Ausgabe 
13.2.1850
 
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Februar.

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Nuar.

18

I

8

Intelligenz-Vlatt

fuͤr die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen,

den Regierungsbezirk Friedberg

im Beſonderen.

M 13.

Mittwoch den 13. Februar

1850.

Amtlicher Theil.

Bekanntmachung.

Es wird zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß wegen der Feiertage der Israeliten der Ulrichſteiner Oſter markt den 8. und 9. April l. J. abgehalten werden ſoll.

Friedberg den 5. Februar 1850.

Großh. Heſſ. Regierungs-Commiſſion des Regierungsbezirks Friedberg ir ie v.

Bekanntmachung.

Der Gemeinde Hitzkirchen iſt höchſten Orts geſtattet worden, Vieh- und Krämermärkte halten zu dürfen und ſollen dieſelben in 1850 am 25. März, 6. Mai und 14. Oktober abgehalten werden, was hiermit zur öffeutlichen Kenntniß gebracht wird.

Nidda am 26. Januar 1850.

Großh. Heſſ. Regierungs-Commiſſion des Regierungsbezirks Nidda 8 F e

Ein Ingendvergehen. (Schluß.)

Seit einigen Tagen hatte Rouſſeau die Alte bei ſeinen Spaziergängen in der Allee nicht mehr vor ihrer Hütte wahrgenommen, wiewohl er mehrere Male bei'm herrlichſten ſonnigen Wetter bei derſelben vorübergekommen war. Kein Zweifel, der Alten mußte etwas zugeſtoßen, ſie mußte erkrankt ſein. Rouſſeau erkundigte ſich das nächſte Mal, wo ihn ſein Weg wieder bei der ihm lieb gewordenen Hütte vorüberfuͤhrte, nach Louiſon, ſo wurde die Blinde in Montmorency genannt, und es fand ſich, wie er geahnt, ſie war krank, ſie war bettlägerig geworden. Rouſſeau ließ ſich zu ihr fuͤhren. Er fand ſie in einem Zuſtande, der offenbar zeigte, daß ihr Ende nicht mehr fern ſei. Der Dichter, von tiefem Mitleiden ergriffen, fragte ſie, nachdem er ſich nach ihrem Befinden erkundigt, ob er ihr vielleicht in irgend etwas behüflich ſein könne.

Schwerlich, antwortete die Blinde mit ſchwacher Stimme,auf dieſer Welt habe ich nichts mehr zu hoffen und zu fürchten, und in jener Welt hoffe ich einen gnä

digen Richter zu finden. Wenn ich mir Fehler in meinem Leben zu Schulden kommen ließ, ach! ſo kann ich es wohl behaupten, daß nur die bitterſte Noth mich zwang, ſie zu begehen. Ja, wäre nicht ein Menſch geweſen, der in ſeinem Leichtſinn oder in ſeiner Niederträchtigkeit ich will nicht entſcheiden, oder der eine oder die andere ihn lockte mein ganzes Glück unwiderruflich vernichtete, ſo ſtürbe ich wohl nicht hier, fern von meinem Vaterlande, als Bettlerin.

Sie ſchwieg einen Augenblick und ſchien über etwas nachzuſinnen. Dann fuhr ſie fort:Man hat mir geſagt, daß Ihr ein berühmter Gelehrter ſeid, Herr Rouſſeau. Es iſt daher wahrſcheinlich, daß Ihr wohl auch außer Frankreich Verbindungen haben mögt. Gern möchte ich, daß meine Verwandten, wenn ſie noch lebten, erführen, wo ich geendet; ich möchte ihnen noch einmal die Ver ſicherung zukommen laſſen, daß ich unſchuldig war an jenem Vergehen, deſſen man mich bezüchtigte, und das ſie bewog, ſich von mir loszuſagen und mich meinem Schick ſal zu überlaſſen. Auch ihn, wenn er noch lebt, möchte ich daſſelbe wiſſen laſſen, ihn, deſſen Bild noch immer in dieſem Herzen lebt, der mich ſo treu, ſo innig zu lieben ſchien, an deſſen Seite mir das Leben ein Paradies ge worden wäre, wenn nicht auch er ſich hätte verleiten laͤſſen, den Stein auf mich zu werfen und mich einer That für fähig zu halten, die er einem Weſen nicht hätte zu trauen ſollen, in deſſen tiefſte Seele er ſo mauchen Blick gethan.

Allerdings, gute Louiſe, bin ich im Stande, Euren Wunſch zu erfüllen, wenn Ihr mir nur ſagt, wo Euer a iſt, damit ich dorthin Eure Aufträge beſorgen ann.

Meine Vaterſtadt iſt Turin,, verſetzte die Blinde.

Turin! rief Rouſſeau aus und eine Leichenbläſſe bedeckte auf einmal ſein Geſicht.

Ich wurde in Turin geboren und erzogen, hob die Blinde von Neuem an.Mein wahrer Name iſt Marion N.

Marion N.! rief Rouſſeau,gerechter Gott! Und dientet Ihr nicht im Hauſe des Grafen Vercelli?

So iſt es,, antwortete die Blinde,aber woher kommt Euch,, fragte ſie verwundert,dieſe Kunde?

Ich befand mich, als Ihr das Haus des Grafen bei'm Tode ſeiner Mutter verlaſſen mußtet, in Turin. Eure Geſchichte machte großes Aufſehen in der Stadt, man bemitleidete Euch, man traute Euch den Diebſtahl, der