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recht fleißig und wacker, und was die Hauptſache— ein
Geiſt iſt's, und zwar der gute Geiſt der Frömmigkeit, Zucht, Ordnung und Sparſamkeit, den Gott allen Denen gibt, die ihn darum bitten. Ein Männlein iſt's nicht; aber es macht den zum Manne, der ſolch' ein Heinzel— männchen in ſeinem Hauſe hegt und pflegt. Probatum!
(Spinnſtube 1850.)
Von Einem, der erſt ein treuer Diener war, und dann ein braver Herr wurde. (Aus der Spinnſtube.) ö
Es iſt Gerechtigkeit, daß man das Gute achtet und ehret, wo man es findet, und der Spinnſtubenſchreiber meint, es ſei im Grunde ganz einerlei, wo man das Gute finde und ein gutes Beiſpiel; es müſſe erzählt werden ohne das Schlußwort Chriſti zu vergeſſen:„Gehet hin und thuet deßgleichen.“ Ich will's gar kein Hehl haben, daß ich dieſe Geſchichte den Knechten und Mägden, und allen Buben und Mädchen, die es einſt werden wollen oder müſſen, zum Spiegel vorhalten möchte.
In Holland da drunten, wo der Rhein ins Meer fällt, da lebte im Jahre 1666 ein Admiral, was auf der See, verſteht ſich auf den Schiffen, ſoviel ſagen will, als auf dem Lande ein General, und ſelbſt noch etwas mehr, der hieß Michael Hadrian Ruyter, und war Einer, daß bei ſeinem Namen jeder rechte Holländer den Hut abthut aus Reſpekt. Er wurde 1607 zu Vließingen geboren. Seine Eltern waren arme Leute, und ſie dachten, ein Hand⸗ werk hat einen goldenen Boden. Es ſichert eine ehren⸗ werthe Stellung in der Welt und ein ſelbſt erworbenes Stück Brod. Das war ein Gedanke vor dem unſer Einer einen tüchtigen Reſpekt hat! Sie thaten ihn daher zu einem Seiler, einem wackern Meiſter, daß er das Hand- werk lerne, welches in einem Lande, wo die Seefahrt blüht, ein ganz andres iſt, als ſonſt wo, da etwa Kälber⸗ ſtricke, Bindfaden und Spitzſtränge das Meiſte ſind, was ein Seiler zu machen hat. Seiler zu werden, war aber des jungen Ruyter Liebhaberei nicht; denn er war kein Freund vom Rückwärtsgehen, und des Sellers beſtes Fort⸗ ſchreiten iſt bekanntlich der Krebsgang. Auf der See zu leben, Schiffmann zu werden, daran hing ſein Herz. Er bat, flehte; aber ſein Vater hatte ſeinen eignen Kopf, und ein holländiſcher Kopf iſt immer ſo feſt, wie ein deutſcher, wenn er ordentlich aufgeſetzt iſt. Man ſoll aber doch nie ein Kind zu einem Geſchäfte zwingen, wozu es eben keine Anlage und Luſt hat. Das gibt am Ende eitel Pfuſcherei, und die iſt überall nichts werth. Das junge Bürſchchen hatte nun auch ſeinen Kopf, und ſetzte ihn auch auf. Gegen den Vater? fragt Ihr. Leider ja. Bubenſtreiche bleiben Bubenſtreiche, wo ſie auch gemacht werden. Sie bringen den Eltern nur Herzeleid!
Der junge Ruyter ließ ſich zu einem Schritte fort⸗ reißen, der gegen Ordnung und Gottes Gebot war. Er ging durch und wurde Matroſe auf einem Schiffe, das einem Kaufmanne gehörte, der nach Marokko handelte. Dort ging's noch etwas ſchlimmer, als türkiſch zu— und das will viel ſagen. Der Kaufmann, der von dem guten Grundſatze ausging: Selbſt ſei Herr, und ſeine Augen ſeien beſſer, als ſeines Verwalters Brille, fuhr immer ſelber mit, und fand bald, daß der Matroſe Ruyter ein ſehr brauchbarer— aber was noch mehr, ein treuer Menſch ſei. Daher vertraute er ihm Mancherlei, zu dem man ſonſt keinen Matroſen oder Schiffsknecht verwendet.
Dem jungen Ruyter lag ſein Durchgehen denn doch ſchwer auf dem Herzen. Er erkannte ſein Unrecht, und es gelang ihm, ſein Gewiſſen dadurch zu beruhigen, daß
er ſich mit ſeinen Eltern ausſöhnte, und dieſe 1 en 4 ſtändig, und ließen es zu, daß er ſich dem Seedienſte wide, a
Nun widmete er ſich denn ſeiner neuen Pflicht mit Ruhe im Herzen und mit Freuden, und ſein Schiffsherr gewann ihn alle Tage lieber, zumal er ſeine Koͤnntniſſe gebrauchen konnte.
Einſt, als wieder die Meſſe in Marokko nahte, fühlte ſich der Kaufmann krauk und ſo krank, daß er nicht faber mit hinüber nach Afrika fahren konnte. Sein Entſchluß lautete: Niemanden, als Ruyter, will ich das, was ich auf's Schiff lade und in Marokko zu Markte bringe, anvertrauen. s e
Darauf ließ er ihn kommen und ſagte zu ihm: Michel du ſtehſt, bei mir ſind, wie der Jud' ſagt: ſchofele Mas matte! Ich kann nicht nach Marokko. Mein Buchhalter iſt ein alter Mann, was meinſt du, was ich thun ſolle?
Schickt einen andern treuen Mann mit, Minheer! W b i ſagte Ruyter. echt! rief der Kaufmann, aber Blexem! i Blitz!) wenn ſoll ich ſchicken?—
Das müßt Ihr beſſer wiſſen, als ich inheer! Ruyter's Antwort. 9. 1131 Freilich, mein Sohn, ſagte der Kaufmann, aber es Ea kitzelige Geſchichte. Die Türken verſtehen keinen
8 e Ruyter.
Hör', fuhr der Kaufmann fort, übernimm du das Geſchäft, du ſollſt mein Supercargo ſein!(ſoviel als Auf⸗ ſeher über die Ladung und Geſchäftsführer.)
Ich? fragte erſtaunt der Jüngling. Minheer, zum Spaß bin ich zu alt, zum Ernſt zu jung! Ich bin ein Matroſe und kein Kaufmann. Adje!.
Halt, rief der Kaufmann, Burſche, meinſt du, ich wollte in meinen alten Tagen Bubenſtreiche machen, und dich ehrlichen Menſchen zum Narren halten? Du biſt ein Eſel, wenn du glaubſt, ich wüßte nicht, was ich thäte. 95 m e mir in den Beinen, nicht im Kopf. Du
iſt mein Supercargo, und ich lege Alles in dei
Nun mach' keine Poſſen! 2 W Der Ruyter beſann ſich. Wenn Ihr's abſolut wollt,
meinetwegen denn! F
Da war die Sache fertig. Die Vollmacht wurde ausgeſtellt. Der Ruyter erhielt ſtandesmäßige Kleidung und Geld, und die Matroſen machten lange Geſichter, als ihr junger Colleg aufs Schiff kam als Supercargo; aber ſie meinten: Der Kaufmann ſei kein Eſel, und habe den rechten Mann gewählt und gefunden. Das bewies ſich bald als richtig; denn das Schiff ſegelte ab, landete in
Marokko, und der Ruyter legte auf der Meſſe ſeine Waaren aus, die in lauter feinem, wollenem Tuche be⸗
ſtanden.
1 Marokko herrſchte damals als unbeſchränkter Gebieter ein Bey oder Fürſt, der nach türkiſcher Meinung ohne Recht und Gericht Herr über Leib und Leben, Gut und Blut aller Unterthanen war, und auch aller derer, die des Handels wegen ins Land kamen. Alles mußte nach ſeiner Pfeife tanzen, und ſagte er: Macht den Hans oder Kunz eines Kopfes kürzer, ſo war gleich Einer bei ihm, der ſich meiſterlich auf dieß Geſchäft verſtand, und Federleſens wurde nicht lange gemacht. Eigentlich ſaß keinem Manne der Kopf zwiſchen den Schultern ſon⸗ derlich feſt. Der Bey, der damals regierte, war gerecht in ſeiner Art, aber ein Erzhalsabſchneider. 0
Kommt einmal eines ſchönen Morgens der Bey ſelber mit einer langen Reihe ſeiner Hofleute hinter ſich daherſpaziert, und bleibt vor des Ruyter's Stand ſtehen,
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