Ausgabe 
29.7.1888
 
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sein sollte. Wie ich von Ludwig höre, soll Herr von Schmielinski mehr Schulden haben, als Haare auf dem Kopf und ein bekannter Spieler sein.

Ludwig ist ein dummer Junge und lügt wie gedruckt. . will er denn das wissen?

Von seinen Freunden auf dem Gericht, welche die Akten gesehen haben; Wechselklagen, Proteste und Exekutionen gegen Herrn von Schmielinski. 99

Daraus macht er gar kein Geheimniß, daß er sich in augen blicklicher Geldverlegenheit befindet; das kann Jedem passiren. Sein Gut ist unter Brüdern zweimalhunderttausend Thaler werth.

Und doch will der Bankdirektor keine Hypothek darauf nehmen und ihm nicht einen Pfennig borgen.

Weil er ein Halsabschneider, ein Wucherer ist, Prozent und noch dazu eine hohe Provision verlangt,

der sechs weshalb

sich das Geschäft zerschlagen hat.

Auch mein Tischnachbar, der Konsul Sanftleben, hält das Gut für überschuldet und die Hypothek für unsicher, wie ich aus seinen Aeußerungen gegen den Bankdirektor entnehmen konnte.

Was versteht so ein Komptoirmensch von der Landwirthschaft und von Gütern! Das weiß ich besser, da ich die Berechnungen eingesehen habe und jeden einzelnen Posten kenne. Ich würde mich keinen Augenblick besinnen und das Geld ihm geben.

Um des Himmels Willen! rief die Stadträthin erschrocken, Du wirst doch nicht so wahnsinnig sein und Dein Geld einem so verrufenen Menschen anvertrauen.

Das geht Dich nichts an, versetzte die Amtsräthin roth vor Zorn.Ich stehe nicht unter Deiner Vormundschaft und bin keinem Menschen Rechenschaft schuldig. Auch muß ich mir ver bitten, daß Du in diesem Tone von einem Manne sprichst, der mein bester Freund, mein Verlobter ist.

Wie vom Schlage getroffen, starrte die Stadträthin die Schwester an, als ob sie ihren Ohren nicht traute und an dem Verstande derselben zweifeln müßte. Keines Wortes, keines Lautes mächtig, stand sie wie versteinert da, erdrückt von der furchtbaren Entdeckung, welche mit einem Mal ihr jede Hoffnung raubte und ihr geträumtes Glück unbarmherzig zerstörte.

Das also war der Lohn für all ihre Liebe, für die Opfer, die sie ihr gebracht, für die Rücksichten, die sie ihr erwiesen, für die Demüthigungen, die sie ruhig ertragen, für die Tyrannei, die sie geduldet.

Darum hatte sie auf jede Willensmeinung verzichtet, ihren ganzen Hausstand umgewandelt, ihren bisherigen Verkehr auf gegeben, mit ihren liebsten Freunden gebrochen, das Glück ihrer Kinder nicht geachtet, den Geliebten ihrer Tochter beleidigt und ohne allen Grund ihre alte treue Köchin entlassen, kurz sich jeder Laune gefügt und jeden Wunsch der Schwester wie einen Befehl erfüllt.

Eine solche Täuschung hatte sie nicht für möglich gehalten, einen solchen Verrath nicht erwartet. Nein! Das war noch nicht dagewesen, ein derartiges Betragen unerhört, empörend, abscheulich; ein unverzeihlicher Betrug, ärger als Diebstahl und Mord.

Dein Verlobter! fuhr sie wie aus einem bösen Traum er⸗ wachend auf.Ich glaube wirklich, daß Du toll geworden bist.

Beruhige Dich! Ich bin vollkommen bei Sinnen und weiß, was ich sage.

m so schlimmer! Du solltest Dich schämen. in Deinem Alter

Ich bin eben erst fünfundvierzig geworden.

Mit Agio! höhnte die erbitterte Stadträthin. gut gemessen.

Das ist nicht wahr; Du irrst Dich.

Mir kannst Du nichts weiß machen. Ich will's Dir in der Bibel zeigen, von des seeligen Vaters Hand geschrieben.

Du brauchst Dich nicht darum zu inkommodiren. Es ist mir auch gleichgiltig; wenn ich ihm nur gefalle und er mich liebt, kommt es auf ein Jahr mehr oder weniger nicht an.

Lächerlich! Herr von Schmielinski liebt nur Dein Geld, und Dein Vermögen gefällt ihm besser als Du.

Du ärgerst Dich,

Eine Frau

Fünfzig

Und aus Dir spricht nur der pure Neid. weil Dir die Erbschaft entgeht und Dich wieder einschränken mußt, wenn ich mich verheirathe.

Das war zu viel, mehr als die auf das Tiefste verletzte Stadträthin zu ertragen vermochte. Hingerissen und überwältigt von Zorn, Schmerz und Wuth kannte sie keine Rücksicht, keine Schonung mehr. Jetzt, wo sie nichts mehr zu hoffen und zu fürchten, nichts zu verlieren hatte, ließ sie ihrem lang zurück gehaltenen Groll freien Lauf, wie ein angeschwollener Bach, der alle Dämme zerreißt und alle Bande sprengt.

In ihrer maßlosen Heftigkeit überhäuften die Schwestern sich gegenseitig mit den bittersten Vorwürfen, mit den schwersten Beschuldigungen und Schmähungen; ärger als die grimmigsten Todtfeinde sprachen sie Dinge, die man nie verzeiht, stießen sie Worte aus, die man nie vergißt.

Alle Schwächen und Fehler wurden von Beiden hervorgesucht, alte Sünden wieder aufgewärmt, heimliche Vergehen an das Licht gezerrt, jugendliche Thorheiten und Kinderstreiche boshaft an gerechnet und in dem Schlamm und Schmutz der Vergangenheit herumgewühlt.

Wie ein Wassertropfen unter dem Mikroskop ein Gewimmel von ekelhaften Würmern und sich gegenseitig verfolgenden Schlangen zeigt, so entdeckten und vergrößerten ihre vom Haß geschärften Augen die verborgenen Flecken ihres ganzen Lebens.

Du warst immer eine schändliche Egoistin, eiferte die Stadt räthin,eine lieblose Kreatur.

Und Du eine ordinäre Intriguantin, ihren Vortheil sah, eine falsche Katze.

Deinen Mann hast Du betrogen und ihn so unglücklich ge macht, daß er sich aus Verzweiflung dem Trunke ergeben hat und am Delirium gestorben ist. Wenn er wüßte, wie Du Dich aufführst, würde er sich noch in seinem Grabe umdrehen.

Wenigstens kann er mir nicht vorwerfen, daß ich ihn durch schlechte Wirthschaft und Verschwendung ruinirt und an den Bettelstab gebracht habe, wie Du den Deinigen. Wenn ich nicht gewesen wäre, hättet Ihr verkommen müssen.

Die lumpigen paar Thaler sind nicht der Rede werth.

Natürlich hast Du mehr erwartet und auf mein ganzes Vermögen gerechnet. So lange Du noch hoffen konntest, mich zu beerben, war ich Deine liebe, Deine gute, Deine goldene

die nur immer auf

Schwester, heucheltest Du mir Liebe und Freundschaft. Aber ich bin nicht so dumm, wie Du glaubst, und lasse mich nicht von Deinen schönen Redensarten betrunken machen. Von mir be

kommt Ihr keinen Pfennig mehr; meinetwegen könnt Ihr ver hungern.

Behalte nur Dein Geld, damit es Herr von Schmielinski verspielt. Wenn er Alles durchgebracht, kannst Du mit ihm betteln gehen.

Das sollst Du bereuen. bei Dir.

Und ich werde Gott danken, wenn Du gehst.

(Schluß folgt.)

Ich bleibe keine Minute länger

In der Heimath.

Novelle von Hermann Birkenfeld. (Fortsetzung.)

Fünf Minuten später klapperte der Wagen über das Pflaster des Südhorner Gutshofes.

Und spät am Abend fuhr er durch Wind und Regen nach Kirchberg zurück. Aber ohne Wolf; Wind und Regen hatten den bei Steinwalds gehalten. Ueber den See war es herüber gekommen gegen Abend und brauste und zischte um das Gehöft herum, daß die eichenen Fensterläden ächzten und die beiden Linden des Hofes klatschend die letzten ihrer braungrünen Blätter auf das Pflaster warfen. Ein Abend, an welchem man sich un⸗ willkürlich nach der warmen Feuerstelle mit ihrem beruhigenden Flammenspiel und dem geheimnißvollen Geknister kräftiger Buchen⸗ scheite umsteht.

Rein unmöglich, daß Du bei solchem Wetter im offenen Wagen zurückfährst, hatte Fritz Steinwald gesagt,und wenn ich Dich auch in meinem verdeckten nach Kirchberg fahren lassen könnte, so thue ich es doch nicht. Meinethalben glaub', die Pferde wären mir zu schade macht gar nichts. In Kirchberg

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