rheine ſo gut wie anderwärts nämlich vor, daß die alten Leute, wenn ſie nicht mehr arbeiten können, Hab' und Gut den Kindern geben unter der Bedingung, daß ſie dieſe nach dem Gebot Gottes, das die Verheißung hat, liebreich hegen und pflegen ſollen bis ans Ende, Das nennen die Leute: Sich ausziehen, und den Tod: Schlafen gehen. Da trifft es ſich denn leider, daß das vierte Ge— bot bald vergeſſen wird. Die Kinder leben herrlich und in Freuden, wie der reiche Mann im Evangelium, und die Eltern haben's wie der Lazarus an deſſen Thüre. So iſt das Spruͤchlein für die Alten ein guter Rath; aber es ſpricht den Kindern ein hartes Urtheil— ſo in der Stille. Wehe denen, die es mit Grund trifft!
Einmal war auch ſo ein alter Vater noch im Beſitze ſeiner Güter und ſeine Kinder ſagten: Wie mögt Ihr Euch doch ſo quälen und plagen! Macht's Euch leicht Gebt uns die Laſt ab, wir tragen ſie auf unſern jungen Schultern leicht, und es ſoll Euch gewiß nichts abgehen! Der Alte aber dachte an das Sprüchlein und wollte ſich vor dem Schlafengehen nicht austhun.
Ueber ſeinem Fenſter war ein Schwalbenneſt, aus
dem ein frecher Spatz die frommen Schwalben vertrieben hatte. Als die Spatzen Jungen hatten, hob der Alte das


