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Aitdderg gebt ed 1850. Strauß,
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enz-Vlatt
fuͤr die
Provinz Oberheſſen
im Allgemeinen, den Regierungsbezirk Friedberg
im Beſonderen. a
Sonnabend den 6. Juli
1850.
Die beiden Vebenbuhler. Von J. A. Fröhlich. (Schluß.)
Fur Pierre's erregte Einbildungskraft gab es aber hinfort nur Einen Lebenszweck— den, Roſettens Bild zu ſchaffen. Im furchtbaren Wettkampfe des Genie's, unter dem gewaltigen Sporn der Liebe und des Ehrgeizes, war ſein ſtarker Geiſt ganz verrannt in die einzige Richtung: die Erfindung von Maſchinen, und der bewältigende Kum⸗ mer ſeines Herzens hatte ihn in dieſer Richtung noch be⸗ ſtärkt. Tag um Tag arbeitete er in ſeiner einſamen Dach⸗ kammer ſo emſig an dem Bilde, bis er es faſt ebenſo ſehr liebte als er das Mädchen ſelbſt geliebt. Antoine Breguet verſah ihn gerne mit den nöthigen Materialien, denn auch für ihn hatte Pierre's Treiben in ſeiner doppelten Eigen⸗ ſchaft als Mechaniker und als Verwandter Roſettens großes Intereſſe.— So war beinahe ein Jahr vergangen, als eines Tages die Schaffnerin, welche in das Geheimniß eingeweiht worden war, zu dem Alten kam und von ihm Roſettens Haar und Alltagskleidung verlangte. Der Alte gab ihr die Schlüſſel und wiſchte, ſich abwendend, die her⸗ vorbrechenden Thränen hinweg. Etliche Tage ſpäter lud ihn Pierre ein, ſein fertiges Werkzeug zu betrachten. „Kommt aber nicht ſo plötzlich!“ ſagte erz„bereitet Euch auf eine Ueberraſchung vor, denn das Bild iſt unſerer Verlorenen ſehr ähnlich!“
„Nein, ich gehe ſogleich! komm'!“ rief der Alte be⸗ gierig.„Bin ich nicht von jeher gewöhnt, alle möglichen Automaten und Androiden zu ſehen? Hab' ich nicht ſelbſt einen Flötenbläſer angefertigt, der zum Erſtaunen aller Zuhörer ſechszehn Muſikſtücke ſpielte? Glaubſt Du denn, ich laſſe mich durch ein Bildniß erſchrecken?“
„Nicht erſchrecken, Vater!“ verſetzte Pierre.„Ich fürchtete mehr, die Rührung möchte Sie allzu ſehr an— greifen!“ Dann führte er ihn in das Zimmer und fragte: „Soll ich nun den Schleier zurückziehen? Könnt Ihr es ertragen, lieber Vater?“
„Allerdings!“ verſetzte der Greis ruhig; allein als der Vorhang zurückgezogen ward, bebte er zurück und rief: „Heilige Mutter Gottes! das iſt Roſette ſelbſt! ſie iſt nicht todt!“ Er taumelte vorwärts und küßte die kalten Lippen und Hände, und bethaute das ceiche braune Haar der Geſtalt mit Thränen, als er ausrief:„Mein Kind! meine ſüße Roſette!“ Als der Sturm ſeiner Gefühle ſich
einigermaßen gelegt, küßte der tiefgerührte Großvater Pierre's Hände und rief:„Es liegt eine wunderbare Aehnlichkeit in jedem Zug und jedem Färbchen! Mir iſt als ſollte ſie athmen und ſich bewegen!“
„Sie ſoll ſich auch bewegen und athmen,— laßt mir nur Zeit!“ rief Pierre, und ſeine Stimme klang ſo wild, ſeine großen tiefliegenden Augen glühten von ſolch heftigem Enthuſiasmus, daß ſein alter Freund darob er⸗ ſchrack. Sie drückten einander die Hand, und ſprachen ruhiger von der Verſtorbenen.„Dies iſt Alles, was uns von ihr geblieben iſt, Pierre le ſagte der Greis.„Wir ſtehen nun allein in der Welt; Du warſt ein elternloſer Waiſe, als ich Dich in mein Haus aufnahm, und ich bin kinderlos!“
„Und ich war es, mein theurer Wohlthäter, der Euch Eure Kinder raubte!“ rief der junge Mann wild;— „ha, was für ein Scheuſal bin ich!“——
Von dieſem Tage an arbeitete Pierre noch eifriger als zuvor, ja er vergaß oft Speiſe zu ſich zu nehmen, ſo ſehr war er in die Vervollkommnung ſeiner Maſchine ver— tieft. Zuerſt bewegten ſich die Arme der Figur nach ſei— nem Willen, dann drehten ſich die Augen und die Lippen öffneten ſich. Inzwiſchen wurde ſein eigenes Geſicht aber immer bläſſer und dünner, und aus ſeinen Augen glühte ein noch wilderes Feuer.
Endlich ward es im Dorfe ruchbar, daß Pierre Berthoud ſich in Antoine Breguet's Landhäuschen verſteckt, und die Häſcher kamen, um ihn zu verhaften. Allein der arme Greis erzählte den Hergang ſo gefühlvoll, ſchilderte des Verbrechers Seelenſchmerz und reuevollen Kummer ſo rührend und bat ſo ernſtlich, man möge ihm doch erlauben, das wunderbare Bild ſeiner Enkelin zu vollenden, daß man ihm verſprach, den Künſtler nicht zu ſtören, bis er das Bild vollendet.
Zwei Jahre nach dem Tage ſeiner Ruͤckkehr in Breguet's Haus, ſagte Pierre zu dem alten Uhrmacher: „Nun habe ich Alles gethan, Vater, was die Kunſt zu leiſten vermag. Kommt und ſeht nun die Schöne!“ Er führte ihn in das kleine Stübchen, worin Roſette einſt zu arbeiten gepflegt. Da ſaß ſie und ſpann eifrig; ihr Buſen hob und ſenkte ſich regelmäßig unter dem enganſchließenden Mieder; ihre Lippen öffneten ſich und ihr Auge folgte der Richtung des Fadens. Was der Geſtalt aber noch mehr Lebensähnlichkeit gab, war, daß das Spiunrädchen zuweilen ſtehen blieb und das Mädchen geſenkten Blickes — wie in Gedanken verloren— den Faden in halber⸗


