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Franzisca Henk und Franz Carl Henk, künftig den Familiennamen „Kreß“ und am 12. der Wilhelmine Blümlein dahier künftig den Familiennamen„Becker“ zu führen.— 5) Dienſt nachrichten. Am 31. Mai wurde dem penſ. Oberſteuerboten Pfifferling zu Beerfelden die Salzmagazinsverwalterſtelle zu Furth übertragen. Am 5. Juni wurde dem O.⸗St.⸗D⸗S. Langsdorf die Nebenſtelle eines Provinzial-Salzregieinſpectors der Provinz Starkenburg übertragen. am 11. wurde der Phpſicatswundarzt fur den Ph.-B. Waldmichel⸗ bach, Dr. Dalquen zu Birkenau zum Phyſicatsarzte des Ph. Vohl ernannt; ferner wurde dem evang. pfarrer Frank zu Sellnrod die evang. Pfarrſtelle zu Wolfsheim, R.⸗B. Mainz, und am 21. dem Schullehrer Steinheimer zu Wirhauſen, R⸗B. Darmſtadt die J. evang. Schullehrerſtelle daſelbſt, ſodann am 22. dem evang. Mitprediger Draudt zu Wimpfen, R.-B. Erbach, die 2. evang. Pfarrſtelle daſelbſt übertragen. Am 24. wurde der Conducteur bei der Main⸗Neckar⸗ Eiſenbahn, Reiche, zum Conducteur auf der Eiſenbahn von Offen⸗ bach nach Fraukfurt, und der Wagenwarter bei der Main⸗Neckar⸗ Eiſenbahn, Eck, zum Heizer bei der Eiſenbahn von Offenbach nach Frankfurt ernannt. Am 27. wurde dem Schulvicar Englert zu Hammelbach, R.-B. Heppenheim, die kath. Schullehrerſtelle daſelbſt, ferner am 1. Juli dem Schullehrer Oehlſchlager zu Langen die 2. evang. Schullehrerſtelle zu Crumſtadt, R.⸗B. Darmſtadt, und dem Schullehrer Hanſult zu Wieſeck, R⸗B Gießen, die 1. evang. Schul⸗ lehrerſtelle daſelbſt übertragen, ſowie dem 2. Landgerichtsdiener Lemſer zu Offenbach die Stelle eines 1. und dem vormaligen Kreisdiener Kriegbaum zu Grünberg die Stelle eines 2. Landgerichtsdieners bei dem Landg. zu Offenbach ertheilt.— 6) Am 26. Juni wurden die Aſſiſtenten bei dem Hauptzollamte zu Offenbach Fuchs und Hopfen⸗ blatt ihres Dienſtes entlaſſen.— 7) In den Ruheſtand wurden verſetzt: am 13. Juni der evang. Schullehrer Lindner zu Frau⸗ rombach, R.⸗B. Alsfeld; am 1. Juli der Centralkaſſier Hoff mann zu Mainz, unt. Anerk. ſein. langen u. ausgez. Dienſte.— 8) Er⸗ ledigt ſind: die evang. Pfarrſtelle zu Sellnrod, R.⸗B. Nidda, mit jährl. 808 fl.; die evang Pfarrſtelle zu Blodesheim, R.⸗B. Mainz, mit jährl 657 fl.; die evang. Pfarrſtelle zu Biebesheim, R.⸗B. Darm⸗ ſtadt, mit jahrl. 1211 fl.; die 3. evang. Schullehrerſtelle zu Oſthofen, Reg.⸗Bez. Mainz, mit einem, einſchließlich der zu 10 fl. veranſchlag⸗ ten Wohnung für einen unverheiratheten Lehrer, in 235 fl. beſtehen⸗ den jährl. Gehalte und 20 fl. Heizungsentſchädigung.
Der Schiffbruch. Eine Erzählung von H. J. Nott. (Fortſetzung.)
Der Kapitän ſtellte nun alle Zwiſchendeck-Paſſagiere in verſchiedenen Haufen auf, als ob keine ſchnelle Gefahr vorhanden wäre. Sobald dieß geſchehen war, bemerkte ich, daß er jedem einzelnen der Kajüten-Paſſagiere der Reihe nach etwas in's Ohr flüſterte. Der größte Theil der Matroſen ſammelte ſich auf einem Theile des Schiffes und zeigte ſogar jene mit Heiterkeit verbundene Ruhe, die ſtets bei drohender Gefahr ihr Eigenthum iſt. Als der Kapitän bei mir vorüberging, ſagte er:„Folge mir und bleibe in meiner Nähe.“
Plötzlich ward nun das große Boot hinabgelaſſen. Die Kajüten-Paſſagiere und Matroſen in einem Haufen kletterten die Leiter hinunter, während ſich von allen Seiten auf dem Schiffe ein Geſchrei erhob und ein allgemeines Andrängen ſtattfand.„Vorwärts!“ rief der Kapitän mir zu. In dieſem Augenblicke ſah ich das engliſche Paar mit ihrer kleinen Tochter, und unwillkürlich zögerte ich. Die wenigen übrig gebliebenen Matroſen ſprangen in das kleine Boot, welches bald überfluthet ward, und drei Männer fanden vor unſern Augen den Tod in den Wellen. Das große Boot war vermittelſt eines langen Seiles an das Schiff befeſtigt, und die, welche an Bord zurückgelaſſen waren, machten mehrere Verſuche, uns wieder zu ſich her— anzuziehen. Doch der Kapitän verſicherte ſie, er würde bis zum letzten Augenblick in der Nähe des Schiffes blei— ben und ihnen jeden Beiſtand, der in ſeiner Macht läge, leiſten; er würde aber augenblicklich in See ſtechen, im Falle ſie nicht in jeder Hinſicht ſeine Befehle befolgten. Die See ging ziemlich ungeſtüm und aus der Schwärze der ſich zuſammenziehenden Wolken konnte man mit gutem
Grunde auf einen Sturm ſchließen. Ich zweifelte ernſtlich, ob ich nicht beſſer gethan hätte, an Bord des Schiffes, das ſich noch immer tapfer hielt, zu bleiben, als mein Leben einem zerbrechlichen Boote anzuvert e auen, das ſo überladen war, daß es ſich kaum über Waſſer hielt. Wir waren ſämmtlich durch unausgeſetzte Arbeit überangeſtrengt, und die Klage über unerträglichen Durſt wurde allgemein. Als aber das einzige Faß, das wir bei uns hatten, ge— öffnet wurde, fand es ſich, daß wir in der Eile Brannt— wein ſtatt Waſſer genommen. Was war in dieſer Ver— legenheit zu thun? Der Engländer Campbell horte es, denn wir waren nicht weiter als fünfzig Fuß weit vom Schiffe entfernt; er ging hinunter und kam bald wieder herauf mit einem kleinen Tönnchen, das er uns zuwarf. Von dieſem geringen Vorrath ward ein Mundvoll oder wenig mehr jedem Einzelnen zugetheilt. Da die See ruhi— ger geworden war und das Schiff ſich gut über Waſſer hielt, wurde eine augenblickliche Gefahr nicht gefürchtet; doch blickte jedes Auge nach dem Horizont, in der Hoff— nung, ein Segel zu erſpähen.
In dem Augenblick, wo das große Boot das Schiff verlaſſen hatte, erbrachen der Stewart, der Koch und mehrere rohe Geſellen die Vorrathskammern und bemäch— tigten ſich der ſtarken Getränke, die ſie dann in Fülle ver⸗ theilten. Madera, Champagner, Bordeaux-Weine, welche für die Kajüten⸗Paſſagiere mitgenommen waren, wurden mit ſorgloſer Unmaͤßigkeit getrunken. Eine große Anzahl der Leute war bald berauſcht und ſie erhöhten durch ihr wildes Schreien und Singen das Schreckliche der Scene.
Während des Tages war ich durch die Arbeit zu ſehr in Anſpruch genommen geweſen, um an etwas An— deres denken zu können. Sobald ich im Boote war, er— innerte ich mich an Katharina Campbell und bat den Kapitän, ſie an Bord zu nehmen.—„Danke dem Himmel, daß Du ſelbſt gerettet biſt. Glaubſt Du, daß die Eltern ſich von ihrem einzigen Kinde trennen würden?— und außerdem iſt ja hier kein Plätzchen mehr übrig, nicht ein— mal für eine Katze,, erhielt ich zur Antwort. Mehrmals war das arme Kind auf die Seite des Schiffs gekommen und hatte, indem ſie ihre kleinen Arme ausſtreckte, ge⸗ rufen:„Nehmt mich mit, nehmt mich und Vater und Mutter mit!“ Keiner hatte geantwortet, und zuletzt wandte auch ich mein Geſicht ab, um den Aublick eines Leidens zu vermeiden, dem ich nicht abhelfen konnte.
Als die Nacht hereinbrach, befahl der Kapitän, daß das Seil verlängert werden und ein Mann mit einem Beil ſich an den Bug des Bootes ſtellen ſolle, um, wenn das Schiff ſinken ſollte, das Seil durchzuhauen. Das Wetter war ziemlich ruhig, und ermüdet wie ich war, hätte ich auf der Stelle einſchlafen können, wenn nicht die Kälte es verhindert hätte, die in unſerm Zuſtand der Erſchöpfung doppelt fühlbar war. Alles was wir thun konnten, war, daß wir uns ſo eng als möglich zuſammen⸗ drängten, um uns ſo etwas zu erwärmen. Während der ganzen unendlich langen Nacht hörten wir von dem Schiffe her Rufen, Singen, Tanzen, gottloſe Schwüre, Zank und Schlägerei, trunkenes Gelächter.
Kurz nach Anbruch des Tages legte ſich der Wind; das weite Meer war glatt wie Kryſtall; die Schatten der Nacht waren im Weſten noch gemiſcht mit der Mor— gendämmerung, aber öſtlich zeigte ſich ein weißer Streif,
gemiſcht mit roſigem Licht, der die flockigen Wellen färbte,
und von dem breiten Spiegel des Meeres zurückſtrahlte. Endlich erhob ſich die Sonne in ſtrahlendem Glanze wie aus einem Ocean von flüſſigem Golde. In der Mitte ſtand unſer Schiff mit ſeinen weißen Segeln, die ſchlaff an den Maſten herabhingen. Wie bald gewöhnt ſich doch
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