Wolkendünſte auf den Berges gipfeln ſtiegen wie eine aus⸗ einandergeſcheuchte Heerde einzeln in das Thal zurück. Plötzlich zeichnete ſich, inmitten dieſer ſchweigenden Phantasmagorie, über einem Felshorne, wo kaum jemals eine wilde Ziege Fuß zu faſſen gewagt, auf der Klarheit des Himmels eine Silhouette ab, die einem Menſchen glich. Auf welchem Pfade mußte dieſer Mann dorthin gelangt ſein? Niemand konnte es ſagen. Und dann, mit welcher Sicherheit ging er an's Herabſteigen, wie ver⸗ rieth er bei jedem Tritte, daß die wildeſten Wege ihm vollſtändig bekannt ſein mußten. Sein Gewehr über der Schulter, ſprang er von Fels zu Fels, von Wurzel zu Wurzel mit einer Leichtigkeit und genauen Berechnung, welche faſt übernatürlich ſchien. Das leiſe Pfeifen, wel⸗ ches in einer luſtigen Melodie durch die Zähne dieſes kühnen Kletterers drang, zeigte noch außerdem, wie ſehr er die Gefahren verachtete, welche ſich unter ſeinen Schrit— ten unaufhörlich erneuerten. Er war ein Mann, ſchon über die erſte Jugend hinaus, von mittlerer Größe, aber breit von Schultern. Sein gebräuntes Geſicht war von einem ſtarken Barte und dichten ſchwarzen Augenbraunen beſchattet. Von ſeinem Kopfe, den eine hohe Mütze be— deckte, floß ihm auf Stirn und Nacken ein reiches Haar herab. Das Einzige, was ſich von dieſem düſtern Antlitz in der Ferne genau unterſcheiden ließ, waren ſeine Augen. Die Wildheit, der Hohn und der Stolz in denſelben gaben
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ihnen einen unbeſchreiblich unheimlichen Ausdruck. Schil⸗ lernd, von bräunlichem Orange, funkelten ihre Sterne in der Finſterniß, wie die der Eule. Dieſe neue Perſönlich⸗ keit war eben im Begriffe, den letzten Sprung zu thun, der in das Thal herabführte, als ſie plötzlich ſtillſtand, einen Satz nach rückwärts machte und mit ſcharfem Blicke nach dem Feinde herabſpähte, den ihr Inſtinkt ihr ahnen ließ.
Der Mond, der in dieſem Augenblicke das Laubdach der Bäume durchbrach, warf einen ſeiner Strahlen unter die große Buche, der Lauf des auf dem Boden liegenden Gewehrs warf das Licht zurück, und— der Bär wußte, wo der Jäger war. Ein höhniſches Lächeln flog über die
Züge des Bergbewohners droben. Schnell wie der Blitz,
leiſe wie der Schatten, in zwei Sätzen ſtand er neben dem Schläfer.
Jetzt begann ein ſonderbares Schauſpiel, unerhört, ſeltſam, keinem anderen vergleichbar. Ein Knie auf dem Boden, die Mündung ſeines Gewehrs hart an den Schlä⸗ fen ſeines Gegners, den Zeigefinger am Drücker, blieb der Mann unbeweglich in dieſer Stellung. Fünf Stunden vergingen auf dieſe Weiſe;— keine Regung, keine Be⸗ wegung, kein Zucken der Muskeln; die ſchweigſamſte unter den tauſend ſchweigſamen Geſtalten der Nacht, erwartete der Räuber das Erwachen ſeines ſchlummernden Opfers.
(Fortſetzung folgt.)
Bekanntmachungen von Be⸗ hörden.
rr Edicetalladung. (623) Ueber das Vermögen des Sattlers und Tapeziers Georg Wilhelm Klein zu Friedberg iſt der Concurs erkannt worden. Anſprüche feder Art, auch wenn ſie bereits früher angemeldet worden, ſind deshalb im Termin Mittwoch den 26. Juni,
Vormittags 8 Uhr, 8 bei Vermeidung des ohne beſonderes Präcluſio⸗ decret erfolgenden Ausſchluſſes von der Maſſe, dahier anzuzeigen und zu begründen.
In dem Termin ſoll zugleich ein Arrangement verſucht und im Entſtehungsfalle über die Wahl tines Curators und die Verwaltung der Maſſe verhandelt werden. Gläubiger, welche nicht in Selbſtperſon erſcheinen, haben ihre Vertreter mit Spezialvollmachten zu verſehen, gegenfalls ſie in dieſen Beziehungen als den Beſchlüſſen der Mehrheit der erſcheinenden Gläubiger bei⸗ tretend werden angeſehen werden
Friedberg den 10. April 1850.
Großb. Heſſ. Landgericht daf. de
Dr. Ir le.
Bekanntmachung,
Holzverſſeigenkung im Domanialwald Burg⸗ wald, Reviers Oberrosbach betreffend.
(682) Freitag den 10. Mai d. J., wer⸗ den in verſchiedenen Schlägen des oben ge⸗ nannten Waldes an die Meiſtbietenden öffentlich verſteigert:
„ Stecken birken Prügelholz, 1663 Wellen buchen, 0 3184„ birken und eichen, Re iſerholz, 6700„ aspen und nadel 1
2 Wagen voll Allerleiholz, 25 Stück kiefern Bohnengerten.
Die Zuſammenkunft iſt Morgens 7¼ Uhr auf der Haſſeleckerſtraße am Wald der Burg⸗ Vorſtadt Friedberg.
Oberrosbach den 29. April 1850.
Der Gr. Revierförſter des Reviers Oberrosbach Bingmann.
1 en.
(683) liegen in der Bauernheimer Kirchen⸗ kaſſe zum Ausleihen bereit. Oſſenheim den 1. Mai 1850. Pfr. Buchhold.
Guts ⸗ Verpachtung. (6841) Das in der Gemarkung Enzheim ge⸗ legene 74 Morgen, 75 Ruthen haltende Gräf. Gorziſche Gut ſoll
Dienſtag den 21. Mai d. J., Vormittags 11
Uhr, in der Bürgermeiſterei zu Enzheim auf weitere 9 Jahre an einen Pächter, mittelſt öffentlichen Ausgebots durch den Unterzeichneten verliehen werden.
Pachtliebhaber werden hierzu mit dem An⸗ fügen eingeladen, daß die Steigerer auf Ver⸗ langen ſich über ihre Zahlungsfähigkeit aus⸗ zuweiſen haben.
Ortenberg den 26. April 1850.
Roth, Stadtrechner.
Gras ⸗Verſteigerung. (675) Freitag den 10. Mai, Nachmittags um 4 Uhr, werden an Ort und Stelle die Be⸗ graſungen von der Kunſtwieſe in der Burgge⸗ markung, beſtehend in ſieben Abtheilungen, für das laufende Jahr meiſtbietend verpachtet. Friedberg am 2. Mai 1850. Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Bender.
Edietalladung. (698) Nicolaus Winterling, ein Sohn des
Johann Georg Winterling zu Obererlenbach,
am 4. Januar 1779 geboren, iſt ſeit beinahe 50 Jahren abweſend und ſein Aufenthaltsort unbekannt. Derſelbe oder ſeine etwaige Leibes erben, oder ſonſtige Erbprätendenten werden hiermit aufgefordert, ſein bisher euratoriſch ver⸗ waltetes Vermögen im ungefähren Betrage von
250 fl., nach vorheriger Legitimation, binnen
drei Monaten dahier in Empfang zu nehmen, gegenfalls er für verſchollen erklärt und das Vermögen ſeinen bereits legitimirten Seitenver⸗ wandten ausgeantwortet werden wird. Großkarben am 1. Mai 1850.
Großh. Heſſ. Landgericht Jdget. 8
Edictalla dung.
(699) Gegen Ludwig Weber von Traishorloff iſt von Großh. Hofgerichte zu Gießen der Con⸗ cursprozeß erkannt worden und es werden daher alle Diejenigen, welche Forderungen oder ſonſtige Anſprüche an denſelben bilden zu können glan⸗ ben, aufgefordert, ſolche ſogewiß im Termin den 4. Juli, Vormittags 9 Uhr, dahier anzuzeigen, widrigenfalls Ausſchluß von der Maſſe erfolgt. 5 Hungen den 1. Mai 1850. Großh. Heſſ. Landgericht Hofmann. Brück.
Edictalladung.
(100 Die Hofraithe der Georg Heinrich Müllers Wittwe zu Birklar/ ,, welche im Grundbuche auf den Namen„Konrad Müller 1. eingetragen iſt, iſt zwangsweiſe verſteigert wor⸗ den. Da das Eigenthum der Georg Heinrich Müllers Wittwe an derſelben urkundlich nicht nachgewieſen werden kann, ſo werden alle Die⸗ jenigen, welche dingliche oder ſonſtige Anſprüche an die bezeichnete Hofraithe bilden können, auf⸗ gefordert, ſolche ſogewiß binnen 4 Wochen, von heute an, dahier geltend zu machen, widrigen⸗ falls das Eigenthum als nachgewieſen angenom⸗ men und der Kaufbrief beſtätigt werden wird. Hungen den 27. April 1850. Großh. Heſſ. Landgericht Hofmann. Brück.
Verpachtung fiskaliſcher Grundſtücke zu Friedberg.
(701) Die nachgenannten fiskaliſchen Güter⸗ ſtücke werden mit Ablauf dieſes Jahrs leihfällig und darum in den unten angegebenen Terminen in dem Gaſthauſe zum Maulbeerbaum dahier, anderweit auf 6 Jahre, von Anfang 1851 an, ſtückweiſe, öffentlich verpachtet, und zwar:
1) Mittwoch den 22. dieſes Monats, von Vor⸗ mittags 11 Uhr an: Die Grundſtücke in den Fauerbacher, Ockſtädter und Straß⸗ heimer Gemarkungen;
120 Sie e 24., von Nachmittags 2 Uhr an: Di
0 e Grundſtücke in der Stadt Fried⸗ berger Gemarkung;(ehemalige Mainzer⸗ domkapiteliſche und Deutſchordensgüter);
2) Dienſtag den 28., ebenfalls von 2 Uhr
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