Ausgabe 
6.2.1850
 
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mancherlei Strapazen, die ich letzthin erduldet und muß gleich, nachdem ich Anker geworfen habe, ſchon wieder einen Sturm beſtehen. Aber, guter Gott, da fällt mir ein, daß ich hier vor Euerm Hauſe beigedreht habe und unbekümmert mit backen Segeln liegen bleibe, während draußen.... Nun, die edelmögenden Mynheers von Hel⸗ voetſluis werden nicht beſonders auf mich zu ſprechen ſein und es wird Mühe koſten, ſie wieder zu beſänftigen. Will's aber doch verſuchen.

Der Admiral trat vor die Hausthür und kaum ge wahrte ihn das Volk wieder, als es ihn mit lautem Ju⸗ belrufe begrüßte. Michael de Ruiter ſchwenkte dankend ſeinen Hut und wandte ſich dann an diejenigen Mynheers, die ſein Geleit bildeten und vor Ungeduld braunroth im Geſicht waren:Ihr ſeyd mit Recht boͤſe auf mich, werthe Herren! Bitte Euch, mir eine Buße für mein Zögern auf⸗ zuerlegen, und ich will ſie tragen, wie hart ſie immer ſey. Damit Ihr aber wißt, was mich bewegen konnte, Euch ſo lange warten zu laſſen, ſo vernehmt, daß ich hier un⸗ vermuthet einen alten Freund gefunden habe, der Schuld daran iſt, daß ich hier als Sieger vor Euch ſtehe, denn er hat mir vor Jahren das Leben gerettet.

Der brave Mann ſoll leben! ſchrie es in der Menge.

Das ſoll er. Und für eine ſolche That war es doch wohl das Wenigſte, daß ich ihm bei unſerm Wieder ſehen dafür dankte, was nun freilich etwas lange gedauert hat. Hört, Ihr Herren von Helvoetſluis, dieſer Schenk⸗ wirth Geert van Prinz iſt ein Ehrenmann und Ihr keunt ſtolz auf ihn als Bürger ſeyn. Ihr habt mich freundlich in Eurer Stadt empfangen, und ich erkenne es von Her⸗ zen, wie ich ſoll. Wollt Ihr mich aber zum doppelten Danke verpflichten, ſo kommt einen Augenblick mit mix herein und laßt mich Euch mit dem Manne bekannt ma⸗ chen, der Schuld daran iſt, daß ich für den Ruhm und die Ehre der Niederlande noch das Steuer und den Degen führen kann.

Damit winkte der Admiral den Bürgern und kehrte in die Schenke zurück. Die ſtolzen Mynheers ſahen ein ander mit bedenklichem Kopfſchütteln an und waren un⸗ ſchlüſſig, was ſie thun ſollten. Endlich folgte Einer von ihnen, dann ein Zweiter, ein Dritter und ſo fort. Das Volk drängte nach und in wenigen Minuten war die Schenk⸗ ſtube, die anſtoßende Kammer und der Hausflur ſo ſehr mit Menſchen angefüllt, als bis zu jenem Tage in der ganzen Stadt noch nie eine Schenke geweſen war.

Nun, Geert vau Printz, da bringe ich Dir eine ſehr anſehnliche Geſellſchaft, wie Du auch noch keine beſſere in Deinem Hauſe geſehen haſt! rief gut gelaunt der Ad⸗ miral.Rappele Dich auf mit Deinem Stelzfuße und heiße die Mynheers willkommen; heiße ſie niederſitzen und ſiehe zu, womit Du ihnen zu Willen ſein kannſt. Mir aber, Jungfrau Geſina, bringt noch ein Glas Wein von dem vorigen, damit ich den Mynheers, die alle durſtig ſind, Beſcheid thun kann.

Geert van Printz war von ſeinem Sitze gekommen, er wußte nicht wie. Er ging im wachen Traume umher, grüßte nach allen Seiten und bat ſtotternd um Entſchul⸗ digung, daß er nicht zum Empfange ſo vieler werthen Gaſte eingerichtet ſei. Geſina aber brachte den beſtellten Wein und Michael de Ruiter bezahlte dafür den üblichen Preis, keinen Pfennig drüber. Geſina ſtrich das Geld ein, in tiefer Bewegung und mit Thränen in den Augen. Als die Uebrigen ſahen, wie es der Admiral gemacht hatte, begriffen ſie leicht, worauf es abgeſehen war und machten

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es ihm nach. Geſina ſammt dem Vater hatten vollauf zu thun und es dauerte nicht gar lange, bis die geringen Vorräthe, die in der Schenke vorhanden waren, ihr Ende erreichten.

Das merkte der Admiral gar bald nnd lachend rief er aus:Ei, ei, Geert van Printz! Was iſt das? Ich komme auf den Gedanken, daß Du leicht ein beſſerer Ma⸗ troſe als Schenkwirth biſt, denn ſonſt wärſt Du nicht mit dem Wein und Genever am Rande, ehe noch die Hälfte Deiner Gäſte befriedigt iſt. Hoffe, daß Du Dich ins künf⸗ tige beſſer vorſehen wirſt, damit Niemand einen Grund findet, ſich über Deine Saumſeligkeit zu beklagen. Ich mag gerne zufriedene Geſichter um mich ſehen und habe im Sinn, ſo lang ich mich in Helvoetſluis aufhalte, alle Morgen zu Dir daher zu kommen, mein alter Backsmaat, und mit Dir und andern guten Leuten ein Wörtchen zu plaudern. Verſteht Ihr, Mynheers? Ich habe beſchloſſen, meinen Morgentrunk bei meinem alten Schiffsmaat Geert van Printz einzunehmen, und es ſoll mich freuen, wenn ich hier recht viele gute Freunde und Bekannte finde, mit denen ich plaudern kann.

Dieſe Worte des wackern Seehelden wurden mit lautem Jubel aufgenommen, denn allmänniglich verſtand den Sinn derſelben gar wohl und ein Bürger rief:Wird uns eine Ehre ſein, mit dem Herrn Admiral von Zeit zu Zeit unſer Schlückchen zu trinken. Aber dann muß die Sache auch ein Anſehen haben und das Haus hier muß den Namendie Admiral-Schenke fuhren.

Mag ſie ſo heißen! rief der Admiral.Muß ich gleich befürchten, die Bürger von Helvoetſluis werden in künftigen Zeiten ſagen, der Michael de Ruiter müſſe ein arger Zechbruder geweſen ſein, weil man die Schenkhäu ſer eigens nach ihm getauft habe. Nun aber habt einen guten Morgen mitſammen, denn es wird die höchſte Zeit, daß wir unſern Weg weiter fortſetzen.

Freundlich grüßend entfernte ſich der Admiral und die ehrſamen Mynheers folgten ihm nach, während An dere zurückblieben und dem Wirthe ſammt deſſen Tochter verſicherten, es habe ihnen ausnehmend wohlgefallen und ſie würden gewiß wieder bei ihm einkehren, darum möge er auf guten Genever und Tabak bedacht ſein.

Als aber ſpäter am Tage der letzte Gaſt verſchwun den war, warf ſich Geſina in die Arme des Vaters und ſagte mit überſtrömenden Augen:Welch' ein Mann! Nun iſt Dir geholfen, Vater, ohne daß Du Deine Hand nach einem Allmoſen ausſtrecken durfteſt. Er hat Dein Haus zu Anſehen gebracht und Du kannſt Deine letzten Tage in Ruhe verleben. Ich aber, Vater, will Dir jetzt eine Wirthſchaft herrichten, daß Du Deine Freude daran haben ſollſt. Die Admiral-Schenke ſoll nicht mit Schanden be ſtehen und die hochmüthigen Mynheers, die uns ſonſt kaum über die Achſeln anſahen, ſollen es ſich zur Ehre anrech nen, hier zu verkehren.

Das freudig aufgeregte Mägdlein drückte den Vater herzinnig an ihre Bruſt und eilte fort, ihr Wort wahr zu machen. Der alte Geert van Printz aber faltete die Hände und ſagte ſtill vor ſich hin:Er iſt mir geweſen wie ein Heiland! Segen ſey über ihn!

(Heinr. Schmidt.)