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derselben ihn die Augen heben ließ.— Dicht vor ihm, ein dunkles
Tuch um die Schultern geschlagen, stand Käthe, mit beiden Händen einen als Pfosten dienenden Baumstamm umklammernd. Freudiger
Schrecken, Scham und selige Verwirrung sprachen aus den Blicken,
womit sie ihm entgegenschaute— ach, so ganz anders, als dies ehemals der Fall gewesen war. Auch sie hatte ja keine Ruhe gefunden in dieser kurzen Nacht, die sie zum größten Theile schreibend verbracht; der Schlaf hatte ihren aufgeregten Sinnen nicht zu Hülfe kommen wollen, so war sie bei Anbruch des Tages aus dem Hause geschlüpft, um die übernächtigen Augen in der frischen Morgenluft zu kühlen. Ihr war zu Muthe gewesen, als ob sie von langer, gefahrvoller Reise zurückgekehrt sei in das Vaterhaus; ein so froh dankbares Heimathsgefühl erfüllte ihr
Herz, daß sie in wortlosem Gebete die Hände gefaltet hatte.
O, wie schön, wie traut war es hier! Von allen Seiten schienen ihre lieben Berge grüßend hinüber zu blicken, und dort, nur etliche hundert Schritt von ihr entfernt, erglänzte der stolze Strom, auf dem eben jetzt ein Dampfschiff majestätisch dahinzog in die Ferne.— Ach, auch sie war hinausgezogen in die Ferne, die dort von grauen Nebelschleiern umhüllt vor ihr lag.— Ein Frösteln überlief sie, und sie zog das Tuch fester um die runden Schultern.
O, nur nie, nie wieder in die Ferne hinaus; hier war Alles so traut, hier war Alles so schön— nur die Heimath allein ver— mochte ihr das Glück zu geben.—
Da plötzlich waren Schritte auf dem Gartenwege laut ge— worden, und nun stand Heinrich vor ihr, Heinrich, dessen Bild nicht einen Moment aus ihrer Seele gewichen war, seit sie in süßem Schrecken ihr eignes Herz erkannt.
Wie es dann gekommen, daß sie im nächsten Momente ein— ander in den Armen gelegen, das ist späterhin noch oftmals ein Gegenstand schelmischer Neckerei zwischen den Liebenden gewesen; bestimmt konnten Beide nicht erklären, wie es zugegangen; ver— muthlich aber nach der Weise des„halb zog sie ihn, halb sank er hin“— und gesehen wurden sie auch für die nächste Stunde nicht mehr, denn so schwer es ihnen auch gewesen war, das erste Wort zu finden, um so geläufiger floß später der Redestrom von beiden Seiten. Freilich fehlte es dabei nicht an Unterbrechungen, welche jedoch— um der Wahrheit die Ehre zu geben— stets von Heinrich ausgingen und von Käthen nur nach einigem Wider⸗ streben genehmigt wurden.
Während das junge Paar solchermaßen die schöne Morgen— stunde zu gegenseitiger Befriedigung ausnutzte, hatte Vater Steffens mit sehr verworrenem Kopfe und in einer Gemüthsverfassung, in welcher die Freude über die wiedergewonnene Tochter mit der Trauer um den verloren gegangenen Schwiegersohn stritt, sich von seinem Lager erhoben. Sein erster Gang an diesem Morgen galt natür— lich dem heimgekehrten Kinde; doch dieses hatte seine Kammer längst verlassen, und da sie auch im Hause nirgends zu finden war, so stiegen bereits allerlei unruhige, abenteuerliche Gedanken
in seinem Geiste auf. Nach dem gestrigen Streiche war dem eigen—
willigen Mädchen ja Alles zuzurrauen! Er hatte ihr gegenüber vollständig das Bewußtsein seiner Autorität verloren.
Doch— vielleicht war sie im Garten; ei freilich, das Pförtchen stand ja auch weit offen!— Etwas beruhigter betrat er den Weg, der nach der Laube führte, blieb aber sogleich wieder erschrocken stehen.— Helles Lachen klang zu ihm herüber und nun gar ein merkwürdig verdächtiger Ton— was war denn——
Doch die Insassen der Laube hatten nun auch den Nahenden bemerkt, und Hand in Hand eilte das junge Paar dem Vater entgegen, der für's Erste nicht wußte, ob er sich mit den Glück⸗ lichen freuen, oder ob er von Rechtswegen schmälen solle. Unter Käthens Liebkosungen entschied er sich indeß als zärtlicher Vater und verständiger Mann doch für das Erstere. Wenn Heinrich auch weder reich noch vornehm war, so war er doch wohlhabend genug, seiner Frau eine sorgenfreie, behagliche Existenz zu schaffen, und er selbst würde in dem jungen Gutsbesitzer einen Sohn hinzu⸗ gewinnen, wogegen er bei dem ersten Bündniß vielleicht seine einzige Tochter verloren hätte.
So legte er denn mit guter Fassung die Hände der Liebenden ineinander, und als die Drei ein wenig später an dem in Eile festlich hergerichteten Frühstückstische saßen, mußte Vater Steffens beim Anblicke von Käthens erröthendem, glückselig lächelndem
Antlitze jenes ersten Verlobungstages gedenken, wo sein Kind zwar unbefangen fröhlich, aber doch innerlich unberührt neben dem schwärmenden Verlobten gesessen— und da konnte er nicht umhin, sich aufrichtig zu freuen, daß Alles so gekommen und nicht anders. Von ganzem Herzen war er dem Schicksale dankbar da— für, daß seine Käthe noch rechtzeitig ein Einsehen gehabt; wie geschickt aber eine Frauenhand dazu geholfen, die Schicksalsfäden hurtig zum Knoten zu schürzen, davon ist weder ihm noch sonst einem der zunächst Betheiligten je eine Ahnung gekommen.
Nöschen's Ballabend. Von M. Lenz. (Schluß.)
Und nun war er seit mehreren Wochen wieder da, nachdem er drei volle Jahre weggeblieben. O, wie hatte ihr Herz ihm entgegengejubelt, als man sie eines Tages nach dem Salon be— schied, wo er der Tante und Kousine eben seinen Antrittsbesuch machte, und sie dabei zu sehen gewünscht hatte!
„Ich brauche Dir meinen weitgereisten Vetter nicht vorzustellen, Röschen,“ hatte Milla damals zu ihr gesagt;„ich glaube, ihr seid ja alte Bekannte von früher her!“
Da hatte er sich tief vor ihr verneigt.
„Aber mir, mir sollten Sie das Fräulein beinahe erst vor— stellen, liebe Kousine, denn es wird mir schwer, in dieser wunder— baren Umwandlung das kleine, schmächtige Mädchen von ehemals wieder zu erkennen,“ hatte er beinahe förmlich gesagt.— Und dann— ja, dann hatte Milla die Unterhaltung an sich gerissen, und Röschen war nicht mehr zu Worte gekommen. Sie war so sprachgewandt, so geistreich, diese glückliche Milla! Ach ja, diese glückliche, glückliche Milla!— 5
Ein derbes Klopfen an der Thüre schreckte das in Gedanken versunkene Mädchen plötzlich aus ihren Träumereien empor.
Sie fuhr sich mit der Hand über Stirn und Augen.„Bist Du's, Trine?“ fragte sie, immer noch halb abwesend.
„Ja, Fräulein Röschen,'s ist nur meine Wenigkeit; darf ich hereinkommen?“ Und ohne eine Antwort abzuwarten, schob sich die breite Gestalt der Köchin in's Zimmer.
„Ei du meine Güte!“ rief die gutmüthige Person, indem sie die Hände entsetzt zusammenschlug;„ei du meine Güte, was ist das wieder einmal für ein heilloses Durcheinander hier im„Putto— war“ unseres Fräuleins! Und das sollen Sie wohl Alles auf⸗ räumen und in Ordnung bringen, Fräulein Röschen?— Es ist doch eine rechte Schande, daß die Herrschaft Sie als Jungfer ge— braucht, statte Sie mit auf den Ball zu nehmen. Wenn das die selige Frau Mutter wüßte, im Grabe umdrehen thäte sie sich darob!“
„D'rum ist's gut, daß sie's nicht weiß; wir dürfen eben alle Beide nicht vergessen, Trine, daß ich zwar wohl eine nahe Ver⸗ wandte dieses Hauses bin, aber trotzdem das Gnadenbrod hier esse.“
„Das Gnadenbrod— himmlische Güte, das Gnadenbrod!— Nun spricht das Kind von Gnadenbrod und muß sich abhetzen von früh bis spät, in Haus und Küche, und obendrein geduldig all die üblen Launen der Frau Tante und alle Giftbisse der gnädigen Kousine über sich ergehen lassen!“
„Mußt Du das nicht auch, Trine?“
„Das ist etwas Anderes, ich bin eine dienende Person und habe eine Elephantenhaut, da gehen so leicht keine Pfeile durch; überdies habe ich mich freiwillig und ohne Noth in dies Fege— feuer hineingesetzt.“
„Du hast es mir zu lieb gethan, Du treue Seele Du.“
„Wie man's nimmt, Fräuleinchen, wie man's nimmt, mir zu lieb, oder Ihnen zu lieb; es ist immer ein Stück Selbstsucht mit im Spiel. Wie hätt' ich's aushalten sollen, fern von Ihnen, die ich schon von Kindesbeinen an gekannt und zum Fressen lieb gehabt habe. D'rum habe ich mich auch sofort in die vakante Stelle hier gemeldet, als Ihre herzliebe Mama todt war, und man Sie hierher zur Frau Tante brachte. Ich würd's keine sechs Wochen prästiren, prophezeite mir damals die abziehende Köchin, ich aber wußte es besser.“
„Du mußt es prästiren, Trine, und wenn sie Dir auch den
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