Ausgabe 
4.9.1850
 
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tigkeit mit ſeiner Frau und einer kleinen Tochter Exeter verlaſſen habe; aber wohin er gegangen, wußte Niemand. Malone's Eltern waren bald nach der Entfernung ihres einzigen Kindes geſtorben; auch Dormer war kürzlich ge⸗ ſtorben und hatte in einer letzten Stunde der Reue ſein

anzes Vermögen ſeiner Tochter und ihren Kindern ver⸗ 3 Die Teſtaments-Vollſtrecker Malone's des Vaters

macht. 5 e den mir ohne Schwierigkeit, deſſen Papiere zu unter⸗ ſuchen, und ich fand unter dieſen einen Brief, worin Wil⸗ liam Malone ſeine Eltern benachrichtigte, daß er den fol⸗ genden Tag von Greenock nach NewYork abſegeln werde es war gerade der Tag, an welchem ich Europa ver⸗ laſſen hatte. a 11

Dieß Alles gab mir hinlängliche Ueberzeugung in Be⸗ zug auf Katharinen's Herkunft; auch waren viele Leute, die William Malone gekannt hatten, erſtaunt über ihre Aehnlichkeit mit demſelben. Aber es war ein geſetzlicher Beweis erforderlich, und nichts Anderes konnte ausreichen, da mehrere entfernte Verwandte da waren, die ihre An⸗ ſprüche auf die Erbſchaft bis zum Aeußerſten geltend machen wollten.

Schon verzweifelte ich an einem guͤnſtigen Erfolg, da erfuhr ich, daß ein alter treuer Diener, John Cradock, William Malone's Familie, als ſie Exeter verließen, be⸗ gleitet habe, aber nie zurückgekehrt ſei. Sogleich begab ich mich nach Greenock, um ihn wo möglich aufzufinden. Dort erhielt ich die Kunde, daß ein John Cradock Diener in einem der erſten Hotels geweſen, aber vor einigen Jahren nach Amerika gegangen und daß er, ein alter und ſchwacher Mann, wahrſcheinlich geſtorben ſei; es wurde hinzugefügt, daß Cradock in größter Armuth in New⸗Jork gelebt habe. Ein geſchickter Rechtsgelehrter, deſſen Hülfe ich in Anſpruch nahm, ſagte mir, daß er zwar Hoffnung habe, meiner Frau zu ihrem Rechte zu verhelfen, rieth mir aber, vor Einleitung eines Proceſſes, wenn irgend möglich, den John Cradock ausfindig zu machen, weil dieſer wahrſcheinlich der Einzige wäre, der erweiſen könne, daß Campbell nur ein angenommener Name geweſen.

Ich that demgemäß Alles, was ich vermochte fur dieſen Zweck. Ungefähr zwei Monate waren verfloſſen, ſeit ich nach Amerika geſchrieben hatte, als eines Morgens ein mir wohl bekannter alter Bettler von New-Nork in mein Zimmer trat. Ich fragte ihn, welches wunderbare Schickſal ihn nach Europa gebracht.Ich habe einen Brief von Ihrem Aſſocié, ſagte er,der Ihnen Alles aufklären wird. John Cradock ſogleich in New-Nork aufgefunden ſei, daß er gleich bei ſeiner Ankunft daſelbſt von der Gicht befallen, von Almoſen gelebt, daß er New-Nork ſeitdem nie ver⸗ laſſen, jetzt aber gern darein gewilligt habe, für ein kleines Geſchenk in ſein Vaterland zurückzukehren.

Als ich den alten Mann fragte, ob er William Camp⸗ bell gekannt, brach er in Thränen aus.Ob ich ihn ge⸗ kannt habe! rief er aus.Was wißt Ihr von ihm?

Ich bat ihn nun frei und offen zu ſprechen, da meine Nachforſchungen nicht aus müßiger Neugier hervorgingen.

Ja,, ſagte der Alte,ich ſah ihn an Bord, als er ſein Vaterland verließ und empfing von ihm ein Andenken, das ich ſeither immer bei mir getragen habe: er drang in mich, ſeine Uhr von ihm anzunehmen, aber ich würde eher geſtorben ſein, als daß ihn des einzigen werthvollen Stückes, das er noch beſaß, beraubt hatte. Nun zog Cradock eine kleine Doſe hervor und nahm aus derſelben ein Miniaturgemälde auf Elfenbein, in welchem ich ſogleich die Züge von Katharinen's Vater erkannte.

Und war Campbell ſein wirklicher Name? fragte ich.

Dieſer Brief enthielt die Auskunft, daß

8Das thut nichts zur Sache; antwortete der Alte mit Feſtigkeit,das Meer birgt ihn, und eben ſo ſicher

ſoll auch das Geheimniß, das ich zu bewahren verſprach, bei mir geborgen ſein.*

In dieſem Augenblick trat Katharina in's Zimmer, zog ſich aber, da ſie uns beſchäftigt ſah, ſogleich wieder zurück.Um Gottes Willen, rief der Alte aus,wer iſt die junge Dame? 5

Es iſt meine Frau, antwortete ich,und William

Campbell's Tochter.

Was! Litt er denn nicht Schiffbruch? Ich glaubte,

ſie wären Alle untergegangen!

8Nein, der Vater und die Mutter kamen um, aber ich rettete die Tochter, die Ihr eben geſehen habt. So lebt alſo doch noch Eine, die den Namen Ma⸗ lone trägt! rief er, die Aufregung entlockte ihm ſein Geheimniß. 8 Alſo waren William Campbell und William Ma⸗ lone dieſelbe Perſon? fragte ich. i Ja ſo war es, erwiderte er.Niedergedrückt durch Armuth, hoffte er in fremdem Lande ſeine Lage zu ver⸗ beſſern und vielleicht aus falſchem Stolz veränderte er ſeinen Namen, damit, wenn ihm das Glück nicht wieder lächeln ſollte, ſeine Erniedrigung den Verwandten und vor⸗ züglich ſeinem hartherzigen Schwiegervater nicht bekannt würde. Ich folgte ihm nach Greenock, und würde mit ihm gereiſt ſein, wenn er meine Begleitung nicht ſtandhaft verweigert hätte. Keiner außer ſeinen Eltern wußten um ſeinen Entſchluß, und auch dieſe ſelbſt kannten den Namen, den er annahm, nicht' f So war denn Alles klar und gewiß, und der Beweis, daß Katharina die Tochter Campbell's ſei, war leicht durch einige von meinen damaligen Reiſegefährten, die noch in New⸗York lebten, zu führen. Wirklich geſchah dieß mit ſolcher Beſtimmtheit, daß die Anverwandten jeden Anſpruch auf die ſehr beträchtliche Erbſchaft meiner Frau aufgaben. Ich werde mich ſobald als möglich von meinem Ge⸗ ſchäfte zurückziehen, aber doch nach Amerika zurückkehren, um dort lebenslänglich zu bleiben.

Der iriſche Pächter.

Ein kleiner Pächter im Süden von Irland, auf einer Beſitzung des Herzogs von Devonſhire, erhielt die Weiſung, ſein Gütchen, als die Pachtzeit zu Ende ging, zu verlaſſen. Da er und ſein Vater viele Jahre hindurch dieſe Pachtung inne gehabt hatten, und ihm des Herzogs gütiger Character bekannt war, ſo gerieth er über dieſe Aufkündigung in nicht geringe Beſtürzung. Mit Thränen im Auge ſtellte er dem Agenten des Herzogs vor, wie hart es ſei, ihn und ſeine Familie ohne allen Grund zu verſtoßen; allein die einzige Erwiderung, die er darauf erhielt, lautete, daß er bis zu dem beſtimmten Tage die Pachtung geräumt haben müſſe; dies ſei des Herzogs Wille und Befehl.Gut denn, Sir, ſagte der arme Pachter,aber ich hoffe, Sie werden mir nicht hinderlich ſein, bei einem andern Herrn eine Pachtung zu erlangen, und mir ein Zeugniß ausſtellen, daß ich ein ehrlicher, fleißiger und nüchterner Mann bin und nicht etwa von dem Gute vertrieben worden ſei, weil ich den Pacht⸗ ſchilling nicht rechtzeitig bezahle.Nur ein Schuft könnte Euch verweigern,, entgegnete der Agent,worauf Ihr ſo gerechten Anſpruch habt., Der Pachter empfing

mit Dank das Zeugniß, beurlaubte ſich auf einige Tage von ſeiner Familie, ſetzte ſich in Cork auf ein Dampfſchiff und ſtand bald in London vor dem Thore des Palaſtes des Herzogs von Devonſhire. Anfangs wollte ihn der Herzog nicht vorlaſſen; aber da ſich der Pachter durchaus nicht abweiſen