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rungsfach, auf Nachſuchen, entbunden.— Am 3. Okt. wurde der geiſtliche Rath und Pfarrer br, Bögner zu Viernheim, auf Nach“ ſuchen, in den Ruheſtand verſetzt.— 10) Erledigt ſind: die kath · Pfarrſtelle zu Viernheim, R.-B. Heppenheim, mit jährlich 3189 fl. 11½ kr., worauf jedoch die Verbindlichkeit ruht, zwei Kaplane zu balten und denſelben nebſt freier Station vor der Hand jährlich 125 fl. auszuzahlen, ſodann dem früheren daſigen Pfarrer auf die Dauer ſeiner Lebenszeit jährlich 1100 fl. in vierteljährlichen Raten abzugeben;— die kath. Pfarrſtelle zu Bingen, R⸗B. Mainz, mit jährlich 1556 fl. 34 kr., jedoch mit der Verbindlichkeit, zwei Kaplane zu halten und denſelben freie Station ohne Geldgehalt zu 1 21 11) Geſtorben iſt am 6. Sept. der penſ. Schullehrer Volkmar zu Freienſeen, R.⸗B. Gießen.
Nr. 52 enthält: 1) Bekanntmachung des Gr. Miniſteriums des Innern vom 18. Okt. die Wahl der Bezirksräthe, insbeſondere die deßfallſige Eintheilung der Regierungsbezirke Mainz und Worms in Wahldiſtricte betr.— 2) Bekanntmachung deſſelb. Gr. Min. vom 14. Oct. die Beſtätigung von Stiftungen und Vermächtniſſen betr. — 3) Am 11. Oktober wurde dem Acceffiſten bei dem Secretariate des Miniſteriums des Hauſes und des Aeßern, Arnold von Biege⸗ leben, der Charakter als Legationsſecretär ertheilt.— 4) Geſtorben iſt am 8. October der Diſtrietseinnehmer Schauberger zu Kirtorf.
Von einem wackern Danersmanne.
Es war im Herbſt 1816, als zwei Heidelberger Studenten über den ſogenannten„Gau,“ die geſegnete Landſchaft zwiſchen der Nahe und dem Donnersberge, wanderten, dem Dorfe Badenheim bei Kreuznach zu. Es war junges, fröhliches Blut, und wenn der Eine hätte in einen Spiegel ſchauen wollen, ſo hätte er darin den nach⸗ maligen Spinnſtubenſchreiber geſehen, und der Andere war eine treue Seele aus Heidelberg, des Erſteren viel— erprobter Freund, der nun auch ſchon droben zu Bretten auf dem Gottesacker ruht, aber ein Denkmal der Liebe in vielen Herzen hat im badiſchen Oberland, in Bretten und da unten an der Nahe, und ich glaub', noch weiter herum, und da der Spinnſtubenſchreiber dies ſchreibt, wird's ihm weich um das Herz und feucht im Auge, denn des treuen Gottesmannes Bild ſteht lebendig vor ſeiner Seele!
Als die zwei Freunde nach Badenheim kamen, fragten ſie einen Mann:„Wo wohnt der Dichter Iſaae Maus?“
Gar freundlich ſagte der:„Dort!“ und wies auf ein ſchlichtes Haus. Wir traten ein, und vor uns ſtand der Geſuchte, ein ſchlichter, einfacher Mann mit einem offenen, freundlichen Geſichte und lebendigen Augen. Er trug ein dunkelgrautuchenes Wamms, eine lange Weſte von blauem Mancheſter und ein grünſammtnes Käppchen mit Marderpelz beſetzt, wie's der Gevatter, der Schmied— jacob und andere wackere Bauersleute heute noch tragen.
Wie freundlich nahm uns der liebe Mann auf! Wie friſch und frei, wie verſtändig und weiſe ſprach er ſich aus! Wir blieben ein paar Stunden bei ihm, und zogen dann, froh, ihn kennen gelernt zu haben, unſeres Weges.
Was war denn das für Einer, fragt der Gevatter, daß Ihr ſo weit her zu ihm gewandert ſeid?“
Gevatter, es war eine volle Aehre. Es war ein einfacher Bauersmann, aber ein Dichter, vor dem Hohe und Niedere Achtung, zu dem ſie Liebe im Herzen tragen, ein Mann, der aus ſeinem frommen, treuen Herzen man— ches ſchöne Lied hat fließen laſſen, und wenn Ihr's kriegen könnt, ſo leſet einmal das Buch: Lyriſche Gedichte von Iſaac Maus, Bauersmann zu Badenheim bei Kreuznach. Mainz 1821. Gedruckt bei Florian Kupferberg, dann werdet Ihr auch Achtung vor den hohen Gaben dieſes Mannes und Liebe für ſeine Geſinnung in Euch ſich regen fühlen, wie wir junge Burſche ſie damals fühlten, als
wir ihm in's treue Auge blickten. Er hatte einen weit⸗ verbreiteten Ruhm, und darum zog's uns zu ihm hin. Hab' ich Euch nun da vornen von einem deutſchen Kaiſer, dann von Einem, der Matroſe war und Admiral wurde, erzählt, ſo möcht' ich Euch jetzt einmal von einem deutſchen Bauersmann erzählen, in dem viel ſteckte und der doch demüthig ein Bauersmann blieb, weil er ein
braver Sohn war und das fünfte Gebot wohl kannte,
deſſen Segen er auch erfuhr. Die Eltern von Iſaae Maus waren fleißige und ihrer Rechtlichkeit wegen geachtete Bauersleute in Badenheim. Am 8. September 1748 wurde er geboren, das jüngſte und ſiebente ihrer Kinder. Etwas Anderes, als einen Bauersmann, der ja auch das Fundament der ganzen bürgerlichen Geſellſchaft iſt, aus ihm zu machen, fiel den Eltern nicht ein. Drei der Kin⸗ der ſtarben, dann der Vater, als Iſaac dreizehn Jahre alt war. Zwei ſeiner Geſchwiſter waren in anderen Orten verheirathet, und ein Bruder widmete ſich dem Lehrerſtande, trat aber ſpäter in andere Verhältniſſe, und ſchwang ſich durch Rechtlichkeit und Geſchicklichkeit zum Rechnungsrathe in Darmſtadt auf, wo er ſtarb. So war
denn die Mutter mit ihrem Hausweſen und fünfzig Mor⸗
gen Ackerlandes recht übel dran, wenn aus Iſaac nicht ein tüchtiger Bauer wurde. Er war ja jetzt ihre einzige Stütze.
Iſaac hatte die Dorfſchule in Badenheim beſucht, aber da ſtand's nicht eben extra. Er ſagt ſelber, er habe da leſen und ſchlechtt ſchreiben gelernt. Mit dem Rech— nen war's nicht weit her. Drum ging er denn täglich in eine benachbarte Schule, wo der Lehrer tüchtig rechnen und auch im Feldmeſſen Unterricht geben konnte. Später unterrichtete ihn noch ſein Bruder, der einige Zeit zu Hauſe zubrachte. Alle Zeit aber verwandte er, um bei und mit dem Knechte ſeiner Mutter den Ackerbau aus dem Fß kennen und betreiben zu lernen. An den Abenden und den Sonntagen fühlte er eine unwiderſtehliche Luſt, im Geſangbuche die ſchönen, frommen Lieder zu leſen, die einen tiefen Eindruck auf ſein weiches Gemüth machten. Er ſah ſie als Gottes Werk an, und konnte darum gar nicht denken, daß ein Menſch ſolch ein Lied machen könnte.
Einmal aber bekam er ein anderes Geſangbuch in die Hand, worin unter jedem Liede der Name deſſen ſtand, der es gedichtet hatte. Das fiel dem Knaben auf. Er erkundigte ſich, und hörte nun zu ſeinem nicht geringen Erſtaunen, daß dieſe Lieder von den Leuten gedichtet oder gemacht ſeie, deren Name darunter ſtehe.
Da fuhr's wie ein Blitz durch ſeine Seele: Mache auch ſolche Lieder! und er fühlte die Kraft dazu in ſich. Von da an dichtete er im Stillen. Sein Bruder und ein Buchbinder in Kreuznach verſchafften ihm gute Buͤcher, die er nun in freien Stunden, Abends und ſogar wahrend des Eſſens las. Die Mutter ſah das ſehr ungern. Sie verſtand halt nichts davon, und meinte: Ein Bauersmann brauche keine Bücher zu leſen. Darum ſagte ſie oft: „Ach, Iſaac, laſſ' mir doch die Bücher weg, du wirſt mir am Ende noch tiefſinnig.“ Iſaac war ein guter Sohn. Er ſagte nichts, und ging treu an ſeine Feldarbeit, aber das Buch hatte er im Sack, und wenn er Ruheſtunde hielt, las er. Hätte er den Ackerbau verſäumt, hätte er ſchlechte Bücher geleſen, die es leider auch gibt, die Mut— ter hätte Urſache zur Klage gehabt; ſo war's eben bloß eine vorgefaßte, aber falſch verſtandene Anſicht der Mut⸗ ter. Auf ſein inſtändiges Bitten ließ ſie es denn auch, wenn gleich ungern, zu, daß er bis tief in die Nacht ſaß, ſchrieb und las.


