Ausgabe 
1.5.1850
 
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Igntelligenz-Blatt

fuͤr die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen,

den Regierungsbezirk Friedberg

im Beſonderen.

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. 31.

Mittwoch den I. Mai

18530.

Amtlicher Theil.

Die Großherzoglich Heſſiſche Regierungscommiſſion des Regierungsbezirks Friedberg an die Gr. Bürgermeiſter dieſes Regierungsbezirks.

Geſchehener Anzeige zu Folge ſoll dem§. 4 der Ver⸗ ordnung vom 16. März 1847, Regierungsblatt Nr. 12, dahin lautend: Sämmtlichen Agenten zur Vermittelung des Trans ports von Auswanderern iſt ſtreng unterſagt, zu Auswanderungen anzuwerben; ſie dürfen zu dem Ende namentlich weder ſelbſt im Lande umherreiſen, noch andere Perſonen abſenden,

öfters zuwidergehandelt werden.

Indem wir Sie hierauf aufmerkſam machen, erwarten wir, daß Sie in allenfalls vorkommenden Fällen gedachte Verordnung ſtrengſtens befolgen, und nach Befund hierher Anzeige machen.

Friedberg am 25. April 1850.

Ouvrier.

Bekanntmachung.

Der auf den 20. Mai d. J. im Landkalender einge⸗ tragene Wölfersheimer Vieh- und Krämermarkt, ſoll, da dieſer Tag auf den zweiten Pfingſttag fällt, an dieſem Tage nicht, vielmehr Donnerſtag den 2. Mai d. J. abgehalten werden.

Die Gr. Bürgermeiſter werden dieſes veröffentlichen.

Friedberg am 23. April 1850.

Großh. Heſſ. Regierungscommiſſion. Du dir Per,

0 Der corſiſche Dolch. (Fortſetzung.)

Giuſeppe Roballini fuhr auf wie aus einem Traume, dann verſank er wieder in ſein finſtres Brüten.Ach, Du biſt's, Antonio!, ſagte er endlich mit traurigem Tone, was führt Dich in dies Haus, welches mehr Todte als Lebende zählt? 5

Ich wollte Euch ein fröhliches Feſt wünſchen, Onkel Giuſeppe, antwortete der junge Burſche,und dann.. Antonio vollendete den Satz nicht, aber man errieth aus ſeinem verlegenen Aeußern und der Art, mit der er ſeine Mütze wie einen Roſenkranz in den Fingern drehte, daß gerade im Ende der angefangenen Phraſe der Zweck ſeines Beſuchs verborgen lag.

Da, wo man ſo viele leere Plätze erblickt, gibt es kein fröhliches Feſt mehr, Antonio, ſagte der Greis, und ſein Auge überlief trübſinnig den mit den ſechs Gedecken beſetzten Tiſch.

Aber weßhalb entfernt Ihr, trotz der Bitten Eurer Tochter, dieſe traurigen Erinnerungszeichen an Euer Un glück nicht e

So iſt es denn wahr, Antonio? ſchrie Roballini, indem er ſich erhob,daß Du von Deiner Mutter genue⸗ ſiſches Blut in den Adern haſt? Corpo di Bacco, ich glaube es beinahe; denn ſonſt würdeſt Du mich nicht fra⸗ gen, weßhalb ich die ſechs Gedecken auf den Tiſch legen laſſe. Weißſt Du nicht, daß ich auf dem Boden von jeder dieſer Schüſſeln einen Blutstropfen ſehe, in welchem das Geſicht meines Feindes ſich ſpiegelt; denn es iſt das Blut meiner Söhne. Verdammt will ich ſeyn, wenn ich jemals meine Rache vergeſſe. Aber freilich, ich bin alt und ſchwach, fuhr der Greis mit tiefer Niedergeſchlagenheit fort;geſtern hatte ich nicht einmal Kraft genug, meine Flinte erheben zu können!

Ihr wißt, Oukel Giuſeppe, was ich Euch geſagt habe, entgegnete Antonio, und näherte ſich Roballini.

Der Letztere machte ein Geberde der Ungeduld und zog ſich nach dem Hintergrunde des Saales zurück, um ſich zu verſichern, ob Angeluccia ſich noch dort befinde.

Das junge Mädchen hatte ſich ruhig verhalten, und es ſchien, als ob ſie von Dem, was um ſie vorgegangen war, nichts verſtanden hätte. Trotzdem hätte ein auf merkſamer Beobachter bemerken können, daß ihre Hände zitterten, als ſie fuͤr ihren Vater das Fruchtkörbchen füllte, das ihm zum Deſſert dienen ſollte.

Figlia, ſteig in Deine Kammer hinauf und zieh Dich zur Veſper an, ſagte Giuſeppe Roballini, zu An geluccia gewendet.

Und wer wird bei Euerm Eſſen aufwarten, Vater? fragte das Mädchen.

Die Magd wird heute Deinen Platz ausfüllen; ich habe mit Nachbar Antonio etwas abzumachen, wobei Weiber überflüſſig ſind.